Wetterkund und Bauernschläue

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Ausgabe Nummer 28 - Tsa 1023 BF

Wetterkund und Bauernschläue

Aus der Sinnspruchsammlung des Hanusch Sackfold aus Steinbrücken

Gar viele fromme und weise Sprüche haben die Altvorderen geprägt, und gerne führt man ihre Redensarten noch heuer im Munde, denn sie sind wahr. Ein paar Kostproben, Göttern wie Menschen gefällig, wollen wir hier abgedrucket & erläutert wissen. Zusammengestellt hat sie die Schriftleitung mit dem Steinbrücker Schustermeister Sackfold, einem wahrhaften Kenner der Materie.

Travia gibts, Peraine nimmt’s, / Doch der Götterfürst bestimmt’s, wissen die Bauern seit alters her im Lande zu sagen. Was sie damit meinen, ist dies: im Perainemond nimmt der Boden das Saat gut auf, im Traviamond gibt er die reife Frucht zurück; doch wie die Ernte wird, hängt meist von Sonne und Regen im Praios ab.

Ist der Himmel rot am Abend, / Wird der Morgen mild und labend, ist eine alte Wetterregel, die stimmt.

Ein anderer Spruch hingegen ist, auch wenns so ausschaun mag, gar keine Wetterregel nicht: Läufst du nachts auch tief im Dunkeln / siehst du doch die Sterne funkeln. Das meint, daß man selbst in der schlimmsten Notlage immer einen Funken Hoffnung finden kann, wenn man nur nicht verzagt — aber das tun die Koscher ja gar nicht.

Travia öffnet dir die Tür, Travia schließt sie hinter dir, steht über vielen Pforten im Koscherland ins Holz geritzt. Was meints? daß der Gast nach den Gesetzen der Göttin wohl willkommen ist, doch ebenso auch ermahnt sei, diese Gebote treulich zu achten!

Wenn du gut geruhet hast / Trägst du leichter deine Last, sticken viele Hausfrauen als frommen Wunsch in die Kissen ein; auch in Wirtshäusern findt sich der Satz zuweilen auf einer Tafel im Schankraum.

Bist du ehrlich, tüchtig, brav, findst du nachts auch guten Schlaf, soll der selige Vogt Stippwitz einem Handelsfreunde aus dem Almadanischen geraten haben, der ob seiner waghalsigen und ungewissen Kaufgeschäfte nicht mehr recht in Borons Arme finden konnte.

Wer nicht immer tüchtig schafft, / Wird vom Hunger hingerafft, ist ein geflügeltes Wort, um Faulenzer anzutreiben. Angeblich stammts aus der Priesterkaiserzeit, wo es in den Fronhöfen den Bauern vorgehalten wurde, wenn sie doppelt und dreifach „Gottesdank“ abgeben mußten. Welch böser Hohn!

Sitzt die Ratte in der Kammer, haste nichts als Not und Jammer. Die Schalkhaftigkeit des Sprüchleins täuscht darüber hinweg, daß Koschtal (woher der Vers stammet) einmal von einer übeln Rattenplag befallen ward, die den Bürgern ihre ganzen Vorräte geplündert haben.

Zusammengestellt von Karolus Linneger