Ein Gang durch das fürstliche Schloss

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Ausgabe Nummer 57 - Sonderausgabe 1036 BF

Ein Gang durch das fürstliche Schloss

Wie lebt unser geliebter Fürst? Welche Pracht, aber auch welche Betriebsamkeit, verbirgt sich hinter den Toren von Schloss Thalessia? Wir wollen den festlichen Anlass nutzen um der geneigtem Leserschaft einen einzigartigen Blick hinter die Mauern des Fürstenpalastes zu gewähren.


Vor dem Schloß


Wer sich der fürstlichen Residenz von Angbar aus nähert, den sorgsam erneuerten, ländlich geprägten Stadtteil Kruming durchquert hat, gelangt zunächst durch das Fürstentor. Ein Zierbogen mit kunstvoll geschmiedetem Doppelportal, den einige vermögende Mitglieder des Rates um Odoardo Markwardt der Fürstenfamilie gestiftet haben – zum einen freilich als Zeichen der Verbundenheit, aber auch, um die Grenze zwischen freier Reichsstadt und fürstlichem Gebiet zu markieren.

Dahinter breitet sich linkerhand der kunstvolle Fürstengarten aus. Auf den ersten Blick ein Ziergarten im liebfelder Stil, doch bei näherer Betrachtung erkennt man zwischen den duftenden Rosenbüschen, verspielten Gartenelfen und Einfassungen aus Buchs sorgsam symmetrisch platziertes Gemüse und Kräuterwerk, das letztlich auf den Tellern des fürstlichen Haushalts endet.

Umrahmt werden die Rabatten von allerlei Nutzgebäuden, wie den Pferdestallungen, der Futterscheune und der Kutschhalle, sowie dem in der Ecke emporragenden Greventurm. Dort sind die Angbarer Kammern und Schreibstuben der unermüdlich durchs Land ziehenden fürstlichen Amtsleute untergebracht.

Rechterhand der Straße breitet sich der Park aus, der den Ifirnsweiher wie ein grünes Gewand umsäumt. Ein beliebtes Ziel für Angler, Kinder und Liebespaare, die vor allem die runde Ruine des Tsatempels als romantischen Ort für ein Stelldichein schätzen.

An dieses liebliche Grün schmiegt sich die mit weißem Kiesel bestreute Straße und mündet schließlich in eine Brücke. Aus deren weißgrauem Granit wachsen die „Brückenzwerge“ - Statuen, welche die Tugenden eines glücklichen Lebens darstellen – vom geduldigen Angler, der hilfsbereiten Marktmamsell bis zum Genießer, der sich am Duft einer Wurst labt. Die Allegorien sind derart lebensecht dargestellt, dass sich das hartnäckige Gerücht hält, es handle sich um verzauberte Angroschim, die in Neumondnächten zum Leben erwachen. Diese fröhliche Schar geleitet den Reisenden zum eigentlichen Juwel der Anlage: dem Fürstenschloss Thalessia.

In hellgelbem Sandstein gefasst, ragen die weiß getünchten Mauern des Wasserschlosses empor, verspielt und stolz, doch ohne übertriebenen Protz. An den vier Ecken, je ein runder Turm mit spitzer Haube aus jenen rot glänzenden Ziegeln, die auch die anderen Dächer der Residenz schmücken – und dort gar ein Rautenmuster aus blut- und kirschrot bilden. Auch die Gläser der meisten Fenster bilden dieses Muster in Bleifassung nach, umrahmt von Sandstein und Fensterläden in den schwarz-grünen Farben des Hauses Eberstamm. Auf den vier Türmen wehen die Koscher Banner, an denen Kundige (dazu zählen schon die Angbarer Kinder) lesen können, ob der Fürst, die Fürstinmutter, der Erbprinz oder gar die Kaiserin anwesend ist. Vielleicht nicht das größte Schloss eines Provinzherren, auch nicht das prunkvollste, doch sicher eines der schönsten, sanft umspült vom glitzernden Nass des Angbarer Sees.


