Ein Besuch in Hartsteig - Ein hoher Gast im Hartsteiger Thal

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Ron 1047 BF
Ein hoher Gast im Hartsteiger Thal
Senf mit Honig


Kapitel 2

Autor: Rigolosch

Ende Rondra 1047 BF, Sendschaft Twergentrutz

„Was war denn das?“ Rigolosch kniff seine Augen zusammen und starrte angestrengt auf den schmalen Bergpfad vor ihm. „Waren das etwa Reiter?“ Hier soweit entfernt von der nächsten großen Straße kam dem Angroscho das doch merkwürdig vor. Er näherte sich unentdeckt dem Pfad der Berittenen und ging dann hinter einem großen Felsbrocken in Deckung. Dort nahm er seine Armbrust zur Hand, spannte sie und legte einen Bolzen auf. Man konnte ja nicht vorsichtig genug sein. Dann trat er offen hervor und grüßte die Reisenden gemäß der Tradition „Angrosch zum Gruße, was verschlägt euch denn in diesen Teil der Berge?“

Die beiden Reiter zogen überrascht an ihren Zügeln und brachten so die Pferde zum Anhalten. „Väterchen Angrosch sei gegrüßt, werter Herr Zwerg.“, erwiderte der vorderste Reiter in gutem Rogolan. „Mein Name ist Erlan von Sindelsaum. Ich bin hier, da ich das Hartsteiger Thal suche.“ Der Angroscho hob erstaunt eine Augenbraue und meinte, „Ich bin Rigolosch Sohn des Barox. Was wollt ihr denn im Hartsteiger Thal?“ Der Reiter, der sich als Erlan vorgestellt hatte, erklärte, dass er gerne einige Gläser des Hartsteiger Honigs erwerben wollte. Diese Erklärung und die edle Kleidung des Mannes sorgten dafür das Rigolosch sein Misstrauen aufgab. „Na, dann folgt mir, die Herrschaften. Ich werde euch hin führen.“

Nach einer kurzen Wegstrecke kamen Sie zu einer Anhöhe, an der sich ein schmaler Weg nach oben entlang schlängelte. „So, gleich sind wir da.“, meinte der Angroscho. „Wir müssen nur noch über den Gebirgspfad die Anhöhe vor uns überwinden.“ Als Rigolosch den missmutigen Blick der Reiter bemerkte, musste er sich kurz zusammenreißen, so dass er nicht hämisch grinste. Fast alle Besucher waren wenig begeistert davon, nach ihrer anstrengenden Wanderung durch die Berge auch noch eine Anhöhe erklimmen zu müssen. „Ich würde euch raten, abzusteigen und zu Fuß zu gehen. Der Weg ist schmal und steinig, nicht gerade ein Weg, der für Reiter gedacht ist.“, meinte der Angroscho und mit diesen Worten machten sie sich dann an den Aufstieg.

Der Zwerg ging vorneweg, dahinter dann kamen die beiden Besucher zu Fuß mit Ihren Pferden an den Zügeln. Der steinerne Pfad zog sich, und obwohl die heutige Sonne nicht allzu warm war, schwitzten doch bald alle. „Das ist aber ein ziemlicher harter Steig, lieber Rigolosch.“, meinte der Sindelsaumer. Der junge Angroscho grinste breit, wischte sich den Schweiß von der Stirn und meinte, „Nun wisst ihr sicherlich, wie die dortige Familie zu ihrem Namen kam. Deren Hof heißt Steigerhof. Um dorthin zu kommen, musste man über einen Pfad, der ungefähr so anstrengend ist wie dieser. Daher nahm deren Hausgründer den Namen von Hartsteig an, oder so erzählt man es sich zumindest bei uns daheim.“

Als die Gruppe dann auf der Anhöhe angekommen war, gab sich Ihnen der folgende Anblick:

Vor Ihnen lag ein grünes Tal umgeben von mächtigen Bergen. Im Firun des Tals konnte man das wirkliche Hochgebirge des Kosch erkennen, welches die Grenze zu den Nordmarken bildete und auf deren Bergspitzen selbst zu dieser Jahreszeit noch reichlich Schnee lag. Unterhalb dieser Berge blitzte das Wasser eines Bergsees, der offenbar vom Schmelzwasser der umliegenden Gipfel versorgt wurde. Im Rahja des Tals befand sich ein langgezogenes Waldgebiet mit zahlreichen Laub- und Nadelbäumen unterhalb der angrenzenden Berge. Doch das Ziel Ihrer Reise lag im Efferd des Tals, ein kleines Platzdorf, welches sich zu Füßen eines gewaltigen Berges befand, der augenscheinlich höher war als alle anderen in der näheren Umgebung. „Das ist der Isnasot, der mächtigste der hiesigen Berge. In seinem Inneren befindet sich meine Bergwacht Tosch Isnasotar.“, erklärte Rigolosch dem verschwitzten Erlan und seinem Pagen. „Das Dorf zu seinen Füßen heißt Angersteig. Hier leben die Gigrim und das Wäldchen ist der Trutzerforst.“, fuhr der Angroscho fort. „Und der See dahinter?“, erkundigte sich Idamil neugierig, aber hier verzog der Zwerg nur das Gesicht und meinte nach einem Moment des Schweigens, „Das ist der Murlo-See in Rogolan oder auch Gletschersee genannt. Meine Leute behaupten, dass dieses Wasser verwunschen ist, daher nähern und erwähnen wir ihn nach Möglichkeit nicht. Aber nun kommt, machen wir uns an den Abstieg.“

Baerwin gähnte ausgiebig und fuhr sich mit der Hand durch seinen kurzen Bart. Wache stehen war hier immer mehr als langweilig, passierte doch fast nie irgendetwas. Aber es war nun mal niemand anderes verfügbar. Sein Vater war in der Mine, ein paar Stützbalken erneuern, sein Großvater war mit den Tieren auf eine nahegelegen Weide in den Bergen gezogen und somit war nur noch er übrig. Gerade, als er weiter mit seinem Schicksal hadern wollte, da erkannte er, wie sich eine kleine Gruppe in Richtung des Dorfes bewegte. Überrascht strengte er seine Augen an und meinte dann vorneweg seinen guten Freund Rigolosch zu erkennen. Brachte der Angroscho da etwa Besucher? Eilig packte Baerwin seinen frisch gefüllten Bierkrug und verließ den Turm, um die Ankömmlinge zu begrüßen. Tatsächlich waren ihm die beiden Reisende hinter Rigolosch unbekannt.

„Garoschem Baerwin, ich bringe Besucher.“, rief Rigolosch schon von einiger Entfernung aus. Also schritt der junge Ritter zum Dorfeingang, der von zwei großen Tannen „bewacht“ wurde, heraus, um die Besucher angemessen zu begrüßen. „Firun und Angrosch zum Gruße, die Herren.“, begann der junge Ritter. „Es freut mich, euch im Hartsteiger Thal begrüßen zu dürfen. Ich bin Ritter Baerwin von Hartsteig, Enkel des Rodhelm, welcher der Sendrich dieses Thals ist. Mit wem habe ich hier das Vergnügen?“ Erlan saß ab und meinte, „Die Zwölfe zum Gruße. Schön, euch zu treffen, Ritter Baerwin. Ich bin Erlan von Sindelsaum und mich bringen geschäftliche Angelegenheiten in euer schönes Dorf. Das ist mein Page Idamil von Ochs.“ Baerwin reichte ihm seinen Bierkrug und meinte, „Dann seit willkommen in Angersteig, werter Herr. Hier, nehmt erst einmal einen Schluck nach dem harten Auf- und Abstieg.“

Während die Reisenden tranken, dachte Baerwin kurz nach. „Erlan, Erlan, der Name sagte ihm doch irgendetwas. Er betrachtete das Wappen mit dem Dachskopf auf dem Gewand des Mannes, da fiel es ihm wie Schuppen von den Augen. Mit brüchiger Stimme erkundigte er sich, „Seit ihr etwa Erlan, der Baron von Sindelsaum?“ Der so Angesprochene grinste schelmisch und meinte, „Nicht mehr, jetzt nur noch ein bescheidener Senfmüller. Mein Sohn führt mittlerweile die Baronie.“ Baerwins Mund wurde groß wie ein Scheunentor. „Ah, also Exzellenz, ich wollte nicht unhöflich sein und das Leichtbier …“ „War ein vorzüglicher Durstlöscher, Herr Ritter, noch einmal Dankeschön dafür.“, unterbrach ihn der Altbaron freundlich lächelnd. „Sagt, guter Baerwin, wäre es möglich, euren Großvater zu sprechen?“ Der Ritter räusperte sich etwas verlegen und meinte dann, „Im Moment leider nicht. Mein Großvater ist gerade auf einer unserer Almen. Aber er sollte heute Abend wieder zurück sein. Falls ihr also bis dahin warten wollt?“ Erlan nickte höflich, meinte aber, „Natürlich kann ich warten. Aber wärt ihr dann so gut und würdet mir in der Zwischenzeit euer schönes Dorf zeigen? Ich bin immer etwas neugierig, vor allem, wie man so in den Bergen wohnt.“ Da nickte Baerwin sofort mit dem Kopf. „Natürlich euer, äh Durchlaucht, es wäre mir eine Ehre. Folgt mir doch bitte.“

