Alte Schuld bringt Leid und Tod

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Ausgabe Nummer 60 - Hesinde 1041 BF

Alte Schuld bringt Leid und Tod

Aufruhr um einen Bastard Graf Orsinos

BRN. SINDELSAUM, Hesinde 1041 BF. Ein lange gehütetes Geheimnis hat einen blutigen Familienzwist in den Hügellanden ausgelöst. Dabei hatte alles ganz feierlich begonnen: Auf Gut Beilklamm erwarteten Eberhelm von Treublatt und seine Frau Anghild von Entensteg die Rückkehr ihres Sohnes Bolzer von seiner Knappschaft in Weiden. Doch groß waren die Überraschung und der Zorn des Edlen, als er seinen vermeintlichen Erstgeborenen zum ersten Mal seit Jahren erblickte: Der junge Ritter war Graf Orsino von Falkenhag wie aus dem Gesicht geschnitten!

Allen Anwesenden, die den schönen Grafen noch selbst erlebt hatten, war sofort klar, dass dieser und nicht Eberhelm der Vater Bolzers war. Entsprechend peinlich berührt waren Gäste und Dienstpersonal. Eberhelm zog sich wutentbrannt von der Feier zurück.

Nur einige Zeit später sollte sich zeigen, welchen Plan er heimlich ersonnen hatte: Eberhelm hetzte einige Söldner unter der Führung von Ferk von Alrichsbaum auf seine eigene Frau und deren Sohn. Doch den beiden gelang es, in den Baduarsforst zu entkommen und schließlich erschöpft und kränkelnd Burg Entensteg zu erreichen, wo Anghilds Familie entsetzt auf die Ereignisse reagierte und den beiden selbstverständlich Zuflucht bot.

Schließlich beschloss das Haus Entensteg, zum Grafenhof nach Grauensee zu ziehen, um den Vorfall zu berichten. Eberhelm von Treublatt jedoch achtete den Kaiserfrieden auf der Reichsstraße III ebensowenig wie den Schutz von Heim und Herd und passte die Reisegruppe mit seinen Bewaffneten ab. Was als hitziges Wortgefecht begann, eskalierte schnell zu einem handfesten Waffengefecht, an dessen Ende Birgon von Entensteg tot zurückblieb. Eberhelm brachte seine Gefangenen siegesgewiss gen Grauensee unter der Annahme, seine untreue Gattin vor Gericht stellen zu können. Der gräfliche Richtgreve Gero vom Kargen Land ließ kurzerhand sämtliche Beteiligten festnehmen, um die Angelegenheit in aller Ruhe zu untersuchen. Die Sache hätte sich vielleicht noch Monate hingezogen. Allerdings gelang es Eberhelm unter nach wie vor nicht geklärten Umständen, aus dem Kerker zu entkommen.

Die Flucht wurde als Schuldeingeständnis gedeutet. Über Eberhelm von Treublatt und all seine Helfer wurde die Reichsacht verhängt. Anghild von Entensteg, die das Verhältnis mit Orsino von Falkenhag inzwischen reumütig zugegeben hatte, trat zur Buße eine Pilgerreise an. Bolzer, der selbst unschuldig an den Geschehnissen war und seine verletzte Mutter durch den Baduarsforst geführt hatte, hat inzwischen eine Anstellung beim Haus Falkenhag bekommen – was allerdings nicht als eine offizielle Anerkennung verstanden werden soll, wie dem Schreiber ausdrücklich aufgetragen wurde zu berichten. Das Lehen Beilklamm hingegen wurde weder den Entenstegs noch den Treublatts gegeben, sondern den Eichenholtzer Klosterlanden zugeschlagen. Als Vogt wurde Eichbart von Garnelhaun eingesetzt.

So geordnet die Dinge am Ende dieser Geschichte wieder scheinen, so wenig kann dies darüber hinwegtäuschen, welches Leid Geheimnisse und Rachsucht über zwei Familien gebracht haben. Dies diene uns als Mahnung, dass man die praiosgefällige Wahrheit und den Traviabund nicht ohne Strafe bricht!

Gobrom Findling