Fürst Blasius’ letzte Reise

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Fürst Blasius’ letzte Reise
Der Kosch nimmt Abschied von seinem Landesvater
FÜRSTENHORT, Boron 1041 BF. Die Fürsten des Hauses Eberstamm finden ihre letzte Ruhe traditionell in einer Gruft auf Burg Fürstenhort. Auch Fürst Blasius wurde Anfang Boron dort bestattet - unter Anteilnahme der ganzen Provinz. Ein eindrucksvoller Trauerzug gab ihm das letzte Geleit.
Blasius vom Eberstamm war im Volk für seine Bodenständigkeit und Leutseligkeit beliebt wie kaum ein anderer Herrscher. Deshalb sollten die Koscher auch Gelegenheit erhalten, sich von ihm zu verabschieden. Dazu wurde sein Leichnam am 20. Travia in Angbar auf dem Platz des Feuers aufgebahrt. Aus dem gesamten Umland strömten Menschen und Zwerge heran, um dem Fürsten die letzte Ehre zu erweisen.
Am 1. Boron machte sich der Leichenzug dann unter Führung von Prinz Anshold auf den Weg nach Fürstenhort. An diesem Tage fiel der erste Schnee, und die Kälte spiegelte den Gemütszustand der vielen Trauernden wider. Neben Abgesandten der Kirchen, der Bergkönige und der benachbarten Provinzen war fast das gesamte Haus Eberstamm präsent. Es fehlten einzig Prinz Edelbrecht, der bis Mitte Travia an den Friedensverhandlungen zu Mantrash’Mor teilgenommen hatte und eilig gen Angbar ritt, und Halwart, der als Burgsass die Ankunft des Trauerzugs auf Fürstenhort erwartete.
Es sollte ein langsamer Zug werden. Die sämtlich zusammengerufenen Fürstlichen Schlachtreiter bildeten den Anfang. Sie alle trugen schwarze Schilde, und Wehrmeister Thorben Raul Baduar von Hammerschlag, der ihnen voranritt, führte das alte Schlachtross des Fürsten am Zügel. Sein Sattel blieb für die Reise leer. Daraufhin folgte eine Musikkapelle, die getragene Trauerlieder spielte, dann die Abordnungen der Kirchen, die sich mit ihren Chorälen abwechselten. Hinter ihnen marschierten die Fürstlichen Hellebardiere und die Bergschützen. In ihren schwarzen Waffenröcken bildeten sie ein dichtes Spalier um das Fuhrwerk, das den offenen Sarg des Fürsten zog. Vorwitzige Vögel, die sich dem Sarg nähern wollten, wurden von den Bergschützen ohne viel Federlesens aus dem Himmel geschossen. Dem Fuhrwerk folgten der Erbprinz und Markgräfin Irmenella mit den weiteren Familienmitgliedern sowie enge Gefolgsleute, wie etwa der Cantzler Nirwulf Sohn des Negromon oder die Mitglieder der Gesellschaft der 42. Sie alle zogen zu Fuß hinter dem Wagen her. Den Abschluss bildeten Dutzende Adlige und Gesandtschaften aus dem Kosch und den benachbarten Reichen.
Man hatte mit Absicht den langen Weg über den Grevensteig bis Rhôndur und dann über den Rittersteig gewählt, damit das Volk, das zu Hunderten den Wegesrand säumte, Abschied von seinem geliebten Landesvater nehmen konnte. Entlang des Weges schlossen sich immer mehr Adlige und Abordnungen dem Zug an. In Fürstenhort waren schließlich sämtliche Barone des Kosch anwesend, ebenso wie Vertreter aus jeder bedeutenderen Siedlung der Provinz. Der Untere Hof der Burg Fürstenhort schien aus allen Nähten zu platzen und die Fürstlichen Hellebardiere hatten alle Mühe, die Ordnung aufrecht zu erhalten und nur die geladenen Gäste in den Oberen Hof vorzulassen. Die Familiengruft wiederum durften nur die wichtigsten Würdenträger betreten.
Da selbstverständlich nicht derart viel Volk auf längere Zeit auf Fürstenhort bewirtet werden konnte, fand schon am Tag nach der Ankunft, am 7. Boron, eine allgemeine Abschiedsfeier statt. Die Hofgeweihte Berngundis und Väterchen Lorthax Sohn des Loin hielten bewegend Rückblick auf das lange Leben und segensreiche Wirken Blasius’ vom Eberstamm, dann blies man die Jagdhörner des Fürsten (von denen er eine Menge besaß) zum letzten Abschied, und von den Bergen antworteten Wengenhörner aus allen Richtungen.
Nach dem Totenschmaus, zu dem im ganzen Städtchen Freibier und Würste gereicht wurden, zerstreute sich der Zug wieder, und Volk und Adel kehrten in ihre Heimat zurück. Die Treuesten der Barone und Ritter harrten aber aus, bis Prinz Edelbrecht endlich auf Fürstenhort eintraf und der Leichnam Seiner Durchlaucht feierlich im Sarkophag in der Fürstengruft zur Ruhe gelegt wurde.