Der öffentliche Bereich


Wenn man den tagsüber meist offen stehenden Torbogen (1) erreicht, begrüßen einen zunächst die zwei wachhabenden Hellebardiere (deren Quartier (19) sich links von der Einfahrt befindet) und fragen nach dem Begehr. Geladene Gäste, Adelige, hohe Geweihte und zwergische Würdenträger, die bekannt sind oder sich glaubhaft als solche ausgeben, mag man gleich über den Ehrenhof zum Hauptportal vorlassen. Ansonsten wird man gegebenenfalls mitgeführte Waffen in Obhut nehmen und die Gäste zum Audienzportal verweisen, das sich gleich rechts nach der Einfahrt erhebt. Dort gelangt man zunächst in die Bürgerstube (2) – einem Wartesaal, der, wie viele Räumlichkeiten des Schlosses, auf heimelige Weise mit dunklem Holz vertäfelt wurde und allerlei Bänke und Stühle bietet – darunter auch gepolsterte für Geweihte, Bürgermeister, Greise oder werdende Mütter. Selbst für des Lesens unkundige leicht erkennbar an den Stickmustern auf den Lehnen. Bildnisse koscher Recken und Berühmtheiten, wie der Heiligen Vieska, des legendären Berghändlers Wilbur Sumspflog, aber auch Nottel vom See und Throndwig von Bregelsaum-Bodrin, künden von den großen Taten früherer treuer Untertanen und mahnen den Gast es ihnen Gleich zu tun.

Hinter einer Tür liegt die Schreibstube der Cantzley (3), in der man seine Anliegen vorbringen kann. Dort wird der Fall notiert und entweder gleich in die Mühlen der Bearbeitung geleitet oder ein Gespräch mit dem Cantzler vereinbart. An den Praiostagen hat der Fürst gar selbst ein Ohr für die besonderen Anliegen seiner Landeskinder, jeweils zwischen der zehnten Stund des Ingerimm und der zwölften des Götterfürsten. Zu den Audienzen gelangt man über eine kunstvoll verzierte hölzerne Treppe. Oben angelangt, erreicht man zunächst den Halbkreis des Historiensaals (21), der mit Intarsien aus der Koscher Geschichte geschmückt ist – von der Gründung Angbars bis zum Fall des Thronsräubers Porquid. Von hier aus kann man durch drei große zweiflügelige Portale (die ihrerseits mit historischen Szenen belegt sind) in verschiedene Gänge des Schlosses gelangen. Eine vierte, kleinere Tür, führt in die Amtsstube des Cantzlers (22). Der Hügelzwerg Nirwulf ist bekannt dafür, dass er sich keineswegs nur um Honoratioren kümmert, sondern dass alleine die Brisanz des Anliegens entscheidet, ob er den Bittsteller selbst empfängt.

Wenn der Fürst selbst zur Audienz ruft, gelangt man vom Historiensaal durch das neue Hilpertonportal direkt ins „Eiserne Spalier“ (36). So nennt der Volksmund jenen breiten Flur, aus dessen Wänden sich aus Metall getriebene überlebensgroße Figuren der Fürstinnen und Fürsten seit den Tagen Bernfreds vom Eberstamm schälen. Unter den wachsamen Augen dieser vergangenen Herrscher warten die Audienzsuchenden darauf in das Arbeitszimmer des Fürsten (39) vorgelassen zu werden. Betritt man den großen Raum, fällt der Blick sofort auf den großen Schreibtisch in dessen Mitte, dahinter der rote Sessel Seiner Durchlaucht. In dessen Hintergrund zeichnet sich die Silhouette Angbars durch große Fenster ab. Ein gleichsam würdevoller, wie einladender Anblick. Zur Rechten des Fürsten sitzt zumeist auch der Cantzler als dessen Berater. In den Ecken des Raumes wachen zudem zwei Gardegreven über das Wohl des Fürsten. Sie werfen wohl auch einen Blick auf die verschiedenen Kuriositäten aus der fürstlichen Sammlung, die den Raum zieren. Meist einstige Gastgeschenke, wie der ewige Schönheit verheißende Stirnreif Kaiserin Cellas, das Original der Koschkarte von Meister Hasenfusz, eine Tafel mit zwergischer Geheimschrift aus Koschim oder der giftsichere Humpen des ersten Braugreven.


Der verborgene Bereich Im Grundgeschoß

Das Erdgeschoss des Schlosses. © M. Lorber

Die übrigen Gefilde der Residenz werden dem Gemeinen Volk zumeist verborgen bleiben. Lediglich der liebreizende Ehrenhof (20) ist zu hohen Festen zugänglich, wie dem Fürstengeburtstag, Thronjubiläen oder prinzlichen Hochzeiten. Dann zeigen sich die Honoratioren auf dem Balkon und nehmen die Huldigungen entgegen. Für jeden Koscher sind diese seltenen Gelegenheiten ein unvergessliches Erlebnis.

