Vom ritterlichen Lanzengang
Von edelsten Geschlechtern: Vom ritterlichen Lanzengang
Am 15. Rondra begann endlich, worauf ganz Angbar freudig gewartet hatte: Die Ritter trafen sich im Kampf hoch zu Ross in der Tjoste, dem edelsten Wettstreit jedes Turniers. Wenn die Hufe donnern und die Erde der Kampfbahn aufwirbeln, wenn Mensch und Pferd mit Macht aufeinander zufliegen und die Lanzen auf die Schilde prallen, herrscht die höchste Aufregung auf dem Brodilsgrund.
Fünf Tage dauerte es, bis aus den 80 antretenden Adeligen ein Sieger ermittelt war. Wie immer galt es, den Gegner mit der Lanze aus dem Sattel zu heben. Gelang dies in drei Anritten keinem, wurde zum Sieger erklärt, wer mehr Lanzen am Schild des Gegners zerbrochen hatte. Herrschte Gleichstand, musste ein Fußkampf entscheiden, ebenso, wenn sich zwei Ritter gegenseitig vom Pferd stießen.
In der ersten Runde setzten sich weitgehend die Favoriten durch, einzig das Ausscheiden Vogt Ferons von Nadoret gegen Saria von Lindholz im ersten Anritt kam überraschend. Bejubelt wurden die vielen spannenden Duelle zwischen gleichwertigen Koscher Gegnern. Angbart von Salzmarken-See vermochte Korbrandt von Bösenbursch im dritten Gang aus dem Sattel zu stoßen, in gleicher Weise bezwang Halmar von Sindelsaum Berwin von Treublatt. Die Barone Baduar von Eichstein und Wolfhardt von der Wiesen stießen sich im dritten Anlauf gegenseitig vom Pferd, den Fußkampf entschied Baduar für sich. Pfalzgraf Reto von Bodrin und Baron Hagen von Salmingen zeigten in zwei Runden perfekte Schildtechnik; in der dritten gelang es dann beiden, ihre Lanze zu brechen. Am Boden vermochte sich Reto durchzusetzen. Besonders gefeiert wurde auch der Sieg Prinz Edelbrechts, der die Nordmärkerin Derya von Sturmfels im ersten Durchgang aus dem Sattel hob.
In der zweiten Runde geschah dasselbe aber Edelbrecht selbst gegen Rondradan vom Rhodenstein. Ein perfekt gezielter Stoß des Rondrianers ließ ihn vom Sattel rutschen. Einen Moment schien es, als könne sich der Prinz wieder hochziehen, doch verlor er den Halt am Sattelbaum und landete reglos im Staub. Das Publikum hielt den Atem an, die Heiler rannten schon in die Schranken - da rappelte sich Edelbrecht auf und humpelte zu Rondradan, um ihm zu gratulieren.
Auch für andere bekannte Koscher Tjoster endete der Wettstreit in der zweiten Runde. Holdwin vom Kargen Land konnte eine Lanze weniger brechen als der Weidener Widderich von Rauheneck. Niam von Eichstein unterlag Ardo von Keilholtz im Fußkampf, nachdem beide je eine Lanze gebrochen hatten. Großen Beifall erntete Niams Bruder Baduar von Eichstein, dessen präziser Angriff im dritten Anlauf Nimmgalf von Hirschfurten all sein Können abnötigte, um einen Sturz zu vermeiden, der aber nach Lanzen ausscheiden musste. Gisbrun von Treublatt verlor gegen den Weidener Aardor von Rauheneck mit eins zu drei Lanzen, er konnte sich bei aller Wucht der gegnerischen Stöße aber immerhin stets im Sattel halten. Anders seine Schwiegertochter Derya von Uztrutz, die der Außerkoscher Ritterin Jolenta von Galebfurten im ersten Durchgang unterlag. Wenigstens hatte sie es weiter gebracht als ihr Gatte Berwin.
In die dritte Runde schafften es auch drei Koscher, mit denen kaum jemand gerechnet hatte: der Reichsedle Therunbold von Cellastein, zwar ein Fürstlicher Schlachtreiter, aber bereits über 50 und seit längerem mehr der Rahja als der Rondra zugeneigt, Ritter Farelius von Silberquell aus dem Drakfolder Hinterland, der sich vor allem der Viehzucht widmet, und Eberhalm Bockzwingel auf Bockenbergen, ein junger fahrender Ritter aus den Wengenholmer Bergen. Farelius erreichte sogar Runde vier, in der die fünf Teilnehmer der Finalkämpfe bestimmt wurden. Zu den Siegern der dritten Runde zählten auch Nimmgalf gegen Pfalzgraf Reto und der Vogt von Salzmarken-See gegen Wehrmeister Thorben von Hammerschlag. Aufsehen erregte die Weidenerin Adaque von Mersingen, die in Runde zwei und drei nacheinander Vater Wulfhart und Sohn Ardo von Keilholtz aus dem Rennen warf.
Tatsächlich stammten fast die Hälfte der zehn verbliebenen Ritter in Runde vier dem Herzogtum Weiden: die Mersingerin, Gattin des Barons von Schneehag, und ihr Dienstritter Rauert von Runkel sowie die Barone Walthari von Leufels und Widderich von Rauheneck. Letztere mussten sich Nimmgalf sowie Halmar von Sindelsaum geschlagen geben, während Adaque Rondradan von Rhodenstein bezwang und Ritter Runkel Farelius von Silberquell. Angbart von Salzmarken-See gewann gegen den Hirschfurter Vasallen Merowin von Rosshagen nach Lanzen.
Somit standen die fünf Finalisten fest, die nun alle einmal gegeneinander antreten mussten. Nimmgalf und Adaque gewannen je drei ihrer vier Kämpfe, Halmar und Rauert je zwei. Einzig Angbart schien von Rondra verlassen und konnte keinen einzigen Sieg einfahren, ja er landete sogar jedes Mal am Boden. So trafen sich also Adaque und Nimmgalf in einem Stechen. Zuvor hatte die Weidenerin dieses Duell im Fußkampf für sich entschieden, diesmal aber verlor sie nach Lanzen. Der dritte Platz ging an Baronet Halmar von Sindelsaum.
