Zwischen Feuer und Wasser

Aus KoschWiki
Zur Navigation springen Zur Suche springen


Kosch-Kurier8-35.gif

Ausgabe Nummer 29 - Peraine 1023 BF

Zwischen Feuer und Wasser

Von den Erlebnissen der Lissmene von Mönchbach

Der Flug der Falken — Questen um des Prinzen Heil

Die Ritterin Lissmene von Mönchbach wollte zunächst bei ihrem zwergischen Freunde Boglim Rat holen, den sie in Ferdok vermutete. Doch dort erfuhr sie nur, daß der Angroscho bereits in seine Heimat Hammerschlag zurückgekehrt sei. Nach einigen Abenteuern, unter anderem im berüchtigten Moorbrücker Sumpf, gelangte die Ritterin in den Dunkelforst. Lauschen wir ihrem Bericht, was weiterhin geschah...

Eichen, Buchen und Ulmen standen so dicht beieinander, daß ich absteigen und meinen Weg zwischen ihnen hindurch suchen mußte. Bereits nach einer halben Stunde hatte ich jede Orientierung verloren und irrte ziellos umher. Außerdem fühlte ich mich beobachtet. Irgendwie schien es mir, als ob finstere Augen mich aus dem Dickicht des winterlichen Waldes anstarren würden.

„Verirrt, Frau Ritter?“ sprach mich urplötzlich eine Frauenstimme an. Ich blickte irritiert umher, ohne jemanden zu sehen. „Na, na“ schollt mich die Stimme. „Wer, wird denn einer harmlosen Frau mit dem Schwert begegnen?“

Ich schaute schuldbewußt auf mein Schwert, welches ich automatisch gezogen hatte.

„Wenn ich Euch hätte überfallen wollen, hätte ich Euch jetzt schon angegriffen und nicht angesprochen“, fuhr die Stimme fort. „Was führt Euch in meinen Wald?“

„Seid ihr etwa die Herrin dieser Baronie, daß Ihr von ‚Eurem‘ Wald sprecht?“, rief ich wütend aus, denn ich mag es nicht, wenn ich meinen Gesprächspartner nicht sehen kann.

„Ich gehöre eher hierher als Ihr“, erwiderte die Gestalt ungerührt, die jetzt erst zwischen den Schatten der Bäume auftauchte. Ihr Gesicht und Haar lagen im Schatten, doch konnte ich erkennen, daß es sich um eine Frau in den besten Jahren handeln mußte. Ihre Gestalt stand aufrecht und sicher. Ihre Augen aber mußten die einer Eule sein, denn sie zeigte unverwandt auf das Medaillon des Fürsten, obwohl es, wie bereits erwähnt, recht düster in diesem Wald war, und die Dämmerung, die inzwischen hereingebrochen war, schluckte fast den letzten Rest des Tageslichts.

„Ihr sucht der Peraine Fingerzeig und sucht ihn im Feuerschein. Doch ein Zweig gedeiht nicht im Feuer, sondern im Wasser. Darum sucht das Wasser“, waren ihre Worte, als sie mich und das Medaillon genau musterte. Dieser Satz stürzte mich in arge Verwirrung. Was wollte diese geheimnisvolle Frau mir mit diesem Rätsel sagen? Doch ehe ich eine Frage stellen konnte, fuhr die Gestalt fort: „Wendet euch nach Südosten, hinter den drei Ulmen links von Euch liegt ein Weg, der führt Euch aus meinem Wald. Peraine mit euch, Frau Ritter!“

Und ehe ich noch einen Dank aussprechen konnte, verschwand die Frau im Dickicht des Waldes. Nicht ein Rascheln war zu vernehmen, als sie zwischen den Schatten der Bäume verschwand. Wer oder was war das gewesen? Doch das Grübeln brachte nichts, also setzte ich mich auf meinen treuen Malmar und fand tatsächlich den angegebenen Weg. Als ich unter den winterlichen Bäumen entlangritt, geschah ein Wunder. Plötzlich zeigten sich zarte grüne Knospen an den Bäumen und keine fünf Minuten später standen die Bäume in vollem Grün. Dies war ein Zeichnen der gütigen Peraine! Die Weissagung sollte mir weiterhelfen. Doch welche Bedeutung hatte sie?

Als ich zwei Tage später Hammerschlag erreichte, grübelte ich noch immer über die Weissagung und den Fingerzeig der Peraine nach. Hier in Hammerschlag wohnte Boglim. Ich hoffte, daß er schon nach Hause zurückgekehrt war, als ich an seine Tür klopfte.