Der Weg ins Dorfes war ein einfacher, festgetretener Erdpfad, und auch das Dorf an sich wirkte wie die typische Wengenholmer Siedlung, die man wohl überall in der Grafschaft vorfinden konnte. Die 10 Häuser waren fast alle langgezogene Bauten, bei denen das Erdgeschoss in einer einfachen Grube im Boden untergebracht und aus Stein gemauert war. Darüber befand sich der hölzerne 1. Stock, welcher oftmals von einem Dach aus Holzschindeln geschützt wurde. Man sah hier überall die landestypischen hölzernen Fensterläden mit den schmalen Öffnungen dahinter, welche auch als Schießscharten benutzt werden konnten. Dazu kamen die mit Schnitzereien verzierten Holzbalken und Türen der Häuser. Wie so oft diente der Aufbau der Häuser einem einfachen Zweck. Während das Erdgeschoss vorne den Eingangsbereich, das Esszimmer und die Küche enthielt, waren im Obergeschoss die Schlafräume der Hausbewohner. Direkt hinter dem Haus befanden sich dann oftmals die Ställe des Viehs, so dass man diese schnell versorgen konnte. Außerdem halfen die Tiere mit Ihrer Körperwärme, das Haus im Winter auch warm zu halten. Man durfte als Bewohner nur keine allzu feine Nase und gute Ohren haben. Den Abschluss bildeten dann oft die schmalen Gärten hinter den Gebäuden, wo etwas Gemüse angebaut werden konnte, sowie die Häuschen für den Notdurft der Einwohner. Hin und wieder lagen hier auch große Misthaufen oder standen kleine Schuppen für Werkzeug und Anderes.

„Angersteig hat im Moment 55 Einwohner, darunter 3 Angroschim.“, erklärte Baerwin den Besuchern. „Unser Siedlung ist nichts besonderes, bis auf die zwergische Bergwacht und Mine in der Nachbarschaft. Die meisten der Angersteiger sind einfache Viehzüchter, vor allem Schafe und ein paar Kühe. Dazu stellen wir Käse her und eine Familie versteht sich sogar auf die Herstellung von Seilen. In dem Wäldchen, das ihr beim Abstieg gesehen habt, wohnt meine Großtante Linde. Sie ist Imkerin und produziert Honig. Außerdem versteht sie sich auch auf die Herstellung von Wachskerzen.“ Bei diesen Worten spitze Erlan die Ohren. „Das hört sich interessant an. Könnt Ihr mir nach eurer Führung diese Imkerin auch vorstellen?“ Baerwin war überrascht, meinte dann aber, dass es kein Problem wäre. „Es ist nur ein kurzer Weg zu ihr. Allerdings ist Sie etwas, naja, speziell, darum kann ich nicht versprechen, dass sie uns auch empfangen wird.“ Erlans Page sah sich um und meinte, „Gibt es hier denn keine Felder oder Obsthaine?“ Baerwin schüttelte zur Antwort nur den Kopf. „Es wurde versucht, hier Felder anzulegen, aber der Boden ist zu steinig und zu wenig ertragreich. Nur in der Nähe des Sees gibt es ein großes Flachsfeld. Das anzulegen war aber eine ziemliche Schufterei. Obstbäume gibt es hier bis auf wilde Beerensträucher auch keine. Die meisten freie Flächen sind Weiden für das Vieh. Wenn diese abgegrast sind, bringen wir die Tiere oft in höhere Lagen in den Bergen und im Herbst holen wir sie dann wieder zurück.“

