Von einem entlegenen Ort, wo man dem Braugreven Wein vorsetzt

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Dörfer, Berge, Baronien – unser Kosch
Von einem entlegenen Ort, wo man dem Braugreven Wein vorsetzt
BRESSKELLEN, BRN. UZTRUTZ, im Travia 1041 BF. Ein junger Schreiber des KOSCH-KURIER begleitete den frisch ernannten Braugreven Menzel Rodebühler auf seiner ersten Reise und berichtet über ein besonderes Dorf im hintersten Teil des Schetzenecks, in das ansonsten nur selten Auswärtige kommen.
Vom Weg und der Gegend
Folgt man dem Weg von Pirkensee kommend um den gleichnamigen See herum in Richtung Knutenholz, zweigt auf halber Strecke ein Weg ab. Dieser verläuft durch ein langes, schmales, dicht bewaldetes Tal, welches links und rechts von ziemlich steilen Berghängen umschlossen ist. Am Ende des Weges erreicht man schließlich die abgelegene Siedlung Bollendorf, direkt an der Grenze zum Hinterkosch.
Während der Berghang nördlich des Weges der erste Teil der Almen ist, die zu den eigentlichen Gipfeln des Koschgebirges führen, ist der südliche Berghang Teil eines eigenen kleinen Höhenzuges. Ist über die Almen zumindest in der Baronie viel bekannt, kann über das kleine Gebirge kaum jemand etwas berichten. Mit einer Größe von gut zwölfeinhalb auf zehn Meilen und grob geformt wie ein Hufeisen, bildet es den südwestlichsten Teil der Baronie Uztrutz. Dabei zeigt die Öffnung des Hufeisens in Richtung Pirkensee. Zu Ehren des guten Kaisers Reto trägt es seit dessen Krönung 975 BF den Namen Retostuhl. Zum Großen Fluss noch durch den Elfenwald mit Frans Garten abgegrenzt, kennt es aber außerhalb der Baronie fast niemand.
Von der Geschichte des Dorfes
Mittig innerhalb des Höhenzuges befindet sich wohl eines der bisher abgelegensten Dörfer des ganzen Fürstentums: Bresskellen. Wobei es auf dem Dorfplatz eine Stele mit einer Inschrift gibt, welche belegt, dass der Ort wahrscheinlich eine der ältesten Siedlungen des Schetzeneck ist! Dort ist nämlich zu lesen, dass der Ort von Veteranen einer Bosparanischen Legion um 700 v. BF. zur Zeit von Yulag-Horas gegründet worden sein soll.
Das Dorf hat freilich eine sehr bewegte Geschichte. Mindestens dreimal wurde es seit seiner Gründung zerstört oder entvölkert und später wieder aufgebaut. Wobei zwischen dem einen und dem anderen manchmal mehrere hundert Jahre liegen. Die letzte Entvölkerung fand im unglücklichen Jahr 928 BF statt, als die Zorganpocken jeden Einzelnen seiner Bewohner töteten. Erst ab 975 BF und wahrscheinlich wegen der Benennung des Höhenzuges nach dem Kaiser kehrten langsam wieder Menschen zurück. Man darf es aber schon als Besonderheit ansehen, dass es immer wieder Menschen in diesen Teil des Koschs zurückgeführt hat.
Vom Wein, der hier angebaut wird
Eine weitere Besonderheit ist, dass die inneren Hänge der umgebenden Hügel einer der wenigen Orte im Fürstentum sind, an dem Wein gut gedeiht. Vier verschiedene und wohl nur hier vorkommende Traubensorten wachsen dort. Die Art, wie der Wein in Bresskellen hergestellt wird, ist durchaus der Erwähnung wert, ist sie doch ganz anders als in anderen Teilen Aventuriens und in klassischen Weinbaugebieten: Der geerntete Wein wird nicht etwa in Holzfässern, sondern nach der sogenannten Kvevri-Methode* hergestellt. Dabei wird (um es kurz zu machen, denn wie bei vielen Dingen ist es im Detail viel komplizierter) der Wein in großen eiförmigen Tongefäßen, die im Boden vergraben sind, gelagert.
Vom Urteil des Braugreven
In diesen Ort also kam, in Begleitung des Chronisten, der Braugreve Menzel Rodebühler, und zwar auf Einladung der Dorfgemeinschaft. In Bresskellen gab es nämlich um diese Zeit gleich zwei Dinge zu feiern: zum einen das Ende der jährlichen Weinlese, zum anderen die Fertigstellung einer Straße, die von Bresskellen nach Pirkensee führt und dem Ort dadurch einiges von seiner Abgeschiedenheit nehmen wird. Es war ein großartiges Fest, und der Chronist kann jedem, der gerne feiert, nur wärmstens empfehlen, Bresskellen zu dieser Zeit zu besuchen. Der Ort verfügt über einen hübschen Tanzplatz direkt bei der Dorflinde; dort treffen sich die Bewohner sehr häufig, um zu singen, zu feiern, zu essen und zu trinken. Man bekommt sehr schnell ein besonderes Gefühl für die enge Gemeinschaft in diesem entlegenen Ort.
Dennoch war Meister Rodebühler anfangs skeptisch ob der Einladung. Die Aussicht, wohl kein einziges Bier verkosten zu können und dazu auch noch Wein trinken zu müssen, hätte ihn fast dazu verleitet, die Einladung auszuschlagen. Doch dann hatte er sich gesagt, ein Ort ohne Bier im Koscherland – da tut ein Braugreve Not! Vor Ort ließ er sich dann aber überreden, alle vier Weine zu kosten – und er kam nicht umhin zuzugeben, dass dieser Rebensaft „durchaus trinkbar“ sei. Er fügte sogar hinzu, wenn man kein gutes Koscher Bier bekommen könne, dann wäre dieser Koscher Wein so einigen Gebräuen aus dem Hinter- oder Außerkosch vorzuziehen. Ob man sich auf diese Aussage angesichts seiner Jugend und geringen Erfahrung verlassen kann, wird sich zeigen. Die Bresskellener aber nahmen es als hohes Lob entgegen.
- In alten Aufzeichnungen auch Qvevri geschrieben.
„Hopfen und Malz,
Ing’rimm erhalt’s!“
„Die Liebe und das Blut der Reben
Hat uns Rahja gegeben!“