Doch es öffnete mir Argrima, Boglims Mutter. Sie freute sich, mich zu sehen, bedauerte aber, daß ich die weite Reise umsonst gemacht hatte, da Boglim immer noch verreist sei. Sie habe gerade mal in Boglims Haus nach dem Rechten gesehen und lud mich zum Abendessen ein. Während des Essens, welches Argrima aus Boglims reichhaltigen Vorräten gekocht hatte, erzählte ich ihr von meiner Queste, und Agrima gab mir den Rat, den mir schon die Zwerge in Gôrmel gegeben hatten, die Hammerhöhle Malmarzrom aufzusuchen.

Also ließ ich am nächsten Tag Malmar in Agrimas Obhut und ließ mir von ihr den Weg nach Malmarzrom beschreiben. Mit den ersten Sonnenstrahlen betrat ich den Pilgerpfad zu den heiligen Hammerhöhlen. Schon von weitem war ein dumpfes Dröhnen zu vernehmen, und bald spürte ich auch die Schläge Ingerimms durch den Boden zittern.

Malmarzrom ist den Zwergen und Ingerimmgläubigen heilig und bei weitem nicht jedem, der sich auf den mühsamen Weg macht, wird das Tor zu dem Teil der unterirdischen Höhlen gewiesen, in dessen unterirdischem See Ingerimm sein Schmiedewerk kühlt. An diesem Tag war ich die einzige Pilgerin, welche die Höhle betrat. Der Hüter des Heiligtums, ein uralter Angroschpriester, stand geduldig im Dunst, als ich vor ihn trat. „Angrosch zum Gruße, mein Kind. Was führt dich in die Kammern Angroschs?“ rief er über das Dröhnen der Höhle hinweg und fügte Worte in alter Sprache hinzu.

„Angrosch zum Gruße, ehrwürdiges Väterchen,“ antwortete ich. „Hilfe such’ ich für den Prinzen Edelbrecht, der siech darniederliegt und mit dem Tode ringt.“

„So reiche mir etwas von deiner Hand Geschaffenes, auf daß ich Angroschs Willen erfrage!“ befahl mir der Geweihte.

Das einzige was ich ihm geben konnte, war mein treuer Zweihänder Feuerblitz, den ich mit Boglim zusammen geschmiedet hatte. Der Priester nahm Feuerblitz entgegen und führte mich zu einem natürlichen Schlot, in dem das glühende Blut der Giganten, die Lava, stand. Unter dem Ruf „Angrosch, nimm gnädig dies Werk und steh deinen Dienern bei“ stieß er den Zweihänder in die Glut.

Traurigkeit überkam mich, denn Feuerblitz hatte mir immer gut gedient. Als der Diener Angroschs nach einigen Herzschlägen die Klinge aus der Lava zog, fuhr ich freudig und erschrocken zugleich zurück. Feuerblitz war nicht geschmolzen, ja er glühte noch nicht mal von der Hitze. Doch sollte das heißen, daß Ingerimm mein Opfer nicht annahm?!

„Angrosch kann dir nicht helfen,“ sprach der Geweihte. „Er kann dir nur einen Hinweis geben. Sieh her!“ Er legte meinen Zweihänder auf einen flachen Steinaltar und ließ die Waffe rotieren. Feuerblitz drehte sich immer schneller, bis er selbst ein Blitz zu sein schien und dann mit einemmal stehenblieb. Die Spitze des Schwertes zeigte in Richtung Firun.

„Angrosch hat dir den Weg gewiesen, meine Tochter. Danke Ihm und ziehe mit seinem Segen deiner Wege.“

Mit diesen Worten reichte er mir Feuerblitz zurück und ließ mich in der Höhle allein. Ich kniete vor dem Steinaltar, auf dem mein Zweihänder mir die Richtung gewiesen hatte, und richtete ein langes und inniges Gebet an den Herren Ingrimm. Dann warf ich einen Teil meines Geldes als Opfergabe in den Schlot, aus dem Feuerblitz unversehrt in meine Hand zurückkehrte. Tief bewegt kehrte ich nach Hammerschlag zurück.

Am nächsten Morgen verließ ich Hammerschlag, mit Argrimas besten Wünschen, in Richtung Harkingen. Während der Tage, die ich nun in Richtung Firun ritt, achtete ich auf weitere Zeichen die mir helfen würden, ein Mittel zur Heilung Edelbrechts zu finden. Doch kein Hinweis fiel mir ins Auge. Ich durchquerte Harkingen, erreichte Tarnelfurt und immer noch gab es keinen Hinweis. Weder von drei Pilgern, die auf den Weg nach Malmarzrom waren, noch von einem reisendem Wundscher. Meine Angst wuchs, daß Ingerimm mit seinem Fingerzeig vielleicht sehr weit in Richtung Firun meinte.