Der Hof bildet den Kern der vierflügeligen Anlage. Von Frühling bis in den Herbst verzaubern Blumenreihen zwischen dem Grund- und dem Obergeschoss den Innenraum. An Festtagen wird er zudem mit Girlanden oder Bannern geschmückt. Am Boden des Ehrenhofs münden glaslose Fensterlein ins Untergeschoss, in dem sich allerlei Gesinderäume befinden, wie die Waschküche (seit den Tagen des stinkenden Mundschenks Sabbert hat hier die Dienerschaft wöchentlich zu baden), die Schlafkammern der einfachen Bediensteten oder die Speiseküche, die in ihrer prall gefüllten Gemütlichkeit wie ein hügelzwergisches Heim anmutet. Dort befindet sich auch eine große Zisterne (für den Fall, dass das Wasser im See verschmutzt sein sollte), zudem die Speise-, Bier-, Brennholz- und Warenlager, die über einen Steg am nördlichen Angbart-Turm (unter 4) per Lastkahn (manchmal freilich auch per Fuhrwerk über die Brücke) mit Nachschub versorgt werden. Einen weiteren Zugang zum See findet man im gegenüberliegenden Berndrich-Turm (unter 13) – dort kann man gar mit der fürstlichen Yacht Idamilia bis ins Innere fahren. Bevor düstere Gestalten Beute wittern: Beide Zugänge sind freilich mit Fallgittern aus bestem Zwergenstahl (und angeblich so manch ausgeklügelter Falle) gegen Eindringlinge geschützt.

Doch zurück ins Grundgeschoss. Wenn man den Ehrenhof von der Einfahrt aus überquert gelangt man zum Hauptportal – auch dieses prangt in den eberstammschen Farben Schwarz und Grün, gekrönt vom Koscher Wappen. Hat man die Ehre es durchschreiten zu dürfen, gelangt man in die Empfangshalle (10). Große brillantzwergische Buntglasfenster – dereinst ein Geschenk des Bergkönigs von Lorgolosch und entsprechend schwer als Replik wiederzubeschaffen – werfen ein güldenes Licht auf die mit Nussholzintarsien verkleideten Treppen, die sich in weitem Bogen elegant nach oben in die fürstlichen Privaträume schwingen. Eine gleichermaßen beeindruckende, wie heimelige Atmosphäre – die dank eines vergoldeten Kandelabers auch abends ihre Entsprechung findet. Hohe Gäste werden hier vom Fürsten empfangen. Geradewegs zwischen den Treppen steht eine überlebensgroße hölzerne Statue des ersten Fürsten Baduar. Er wacht über einen Gang, in dem mit Leder gepolsterte Bänke davon künden, dass hier ursprünglich der Wartesaal (11) für die Audienzen lag. Diesen Zweck erfüllt er nicht mehr, seit der junge Fürst Blasius entschied, dass sein Arbeitszimmer ein angenehmerer Ort für die Empfänge sei, als der zugige Thronsaal. Doch noch immer wacht der große Baduar über den Vorraum und wird von der Galerie seiner Nachfolger bis in die Tage der Priesterkaiser umrahmt. Fein säuberlich mit dünnen Metallintarsien eingelegt, blicken sie von den Wänden auf die Besucher herab und erinnern an die Größe dieses tausendjährigen Geschlechts. Nach ihrem Aufruf, begaben sich die Gäste in den Thronsaal (12), der heute nur-mehr bei Adelserhebungen oder Hoftagen genutzt wird. Man glaubt sich in die Zeit der ersten Kaiser zurück versetzt, wenn man diesen großen, aber schlichten Raum betritt. Fackeln und Leuchter aus schwarzem Metall werfen ihr warmes Licht auf den Boden aus Koschbasalt-Platten. Links und Rechts reihen sich rußschwarze Lauben aus grobem Eichenholz, dahinter die Bänke, die von den Adeligen der Provinz besetzt werden. Ihre bunten Banner ragen stolz in den ansonsten so düsteren Raum. Vorne schließlich, auf einem Podest aus Basalt, der Keilerthron – der ebenso aus längst vergangenen Tagen zu entstammen scheint. Tatsächlich wurde dieser Raum seinem Vorbild in der einstigen Burg zu Vadocia nachempfunden. Der Thron selbst, stammt aus den Tagen Bernfreds und wurde von der Zitadelle hierher gebracht. Selbst das Feuer des Alagrimm konnte dem Holz der wengenholmer Steineiche nichts anhaben, er blieb erhalten, wie auch die anderen Säle in dieser Ecke am Berndrich-Turm. Dies mag an der segensreichen Wirkung des Heimsteins gelegen haben, dersich hier befindet – und nach gleichermaßen Hügelzwergischer, wie Traviakirchlicher Tradition über das Wohl des Hauses wacht.