Sie hatten nun den Dorfplatz erreicht, einen mit groben Kies ausgelegten, runden Platz, in deren Mitte sich ein gemauerter Brunnen und ein großer Eichenbaum mit weitreichenden Ästen befand. „Hier halten wir immer unsere Versammlungen und Gerichtstage ab. Den Brunnen haben die Angroschim für uns gegraben. Und direkt unter dem Baum seht ihr einen geschnitzten Schrein für den Gott Firun und seine Tochter Ifirn. Er wurde von meiner Großmutter gefertigt, die eine Geweihte der Schwanengleichen war. Ansonsten werden dort kleine Opfergaben dargebracht, wenn mal wieder jemand für längere Zeit ins Gebirge oder in die Wälder zieht. Einen richtigen Tempel der Zwölf werdet ihr bei uns aber vergebens suchen. Nur die Zwerge haben in Ihrer Bergwacht eine geweihte Stätte für Ihren Herrn Angrosch.“, führte Baerwin weiter aus. Rigolosch brummte zustimmend und meinte, „Einst war die hiesige Bergwacht auch von viel mehr Angroschim bewohnt. Wir hatten über 120 Bewohner. Aber nach dem Jahr des Feuers sind viele Sippen wieder zurück nach Koschim gezogen, um beim Wiederaufbau zu helfen. Nur meine Sippe blieb zurück, schließlich wollten wir unsere Heimat nicht aufgeben. Aber da wir jetzt nur noch 30 Köpfe haben, können wir die Hilfe unserer menschlichen Nachbarn immer gebrauchen.“ Dann erklärte er mit einem Augenaufschlag: „Außerdem kommen die Menschen ohne unsere Schmiede oder Mine sicher nicht zurecht.“ Darauf hin knufften sich Baerwin und Rigolosch freundschaftlich, bevor Sie die Gruppe weiterführten.

Sie erreichten nun ein Gebäude, das etwas größer war als die anderen Bauten des Dorfes. „Dies hier ist der Gutshof meiner Familie, der sogenannte Lissahof. Als meine Mutter Celissa meinen Vater heiratete, zog sie sich den Zorn ihres eigenen Vaters zu, da mein alter Herr nicht von adligem Blut war. Daraufhin zog meine Mutter und mein Vater direkt ins Dorf. um sich hier einen eigenen Hof zu bauen. Mein Vater ist Zimmerer, daher konnte er dieses Haus aus eigener Kraft erbauen. Mittlerweile haben sich Mutter und Großvater wieder versöhnt und daher übernimmt sie nun die Schreib- und Verwaltungsaufgaben für das ganze Thal.“ Verwirrt sah der Sindelsaumer zu dem Gebäude. „Aber wenn dies nicht das Haus des Ritters Rodhelm ist, wo wohnt der gute Mann dann? Dort in dem Turm?“ Der junge Ritter schüttelte leicht den Kopf und meinte, „Fast, den Turm hier bewohnt Großvater vor allem im Winter. Den Rest des Jahres verbringt er meistens weiter oben.“ Mit diesen Worten zeigte er ein Stück weiter nach oben, zu einem etwas abseits gelegenen, vollständig aus Stein gebauten Gutshaus an einer der Flanken des großen Berges. Die Mienen der Besucher verdunkelten sich etwas, denn Ihnen wurde bewusst, dass wohl ein weiterer anstrengender Aufstieg auf Sie wartete. „Dort oben befindet sich das ursprüngliche Heim der Familie Hartsteig. Das ist das älteres Menschengebäude hier, der Steigerhof. Mein Großvater bewohnt ihn vor allem noch aus Gründen der Tradition. Außerdem hat man von hier einen wunderbaren Blick ins Thal und kann gut alles überblicken.“ Rigolosch fuhr fort „Der Turm, den Ihr erwähnt habt, beschützt den Aufgang. Aber man kommt hier nicht nur zum Steigerhof, denn hinter ihm, direkt im Fels des Berges, befindet sich auch die Bergwacht meines Volkes. Um von dort ins Thal zu kommen, haben wir genau achthundertachtzehn Stufen in den Fels getrieben. Aber ihr braucht euch keine Sorgen wegen der Steigung zu machen. Wir haben hier steinerne Pfosten eingeschlagen, zwischen denen Seile gespannt ist. Mit Hilfe dieses Geländers kommt man ohne Probleme nach oben. Zumindest ohne die Pferde.“