Kurz vor dem Ort Nerbusch erreichte mich dann doch noch ein Fingerzeig der Götter, doch diesmal schien er von Rondra geschickt. Ich sah, wie ein kleiner Pferdekarren von vier finsteren Gesellen umringt und bedrängt wurde. Bedroht wurden ein älterer Mann und ein Jüngling, die sich mich Müh und Not der Wegelagerer erwehrten, welche die Straße mit Steinen und kleinen Bäumen versperrt hatten. Ich zögerte nicht, legte die Lanze ein und trieb Malmar, mit dem Ausruf „Bei Ingerimms Hammer!“ auf den Lippen zum Galopp.

Meine Lanze durchbohrte den Banditen, der den jungen Mann mit seiner Keule niedergestreckt hatte und gerade zum tödlichen Hieb ausholte. Der tödlich Getroffene fiel in den Straßenstaub, als ich die Lanze losließ und von Malmars Rücken glitt, um es mit den anderen Halsabschneidern aufzunehmen. Diese hatten in ihrem Angriff innegehalten und starrten mich ängstlich an. Ich zog Feuerblitz und rief: „Ergebt Euch!“

Eine Frau, mit dem wilden Blick eines tollwütigen Hundes, schrie: „Du hast Jannek abgestochen, du Schlampe. Ich schlitz dich auf, du Stück Ogerscheiße!“ Mit diesen Worten stürzte sie sich mit ihrem Säbel auf mich, während die andern beiden die Flucht ergriffen.

Die Banditin war ein harter Brocken. Sie schlug mit einer an Irrsinn grenzenden Wut und Kraft auf mich ein. Natürlich war ich mit Kettenhemd und Zweihänder nicht so gewandt wie das Räuberweib, so daß ich zwei ihrer Hiebe nicht parieren konnte, und blutige Schrammen an der Hüfte erlitt. Doch dann gelang mir ein kraftvoller Befreiungsschlag, welcher die Dämonsfurie drei Schritte zurücktrieb.

Sie setzte gerade zum Sprung an, um einen horizontalen Seitenhieb auf die schon verwundete Seite zu starten, da erwischte sie Feuerblitz, von mir in einem kurzen Vorwärtsstich geführt, unter dem rechten Rippenbogen. Schreiend brach sie zusammen.

Als ich mich über die Räuberin beugte, um zu sehen ob sie noch lebte, hatte Golgari sie schon fortgetragen. Ich säuberte Feuerblitz an ihrem Rocksaum und murmelte: „Mögen die Götter dir gnädig sein!“ Danach wandte mich dem Karren zu, auf dem der alte Mann, den Kopf des Jünglings in seinem Schoß gebettet hatte und unter Tränen immer wieder seinen Namen flüsterte: „Edelhelm. Edelhelm, so sag doch was!“

Ich untersuchte den Knaben und konnte feststellen, daß sein Arm gebrochen und sein Schädel arg in Mitleidenschaft gezogen worden war. Zwar erkannte ich keinen Bruch im Schädel, wußte aber, daß schon kleine Risse im Schädelknochen tödlich sein können. „Gibt es in Nerbusch einen Heiler?“ fragte ich den alten Mann in der Tracht eines Landbauern. „Ja, den alten Korso“, antwortete der Bauer leise, während sein trauriger Blick auf seinem Enkel Edelhelm lag.

„Gut. Ich hole Korso, und Ihr bringt Euren Enkel zu Eurem Hof. Wie finde ich den?“

„Der liegt zwei Meilen von hier, am Waldrand“, sagte der Alte und zeigte auf den Karrenweg, der sich Richtung Efferd zum Wald wand. „Wulfram Borger, zu Euren Diensten.“ Ich sprang auf Malmar und ritt nach Nerbusch um den Heiler zu holen.

Nachdem ich den Dorfschulzen kurz und knapp über den Überfall unterrichtet hatte, jagte ich mit Korso, den ich hinter mich auf meinen treuen Malmar gesetzt hatte, zu Borgers Hof.

