Unter Schurken - Worte statt Taten

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Hinterkosch, 1021

Wolfhardt zog den Mantel enger um die Schultern. Verdammte Kälte! Und was machte der Baron nur so lange dort drinnen. Das war die reinste Mausefalle, zwei gegen neun! Warum hatte Stoia ihn nur herausgeschickt? Ja, Ritter Falk hätte sie vielleicht verraten – aber dort drinnen fehlte, wenn’s drauf ankam, jedes Schwert.
Die Nacht war schön, und selbst die Kälte hatte etwas für sich: sie machte seinen Kopf frei. Er sah zu, wie sein Atem zu kleinen Reifwölkchen gefror und sich in der Schwärze verlor. Wolkenfetzen huschten im auffrischenden Wind nun schneller an der Scheibe des Madamals vorüber, die Kiefernbäume knarrten.
Im Hinterhof der Herberge scharrte ein Hund und heulte. Der Edle fuhr auf. Der Hund schlug an, kurz, verstummte wieder. Nervöses Schnauben drang an sein Ohr. Er ging zu den Ställen, in denen sie mittlerweile die Pferde untergebracht hatten – denn wenn ein Jergenquell in dieser Nacht käme und eine Kutsche mit Vinansamter Wappen und ein paar Schlachtrösser vorfände...
“Ruhig, Stern, mein Braver“, raunte er dem mächtigen Tralloper Riesen ins Ohr. Das Pferd hob den Kopf und schnaubte abermals durch die Nüstern.
"Wir haben doch schon so manchen Kampf ausgefochten, mein Alter. Oder machst Du Dir auch Sorgen um den Baron?“
Und Rena, fügte er in Gedanken hinzu, als er das Reittier der Ritterin in der Koppel nebenan erblickte. Es war ebenso unruhig wie Stern.
Mjalmars Schlag soll mich treffen, wenn nicht was in der Luft liegt.“
Dragosch stand am Eingang des Stalls. Das Mondlicht fiel auf das Blatt seiner Axt, auf die der stämmige Angroscho seine sehnigen Arme stützte.
“Du hast recht, Freund. Man kann uns selbst hier vor der Herberge noch allzu leicht überraschen. Ich will zu dem Dreiweg vorne gehen und wachen.“
“Wenn du meinst, Herr, aber ist es...“, brummelte Dragosch, wie immer um den – in seinen Augen allzu unkriegerischen! – Edlen besorgt. Wolfhardt schnaubte, innerlich aber durchaus erfreut über die Zuneigung des Zwergen, der ihm weniger ein Diener als vielmehr ein väterlicher Freund war. Er klopfte dem Waffenmeister im Vorbeigehen auf die Schulter und stapfte dann durch die Nacht davon. Seine Harfe hing ihm, wie fast immer, über die Schulter, das schlanke Schwert klirrte leise in der Scheide.
“Man könnte meinen, dein Ritter kämpfte lieber mit Tönen als mit Hieben“, bemerkte der Kutscher Norbosch trocken, dem Edlen nachblickend. Dragosch seufzte.
“Fast scheint mir’s auch so...“