Von bösem Lug und Trug

Aus KoschWiki
Version vom 18. Mai 2023, 05:50 Uhr von Kunar (D | B) (Die Seite wurde neu angelegt: „{{Briefspielindex |Titel=Von bösem Lug und Trug |Reihe=Kosch-Kurier 24 |Teil=11 |Datum=5.1022 |Zeit= |Autor={{Briefspieler|Benutzer:Wolfhardt|}} |Logo=Metenar…“)
(Unterschiede) ← Nächstältere Version | Aktuelle Version (Unterschiede) | Nächstjüngere Version → (Unterschiede)
Zur Navigation springen Zur Suche springen


Kosch-Kurier8-35.gif

Ausgabe Nummer 24 - Boron 1022 BF

Von bösem Lug und Trug

Falsche Wahrsagerin nutzt die Not der Menschen aus

METENAR. War schon die Schlacht an der Trollpforte schrecklich und kostete manch teures Leben, so will’s uns desto schlimmer erscheinen, daß übelsinnige Zeitgenossen aus dem Harm und Leid ihrer Mitmenschen schnöden Profit zu ziehen trachten.

Solches hatte sich eine Frau auf die Fahnen geschrieben, die einige Zeit nach der Schlacht im südlichen Kosch auf den Dörfern und Märkten gesehen ward. Als „Eslamida die Kundige“ bot sie den Leuten ihre Dienste an und behauptete doch, hellsichtig Zeitung vom Schicksal vieler Kämpfer geben zu können. Weil aber Botschaften noch immer rar und unverläßlich sind, ergriff manch einsame Braut, manch hoffender Bursch oder wartende Eltern die Möglichkeit und traten in das bunt bepinselte Wägelchen der Fahrenden.

Mit viel Brimborium und Küchenbosparano umspann sie ihre Opfer und entzog den ohnedies Geplagten Heller und gar Taler. Dem einen sprach sie Trost zu, der Bruder sei wohlauf, der nächsten meldete sie Witwenschaft an, aber größtenteils waren es gute Neuigkeiten, da sie sich von der Dankbarkeit der Leute mehr erhoffte als von ihrer Trauer — und es hört der Mensch nun einmal lieber eine frohe Botschaft.

So konnte sie lange Zeit ihr Unwesen treiben, bis denn Meister Phex den Zufall einschreiten ließ. Zu Metenar hatte sie gerade einer greisen Bäckerin den Tod ihres einz’gen Sohnes offenbart und glaubhaft versichert, als sich großes Freudengeschrei draußen erhob: der soeben Todgesagte stand putzmunter und nur mit einer schmalen Binde am Arme vor dem Hause, um sein Mütterchen zu umarmen. Wie groß das Glück, so gewaltig aber auch der Zorn. Und hätte die falsche Eslamida nicht doch über einen Funken magischer Kraft verfügt — sie wäre der eilends zusammengerufenen Menge nicht entgangen. Baron Graphiel, als ihm der Vorfall zu Ohren kam, verlautbarte, mit der Betrügerin nach Recht und Gesetz zu verfahren, so man ihrer habhaft würde — zumal sie dem Namen seiner Mutter selig, die ja gleichfalls Eslamida hieß, solche Schande bereitete.

Karolus Linneger