Neues aus Hohentrutz - Gen Trolleck

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Siedlung Hohentrutz in Moorbrück, im Ingerimm 1033 BF



Roban überprüfte noch einmal alles.
Die Waffen, die Rüstung, den Schild, auch wenn er den wohl kaum brauchen würde, Proviant, den Sitz von Sattelgurt und Zaumzeug, die Riemen, die seine Decke mit dem Bogen hinter dem Sattel halten würden, den Inhalt seines Rucksacks, den Zettel mit seinen krakeligen Notizen, was er auf dem Weg noch erwerben musste. Schließlich nickte er Firundal anerkennend zu.
„Nicht übel, Junge!“ Er zerwuschelte dem Halbwüchsigen grinsend die Haare.
„Wenn du weiter so tüchtig bist, wirst du vielleicht mal ein brauchbarer Waffenknecht!“
Firundal errötete angesichts des Lobes und räusperte sich.
„Wohlgeboren, könnte ich nicht doch...“, fing er an, doch das genervte Gesicht des Ritters ließ ihn verstummen.
„Welchen Teil von ‚Nein‘ verstehst du nicht?“ brummte Roban unwillig.
„Du bist noch längst nicht so weit, auf einen Feldzug zu gehen. Auch wenn wir wohl nur ein paar dreisten Wegelagerern das Fell gerben werden, es ist zu gefährlich! Du bleibst hier und kümmerst dich um deine anderen Aufgaben!“
Der Junge nickte betreten. Die „anderen Aufgaben“, das war vor allen Dingen das Hüten der Schweine, eine ihm verhasste Tätigkeit. Aber das Wort des Ritters stand so unverrückbar wie die Koschberge.
Die Hohentrutzer hatten sich vor ihren Hütten versammelt, als er Salwine Zwingler letzte Anweisungen gab und sich dann auf den Weg machte.
„Haut ihnen tüchtig auf´s Hirn, Wohlgeboren!“ rief Thurescha ihm nach und hob den Spaten, als wolle sie eigenhändig einen imaginären Wegelagerer niederstrecken.
„Ja, mach ich!“ versprach Roban lächelnd, als er bemerkte, dass er und Girte nicht die einzigen waren, die Hohentrutz verließen.
Neben ihm schritt Danja einher, ohne Gepäck, aber so selbstbewusst, als würde sie ganz selbstverständlich zu ihm gehören.
„Willst du Kräuter suchen?“ fragte er, nachdem sie den Fuß des Hügels erreicht hatten.
„Mitnichten“, antwortete die Maga mit unbewegter Miene.
„Ich wollte Euch nur etwas mit auf den Weg geben, eine Leihgabe. Muss nicht jeder sehen, um was es sich dabei handelt!“
Roban legte die Stirn in Falten, ohne seinen Schritt zu verlangsamen. Eine Leihgabe von Danja? Was mochte das wohl sein?
Dass sie wenig von seinem Entschluß, dem Grafen Wilbur gen Trolleck zu folgen, hielt, daraus hatte sie keinen Hehl gemacht. Aber der Graf versprach „großzügige Unterstützung“ für die Siedlung, und das, so hoffte Roban, konnte der geplante Knüppeldamm gen Hammerschlag sein!
Mit den Mitteln eines Grafen ließe der sich garantiert schneller errichten als mit seinen paar Siedlern! Also hatte Roban hin und her gegrübelt, manche Pfeife geschmaucht, das Für und Wider abgewägt.
Er mochte den Grafen Wilbur nicht besonders, hielt ihn für unreif, verweichlicht und weltfremd. Ob dieser Jüngling einen Feldzug organisieren konnte, wusste wohl nur Rondra allein!
Andererseits hatte der Graf gewiß auch Ratgeber, die mehr Ahnung vom Kämpfen hatten als er selbst, und so ein kleines Scharmützel gegen ein paar Wegelagerer konnte auch dem Grafen manch wertvolle Erfahrung bringen.
Außerdem musste er den Grafen ja nicht mögen! Man hatte seine Unterstützung nicht eingefordert, sondern erbeten, und der Graf von Ferdok hatte sein Einverständnis erteilt. Also würde Roban etwas tun, was er gut konnte, und wenn dabei ein Knüppeldamm oder wenigstens ein halber heraussprang, dann hatte es sich gelohnt.
Roban stellte fest, dass sie schon über eine Meile weit von Hohentrutz entfernt waren. Die Siedler, die Salwine schon wieder an die Arbeit getrieben hatte, waren kaum mehr als kleine, unförmige Flecken.
„So, weit genug weg sind wir jetzt“, stellte er fest. „Also, du weißt, dass ich keinerlei Hexenwerk im Kampf dulde! Was wolltest du mir also verehren?“
„Leihen, Roban“, korrigierte Danja und wirkte merkwürdig verlegen, als koste es sie Überwindung, ihre Leihgabe loszuwerden.
„Und keine Sorge – meine Leihgabe wird die Regeln des rondragefälligen Kampfes in keinster Weise tangieren!“
„Schön“, sagte Roban gedehnt. Er mochte keine Überraschungen, erst recht nicht, wenn er drauf warten musste.
„Was ist es? Heilsame Kräuter? Gute Ratschläge? Sittsame Ermahnungen?“
Der Kuss kam so überraschend, dass er beinahe hintenüber gefallen wäre, und ehe er sich entschieden hatte, ob er es geschehen oder sich wehren sollte, war er schon wieder vorbei.
„So, dass war es, was ich dir mitgeben wollte!“ stellte Danja entschieden fest.
„Du wolltest mir...einen Kuss mitgeben?“ Roban grinste etwas unsicher.
„Geliehen, Roban!“ Danjas Gesicht wirkte beinahe versteinert, ohne jede Regung.
„Wenn du zurück kehrst, will ich ihn wiederhaben!“
Roban nickte unbewusst, dann wurde ihm klar, was dies bedeutete, dann nickte er noch einmal. Verdammtes, listiges Biest!
„Wenn ich zurückkehre, kriegst du ihn mit Zinsen zurück!“ versprach er.
„Das will ich hoffen!“ Danja senkte kurz den Blick. „Aber kehr vor allen Dingen zurück, Roban! Keine Heldentaten! Zumindest keine, die nicht nötig sind!“
Der Ritter grinste schief.
„Nur notwendige Heldentaten!“ versicherte er und griff nach Girtes Zügel.
„Und du halt ein Auge auf Hohentrutz, während ich weg bin! Damit der Laden noch steht, wenn ich wiederkomme!“

(Inhaltliche Fortsetzung in Bewährungsprobe am Trolleck)