Nach Angbar zur Krönung!

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Ausgabe Nummer 60 - Hesinde 1041 BF

Nach Angbar zur Krönung!

Streit zwischen Wengenholmer Adligen und Gemeinen

RONDRASDANK, Ende Travia 1041 BF. Die Wengenholmer können stur sein; das ist gut, wenn’s gegen die Orken geht, doch schlecht, wenn’s gegeneinander ist. Dies zeigte sich nach der Einladung des Fürsten zur Feier seiner Krönung.

Wer in diesen Tagen an dem schmucken Dorf Rondrasdank vorbeikam, der mag sich sehr gewundert haben: Überall um und in der Siedlung waren Banner gehisst worden. Stolz wehten die Wappen von Wengenholmer Adelsfamilien im Wind. Ich erkannte die Wappen der hier eigentlich fremden Häuser von Falkenhag und Nadoret aus Albumin. Sie flogen neben den Wappen von alteingesessenen Geschlechtern aus Auersbrück wie die der von Zweizwiebeln, der Auersbrücker selbst, der Firntrutzer und der Angenfurter. Daneben waren aus Twergentrutz die Banner von Hartsteig und Tannerau gehisst worden. Auch aus Bärenklamm erkannte man die Zeichen der ehrwürdigen Familien Stippstrunk, Garstenfeld und Eichental. So viele Adelige waren anwesend und für viele ohne Hintergrundwissen sah es dort aus wie in einem Feldlager. Würden sich hier Truppen für einen weiteren Feldzug sammeln?

Doch der Grund war einfacher, wenn auch zugleich trauriger Natur. Diese adligen Familien hatten sich eingefunden, weil Fürst Blasius vom Kosch im Travia über das Nirgendmeer gesegelt war. Nun gab es einen neuen Fürsten, seinen Sohn Anshold, und dieser sollte in der Ehernen gekrönt werden. Die Wengenholmer Adligen wollten also gemeinsam nach Angbar ziehen, um an der Krönung teilzunehmen und um Fürst Anshold den Treueschwur vor Ort zu leisten.

Als ich hinzukam, hatten sich alle bereits zum Aufbruch fertig gemacht. Doch in diesem Moment kam eine weitere Gruppe wesentlich schlichter gekleideter Menschen hinzu. Ich konnte die Überraschung im Gesicht der Adligen erkennen, als sie erkannten, wer sich ihnen dort näherte. Es waren zahlreiche bürgerliche Sendriche und Sendrinnen aus dem ganzen Wengenholm. Ich erkannte die Vertreter der Sieben Ursendschaften aus Groinhag, Adlergang, vom Schröterstieg, von Twergental, aus der Trutz, Firnstein und vom Oberen Tal. Dazu kamen Leute aus Auersbrück, aus Rondrasdank selbst, von Ober- und Unterkosch sowie aus Lichtenhag, Dunkelhag und noch einige weitere. Ulwide Bocksbart ergriff zuerst das Wort:

„Im Namen unseres guten Bundes grüßen wir Euch, ehrwürdige Damen und Herren. Es sieht so aus, als wären hier einige Sendschaften versammelt. Lasst uns nun gemeinsam nach Angbar reisen.“ Da verzogen sich einige Gesichter, und für viele der Adligen schien es undenkbar, in Begleitung von einfachen Landmännern und -frauen zum neuen Fürsten aufzubrechen.

„Wir sind Abordnungen der ehrwürdigsten Wengenholmer Adelsfamilien!“, erklärte Salira von Garstenfeld mit donnernder Stimme. „Da brauchen wir nicht noch eine Meute an hageren Bauern im Gefolge, die sich an der Tafel des neuen Fürsten nur satt essen will.“ Bei diesen harten Worten erschien bei vielen der anwesenden Gemeinen die Zornesröte auf dem Gesicht.

„Wengenholm wird durch die Sendleute repräsentiert, die sowohl von adliger als auch von bürgerlicher Herkunft sein können,“ erklärte Bardo Hangklos mit vor Zorn schriller Stimme. „Und glaubt nicht, wir wüssten nicht, warum Ihr zum neuen Fürsten wollt! Es war ein harter Schlag für Euch und Eure Privilegien, als der alte Fürst den Schwurbund anerkannte. Jetzt hofft Ihr, den neuen Fürsten davon überreden zu können, den Bund aufzulösen, ist es nicht so?“

Grimmiges Gemurmel erklang, und nur mit Mühe konnten die verfeindeten Haufen daran gehindert werden, aufeinander loszugehen. Dank umsichtiger Personen von beiden Seiten wie der Geweihten Telka Simmerlerch und dem altehrwürdigen Niglas Bollenflug sowie bedachter Adliger wie dem Ritter von Eichental oder der Firntrutzer kam es nicht zum Äußersten. Doch eine Lösung schien es nicht zu geben – jedenfalls nicht, bis die Kutsche mit ihrer gräflichen Hoheit Mechtessa von Falkenhag, der Gräfin von Wengenholm, und ihrer Familie eintraf. Die Gräfin schenkte allen Anwesenden ihr schönstes Lächeln und meinte erfreut: „Wie wunderbar, dass hier so viele starke Ritter und so viele hilfsbereite Landleute anwesend sind. Ich muss gestehen, ich habe etwas Angst, mit meinen beiden jungen Kindern die lange, gefährliche Reise nach Angbar zurückzulegen, vor allem weil mein Mann ja bereits vorausgeritten ist. Aber mit euch allen an meiner Seite fühle ich mich schon weitaus besser.“

Nun schien es so, als würde ein Ruck durch die anwesenden Adligen gehen, und die meisten von ihnen schienen äußerst angetan von dem Vorschlag zu sein, mit der Gräfin nach Angbar zu reisen und sie den Weg über zu beschützen. „Macht Euch keine Sorgen, Herrin. Wir werden Euch vor jeder Gefahr schirmen“, meinte Angrich von Zweizwiebeln im Brustton der Überzeugung. Die Gräfin schenkte ihm ein freundliches Lächeln, und dann erklärte die Bocksbart: „Ihr könnt Euch auf uns verlassen Herrin. Ich hab’ schon für mehr Mäuler gekocht. Wir sorgen dafür, dass es keinen Hunger auf der Reise gibt.“ Gräfin Mechtessa klatsche begeistert in die Hände, und somit war es entschieden. Bürgerliche und Adlige reisten Seite an Seite gen Praios zur Krönung des neuen Fürsten.

Aufgezeichnet aus den Erinnerungen der anwesenden Kramboldin Jallischka Harterkuch