Zum unversehrten Berndrich-Turm gehört auch die Schlosskapelle (13), die gleichsam allen Zwölfen geweiht wurde. Steinerne Statuen der sechs Götter Praios, Peraine, Rondra, Travia, Ingerimm und Firun blicken aus Nischen herab, die übrigen Götter werden durch sechs der acht Säulen repräsentiert – von der Sternensäule des Phex bis zur Federsäule Borons. In der Mitte der Kapelle steht eine brennende Opferschale, die regelmäßig mit geweihter Kohle aus dem Haupttempel des Ingerimm versorgt wird. Umringt wird sie von Polstern, auf denen man sich zum Gebet niederlassen kann. Sollte ein Mitglied der Fürstenfamilie im Schloss versterben, versieht man es in der ersten Nacht in diesem Kapellenrund mit dem Salbungen des Boron, ehe es traditionsgemäß in feierlichem Zug zum Praiostempel getragen wird und nach dreitägiger Ehrenwache und Totenfeier mit der Schwarzen Kutsche nach Fürstenhort zur Beerdigung in der Familiengruft gelangt.

Glücklicherweise ebenfalls bewahrt blieb der benachbarte Rittersaal (14). Ein Gegenstück zum Steinernen Saal zu Fürstenhort. Tatsächlich steht auch hier eine Tafel mit acht Stühlen, an der sich führende Köpfe versammeln um Seine Durchlaucht zu beraten. Allerdings geht es hier glücklicherweise meist um friedlichere Themen als zu Fürstenhort, wo der traditionelle Kriegsrat gehalten wird. Gleichwohl ist auch dieser Saal mit allerlei Rüstzeug und Waffen geschmückt – wenngleich die wenigsten eine Schlacht gesehen haben. Vielmehr findet man hier Übungs- und Turnierzeug, wie den prinzlichen Haukerl und die letzte Lanze des Fürsten. An einer Seite findet sich auch ein Podest, auf dem sich zwei Duellanten in der Fechtkunst üben können. Wie es heißt, soll der junge Blasius dort so manch heldenhaften Sieg errungen haben – einmal gar gegen den seligen Herzog Jast (nach noch viel heldenhafterer Zecherei).

An den Rittersaal schließen sich vier Unterkünfte für Gäste an. Die Gemächer tragen die Namen der Grafschaften, wie sie noch zur Zeit der Erbauung des einstigen Schlosses bestanden, und sind entsprechend ausgeschmückt. So findet man im Ferdoker-Gemach (15) eine eindrucksvolle Sammlung kunstvoller Krüge und Zinnwaren, darunter auch Bildnisse der berühmten Lanzerinnen; im Schetzenecker Gemach (16) geht es bunt und bäuerlich zu (freilich nur auf den ersten Blick, denn die Möbel sind meisterliche Handwerkskunst aus erlesenem Material); während das Seeländer (17) Gegenstück verspielte hügelzwergische Szenen an den Wänden trägt. Das Wengenholmer Gemach (18) schließlich, könnte ebenso in einer Berghütte zu finden sein und hat statt der üblichen Doppelbetten gleich vier Daunenkojen. Hier soll der kindliche Prinz Edelbrecht dereinst mit befreundetem Jungadel das Leben reisender Abenteurer nachgestellt haben.

Im gegenüberliegenden Südostflügel finden sich die Räume einiger gehobener Dienstleute. Etwa des Seneschalks Kuniswart vom Eberstamm (4) (im Angbart-Turm), der allerdings oft auf den anderen fürstlichen Gütern unterwegs ist, der Hofgeweihten Ulabeth vom Pfade (5), einer stets mahnenden Praiotin, und des Oberhofkochs Filbu Minzholler (6), dessen Schnarchen selbst die dicken Mauern durchdringen und bis in den Gang hallen soll. Vor allem findet man im östlichen Teil zwei der prunkvollsten Räumlichkeiten überhaupt: Allen voran den Festsaal. Ein Traum aus weißem Granit vom Firunszapfen und silbernem Schmiedewerk – der Bau war ein Geschenk von Kaiser Hal, weswegen er auch Königssaal (8) genannt wird (Hal war, wie bei Kaisern üblich, auch König des Kosch). Nicht jeder im Hofstaat war begeistert, als es hieß, dass ausgerechnet eine halbelfische Baumeisterin diesen Bau gestaltet habe – doch das Ergebnis ließ die meisten Kritiker verstummen. Nur wenige, die sich bis heute weigern diese „verwunschene“ Halle zu betreten. Ihnen entgeht in der Tat eine zauberhafte Räumlichkeit, die zwar selten genutzt wird, aber stets einen unvergesslichen Eindruck hinterließ. Zuletzt beim Empfang Rohajas anlässlich ihrer Krönung zur Königin des Kosch oder beim Ball anlässlich der Hochzeit des Erbprinzen Anshold mit Nadyana von Wengenholm. Gespeist wird bei solchen Anlässen meist im benachbarten Karfunkelgewölbe (9) im Idamil-Turm – der mit kleinen Spiegeln und bunten Glassteinen einer glitzernden Grotte nachempfunden wurde.

