Vier Tage voll fröhlichen Feierns

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Ausgabe Nummer 52 - Tsa 1033 BF

Vier Tage voll fröhlichen Feierns

Das Jungfernfest auf Schloss Grauensee

„Rauschend-rahjagefällig!“, so das einhellige Urteil des geladenen Adels über das Jungfernfest, welches seine Hochwohlgeboren Wilbur vom See vom 05. bis zum 08. Rahja in und um Schloss Grauensee ausrichtete. Und fürwahr: Wann hat man das letzte Mal so viele junge, hübsche Damen edler Abstammung gesehen? Aus dem gesamten Kosch und den Nachbarprovinzen waren sie in Begleitung ihrer Familien angereist. Allein der Platzmangel verbietet es uns hier, einige illustre Namen zu nennen, denn es ist kaum zu entscheiden, wessen Auftritt für die meisten Ausrufe spontaner Bewunderung sorgte. Wir wollen uns kein Urteil anmaßen durch die Erwähnung einer Person und die Auslassung anderer Namen.

Das junge Volk verstand es, die Stimmung beim Eröffnungsball an die Spitze zu treiben. Ohne Pause wurde das Tanzbein geschwungen, dass es für die Herrin Rahja eine Freude gewesen sein muss! Und der junge Graf befand sich selbst mittendrin in dem herrlichen Trubel! Ohne Versorgung mit allerlei köstlichen Happen und gekühlten Getränken (darunter ein hervorragender Weißwein) wäre den meisten Gästen wohl schon nach wenigen Stunden die Kraft ausgegangen.

Doch die Festivitäten sollten sich über mehrere Tage hinziehen. Schon am nächsten Vormittag begann ein Wettstreit der Barden um den Vortrag des schönsten sowie des traurigsten Liebesliedes. Die Jugend, welche noch am Abend zuvor kaum zu bändigen gewesen war, lauschte ergriffen. Dem Grafen selbst war anzusehen, wie sehr er bei der Schilderung unglücklicher Liebe die Dichtkunst zu schätzen wusste und sich ganz von der Stimmung einnehmen ließ. Verdienter Sieger im ersten Teil des Wettstreits wurde Wolfhardt von der Wiesen, den Preis für das traurigste Liebeslied trug Hernobert von Falkenhag davon. Am Abend stand erneut der Tanz im Vordergrund. Aufgrund der verwendeten Masken kann nur vermutet werden, wer mit dem schönsten Kostüm aufwartete und welche junge Dame sich am häufigsten mit Hochwohlgeboren durch den Ballsaal bewegte.

Am dritten Tag mischten sich die Feierlichkeiten endgültig mit denen des Seefestes, welches in diesen Tagen rund um den Saphir des Kosch stattfand. Die Gäste reisten per Schiff zunächst nach Angbar, wo die festlich geschmückte Flotte freundlich aufgenommen wurde. Von dort aus ging es weiter nach Pervalia.

Nach einem großen Bankett in den bereits fertig renovierten Räumlichkeiten der Kaiserpfalz, lustwandelten die Gäste durch den prächtigen Park, wobei einige der See-Anrainer die Nymphen-Statuen misstrauisch beäugten. Vor dem Aufbruch ans Festlandspielte dann im Pavillon noch eine zwergische Blaskapelle auf.

In Steenback hatte der rüstige Ritter Stordan ein Volksfest organisiert mit Tortenbackwettbewerb, Wettschwimmen und Baumstammweitwurf. Ausdrücklich eingeladen waren die Lutzenstränder, mit denen sich die Steenbacker traditionell nicht besonders gut verstehen. Doch an diesem Tag ging es friedlich zu und der Konkurrenzkampf bewegte sich im Rahmen der friedlichen Wettbewerbe. Ritterin Korisande von Lutzenstrand lud ihrerseits gleich zum Gegenbesuch ein, bei dem zwei Fässer guten Weines geleert wurden. Manchem gestandenen Hügelzwerg und alteingesessenem Koscher entlockte das Weinfest ein Kopfschütteln ob der „Liebfelder Sitten“. Die anschließende, etwas längere Strecke bis nach Burg Ibeck bildete den Rahmen für ein Wettsegeln. Dort klang der Abend mit einem Lichterfest aus.

