Wie gute Taten vergolten werden

Aus KoschWiki
Version vom 28. September 2023, 20:17 Uhr von Kunar (D | B) (Die Seite wurde neu angelegt: „{{Briefspielindex |Titel=Wie gute Taten vergolten werden |Reihe=Kosch-Kurier 37 |Teil=4 |Datum=11.1027 |Zeit= |Autor={{Briefspieler|Benutzer:Wolfhardt|}} |Logo…“)
(Unterschiede) ← Nächstältere Version | Aktuelle Version (Unterschiede) | Nächstjüngere Version → (Unterschiede)
Zur Navigation springen Zur Suche springen


Kosch-Kurier36-.gif

Ausgabe Nummer 37 - Ingerimm 1027 BF

Wie gute Taten vergolten werden

Eine wahre Begebenheit aus dem Ferdokschen

Ein Rommilyser Kaufmann auf der Durchreise hat folgende Geschichte erlebt, die der Kosch-Kurier getreulich für die geneigten Leser aufgezeichnet hat.

„Als ich Salmingen verließ, wo ich gute Geschäfte gemacht hatte, trat kurz hinter dem Ortsrand ein Mann an meinen Wagen heran, das Haupt gesenkt, den Hut in der Hand. Er entbot mir Travias Gruß und schwieg dann, doch sah ich wohl, dass er etwas auf dem Herzen hatte. ‚Nur frei heraus, Gevatter’, sprach ich. Da fing er an, dass er im Ort gewesen sei, um Arznei für seine Frau zu kaufen, die schon so lange krank danieder liege, und dass dafür sein ganzes Geld daraufgegangen sei, und dass er nun nicht wisse, wie er seine Kinder satt bekommen solle. Noch niemals habe er gebettelt, doch in der Not, und da er ja gesehen, dass mein Geschäft nicht schlecht gegangen — kurzum: um einen Kreuzer bat er mich. ‚Um einen Kreuzer?’, rief ich aus. ‚Ja, guter Mann, dann müsst Ihr lange betteln, bis Ihr das erste Brot beisammen habt.’ — und gab ihm einen Taler. Ich sage dies hier nicht, um mich in gutes Licht zu stellen; so wenig war es ja, was ich ihm gab! Er aber sprach gerührt: ‚Frau Travia vergelt’ es Euch, denn ich kann’s leider nicht.’ So schieden wir.

Ich war zwei Stunden unterwegs, da ging ein furchtbares Gewitter nieder — Efferd! solch eine Regenflut hab’ ich seit Jahren nicht erlebt. In Kürze war der Weg ganz aufgeweicht, sodass mein Wagen stecken blieb. Da fuhr ein Blitzschlag in die große Buche neben der Straße, und ein schwerer Ast stürzte herunter und begrub mich unter sich. Boronsschwärze umgab mich, doch als ich die Augen wieder aufschlug, fand ich mich in einer kleinen Kate wieder, und über mich beugte sich just jener Mann, dem ich am Morgen den Silbertaler gegeben hatte. Einer seiner Buben hatte mich gefunden, und gemeinsam hatten sie mich, mein Zugpferd sowie alle meine Waren treu in Sicherheit gebracht. — ‚So habt Ihr mir den Taler mit Zins und Zinseszins zurückgezahlt!’, rief ich gerührt, und auch der gute Mann war voller Freude. Er wollte aber keinen Lohn annehmen, doch erlaubte er schließlich, dass ich wenigstens den Kindern etwas Obst und ein paar Münzen zusteckte. Dann trennten wir uns, und selten war mir ein Obdach so viel wert wie die ärmliche Kate dieser guten Leute!“

Darum, geneigte Leser, merkt Euch wohl: Wenn einer sagt, Travia vergelt’ es Euch, dann ist das kein leeres Wort!

Aufgezeichnet von Karolus Linneger