Eine alte Fährte - Ausgerutscht

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12. Ing 1043 BF am Mittag
Ausgerutscht


Kapitel 1

Aufbruch
Autor: Geron

12. Ingerimm 1043 BF

"AU, verflixt und zugenäht." Erlan hatte sich den Fluch nicht verkneifen können, denn er war mit dem linken Bein abgerutscht und gegen einen großen Stein geprallt. Dabei hatte er sein Gleichgewicht verloren und war der Länge nach hingeknallt. Seine Armbrust hatte er dabei unter sich begraben. Ächzend versuchte er sich aufzurappeln, aber sein linker Fuß wollte nicht so richtig.

"Alles klar bei dir, Erlan?", erkundigte sich Thalian bei seinem Lehnsherrn. Der Edle von Hügelsaum war hinter einem Baum hervorgetreten und blickte den Baron besorgt an.

Vorsichtig zog Erlan seinen Fuß aus dem Stiefel und tastete ihn ab. "Gebrochen ist nichts. Tut aber trotzdem ganz schön weh.", antwortete er an Thalian gewandt.

"Also geprellt?", erkundigte dieser sich.

Erlan nickte. "Oder verstaucht."

Thalian trat näher an ihn heran, nahm die Bolzen von den beiden Armbrüsten und entlud sie. Dann fiddelte er mit einem Gurt herum und brachte sie so an seinem Rücken an. Als er endlich fertig war, reichte er Erlan die Hand. "Komm, ich helf dir. Soweit sollten die anderen nicht weg sein."

Erlan ließ sich von seinem Nachbarn hochziehen und gemeinsam humpelten sie durch den Wald. "Vor zehn Jahren hätte ich auch nicht gedacht, dass ich dich durch den Wald schleppen würde.", resümierte Thalian. Erlan musste trotz der Anstrengung lachen. "Allerdings, damals hatten wir uns nicht so besonders gerne. Mehr Angst als vor dir hatte ich aber vor deiner Frau."

Nun musste auch Thalian lachen. "Ich habe auch mehr Angst vor ihr als sonst vor irgendjemandem."

"Hat sie sich denn gar nicht beruhigt?", erkundigte sich Erlan.

"Wie man's nimmt. Sie scheint mich ein wenig aufgegeben zu haben. Das hat allerdings auch sein Gutes. Sie schreit mich jetzt viel seltener an."

"Na immerhin."

"Bei dir war die Gemahlin aber auch lange nicht mehr daheim."

Erlan seufzte. "Da hast du leider recht. Alvide war ja die letzten Jahre immer viel auf Achse, aber jetzt, wo sie Wehrmeisterin ist, hat sie immer viel zu tun. Mit dem Aufbau der Sappeure und so."

"Immerhin ist Angbar nicht so weit weg.", wollte Thalian ihn trösten.

"Schon, aber ich bin hier daheim und nicht in der Reichsstadt.“

„Klingt, als wärst du ihr etwas böse.“

Erlan seufzte. „Ach, weißt du, mir war schon immer klar, dass sie sich vor Rondra beweisen wollte, drum war ich ihr auch nicht gram, als sie mit Danos in die Wildermark zog, oder sich in Dohlenfelde oder Drift schlug. Ich habe sie dabei immer nach Kräften unterstützt, aber das ist zuletzt ja gar nicht gut gelaufen. Ich dachte immer, dass sie nach einigen Feldzügen wieder mehr Zeit daheim verbringen würde. Insbesondere jetzt, wo Haffax endlich weg vom Fenster ist.“

Thalian nickte. „Ich würde mich freuen, wenn Mechte mehr Zeit außer Hauses verbringen würde, aber ich verstehe das trotzdem. Ihr zwei habt ja aus Liebe geheiratet, nicht so wie ich und Mechte. Auch ich habe einmal geliebt, ich kann dich also durchaus verstehen.“

„Ich weiß, dass ich etwas ungerecht bin, ich war ja auch ein paar Jahre Säckelmeister, aber ich habe mich immer bemüht, möglichst viel aus dem Dachsbau heraus zu arbeiten.“

„Du hattest aber auch den Luxus, dass du mit Brin einen guten Stellvertreter hattest, der dir viel Arbeit abgenommen hat.“

Erlan seufzte erneut. „Du hast wohl recht.“

Die nächste Weile verbrachten sie schweigend, mussten sie doch über einen kleinen Felsen klettern.

