Bärenbrüder - Messer in der Nacht

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Herbst 1028 BF
Messer in der Nacht
Thalia


Kapitel 8

Autor: Geron

1028, Alt-Albumin

Thalia summte fröhlich vor sich hin, während sie in der Dämmerung den Weg zu ihrer kleinen Kate einschlug. Gerade hatte sie Äpfel von einem nahen Bauern geholt. Sie war zufrieden. Seitdem sie Bärenstieg vor vierzig Jahren verlassen hatte war das Leben nicht gerade gut zu ihr gewesen. Sie hatte als Schankmagd gearbeitet und ihren Sohn zur Welt gebracht. Das Leben war hart gewesen und der Hunger war oft genug Gast in ihrer Hütte gewesen.
Später hatte sie den Wengelmir geheiratet. Er war ein feiner Mann, aber auch er war nicht gerade reich. Ihr Sohn Ulfried hielt es schon bald nicht mehr aus und zog fort, um sein Glück auf fernen Schlachtfeldern zu suchen. Ihr Leben war weiterhin auslaugend und hart gewesen. Ihr war klar, dass sie all diese Arbeit kaputt gemacht hatte. Sie hatte vermutlich nur noch wenige Jahre vor sich, wenn überhaupt.
Immerhin ging es ihr nun besser. Seitdem ihr Sohn drüben im Kosch für seinen Erbteil kämpfte kümmerte er sich um sie, und so musste sie nicht mehr arbeiten und konnte ein ruhiges und sattes Leben führen.
Sie sah Licht in der Stube. Wengelmir war also zu Hause. Sie würde ihm ein warmes Essen zubereiten und dann würden sie gemeinsam vor dem Kamin sitzen und an einem Bier trinken.
Thalia öffnete die Tür und erstarrte augenblicklich. Eine behandschuhte Männerhand umschloss ihren Mund und zog sie mit kräftigem Zug von der Tür weg. Die Tür wurde geschlossen. Sie spürte ein Messer an ihrer Kehle und den heißen Atem eines Mannes in ihrem Nacken. War es nun vorbei? Hatten sie die Häscher der Feinde ihres Sohnes gefunden?
Eine Gestalt trat in ihr Sichtfeld. Sie erkannte seine Gesichtszüge wieder. Ohne den Mann vor ihr je zuvor gesehen zu haben erkannte sie, dass hier ein Sohn ihres Geliebten Alerich vor ihr stand. Ein Sohn desselben Alerich, der mit ihr einst Ulfried gezeugt hatte und sie dann auf Druck seiner Gattin fortgejagt hatte. Der Mann hob die linke Hand.
„Wenn du schreist, wenn mein Kamerad die Hand vor deinem Mund wegnimmt, wirst du und der Kerl hier einen grausamen Tod erleiden.“
Ungerührt deutete er mit der Axt, die er in der Rechten trug, auf Wengelmir, der gefesselt und geknebelt in einer Ecke saß.
„Setz dich doch“, lud sie der Mann ein. Ruppig wurde sie auf einen Hocker gesetzt, und dann löste sich die Hand vor ihrem Mund. Sie erwägte kurz zu schreien, aber dann entschied sie, dass der Mann vor ihr nicht so wirkte, als wäre er zum Scherzen aufgelegt.
„Du wirst nur reden, wenn ich dich etwas frage, ist das klar?“ fragte sie der Mann. Thalia nickte.
„Du bist Thalia, die 997 aus Bärenstieg fortzog?“
Thalia nickte.
„Welchen Grund hattest du?“
„Ich war von meinem Geliebten schwanger und dessen Gattin wollte mich nicht in ihrer Nähe wissen.“
Sie hatte sich entschieden die Wahrheit zu sagen. Den größten Teil kannte der Mann vermutlich ohnehin schon, doch er schien mit jeder ihrer Antworten ungehaltener zu werden.
„Wer war dein Geliebter und wer ist dein Kind?“
„Alerich von Bärenstieg, der Ritter, und mein Sohn ist Ulfried, der drüben im Kosch für sein Erbe kämpft.“
Diese Antwort schien ihrem Gegenüber den letzten Nerv zu rauben. Er packte Wengelmir bei den Haaren und schleifte ihn aus seiner Ecke. Unter dem Knebel war ein Wimmern zu hören.
„Du lügst doch“, zischte der Mann. „Du willst deinem Sohn nur eine Rechtfertigung für seine Gräueltaten geben.“
„Ich lüge nicht“, beharrte Thalia. Eine schallende Ohrfeige sandte Schmerzen durch ihren ganzen Körper und warf ihren Kopf zur Seite.
„Ich habe dich nicht gefragt Weib. Du antwortest nur, wenn du gefragt wirst.“
Panik kam in Thalia auf. Der Mann war über ihre Antworten derart erbost, dass sie das Schlimmste befürchtete. Entsetzt schaute sie zu, wie Alerichs Sohn ein Messer an den Hals ihres Mannes legte und dessen Hals ritzte.
„Sprich die Wahrheit, Weib!“
„Aber ich habe sie doch schon gesagt.“
Tränen flossen Thalias Backen herunter. Sie stand kurz vor einem Nervenzusammenbruch. Nachdenklich blickte der Mann sie an.
„Ich glaube dir.“
Mit diesen Worten durchschnitt er die Handfesseln Wengelmirs. Wengelmir war vor Angst wie starr und wagte es nicht sich zu bewegen. Ein wuchtiger Hieb gegen die Schläfe sandte ihn ins Land der Träume.
Thalia wurde nach vorne gestoßen. Sie stieß mit dem Kopf gegen die Wand. Für einige Momente umfing gnädige Schwärze ihren Geist. Die Tür schlug zu. Thalia atmete aus und weinte Tränen des Glücks.
Sie versuchte sich gerade aufzurappeln, als die Tür erneut aufging. Zwei Männer betraten den Raum. Mordlust in ihren Augen und blitzende Messer in ihren Händen. Alerichs Sohn war nicht unter ihnen.

Am nächsten Morgen fanden Nachbarn die beiden Leichen. Der Mann war mit einem glatten Kehlendurchschnitt getötet worden. Sein Blut war auf dem ganzen Holzboden zu sehen. Übler sah es schon mit der Frau aus. Auch ihre Kehle war durchgeschnitten worden, aber sie war auch noch geschändet worden. Die Anwohner verzogen angewidert das Gesicht, ob dieses Anblicks. Schnell machten Gerüchte, über zwei Männer die Runde, die sich nach Thalia umgehört hatten und dann noch in derselben Nacht wieder abgereist waren. Gerüchte, die auch Ulfried hören würde.