Vom Festsaal gelangt man ins Fürstliche Lustspiel – mittlerweile auch gerne Blasius-Saal (7) genannt, weil dieses kleine Theater auf dessen Wunsch eingerichtet wurde. Noch vor der Premiere wurde es zum Schauplatz einer Tragödie, denn kaum war es vollendet, brannte es im Jahr des Feuers schon wieder nieder. Hoffen wir, dass diese schöne Bühne nun im zweiten Versuch viele Gelegenheiten bekommt ihren Gästen berauschende Stunden bei Musik und Spiel zu schenken. Auf weitere Tragödien jedenfalls, steht des Fürsten Sinn nicht. Schon jetzt wurden regelmäßige Auftritte der Angbarer Puppenbühne vereinbart. Der Festsaal, wie das Theater, erstrecken sich bis in das Obere Stockwerk, in dem sich der private Bereich des Fürstenhauses erstreckt.


Das Obergeschoss

Das Erdgeschoss des Schlosses. © M. Lorber

Selbst unter den hohen Gästen dürfen nur wenige diesen Bereich betreten, den man üblicherweise über das bereits beschriebene Treppenhaus erreicht. Linkerhand beginnen die Wohnbereiche des Hauses Eberstamm. Zunächst das Noggenbad (27), der fürstliche Baderaum mit benachbartem Ankleidezimmer. Ein Zuber aus edlem Holz und Metall steht inmitten des Raumes. Der Blick richtet sich auf den Angbarer See umrahmt von Szenen aus der Unterwasserwelt an den Wänden – von Fischen und den namensgebenden Noggen – dem legendären otterähnlichen Seevolk. Daneben liegt der Frühlingssalon (28), den einst Gunelida, die früh verstorbene Gattin von Fürst Blasius, einrichten ließ – ein Ort, an dem bis heute Damen unter sich bleiben. Seit Jahrzehnten wird der lindgrüne Raum mit den stilisierten Birken und Schmetterlingen an den Wänden vor allem von Fürstinmutter Thalessia genutzt, die dort zum Kaffeekränzchen einlädt. Außerdem nächtigt dort, in einem tagsüber zum Seitentisch umfunktionierten Bett, die Hofdame der Fürstinmutter, Elida von Cellastein.

Die persönlichen Räumlichkeiten der Altfürstin (29) grenzen direkt an. Der Berndrich-Turm hatte auch hier den Schlossbrand überstanden und blieb während der gesamten Bauarbeiten die Residenz der stets wachsamen Fürstinmutter. Kein Wunder, dass er unter den Bauarbeitern bald nur noch „Witwenturm“ genannt wurde. Benachbart gelangt man in das Quartier der Gardegreven (30), das sich über eine Wendeltreppe bis unter das Dach des Schlosses erstreckt. Im Unterschied zu den Hellebardieren, die zumeist als Tor- und Turmwächter eingesetzt werden, dienen die Gardegreven als Leibgarde der Fürsten- familie und ihrer Gäste. Ist die Familie außer Haus, ziehen sie mit. Eine gehobene Ehrenstellung, die bisweilen zu kleinen Neckereien zwischen den beiden Truppen führt. Wenn sie gerade nicht an der Seite eines Familienmitglieds stehen, gehen sie von ihrem Dienstzimmer im Obergeschoss aus auf Patrouille und wachen getreulich, dass den Bewohnern dieses Stockwerkes kein Leid zustößt.Die angrenzenden Stählernen (31), Mondsilber- (32) und Bronze-Gemächer (33) dienten einst vor allem als Schlafräume der Prinzen – seit deren Auszug hingegen, vor allem zur Beherbergung der höchsten Gäste – vom Markgrafen aufwärts (während die rangniederen in den Grafschaftsgemächern im Untergeschoss unterkommen). Dennoch übernachtet beispielsweise Prinz Edelbrecht, wenn er in Angbar weilt, nur allzu gerne in seinem gewohnten Stählernen Gemach (das freilich nicht aus Stahl ist, sondern lediglich in blaugrauen Tönen gehalten wurde). Dauergast im Vorzimmer des Bronzenen Gemachs ist mittlerweile die Traviageweihte Berngundis, die zu einer engen Vertrauten des Fürsten geworden ist. Jedes Gemach gliedert sich in ein Vorzimmer für maximal zwei mitreisende Bediensteten bzw. Wachen und ein Zimmer für die Herrschaften.

