Gasthaus „Zum Springenden Hirschen“ in Zwergenhand?

Aus KoschWiki
Zur Navigation springen Zur Suche springen


Kk-titelbalken-heroldzwerg.jpg

Ausgabe Nummer 66 - Phex 1043 BF

Gasthaus „Zum Springenden Hirschen“ in Zwergenhand?

Aufruhr um Nachfolge in Nadoreter Traditionsgasthaus

Nadoret, Tsa 1043 BF. Baldur Gorbas, seit vielen Jahrzwölfen Gastwirt der Herberge „Zum springenden Hirschen“, war im Winter verstorben. Nach der gebührenden Trauer um diesen sympathischen Bürger der Stadt kam bald die Frage auf: Wer würde seine Nachfolge antreten? Vorerst führte die Schankmagd Dorgascha Tochter der Dargoscha das Gasthaus weiter.

Es galt jedoch als offenes Geheimnis, dass Baronin Neralda Cella von Nadoret alles andere als erfreut darüber war, dass ausgerechnet eine Angroschna nun die Geschäfte leitete – zumal der Name der Wirtschaft offensichtlich an das Wappen derer von Nadoret angelehnt ist. Nach einiger Zeit wurden Stimmen laut, die Ambosszwergin habe die Taverne im Geiste bereits übernommen und werde jeden möglichen Käufer mit heimlich gespartem Geld überbieten. Viele Stammgäste taten dies als Unfug ab und genossen weiterhin Speis und Trank im „Springenden Hirschen“.

Dann jedoch gab es einige kleinere Vorfälle im Umfeld des Gasthauses: Nachdem mehreren Reisenden, die in der Herberge abgestiegen waren, persönliche Gegenstände abhanden gekommen waren, wurden einige Mitglieder der Stadtwache bei Dorgascha vorstellig. Sie verlangten außerdem, die Küche zu inspizieren, weil ihnen zugesteckt worden war, dort würden angeblich merkwürdige, für Menschen nur schwer verdaubare Zutaten verarbeitet. Obendrein behielt Hafenmeisterin Madane Sirbensack eine fürs Gasthaus bestimmte Warenlieferung ein, weil etwas mit den Frachtunterlagen nicht stimmte.

Erst mit dem Tauwetter klärte sich die Lage auf. Dann nämlich kamen alle Mitglieder der Familie Gorbas aus nah und fern nach Nadoret. Magister Adran Gorbas etwa, seines Zeichens Magier in Tallon, hatte den Winter über nicht reisen wollen. Der Nachlass sollte erst geregelt werden, wenn wirklich alle erschienen waren, damit nicht aus der Ferne Streit ausbrechen würde – so hatte es sich Baldur in seinem letzten Willen gewünscht. Bei einem prasselnden Kaminfeuer, jeder der Anwesenden mit einem Krug Ferdoker Hellem in der Hand, wurde das Testament des traviafrommen Wirtes verkündet. Da er zahlreiche leibliche und adoptierte Kinder sein eigen nennen konnte und nicht zu sagen vermochte, welches er am liebsten hatte, hatte er schlichterhand jedem einen Anteil am Gewinn vermacht. Man solle sich in gemeinsamer Runde auf einen formellen Besitzer einigen – das ginge am besten, wenn sich alle in die Augen blicken könnten.

Angesichts der Anzahl der Erben ist abzusehen, dass die Taverne „Zum springenden Hirschen“ weiterhin in der Familie Gorbas bleiben wird. Die Schankmagd Dorgascha hingegen verrichtet ebenso treu ihren Dienst, wie sie es schon viele Jahre getan hat. So wurde aus einer angespannten Situation ein angenehmes Familientreffen, bei dem so manche rührselige Geschichte über den guten alten Baldur zum besten gegeben und mehr als einmal auf ihn angestoßen wurde.

Und, Travia sei gepriesen!, auch die anderen Probleme lösten sich plötzlich von alleine auf: Die Stadtwache verkündete hochoffiziell, an der Küche sei nichts zu beanstanden, und lobten sogar den Eintopf, der so manchen Gardisten sättige und wärme. Die verlorenen Gegenstände tauchten wieder auf – sie waren wohl unglücklich zwischen Bett und Wand gefallen, als die Besitzer gerade in der Gaststube oder im Badezuber saßen. Die Hafenmeisterin wiederum stellte nach eingehender Prüfung fest, dass die Warenlisten in Ordnung seien, nur etwas unleserlich geschrieben, so dass man sich leicht verlese. Von ihrer Hochgeboren war hingegen nichts weiter zu vernehmen außer einem allgemeinen Kommentar darüber, dass mit den Zwergen schon gut auszukommen sei, wenn sie den ihnen zustehenden Platz akzeptieren würden.

Bram Sohn des Schrax