1. Waldmarsch - Der Rapport

Der Rapport
Harzklamm, Mitte Travia 1048 BF
„Was soll denn dieses Wort hier bedeuten von Hartsteig?“, erkundigte sich der Fürstensohn bei Baerwin. Der junge Ritter betrachtete seine eigene, unförmige Handschrift auf seinem Abschlussbericht und erklärte, „Vermutlich, Herr!“ Der junge Erlan hob irritiert eine Augenbraue und nickte nach einem quälend langen Moment zögerlich. „Das ist ja wie die Entzifferung von Alt-Bosparano.“, meinte Ritter Trest von Mackenstein hämisch, der sich wie so oft, direkt neben dem jungen Fürstensohn positioniert hatte. „Verzeiht mir, aber ich bin mit der Axt befähigter als mit der Feder.“, knurrte Baerwin etwas ungehalten, denn die Häme war ihm nicht entgangen. Prinz Erlan bemerkte die angespannte Stimmung im Raum sofort und schüttelte unwirsch mit der Rechten, „Ritter Trest wollte euch damit nicht angreifen von Hartsteig, sondern nur zum Ausdruck bringen, dass eure Berichte manchmal etwas … schwer zu lesen sind.“ Der so angesprochene Ritter aus dem Haus Mackenstein verbeugte sich geübt und erklärte „So ist es mein Herr.“ Dann las sich Prinz Erlan den restlichen Text bis zum Ende durch, wobei man manchmal anhand der zusammen gezogenen Augenbrauen gut erkannte, dass er bestimmte Worte nicht wirklich entziffern konnte.
Nachdem er Baerwins Bericht an Ritter Viburn von Rohenforsten weiter gereicht hatte, wandte er sich wieder an den jungen Edelhauptmann. „Ich bin etwas enttäuscht von Hartsteig. Eure Feststellungen bleiben leider hinter meinen Erwartungen zurück. Und dann dieser vermutliche Goblin-Überfall. Ich hatte gehofft, dass ihr mit solchen Räubern kurzen Prozess machen würdet. Woran hat es gelegen?“ Baerwin räusperte sich und erklärte, „Am fehlenden rondra-gerechten Verhalten unserer Angreifer. Weder haben Sie einen ordentlichen Kampf angeboten, noch uns offen angegriffen. Stattdessen schlugen sie heimlich im Schutz der Nacht zu und haben sich sogleich wieder in die Tiefen des Waldes zurückgezogen.“ Erlan brummte etwas ungehalten, doch in diesem Moment gaben weder von Mackenstein noch von Rohenforsten irgendeinen Kommentar ab, wofür ihnen Baerwin sehr dankbar war. „So etwas passiert euch nicht wieder. Ich wünsche zukünftig greifbare Ergebnisse, verstanden?“, verkündete Erlan streng und Baerwin nickte eilig. „Dann macht euch besser bald wieder auf den Weg und …“, doch nun griff Ritter Viburn ein. „Mein Prinz, wenn ihr erlaubt, Ritter Baerwin und die Seinen hatten gerade äußerst kräftezehrende Erlebnisse und sind eine stramme Wegstrecke marschiert, damit sie euch berichten können. Ich würde ihnen gerne eine eintägige Pause gewähren, damit Sie wieder zu Kräfte kommen können.“
Der Fürstensohn nickte zögerlich und dann meinte Mackenstein, „Wenn ich mit meinen bescheidenen Fähigkeiten das Problem richtig erfasst habe, dann konntet ihr keine rechtzeitige Verfolgung aufnehmen, da es euch in diesem Moment an Berittenen gefehlt hat, oder? Ich schlage für den nächsten Einsatz die 5. Lanze unter Alrune vom Rosenschloss als zusätzliche Begleitung vor.“ Der junge Ritter war etwas überrascht und zögerte einen Moment mit der Antwort, doch für Prinz Erlan war dies eine ausgezeichnete Idee. „Gut dargelegt Mackenstein. So soll es getan werden. Von Hartsteig meldet euch bei der Dame vom Rosenschloss. Eure beiden Truppenteile sollen für den nächsten Einsatz zusammen ausrücken. Und nächstes Mal will ich einen besseren Bericht lesen dürfen, verstanden?“ Wortlos salutierte Baerwin und überlegte in seinem Kopf, ob der Prinz damit den Inhalt oder die Form seiner Berichte meinte.
Wieder außerhalb des Turmes ging Baerwin das Gespräch in seinem Kopf kurz erneut durch und wiederholte für sich, was jetzt eigentlich seine konkreten Befehle waren. Dann wandte er sich an einen der Soldaten, der gerade durch das Feldlager marschierte und erkundigte sich nach dem Trupp der Dame vom Rosenschloss. „Die 5. Lanze? Ach ihr meint sicher die Türmer unter dem Kommando von Alrune? Ja die sind einer der alten Turmstuben untergebracht. Momentan habt ihr aber wohl mehr Erfolg wenn ihr im Stall oder am Schießstand nachfragt. Dort findet man den Haufen in letzter Zeit öfter.“, meinte der Soldat und Baerwin eilte gleich weiter. Er wusste, dass er nun Ergebnisse bringen musste und er daher keine Zeit verlieren durfte. „Wie wohl der Trupp von Alrune so sein würde?“ fragte er sich noch, als er schnellen Schrittes durch das Lager der Kompanie stapfte.