Dort erwartete uns die sämtlich sechs Enkel Wulframs, von sieben bis achtzehn Götterläufen zählend. Die Älteste, Holdana mit Namen, kümmerte sich um die Pferde, während uns der Jüngste, Jonor, zum Krankenlager führte. Edelhelm lag in einer kleinen Kammer, in der wohl sonst Wulfram schlief, in einem warmen Federbett. Wulfram saß neben dem fiebernden Knaben und kühlte mit einem Lappen dessen Stirn. Korso, der nervös mit den Zähnen knirschte, begann sofort mit der Behandlung.

Wulfram stand neben dem Bett und knetete seine Finger. „Du mußt ihn retten, Korso. Hörst du! Du mußt! Ich habe meinen Sohn im Orkkrieg verloren, und der Krieg gegen den verfluchten Dämonenmeister hat mich seine Eltern, Tochter und den Schwiegersohn gekostet. Nicht noch einen meiner Enkel. Oh, ihr Götter nicht einen meiner Enkel.“ So klagte Wulfram, während Korso sein Bestes tat.

Ich führte den Großvater vor die Tür und versuchte, ihn und seine Enkel zu beruhigen. Schlußendlich legten sie Edelhelms Wohl in die Hände der Gütigen Peraine, und nach einem kurzem Gebet zur Gütigen gingen wir zu Bett. Nach einer kurzen Nachtruhe erwartete uns ein trostloser Tag. Korso hatte Edelhelm nicht helfen können, und so war die Stimmung am Frühstückstisch sehr niedergeschlagen. Als wir so dasaßen, sagte Holdana: „Großvater! Ich habe heute nacht von der Sage geträumt, die du uns vorgestern Abend erzählt hast!“

„Welche Sage?“ fragte ich dazwischen.

„Es ist die Sage um die Entstehung der Heilende Quelle des Peraine-Stifts zu Gôrmel...“

„In Gôrmel gibt es ein Peraine-Kloster mit einer heiligen Quelle?“ fuhr ich Wulfram in die Erklärung. Ich rang mühsam um meine Beherrschung. Sollte fast am Anfang meiner Reise das mögliche Ziel meiner Reise gelegen haben? Hatte ich in meiner Dickköpfigkeit dies übersehen, ich Rindvieh?!

„Ja“, antwortete mir Wulfram. „Diese Quelle wurde einst von Efferd und Peraine den Menschen geschenkt, um sie von Leid und Gebrechen zu heilen. Sicher wird das Wasser auch Edelhelm helfen.“ Hoffnung leuchtet in Wulframs Gesicht auf. „Würdet ihr Edelhelm schnell nach Gôrmel bringen? Ich würde nachkommen.“

„Bei Ingerimms Hammer!“ rief ich, „So sei es!“

Ich hatte versucht, Edelhelm so schnell, aber so schonend wie möglich nach Gôrmel zu bringen. Also hatten wir Malmar vor den Karren gespannt, obwohl der nicht wollte. Aber mit ihm war ich schneller als mit dem Arbeitsgaul der Borgers. Wulfram würde mir mit ihrem Tier nach Gôrmel folgen. Wir hatten den Karren so gut wie möglich mit Stroh gepolstert, Edelhelm in Decken gehüllt und ihn vorsichtig auf die Ladefläche gebettet. Trotz meines sofortigen Aufbruchs habe ich zwei Tage bis zum Kloster gebraucht. Mehrmals wollte man mich einsperren, da ich angeblich einen Seuchenkranken mit mir führen würde. Doch das Amulett des Fürsten gewährte mir immer wieder freie Passage.

Kaum im Städtchen Gôrmel an gekommen, fiel mir das Kloster auf. Wie hatte ich es nur vor kurzem noch so übersehen können? Als ich mit dem aschfahlen Edelhelm auf den Hof des Kloster rollte, kamen sofort die Schwestern und Brüder des Stiftes und trugen Edelhelm in die Kammer der Heilung. In dieser waren Becken aufgestellt in der Kranke gebadet werden können. Die Ordensmitglieder legten Edelhelm in ein Becken und füllten es mit Wasser, welches sie aus einer Quelle im Klostergarten schöpften. Auch flößten sie Edelbrecht einen Becher Wasser der heiligen Quelle ein. Da ich hier nicht mehr helfen konnte, ging ich in den Klostergarten, um mir die Quelle anzusehen.

Nichts Besonderes schien an dem Wasser, das aus dem Boden hervorsprudelte. Ich kniete nieder und wollte meine Hand gerade in das Wasser tauchen, da erblickte ich statt meines Spiegelbildes das Gesicht des Prinzen Edelbrecht! Seine Züge waren schmerzverzerrt und bleich war seine Haut. Dann verschwand die Vision. Was wollte dieses Zeichen mir sagen? War ich nicht am Ziel meiner Suche?