Die Güldenen Gemächer (34) nennt man den Kaisertrakt rund um den Holdwin-Turm. Wann immer Kaiserin Rohaja durch Angbar reist, wird sie hier mit ihren Leibdienern unterkommen. Direkt daneben findet sich das Schlafzimmer Seiner Durchlaucht (35). Traditionsgemäß wird es bei jedem Thronantritt nach den Wünschen des neuen Fürsten vollkommen neu gestaltet. Zum einen als Symbol der neuen Regentschaftszeit, zum anderen, weil man keinem Herren zumuten will, im Bette zu schlafen, in dem der Vater und Vorgänger vielleicht gar verstorben war. Das große Himmelbett, in dem Fürst Blasius heute nächtigt, wurde von dessen Knappenherren Waldemar von Weiden gestiftet. Das einstige Bett seines Vaters Berndrich (der allerdings bekanntermaßen nicht dort, sondern auf Maraskan starb) soll derweil an einen Angbarer Handelsherren verkauft worden sein. Der Fürst gelangt von seinem Gemach direkt in seine Arbeitsstube (39) über der Toreinfahrt. Hierhin münden auch die Räumlichkeiten des Cantzlers (22) (der u.a. die fürstlichen Siegel verwahrt), des Fürstlichen Hofjunkers (38) Polter von Stielzbruk und der Kammerdame (37), seiner Tochter Anghild. Ihre Stube war einst als Kammer des Leibritters gedacht, ein Amt, das jedoch seit Holdwins Zeiten unbesetzt blieb.

Jenseits der Zimmer des Cantzlers gelangt man erneut in den Angbart-Turm, in dem auf diesem Stockwerk die Halmdahls-Kemenate (23) untergebracht ist – ein Jagdzimmer mit allerlei präparierten Trophäen – vom Kopf eines Säbelzahntigers, bis zur Bolle. Freilich dürfen auch allerlei Valpodinger nicht fehlen – von denen einige aber keine echten Chimären, sondern nachträglich zusammengestückelte Exponate sein sollten. Das Herz des Raumes bildet der große Kamin mit den zwei Ohrensesseln, in denen der Fürst schon so manch dipomatische Verstimmung bei Pfeifenrauch und gutem Koscher Bier aus der Welt geschafft hat. Diverse gemütliche Abende klangen auch in der anliegenden Keilerstube (24) aus, der Nachbildung einer kleinen Schänke bei Auersbrück, die Fürst Berndrich einst so gut gefallen haben soll, dass er sie kurzerhand mitsamt Kachelofen und Holzbank in seinem Schloss nachbauen ließ. Unweit davon, im Nordwestflügel, findet man den Ammernsaal (25), in dem die fürstliche Tafel steht. Hier speist man zwischen Obstbaumfresken, deren Früchte appetitlich als Relief nachgeformt wurden und auf deren Zweigen man die namensgebenden Koschammern findet. Dafür, dass die Köstlichkeiten aus Meister Filbus Küche auch frisch und heiß im zwei Stockwerke höher gelegenen Tafelsaal ankommen, sorgt ein Speiseaufzug in der Ecke – ein Werk zwergischer Mechanikerkunst.

Schließlich sei noch die Bibliothek (26) im Idamil-Turm erwähnt, die man über den Laubengang im Festsaal erreichen kann und über dem die Kammer des Hofmagus liegt. Vor dem Brand waren diese Räume lange verwaist, nun richtet sich Erolân von Mersingen, dort ein… und mancher Bedienstete soll hoffen, dass der düstere Gesell seinen Turm möglichst selten verlässt.

Elida von Cellastein

Meisterinformationen

Zwerge auf der Brücke

Die Gerüchte bergen mehr Wahrheit in sich, als jemand ahnt. Vor knapp 1000 Jahren wurde das Hügelzwergendorf Bollgrimbel in einem entlegenen Tal der heutigen Baronie Birnbrosch von einem gewaltigen Bergrutsch bedroht. Als erster bemerkte der Dorfälteste Ardomar die Bedrohung, denn sein Gespür für Gefahren war stark und verlässlich. Ardomar war ein mächtiger Geode und verwandelte in Panik und Fürsorge alle Zwerge in seiner Umgebung in Stein (in einer mächtigen und permanenten Variante des Paralys). Tatsächlich überstanden sie die Katastrophe auf diese Weise, wurden aber unter mehreren Schritt Geröll begraben und vergessen. Erst viel Jahrunderte später wurden die versteinerten Bewohner von einigen Bergleuten wiederentdeckt und aufgegraben. Man hielt sie für meisterliche Werke eines längst vergessenen Bildhauers. Sie brachten die vermeintlichen Statuen zu ihrem Bergkönig in Koschim, der sie wiederum dem Fürsten Berndrich zum Geschenk anlässlich der Einweihung der (ersten Baues) von Schloss Thalessia machen sollte. Seiter zieren die "Brückenzwerge" den Steg zur Fürstenresiden. Man mag sich die Aufregung vorstellen, wenn eines Tages ein Magier auf die Idee kommt diese geheimnisvollen Figuren zu untersuchen und aus ihrer Versteinerung zu befreien. Wie wird es Zwergen aus derart entfernter Vergangenheit ergehen, wenn sie in unseren modernen Zeiten erwachen.