Erlans Page verdrehten leicht die Augen, doch der Altbaron erkundigte sich höflich, „Ist das nicht etwas unpraktisch, wenn das Dorf im Tal, die Mine aber dort oben ist?“ Daraufhin schüttelte Rigolosch den Kopf, „Nein, nein. Das dort oben ist nur die alte Mine. Hier haben wir einst Erze abgebaut, aber mittlerweile befinden sich dort nur noch unsere Wohnräume und unser Tempel. Jeden Morgen öffnen sich die steinernen Tore und unsereins marschiert runter ins Thal, um dort seinem Tagwerk nachzugehen. Die neue Mine seht ihr hier, am Fuße des Berges. Die haben wir gegraben, weil hier mehr Platz für unsere Erzschmelze und unsere Schmiede war. Außerdem sind die Erzgänge dort reichhaltiger. Kommt, ich zeige euch die Schmiede.“ Der stämmige Zwerg marschierte voran und je näher sie kamen, desto lauter wurde das hämmernde Geräusch, wenn Eisen auf Eisen traf. Auch die Töne von Spitzhacken, die in Fels geschlagen oder wenn Steine gebrochen werden, wurde nun immer lauter. Aus einer Flanke des Berges quoll dichter schwarzer Rauch in den Himmel, ein untrügliches Zeichen für die Schmelze. Die Schmiede wiederum war außerhalb des Berges gebaut worden und sah wie die typische Werkstatt der Angroschim aus. Als sie jedoch näher kamen, hörten Sie von drinnen einige ziemlich deftige Flüche in Rogolan. „Das ist der Geweihte und unsere Schmiede-Angroscha. Offensichtlich scheint gerade etwas nicht zu klappen.“, meinte Baerwin peinlich berührt. Rigolosch kratzte sich kurz am Kopf und stellt dann fest, „Ich denke, wir sollten jetzt besser nicht stören. Sollen wir vielleicht erst mal in die Schänke gehen?“

„Ihr habt hier eine Schenke?“, kam es überrascht vom Sindelsaumer. Baerwin bejahte und führte sie direkt zum Gebäude gegenüber. Das hölzerne Schild am Gebäude zeigte einen gefüllten Bierkrug mit einem Hammer darunter. „Das hier ist wohl der beliebteste Ort im Dorf. Unsere Schenke der Bierhammer.“ Mit diesen Worten ließ der junge Ritter die Reisende hinein und die Besucher erblickten eine gemütliche Stube mit einem langen Tresen aus Holz, einem gemauerten Kamin und einigen hölzernen Tischen und Bänken darin, das meiste in Zwergengröße. „Die Besitzer sind ein Hügelzwerg und eine Erzzwergin mit ihrer gemeinsamen Tochter. Sie bieten süffiges Bier und guten Selbstgebrannten an. Dazu kann man auch Speisen erwerben. Vor allem das Wildbret und die Pilzgerichte sind ein Gedicht.“, führte Baerwin weiter aus. „Vergiss nicht den Käse!“, kam es von hinter dem Tresen. Im nächsten Moment tauchte dort ein untersetzter, stämmiger Mann auf, dicht gefolgt von einem schlanken Zwerg mit einer Schürze und einem gepflegten Schnauzbart. „Natürlich, wie konnte ich den nur vergessen? Meine werten Herren, das ist Ontho Grasmeier. Er ist der größte Viehbauer am Ort und unser hiesiger Hersteller von würzigem Käse. Und der Angroscho hinter ihm ist Burri Sohn des Ogrim genannt Krugreicher, unser Wirt und ein hervorragender Koch, vor allem für Pilze und Wild.“ Der junge Ritter stellte die Besucher vor und nun wurden auch deren Augen groß. Ontho war begeistert von diesem hohen Besuch und versprach dem Altbaron sofort eines seiner besten Käseräder zu bringen, damit dieser es kosten und beurteilen konnte. Burri erklärte ein besonderes Gericht zur Begrüßung der Gäste zu zaubern. „Mein Rehfleisch mit Schmelzkäse, Rahmsoße und Steinpilzen wird euch auf der Zunge zergehen. Dauert aber ein wenig.“ Erlan lächelte erfreut und meinte, „Vielen Dank. Dann können wir ja in der Zwischenzeit noch eure Imkerin besuchen, oder?“

