Von Nah und Fern kommen die Edlen herbei
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Von Nah und Fern kommen die Edlen herbei
Schon seit Ende Praios sah man sie durch die Tore der Ehernen einziehen: stolze Ritterinnen und Ritter auf ihren Streitrössern unter wehenden Bannern, gefolgt von den Knappen und Knechten mit Packpferden, darauf die Lanzen und Rüstungen gebunden, und bei manchen auch Zelte, die in einem prächtigen Lager um den Brodilsgrund aufgestellt wurden: zum einen, weil die Gastwirte der Capitale in diesen Tagen phexgefällig gutes Gold einforderten, was sich nicht jeder Kleinadlige leisten kann oder will; zum andern aber auch, weil es zum besonderen Turniergeist gehört, wenn sich Kontrahenten nach geschlagenem Kampf gemütlich um die Feuer zwischen den Zelten versammeln. Selbst Prinz Edelbrecht vom Eberstamm, des Fürsten Sohn, verschmähte sein Gemach auf der Thalessia und hauste mit seinen Greifenfurter Baronen Ardo von Keilholtz und Anshelm von Hundsgrab auf der grünen Aue.
Damit sind bereits drei genannt, von denen man im Turnier Großes erwarten durfte. Herr Edelbrecht war allerdings der Einzige von provinzherrlichem Rang, der teilnahm. Besonders vermisst wurde Hagrobald vom Großen Fluss, sah man die Herzöge der Nordmarken doch früher oft in den Schranken des Fürstenturniers. Vielleicht saß ihm seine Niederlage am Kaiserturnier zu Gareth gegen einen Weidener Baron einen Monat zuvor noch in den Knochen, wie manche spekulierten. Aber auch die Grafen des Kosch waren allesamt abwesend. Vom Grafen der Hügellande war eine Teilnahme nicht zu erwarten, liegt ihm doch die Schreibfeder besser in der Hand als die Turnierlanze, und wie des Öfteren besuchte er gerade das Hesindekloster St. Ancilla im Garetischen. Graf Jallik von Wengenholm hatte sich zwar angekündigt, doch blieb er auf der Angenburg, weil seine Gattin unter einem bösen Fieber litt. Graf Growin von Ferdok schließlich musste sich um die Unruhen kümmern, die in der Baronie Drift ausgebrochen waren und auch zur Zeit noch andauern.
Umso größer war die Freude, dass einer der größten Tjoster Garetiens sich einstellte: Baron Nimmgalf von Hirschfurten, fünfmaliger Sieger des Luringer Grafenturniers und Zweiter des Fürstenturniers von 1029 BF. Starke Konkurrenz mochte ihm aus dem Haus Mersingen erwachsen, mit den Vettern Merovahn, Pfalzgraf von Weidleth, und Welfert, Heermeister der Rabenmark. Für viel Aufsehen sorgte zudem ein Hüne von einem Mann aus Weiden, der Baron Walthari von Leufels.
Doch die Koscher Ritterschaft brauchte sich selbstverständlich nicht zu verstecken. Gisbrun von Treublatt hoffte gewiss darauf, seinen Triumph in der Tjoste von 1033 BF zu wiederholen. Allerdings munkelte man damals, es sei nicht alles mit rechten Dingen zugegangen, sodass die Herzen des Angbarer Publikums anderen zuflogen – etwa Pfalzgraf Reto Hluthar von Bodrin, Ritter Holdwin vom Kargen Land oder Ritterin Niam von Eichstein, die bei manchen als Geheimtipp gehandelt wurde. Für Zunder mochte auch sorgen, dass Gisbruns Sohn Berwin ebenfalls nach dem Sieg strebte – ebenso wie dessen Gattin Derya von Uztrutz. Familienduelle dieser Art versprachen einen besonderen Reiz in das Turnier zu bringen. Auch auf den Auftritt des Barons Hagen von Sturmfels waren viele gespannt – würde ihm die jahrelange Erfahrung aus dem Krieg im Osten auf dem Brodilsgrund nützen? Und dann waren da noch Veteranen wie Heermeister Thorben von Hammerschlag oder die Erbvögtin von Drakfold, Efferdane von Neuensteinigen. Oder sollte Rondra diesmal einem Unbekannten hold sein? Etwa dem nostrischen Ritter Horald von Hundeberg? Gespannt fieberte die Stadt der Eröffnung des Turniers entgegen.