Die beiden Männer setzten sich für eine Weile hin, um zu verschnaufen. „Machst du dir eigentlich manchmal Sorgen um deine Kinder?“, erkundigte sich Erlan.

Thalian seufzte. „Natürlich, Perdita war ja immerhin mit den Lanzerinnen in Tobrien.“ Prüfend blickte er Erlan an. „Was liegt dir auf dem Herzen?“

„Ich mache mir ständig Sorgen um sie. Und das zurecht. Ifirnia ist in Tobrien gefallen und Firuna beim Brand in Barabein umgekommen. Ich weiß noch immer nicht, was genau dahinter steckt. Halmar hat Gerwulf neulich im Wengenholm in der Gesellschaft einiger Raubritter gesehen.“

Thalian wirkte überrascht. „Ich dachte, Gerwulf wäre in Barabein ums Leben gekommen.“

„Das dachte ich auch.“, erwiderte Erlan. „Aber er scheint überlebt zu haben und ist dann auch noch geflohen. Er muss also etwas auf dem Kerbholz haben.“

„Meinst du, er hat das Feuer gelegt?“

„Er muss damit auf jeden Fall etwas zu tun gehabt haben, sonst wäre er nicht geflohen.“

„Das heißt, der Brand war kein Unfall?“ Thalian wirkte bestürzt. „Wer würde im Kosch so etwas tun? Charissia vielleicht?“

Erlan zuckte resigniert die Schultern. „Der einzigen, der ich so eine Untat zutrauen würde, wäre sie. Zur selben Zeit hat Grimwulf Grobhand auch einen schweren Unfall erlitten. Du erinnerst dich sicher, dass wir damals kurz vor einer Fehde mit den Grobhands standen, uns dann aber doch haben aussöhnen können.“

„Meinst du, Charissia hat versucht, die Fehde anzuzetteln?“

„Ich vermute es. Sie versucht uns aufrechte Koscher auf Schritt und Tritt zu schwächen. Sonst würde mir beileibe niemand einfallen, der ein Interesse daran hat, uns solcherart zuzusetzen. Die Nadorets zum Beispiel würden viel offener vorgehen.“

„Charissia hat oft genug bewiesen, dass sie eine gewissenlose Schurkin ist. Du bist dem Haus Eberstamm ein treuer Vasall, es würde also schon Sinn machen, wenn sie dich schwächen wollte.“

Erlan nickte. Er war in Gedanken versunken.

„Wenn Halmar Gerwulf im Wengenholm gesehen hat, sollten wir dort vielleicht nach ihm suchen gehen.“, schlug Thalian vor.

Erlan straffte sich. „Du hast recht. Es ist an der Zeit, dass ich aufhöre, mich hier selbst zu bemitleiden. Wir sollten nur einen Vorwand finden, damit es nicht zu offensichtlich ist, dass wir nach ihm suchen.“

„Du könntest offiziell auf dem Weg zu Yolande sein. Sie ist doch in Greifenfurt irgendwo am Finsterkamm, da wird es niemanden wundern, wenn du einige Gefolgsleute mitnimmst.“

Erlan nickte. „Ach Yolande, über sie mache ich mir auch Sorgen. Sie ist so weit weg von zu Hause. Du hast recht. Ich werde sie wirklich besuchen. Es ist an der Zeit, dass ich mal wieder aktiv werde. Kommst du mit?“

Thalian nickte. „Natürlich, alles ist mir recht, um etwas Abstand zu Mechte zu gewinnen.“

Erlan lächelte. „Dann nehmen wir noch Larona und Ungolf mit, die beiden kennen sich beide in der Wildnis aus. Barthalm und Boronar können derweil die Augen in der Baronie selbst offen halten; falls etwas sein sollte, ist Alvide dann ja doch nicht so weit weg.“

Thalian lächelte. Es war schön, seinen Lehnsherrn voll soviel Tatendrang zu sehen. „Erst einmal musst du aber deinen Fuß auskurieren.“, ermahnte er den Baron. Erlan nickte. „Natürlich, das gibt uns etwas Zeit, um unsere Abreise vorzubereiten.“