Ein teuer erkämpfter Sieg

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Ausgabe Nummer 54 - Phex 1032 BF

Ein teuer erkaufter Sieg

Vom Fall der Stolzenburg

Schwierig ist es für den Chronisten, der fernab der Ereignisse in seiner Schreibstube den Gänsekiel spitzt, zuverlässige Kunde von Schlachtfeldern und Kriegsgebieten zu erhalten, und oft muss er aus einer Vielzahl von einander widersprechenden Meldungen und Erzählungen mühsam das Bild zusammensetzen, das er der geneigten Leserschaft präsentieren möchte. Umso dankbarer sind wir, den Bericht Adrans von Bärenstieg hier abdrucken zu können, der bereits im ganzen Reiche die Runde macht und getreulich die Ereignisse um den Fall der Stolzenburg zusammenfasst.

Es war der erste Tag im Rahjamond, als die geballte Heeresmacht des Kosch sich, erneut binnen weniger Monde, zusammenfand und gen Norden marschierte. Diesmal sollte uns gelingen, was uns im vergangenen Herbst nicht vergönnt war. Seit dem Zug des Alagrimm war der Norden der Grafschaft Wengenholm rauer geworden. Freilich waren die Zustände nicht annähernd so schlimm wie in der Wildermark, aber Graf Jallik und Fürst Blasius hatten zu den Waffen gerufen, um dort nun endlich für Ruhe zu sorgen. Nach dem Zerstörungszug hatten sich, anfangs unbemerkt, Zwerge aus dem Finsterkamm in der Stolzenburg eingenistet und damit begonnen, die reichen Albuminer Erzminen auszubeuten.

Nachdem wir im vergangenen Herbst ohne Belagerungsgerät keinen Erfolg gehabt hatten, waren wir diesmal besser vorbereitet. Während wir Schanzen aufwarfen, begannen unsere Wurfgeschütze damit, die mächtigen Mauern der Burg zu zertrümmern. Aber die Finsterzwerge zeigten sich unbeeindruckt und schossen zurück, doch damit nicht genug: Sie schwenkten das blutige Haupt eines Ebers über dem Tor und warfen ein Kleinkind über die Mauer. Ein Aufschrei erfasste das Heer, war der Eber doch das Wappentier des Fürstenhauses und das Kleinkind stand für die vielen Toten, die der Alagrimm gefordert hatte – nicht zuletzt für den Prinzen des Kosch, Holduin Hal, ein Knabe von nicht einmal einem Götterlauf.

Es sollte drei lange Wochen dauern, bis die Wurfmaschinen ihre Arbeit getan hatten. Graf Jallik aber war von der Idee besessen, die Berge, welche das Erztal umgeben, zu übersteigen und der Stolzenburg in den Rücken zu fallen. Immer wieder versuchte er, mit wenigen Getreuen, einen gangbaren Pfad zu finden, doch war uns kein Erfolg beschert. Beim Versuch, die Gobbelwand zu besteigen, wäre der Graf gar um Haaresbreite in den Abgrund gestürzt. Doch gerade als wir uns auf dem Rückweg von der Gobbelwand befanden – es war bereits dunkel geworden – stolperte der Graf und ließ seine Fackel fallen. Drei Schritt unter uns offenbarte sich eine enge Felsspalte, welche ein Stück durch den Berg zu gehen schien. „Von hier aus können wir ins Tal steigen und die Stolzenburg von hinten angehen“, rief einer der Begleiter des Grafen begeistert. „Ein Zeichen Angroschs!“, murmelte einer der zwergischen Kämpfer, und andere nickten zustimmend. „Angrosch weist uns den Weg“, stimmten andere zu.