Müde ließ ich mich neben der Quelle nieder und blickte deprimiert zu Boden. Dort hätte ich wohl ewig sitzen können, mir war in diesem Augenblick alles egal, wäre nicht eine Schwester des Ordens zu mir getreten. Sie sprach nicht, nahm nur meine Hand, zog mich hoch und führte mich in die Halle der Heilung. Dort ließ ich mir willenlos mein Kettenhemd abnehmen, meine Waffen und mein Unterzeug und wurde in einen Zuber mit warmem Wasser gesteckt.

Ich wurde gründlich abgewaschen und meine Schrammen, vom Kampf mit der Wegelagerin, mit Wirselkrautsalbe eingerieben. Kaum hatte ich begriffen, was diese resolute Ordensfrau mit mir anstellte, hatte ich einen Humpen Bier in der Hand, und ein Tablett mit Brot, Butter, Honig und anderen leckeren Sachen wurde neben meinen Waschzuber abgestellt. Da ich jetzt meinen Hunger bemerkte, griff ich zu. Nach dem Essen und dem Bad wurde ich in ein warmes Bett gesteckt, und da ich die letzten zwei Tage kaum geschlafen hatte, sank ich schnell in Borons erholsamen Schlaf.

Als ich erwachte, war ich wieder frisch und wohlgemut. Nach dem Stand der Sonne mußte ich fast einen ganzen Tag geschlafen haben. Ich stand auf und zog meine inzwischen gewaschenen Sachen an. In den Betten neben mir lagen Edelhelm, der schon wieder Farbe bekommen hatte, und Wulfram, der wohl erst vor kurzem angekommen war, und schliefen. Deshalb verließ ich auf leisen Sohlen den Schlafsaal. Auf dem Gang sprach mich sofort ein Novize an: „Die ehrwürdige Mutter wünscht Euch zu sehen.“

„Dann führe mich bitte zu ihr“, beschied ich ihm, und er lief vor mir her. An der Tür klopfte er, öffnete sie und ließ mich ein. An dem Tisch, der im Raum stand und mit Büchern und Pergamentrollen beladen war, saß die Ordensfrau, die sich so rühren um mich gekümmert hatte!

Ehrwürdige Mutter“ sprach der Novize, „die Ritterin Lissmene von Mönchbach.“

„Ah, mein Kind. Tritt ein“, rief mir die schon etwas ergraute Mittfünzigerin zu und erhob sich aus ihrem Stuhl. „Du kannst gehen, Eshârn“, gebot sie dem Novizen, und dieser verließ den Raum und schloß die Tür hinter sich. Die Äbtissin wies auf zwei Lehnstühle: „Setzen wir uns.“ Sie reichte mir, nachdem ich mich gesetzt hatte, einen Krug mit dem Äbtissinnentrunk, den ich schon im Bade genossen hatte. Ein gutes Bier. Die Äbtissin setzte sich mir gegenüber: „Wulfram Borger hat mir berichtet, wie du seiner Familie geholfen hast. Doch was hat dich im Klostergarten so deprimiert?“

So berichtete ich von der Verletzung des Prinzen Edelbrecht, dem Traum seines Bruders, den daraufhin ausgesandten Rittern und meinen Erlebnissen. Als ich ihr berichtete, wie ich die Erscheinung von Edelbrechts Antlitz an der Quelle hatte, schaute sie mich mit ihren grauen Augen groß an. „Tja, meine Tochter,“ meinte sie daraufhin, „das Wasser von Gôrmel ist nicht allmächtig. Aber es soll eine Quelle im Norden geben, deren Wasser schon einen Recken aus dem Dunklen Zeitalter von einer Dämonenwunde geheilt haben soll. Bestimmt wird ein Bad in dem Wasser dieser Höhlenquelle dem Prinzen helfen.“

Ich dankte der ehrwürdigen Mutter für ihren Hinweis und wollte diese Möglichkeit sofort dem Fürsten mitteilen. Ich verließ das Kloster von Gôrmel am nächsten Tag. Die Geschenke, die mir Wulfram machen wollte, habe ich dem Peraine-Stift gelassen, und noch eine stattliche Spende dazu. Malmar war voller Energie, nach zwei Tagen Stall, und so hielt ich die Zügel lockerer, nachdem ich die Straße nach Angbar erreichte hatte. Er stürmte freudig auf die Stadt zu. Ich freute mich auch, denn ich würde dem Fürsten einen Weg nennen können, seinen Sohn zu retten!