Hartsteiger Berggschicht`n - Reisevorbereitungen
In Sindelsaum, Anfang Peraine 1047 BF
Es war kein ungewöhnlicher Anblick, der sich den Reisenden auf dem Weg von Barabein Richtung Sindelsaum bot, als ein Angroscho und ein Mensch gemeinsam die Straßen entlang wanderten. Bei den beiden handelte es sich um den Wengenholmer Ritter Baerwin von Hartsteig und den Zwerg Rigolosch Sohn des Barox. Die zwei befanden sich auf einer kleinen Einkaufsrunde für eine geplante Inspektionsreise in die Wengenholmer Berge. Auf den Märkten der großen Stadt Angbar hatten sie bereits einiges besorgt, darunter einfache Zelte, warme Decken und zwei Maultiere, die jetzt als Tragetiere fungierten.
Aber es gab eine weitere Besorgung zu tätigen. Im Kosch-Kurier hatte Baerwin von den Hügelsaumer Sennenhunden erfahren. Ein Hund wäre für eine solche Reise sicherlich eine logische Verstärkung. Da diese Zucht relativ neu war, hoffte der junge Ritter außerdem auf einen guten Preis vom Herrn dieses Gutes, Thalian Has von Hügelsaum. „Das ist also dieses Hügelsaum. Nicht schlecht für ein Dorf, welches von meinen friedlichen Vettern gebaut wurde.“ Baerwin überlegte kurz und schüttelte dann den Kopf. „Nein, das ist Sindelsaum. Mein Bruder Arnulf hat es mir ganz genau beschrieben. An diesem Ufer des Flusses Sindel erhebt sich Sindelsaum, über den Fluss ist Hügelsaum. Die Leute mögen es hier gar nicht, wenn man sie mit dem anderen Dorf verwechselt.“
Verwundert blickte Rigolosch seinen Freund an, zuckte dann aber nur gleichmütig mit den Schultern. Die Großlinge waren manchmal wirklich nicht zu verstehen. Gemeinsam zogen sie durch Sindelsaum und über den Fluss in Richtung Hügelsaum. Dort fanden sie schnell eine freundliche Hügelzwergin, die ihnen den Weg Richtung des Gutes von Haus Has von Hügelsaum zeigte. Am Turm der Familie angekommen, hörten sie bereits einige laute Rufe. Offensichtlich schien es gerade Ärger zu geben, denn der Edle verließ in diesem Moment den Turm, indem er die Holztüre laut zufallen ließ. „Ja ja, ich hab dich schon verstanden, Schatz!“, meinte Baerwin noch gehört zu haben, ehe der Ritter sie bemerkte und nun freundlich begrüßte. Als er den Grund für den Besuch erfuhr, da hellte sich sein Gesicht merklich auf.
Freudig begleitete er sie zum Gebäude, wo die Hunde untergebracht waren. Der eigentliche Ausbilder, welcher der blöde Foldan genannt wurde, zeigte ihnen stolz die Tiere und der Ritter erklärte ihnen ausschweifend, was diese alles konnten. Allerdings waren die Tiere mit ihren wenigen Monden noch sehr jung, also nicht gerade das, was die beiden haben wollten. „Was ist mit dem Vater? Steht der zum Verkauf?“ Foldan kratzte sich am Hinterkopf und meinte: „Das muss der Herr entscheiden. Der vermutliche Vater eines Teil der Welpen ist selbst noch jung, so zwei Jahre alt. Er ist vor kurzem wieder zu unserem Hof gekommen. Aber ich muss euch warnen. Der Gute ist etwas Besonderes.“ Baerwin und Rigolosch sahen sich verwirrt an, als der Knecht das Tier holte. Doch als sie dann den Weißen Koscher sahen, da waren sie recht erstaunt. „Der ist ja riesig“, meinte Rigolosch beeindruckt. „Mehr Bär als Hund“, vollendete Baerwin den Satz und besah sich das Tier.
Ein normaler Weißer Koscher Sennenhund war wohl so an die 1,30 Schritt mit Schwanz lang und besaß eine Schulterhöhe von ungefähr 0,80 Schritt. Dieser war jedoch gute 1,40 Schritt lang, mit einer Schulterhöhe von knapp unter einem Schritt. Sein schwarz-weißes Fell wirkte etwas struppig und er besaß eine große weiße Stelle auf der Brust sowie um die Nase. „Ja, der gute Vitus ist schon was Besonderes. Aber er ist sehr brav und gutmütig“, erklärte Foldan. Angroscho und Mensch betrachteten das Tier genau. „Ihr sagtet zwei Jahre, keine Krankheiten?“, erkundigte sich Baerwin bei Thalian, aber stattdessen antwortete der Knecht. „Ja genau, beim Alter bin ich mir sicher. Das mit den Krankheiten weiß ich leider nicht. Der Gute ist wohl ein Streuner, denn er gehörte ursprünglich nicht zu diesem Hof. Aber er ist jetzt bereits fast drei Monde hier, ohne dass ihn jemand zurückgefordert hätte. Außerdem frisst er wie …“
Aber weiter kam der freundliche Mann nicht, denn Thalian war an seine Seite getreten und hatte ihm einen leichten Stoß mit dem Ellenbogen gegeben. „Was mein Hundeausbilder damit meint, ist, dass er für einen guten Preis zu haben ist. Seine Manneskraft hat er ja mittlerweile schon unter Beweis gestellt und für den nächsten Wurf werden wir wohl einen anderen Vater verwenden. Daher biete ich Euch den treuen Vitus für göttergefällige 12 Dukaten an. Was sagt Ihr dazu?“ Baerwin sah zu seinem Freund Rigolosch, der gerade begann, den großen Hund freundlich zu streicheln. „Ich denke, wir kommen ins Geschäft, guter Ritter Thalian“, meinte Baerwin überzeugt.