Zugang zum Angbart-Turm

Tatsächlich ist der Lieferanteneingang am Angbart-Turm nicht so gut gesichert wie angegeben. Die Fürstinmutter bestand darauf, die Steine am Tor so zu setzen, wie sie es in Erinnerung zu haben glaubte. Das führte dazu, dass das Fallgatter nicht mehr komplett schließt und mit einer um 13 erschwerten Körperkraftprobe geöffnet werden kann. Allerdings muss es einem Eindringling erst gelingen unerkannt über den See zum Liefersteg zu fahren - was vor allem dann schiwerig wird, wenn der darüber schlafende Seneschalk im Schloss weilt, denn Kuniswart hat das gehört eine wachsamen Kriegsveteranen.

Empfangshalle

Die großen Fenster aus geschliffenem Kristall, im Orginal eisnt ein Geschenk des Bergkönigs Orbal Sohn des Orim, waren in der Tat schwer zu bekommen. Das einstige Bergkönigreich Lorgolosch fiel der borbaradianischen Horden zum Opfer, so dass es der Hilfe gestandener Helden bedurfte, um eine Replik zu beschaffen. Wie dies gelang, darüber schiwegen sich die Recken aus - man munkelt von brillantzwergischen Meistern, die im Banne von Schwarzmagiern oder gar Dämonen waren, als sie die Fenster schufen. Zur Sicherheit ließ Hofpraiotin Ulabeth vom Pfade die Fenster in geweihtes Gold fassen - und wehe, ein Dieb erdreistet sich dereinst ein wenig des kostbaren Metalls stibitzen zu wollen... - er bekäme es wohl entweder mit dem Zorn des Götterfürsten oder mit der Macht entfesselter Daimonen zu tun.

Ferdoker Gemach

So mancher Gast hat schon die eine oder andere Zinnfigur als Andenken an die Nacht im Fürstenschloss mitgenommen. DIes geschieht so häufig, dass Kammerherrin Anghild von Stielzbruk mittlerweile aufgegeben hat, die Verluste zu zählen, sondern die Lücken gelegentlich mit billigen Neuczugängen auffüllt. Einige regelmäßife Gäste am Fürstenhof - wie Vogt Roban von Treublatt oder Baronin Neralda Cella von Nadoret - haben sich ein phexisches Spiel daraus gemacht möglichst viele der fürstlichen Souvenioers in ihren Besitz zu bringen. Sie ahnen nicht, dass der Hofmagus Erolân von Mersingen das eine oder andere Figürlein mittlerweile mit einem kleinen Zauber belegt hat - der den Dieb zeitweilig so manchen Ärger bereiten kann - von einem Schweierüsel bis zur Truthanstimme.

Wengenholmer Gemach

Prinz Edelbrecht hat als Kind mit seine Freunden (darunter seinem Bruder Idamil, Jallik von Wengenholm, Angrich von Zweizwiebeln, Anghard von Salmingen, Kungert vom Hochfeld und Arbel von Hirschingen) nicht nur das Leben heldenhafter Abenteuerter nachgespielt sonder nauch allerleit "erbeutete Schätze" versteckt, die er im Schloss zusammengetragen hat. Beute, die der mittlerweile längst erwachsene und nach Greifenfurt gezogene Fürstensohn längst vergessen hat. Darunter finden sich neben allerlei wertlosen Zierknöpfen und Glasperlen auch echte Juwelen und eine magische brosche - deren Wirkung seit Jahrzehnten keiner mehr kennt.

