Wie Wasser Leben und Herzen brach

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Ausgabe Nummer 26 - Efferd 1023 BF

Wie Wasser Leben und Herzen brach

Das Tauwetter des Frühjahrs zerstörte das Glück einer Familie

BAR . FÜRSTENHORT. So hart und unverhofft mag das Schicksal einen die sterblichen Völker ereilen: Mit einem Mal hat die Schneeschmelze aus einer glücklichen und wohlhabenden Freibäuerin eine gramgebeugte und beinahe mittellose Witwe gemacht.

Im dritten Jahr hintereinander schon hatte die tüchtige Mechte Rumsglucker mit ihren sechs Mägden und Knechten eine über die Maßen gute Ernte in die Scheuer gebracht, und aus Koschtal, wo ihr zweiter Sohn Enno das Töchterlein des Meisters gefreit und die Werkstatt übernommen hatte, sandte er der Mutter einen prallen Beutel mit blitzendem Silber, so hatte Phexen sein Geschäft gesegnet.

Die brave Mechte Rumsglucker und ihr Ehegespons Ambros dankten den guten Zwölfen von Herzen und gaben weit mehr, als ihr Zehnter gewesen wäre, und sie verbrachten einen sorgenfreien Winter, gaben aber den Armen ein Almosen, wenn sie darum baten. Am 1. des Tsamondes nun — das sei schien ein guter Tage für solcherlei Dinge — machte sich die Freibäuerin auf nach Fürstenhort, trat dortselbst vor den mächtigen Vogt Roban von Treublatt und erwarb von diesem das Recht, fortan die Blaue Mühle im Tal zu führen.

Der Müller nämlich war des Winters gestorben, weil er alt war. So richteten der Bäuerin Mann Ambros und Firuna, die Tochter, welche fortan Müllerin sein sollte, in der folgenden Woche die alte Mühle recht und schön her, denn besseres hatten sie nicht zu tun, solange der Schnee anhielt, und auf der faulen Haut zu liegen wie ein Garether Bürgerbübchen, das schienen ihnen nicht rechtschaffen.

Angesichts des sich in Oxen und Aberoxen ausschüttenden Himmels am folgenden Wassertage hatten es sich die Werkenden nahe der Ofenstelle der Mühle gemütlich gemacht, um das Ende des Unwetters abzuwarten. So aber bemerkten sie nicht, daß sich der Mühlbach durch Schneeschmelze und Regenfälle in einen reißenden Strom verwandelt hatte und gar das steinerne Fundament des Hauses unterspülte!

Da brach mit einem Mal der Dielenboden unter den Nichtsahnenden weg; die Fluten des Mühlbachs kamen über sie und rissen Vater und Tochter hinweg.

Von Firuna Rumsglucker fehlt seither jede Spur, den Vater fand man anderntags beinahe eine Meile den Bach hinab an einem steilen Ufer liegend. Born, der Erstgeborene der Rumsgluckers und Erbe des Hofes, eilte sich, zu seinem Vater hinabzusteigen, doch als wär’s des Unglücks nicht genug gewesen, glitt er an dem schlammigen Hang aus, stürzte hinab und brach sich das Bein in übler Weise. Der Vater Ambros aber war längst vor Boron getreten.

Nun weiß die einstmals glückliche Mutter nicht, wie sie dem Vogt im kommenden Jahr die Mühlpacht zahlen soll, da die Mühle zum größten Teil zerstört ist, ihr Ältester ein zerschmettertes Bein hat und Mann und Tochter gar tot sind. Tagein, tagaus sieht man die gebrochene Frau in aller Früh zum Traviatempel wandern, denn einzig von der milden Göttin erhofft sie sich noch Besserung.

Stitus Fegerson