Tags darauf ging es weiter nach Noggerschilf, wo einige glückliche Feiernde tatsächlich Noggen erblickt haben wollen. Im benachbarten Valpurg gab es eine Weinverkostung mit Zitieren von Liebesgedichten am Seeufer. Die nächste Etappe bildete Rohalssteg, wo ein Fischerstechen stattfand.

Am Abend des vierten Tages traf die Festflotte schließlich in dem idyllischen hügelzwergischen Ort Beutelstein im Sindelsaumschen ein. Baron Erlan von Sindelsaum hatte sich nicht lumpen lassen und alles für ein großes Fest vorbereitet. Die Tische waren unter ausladenden Kastanien platziert worden und boten den Gästen somit ruhige Sitzmöglichkeiten. Während das Essen serviert wurde, traten allerlei Gaukler und Feuerspucker auf, die die Gäste mit ihren Kunststücken zu verzaubern wussten.

In Begeisterung versetzte die Gäste der Hauptgang, bestehend aus köstlichen Hügelsaumer Hasenlendchen. Auch die Angbarer Brauerei hatte sich nicht lumpen lassen und ein spezielles Seefest-Bier geliefert, welches selbst die Ansprüche der pingeligsten Hügelzwerge mehr als erfüllt. Entlang des Seeufers und auch auf dem See selbst waren kleine Lichterboote verteilt worden, die die gesamte Szenerie in ein romantisches Licht tauchten.

Die Gäste übernachteten in einer eigens dafür aufgebauten Zeltstadt und so manche junge Maid suchte die Stimmung zu nutzen, um mit dem Grafen im kleinen Kreis ins Gespräch zu kommen.

Mit diesem stimmungsvollem Strauß an rahjagefälligen Festlichkeiten endete ein ebenso kurzweiliges wie abwechslungsreiches Programm. Graf Wilbur hat ohne Zweifel seine Gäste aufs beste unterhalten – und, wie man munkelt, so mancher jungen Dame Herz gebrochen.

Gobrom Findling

Manch ein Leser mag sich verwundert die Augen gerieben haben: Der schüchterne Graf Wilbur, alles andere als ein stolzer Ritter, soll plötzlich zum Herzensbrecher geworden sein? Tatsächlich hatten Ermst vom See und seine Verbündeten die Finger im Spiel. Sie hatten bereits im Namen des Grafen das Fest ausgerichtet (siehe Aufruf im KK47); da wollten sie jetzt bei der Berichterstattung nichts dem Zufall überlassen. Was das geschilderte Auftreten des Grafen betrifft, so ist eine gehörige Portion Skepsis angebracht. Zwar war er nach dem misslungenen Attentat für einen Moment ungewöhnlich selbstbewusst (siehe Briefspiel „Nisper Gewisper“). Ob dieses Selbstvertrauen jedoch noch anhielt, insbesondere als er sich inmitten junger hübscher Damen befand? Dazu kommt noch seine unglückliche Liebe zu Mechtessa von Falkenhag. Sicherlich hat der Graf alle ihm vorgestellten jungen Damen der Etikette gemäß begrüßt und dem äußeren Schein nach einige unbeschwerte fröhliche Tage verbracht. Wer kann jedoch sagen, ob er sich in seinem Innern nicht nach der einen gesehnt hat, die er nicht haben kann? Es mag durchaus sein, dass sich die eine oder andere Adelstochterfür Wilbur interessiert. Druck von der eigenen Familie kann hier ebenso eine Rolle spielen. Die Schilderung am Schluss des Artikels ist in jedem Fall eine große Schmeichelei.