So geschah es also, dass sich Graf Jallik mit einigem Gefolge aufmachte, durch den Spalt zu steigen, während das Hauptheer die Burg bestürmte. Die Gebirgserfahrung unserer Gruppe zahlte sich aus, und so fanden wir uns, nach einer langen und anstrengenden Kletterpartie, im Rücken der Stolzenburg wieder. Der Kampfeslärm war schon zu hören, aber auf unserer Seite war kein Feind zu sehen. Hastig überkletterten wir die niedrige Mauer und fielen den Finsterzwergen in den Rücken. Ihr Widerstand brach ob des Angriffs von beiden Seiten und sie rannten, wie die Hanghasen, in die Innere Burg.

Schon schlossen sich die Tore, aber ein rasch herbeigeführter Rammbock machte mit dem Holztor kurzen Prozess. Wir drängten hindurch und fanden uns im leeren Burghof wieder. Die Finsterzwerge waren wohl in den Bergfried geflohen, doch gerade als die ersten nach Leitern riefen, um den Bergfried zu erklimmen, brachen die Niederhöllen los. Brandpfeile flogen aus dem Bergfried heraus und fielen auf die hölzernen Nebengebäude der Burg nieder. Es war eine Falle, denn sogleich verwandelte sich die innere Burg in eine Flammenhölle. In Panik flohen wir aus dem Inferno, doch allzu viele fanden ihr Ende in dem Brand. In so manchem kamen dunkle Erinnerungen an den Alagrimm hoch. So blieb uns nichts anderes übrig, als abzuwarten, bis das Feuer erloschen war. Erst am nächsten Tag konnten wir den Angriff auf den Bergfried beginnen, aber kein Feind war zu sehen. Schon fürchteten wir den nächsten Hinterhalt, aber die Zwerge waren geflohen. Obwohl das Gestein hier als hart und unnachgiebig gilt, hatten sie einen Tunnel in den Fels geschlagen, der ihnen die Flucht ermöglicht hatte. An eine Verfolgung aber war nicht zu denken, war der Gang doch, ebenso wie die Erzminen, überflutet worden. Bei allem Hass auf ihre Vetter mussten einige Zwerge ob der Steinmetzleistung doch anerkennend nicken. Zurück aber ließen die Schurken einen gewaltigen Stein, in den sie die unten stehende Botschaft gemeißelt hatten.


GESCHLAGEN ABER NICHT BESIEGT DIE KÖNIGE UNTER DEM BERG SIND WIR

SO ZITTERT UND BANGT BIS UNSER ZORN EUCH TRIFFT

Wir hatten also gesiegt und das letzte Erbe des Alagrimm beseitigt. Doch der Sieg wurde uns getrübt durch die herben Verluste, die wir hatten erleiden müssen – und die Tatsache, dass die Erzminnen von den Finsterzwergen überflutet worden waren. Es würde noch eine Menge Arbeit zu tun sein, bis hier einmal wieder Erz abgebaut werden könnte.

So versammelten sich die Streiter des Heeres, die Bierhumpen in der Hand, um der Gefallenen zu gedenken. Graf Jalliks Stimme trug weit, als er rief: „So hebt den Krug zu Ehren der heldenhaften Gefallenen, dem guten Fürsten und dem Väterchen Ingerimm!“ Stumm folgte das Heer der Aufforderung des Grafen und hunderte Humpen erhoben sich. Von irgendwoher ertönte eine Stimme und begann zu singen: „Wohlan, ihr Koscher, stolz voran! Die Heimat gilts zu feiern.“ Und schon bald schmetterte das gesamte Heer, mit tiefer Inbrunst, das Koscher Lied.

Die wenigen gefangenen Finsterzwerge aber überbrachte Graf Jallik persönlich dem Bergkönig von Koschim. Väterchen Gilemon soll, zum ersten Mal, seit er sein Augenlicht und seinen Sohn an den Alagrimm verlor, gelächelt haben. Wie es heißt, grollte der Bergkönig: „Lasst ihnen die Köpfe, aber nehmt ihnen die Bärte.“

Ardan von Bärenstieg