Rigolosch und Baerwin führten Erlan und Idamil nun über einen schmalen Pfad aus dem Dorf hinaus in Richtung des Trutzerwaldes. „Mir ist aufgefallen, Ritter Baerwin, dass der gute Herr Grasmeier euch recht ähnlich sieht. Seit ihr mit ihm verwandt?“, wollte der Page wissen. Baerwin rieb sich verlegen über den Hinterkopf und meinte dann, „Nun, das ist ein kleines, abgelegenes Dorf. Ich bin wohl mit der Hälfte der Einwohner hier irgendwie verwandt. Genauso, wie der gute Rigolosch mit den meisten Zwergen hier.“ Überrascht sah ihn Idamil an, doch für den Altbaron war dies klar. Vielen Rittern in den Bergen ging es da mit ihren Dörfern ganz ähnlich. Der Weg war nicht weit und bald hörten sie das laute Summen der Bienen. „Meine Großtante hat ihre Bienenkästen direkt an den Seiten des Weges errichtet. Sie meint, dass die Bienen dann gleich beurteilen, wer zu ihr kommen darf. Ich rate euch daher, bis zur Tür ihres Hauses nicht laut zu sprechen und keine hektischen Bewegungen zu machen. Und bleibt auf dem Pfad, wenn Großtante Linde euch in ihren Blumen sieht, will ich gar nicht wissen, was sie mit uns tun wird. Wütende Bienen wären dagegen wohl harmlos.“ Die letzten Worten wurden jedoch bereits von dem Brummen der Tiere übertönt. Vorsichtig bahnten sie sich einen Weg zu dem kleinen Fachwerkhaus mit einem Dach aus Moos, welches am Rande des Waldes erbaut war. Vor dem Haus erstreckte sich eine große, bunte Blumenwiese, wo die Bienen bereits fleißig ihre Arbeit verrichteten.

Vorsichtig klopfte Baerwin an der Tür und dann wurde ihnen von einer hageren, untersetzten Frau geöffnet. Die Haare der Frau waren bereits grau, trotzdem wirkte sie noch rüstig. „Ah Baerli, wie schön, dass du mich mal wieder besuchst. Komm doch herein. Und Besuch hast du auch mitgebracht?“ Baerwin wirkte etwas unwohl angesichts seines familiären Spitznamen und begann daher eiligst die Besucher erneut vorzustellen. Linde blickte sie neugierig an. „Erlan von Sindelsaum, da klingelt was bei mir. Ich meine, von eurem Wettstreit um den Baronsreif im Kosch-Kurier gelesen zu haben.“ Erlan verbeugte sich höflich und dann begann auch schon ein längeres Gespräch. Schließlich kam Erlan zum wahren Grund seines Besuches. „Natürlich könnt ihr meinen Honig probieren. Ich hole euch gleich eines meiner besten Gläser.“, meinte Baerwins Großtante daraufhin und verschwand im hinteren Teil ihres Hauses. Als sie zurückkam, trug sie ein hölzernes Gefäß mit bernsteinfarbener Füllung, einen eisernen Löffel und einen Laib Brot mit sich. „Hier, versucht mal diesen.“

Erlan setzte sich auf den bereitgestellten Stuhl und kostete dann von dem Honig. Nach einem Moment des Abschmecken meinte er, „Hervorragend. Vollmundiger Geschmack, aromatischer Geruch. Gute Konsistenz.“ Dann schmierte er sich eine Scheibe Brot mit Honig und gab auch eine an seinen Pagen weiter. Baerwins Großtante schien sehr erfreut über das Lob zu sein. „Meine Bienen sind sehr fleißig und fliegen lange Strecken, um den besten Nektar zu finden. Dank den Blumen in den Bergen erhält er seinen besonderen Geschmack. Vor allem lieben sie das Ifirnsweiß. Ich denke, diese heilige Blume sorgt für den besonderen Geschmack.“ Dann folgte einiges an Fachsimpeln über den Geschmack und Eigenschaften von Honig. Rigolosch, Baerwin und Idamil hörten stumm zu, wie die beiden Herrschaften fachsimpelten. Als Erlan jedoch dann erklärte, welche Menge und welchen Preis er dafür zahlen wollte, da wurden Lindes Augen groß. „So viel?“ Verwirrt blicke Erlan sie an. „Wie meinen?“ „Ich meine so viel Honig. Das ist wohl mehr als ich produzieren kann. Außerdem bleibt dann wohl fast nichts für unser Dorf übrig. Ich denke, wir sollten davor erst einmal deinen Großvater und meinen lieben Bruder aufsuchen Baerli.“ Baerwin seufzte leise und meinte, „Ja Tante.“