Geistmärker Geschichten – Unerwartete Erhebung

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24. Phe 1044 BF
Unerwartete Erhebung
Der Beginn einer wunderbaren Knappschaft


Kapitel 2

Autor: Kordan

Baronie Garnelhaun, 24. Phex 1044 BF

Die Hornungshatz des Hanghasenordens war wieder ein großer Erfolg gewesen, zumindest was die Beute betraf. Die Stimmung war allerdings gedrückt, denn vor kaum einem Monat hatte Boron den Ordensgroßmeister Ellerding vom Erlenschloss zu sich gerufen, und der Fürst verzichtete in Trauer um seinen Freund und Hofjunker auf die Teilnahme an der Jagd.
Doch als Baron Kordan von Geistmark auf den zentralen Sammelplatz ritt, erfüllte ihn nichts als Stolz und eine leise Vorfreude. Hinter ihm folgte seine Knappin Adalinde von Zweifelfels, die auch das Maulpferd führte, auf das die geschossenen Rehe, Hasen und Wildhühner gepackt waren.
Die meisten Jäger waren bereits früher auf dem Sammelplatz eingetroffen, denn der Jagdstand des Geistmärkers war einer der abgelegensten gewesen, und außerdem hatte er sich länger mit der Knappin gezankt, wie man die Rehe am besten auf dem Maulpferd festzurre. Früher hätte er sich solche Widerworte verboten, aber seit Adalinde über zwanzig und zudem seine künftige Schwiegertochter war, ließ er ihr fast jede Frechheit durchgehen, ja freute sich sogar daran.
In der Nähe des Küchenwagens sah Kordan seinen Jagdknecht Eckbart Immenblatz mit den Hunden stehen. Er lenkte das Pferd in dessen Richtung und kam dabei an Therunbold von Cellastein vorbei. «Holla, Sighelms Halm!», rief dieser lachend. «Was sehe ich da? Deine Knappin ist offenbar die bessere Jägerin als du!» Kordan blickte ihn fragend an. «Na, sie führt ein ganzes Packpferd voll Beute und du grad gar nichts!» Einige Umstehende stimmten ins Lachen ein. Andere fürchteten insgeheim, dass der Geistmärker wieder in einen seiner berüchtigten Wutanfälle geraten könnte.
Doch Kordan setzte sein bestes Boltansgesicht auf und antwortete in ruhigem Ton: «In der Jagd könnte ich Adalinde wohl noch einiges lehren. Aber einzig in der Jagd – im Rittertum besitzt sie schon alles, was sie braucht. Und mehr, als ich ihr gegeben habe, hat sie doch das Blut des Hauses Zweifelfels geerbt, die rondrianischen Tugenden zahlloser ruhmreicher Vorfahren.» Er räusperte sich. «Nur an der Disziplin fehlt es noch immer, aber da muss ich mich wohl als gescheitert betrachten. Nun ja, ein wenig Dickköpfigkeit passt bestens in den Kosch. Und um ehrlich zu sein, habe ich Disziplin auch erst bei der Goldenen Lanze so richtig gelernt.»
«Na, bis zum Ritterschlag am Baduarstag bleiben ja noch einige Monde Zeit», warf Therunbold ein. Der Geistmärker glitt aus dem Sattel und rief: «Hast du nicht zugehört? Ihre Ausbildung ist abgeschlossen. Es ist mir ernst!» Er wandte sich an Adalinde. «Knappin! Steig ab und knie nieder!» Die junge Frau guckte ihn mit großen Augen an, verkniff sich aber jedes Wort und tat, wie ihr geheißen war – nicht ohne ein selbstzufriedenes Lächeln auf den Lippen.
Kordan ließ seine Stimme über den ganzen Sammelplatz erschallen: «Brüder und Schwestern des Hanghasenordens! Werdet Zeugen für Adalinde von Zweifelfels, dass sie reif ist, aufgenommen zu werden in die Ritterschaft des Raulschen Reiches! Bringt Wasser herbei, damit sie sich den Staub der Knappschaft abwaschen kann!»
«Was ist mit der Buße vor der Herrin Rondra?», fragte Therunbold, «hat sie denn die letzte Nacht betend verbracht?» «Ach was Buße», rief der Geistmärker, «die Löwin in Alveran liebt den Mut, nicht die Demut! Wir führen hier die Feldversion der Schwertleite durch, und den will ich sehen, der mich davon abhält.» Rundum erhob sich zustimmendes Murmeln, in das selbst Therunbold nach einem Augenblick einstimmte. Travian von Garnelhaun, dessen Ambitionen auf das verwaiste Amt des Großmeisters allgemein bekannt waren, stellte sich vor Adalinde und wusch der Knappin mit einem feuchten Tuch über Kopf, Schultern und Hände, während jemand Baron Kordan unbemerkt Schwert und Gürtel reichte.
«Im Namen des Herren Praios, seiner Schwester Rondra und der anderen unsterblichen Zehn, im Namen der Ehre, des Mutes und der göttlichen Kraft, im Namen der Treue, des Reiches und der kaiserlichen Majestät, im Namen alles Guten und Koscheren sei deine Knappschaft beendet und seiest du aufgenommen in die Ritterschaft des Raulschen Reiches», sprach der Baron, während er das Schwert zog und es auf Adalindes Kopf und Schultern sinken ließ. Dann steckte er die Klinge in die Scheide zurück und reichte sie ihr. «Gürte dich nun mit diesem Schwert, das dich fortan an deine ehrenvolle, aber schwere Bürde erinnern wird. Erhebe dich, Ritterin Adalinde von Zweifelfels!»
Der Sammelplatz hallte wider von den Hochrufen der Jäger, als Adalinde aufstand und ihrem Knappvater die Hand reichte. Einige Augenblicke schauten die beiden sich stumm an – da rief Therunbold von Cellastein in die Stille: «Wenn du nun Ritterin bist, Adalinde, wirst du gewiss auch die Gelegenheit ergreifen und am Tsatagsturnier in der Tjoste reiten?»
«Das will ich doch hoffen» und «Darauf könnt ihr Gift nehmen» sagten der Baron und die Ritterin gleichzeitig. «Und bevor wieder einer meckert, der Geistmärker wolle knausern», fügte Kordan hinzu, «den Ritterschlag werden wir natürlich ordentlich feiern am Baduarstag! Alle Anwesenden sind eingeladen auf Burg Halmwacht

Während die Jagdknechte alles bereit machten für den Ritt zurück zum Erlenschloss, drängten sich die Ordensbrüder und -schwestern um Adalinde und überhäuften sie mit Glückwünschen und Ratschlägen. Kordan stand abseits und beobachtete das Treiben belustigt und wehmütig zugleich, als Therunbold von Cellastein neben ihn trat. «Na, Sighelms Halm, zufrieden mit meinem Auftritt? Hab ich keines meiner Stichworte vergessen?», flüsterte er grinsend. Der Baron nickte lächelnd. «Genau so hab ich mir das vorgestellt. Du hast was gut bei mir, mein Bester.»