Königssaal

Tatsächlich hat die halbelfische Baumeisterin Yolanda von Gareth bei der Errichtung der Festhalle keinerlei Zaubersprüche eingesetzt. Sie hatte von ihrer elfischen Mutter vielmehr den Sinn für Proportionen und Feinheiten erhalten, von ihrem Vater dagegen die handwerkliche Fähigkeit , dies in Stein umzusetzen. Vor allem aber, war sie eine Akholutin der Rahja, deren Segen auf dem Ballsaal liegt. Allerdings schenkt eine Gruppe elfenfeindlicher Zwerge un den angesehen Geoden Ulgrasch den gerüchten von böser Zauberei Glauben und befürchtet, das hinter dem Werk der Baumeisterin der versuch steht, die Führung des Kosch auf magische Weise zu beeinflussen. Sie planen daher den schmuckvolle Saal durch ein Rutual vor diesem "gefährlichen Elfenfluch" zu befreien. Gut möglich, dass von diesem angeblich rettenden Ritual die eigentliche Gefahr ausgeht - denn die erst kürzlich in Ulgraschs Hände gelangte Formel stammt aus dunklen Quellen.

Karfunkelgewölbe

Der zwergische Baumeister hatte bei der Errichtung eines nicht bedacht: Unter den zahlreichen glitzernen Steinen, die das Gewölbe zieren, befinden sich auch einige Exemplare, die für Menschen giftig sein könnten. Ein Umstand, den ein übelwollender Finsterling für seine Pläne missbrauchen könnte, zumal ausgerechnet dort meist das Buffet für die Feiergäste aufgetisch wird. Ein guter Grund darauf zu achten, dass sich niemand an den Wänden des Raumes zu schaffen macht und das eine oder andere Mosaiksteinchen ins Essen mischt.

Noggenbad

Die Malerin der Fresken soll selbst als Kind in den See gefallen und von Noggen in ihre Welt entführt worden sein. In den Bildern gibt sie einen Einblick in das Leben des Unterwasservolkes, der nützlich sein kann, wenn man einmal selbst in diese Lage kommen sollte.

Gardegreven und Hellebardiere

Im jahr 915 Bf ließ Porquid, der finstere Graf von Ferdok, die Fürtenfamilie auf Burg Fürstenhort belabern. Die Feste fiel durch Verrat und nahezu das gesamte Geschlchet der Eberstamm wurde beim blutigen "Saustechen" ausgerottet. Einzig Holdwin konnte als kleiner Junger fliehen und später wieder auf den angestammten Thron zurück kehren. Dieses Erlebnis hatte sein Wesen für immer geprägt. Sein Leben vertraute er nicht mehr nur einer Leibritterin an, wie noch sein Vater tat, sondern einer Grevengarde. Hierfür ernannte er die zwölf vertrauenswürdigsten Veteranen jenes Kriegshaufens, der seinen Weg zum Thron erstritten hatte, zu seiner Leibwache. Sie folgten dem Fürsten und seiner Familie seither auf Schritt und Tritt, durch dick und dünn. Schied ein Gardegreve aus seinem Dienst, so trat meist ein Mitglied seiner Familie an dessen Stelle, so dass das hoge Amt zu einem quasi erblichen Privileg geworden ist. Die Gardengreven blicken aufgrund diser ruhmvollen Geschichte bisweilen etwas auf die Hellebardiere herab, die als Tor- und Turmwächter über die fürstlichen Schlösserwachen. Zumal viele Hellbardiere auf dem einfachen Volk kommen, während die Greven meist aus dem Neideradel oder angsehenen ANgroschimsippen stammen. Die Hellebardiere ihrerseits halten die Gardegreven für schlechtere Kämpfer, die ihr Amt nur ererbt haben, während sie sich an den Fürstenhof aufgrund ihrer Leistungen hochdienten. Diese gegenseitige Geringschätzung führt immer wieder zu kleineren Reibereien zwischen den Truppen, die von kleinen Streichen bis zu gelegentlichen Kräftemessen reichen. Dabei achten beide Teile tunlicht darauf, dass kein Außenstehender davon erfährt; wohlwissend, dass der Fürst es kaum dulden würde, wenn sich seine Hofsöldner unterinandern bekriegen.

Halmdahls-Kemenate

Unter all den zahllosen Jagdtrophäen befinden sich auch Exemplare, die noch immer gefährlich sein können. So trägt der Feuermolch noch immer Gift in seinem Maul. Zudem befindet sich unter den, meist harmlosen oder gar nachträglich aus allerlei Kleingetrier zusammengebastelten, Valpodingern eine echte kleine Chimäre (mit gewisser Ähnlichkeit zu einem kleinen Greifen), die einst von eienr Hexe verflucht wurde um sich an Seneschalk Vinan VII. zu räcken, der zeitweilig als leidenschaftlicher Hexenjäger unterwegs war. Wer es wagt dieser Chimäre in den Schnabel zu langen, löst damit einen Zauber aus, der alle im Raum befindlichen Präparate (dank Illusionsmagie zumindest scheinbar) zum Leben erweckt.