Ankunft in Moorbrück - Am Rande

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1032 BF, Am Großen Fluss

"Ich dachte immer, Fürsten sind dafür da, Steuern eintreiben zu lassen, nicht Gold zu verschenken. 500 Dukaten, und das sechs Mal! Das sind ja ... "
Die untersetzte Frau im weiten Hemd und den halblangen Hosen der Flussschiffer pfiff durch die Zähne, ließ den Satz aber unvollendet.
"Insgesamt 3000 Goldstücke. Oder, wahrscheinlicher, 30.000 blinkende Silberlinge mit dem fürstlichen Eber drauf"
Der gutgekleidete Mann neben ihr führte den Gedanken weiter, woraufhin die Worte einige Zeit im Raum hingen. Während er sich über den Kinnbart strich und offenbar nachdachte, blickte die grauhaarige Schankwirtin, die sich zu ihren Gästen an den Ecktisch gesetzt hatte, immer wieder zustimmend nickend von einem zum anderen. Die Schankstube war bis leer an diesem Mittag, so dass sie sich die Vertraulichkeit ohne weiteres erlauben konnte (und auch ein plötzlich eintretender Stammgast hätte wohl keinen Verdacht geschöpft, dass die fröhliche Wirtin Vieska in traviagefälliger Manier einige Worte mit den Fremden wechselte).
"Es gibt drei Möglichkeiten: Entweder hat dieser Grafenvogt das Gold schon mit sich gebracht und verteilt. Dann hätten wir sechs mal 500 Dukaten bei jedem, wahrscheinlich in einer schäbigen Moorkate, höchstens drei, vier Bedienstete. Nicht die schlechtesten Voraussetzungen. Oder die Herren Ritter dürfen sie sich demnächst jeder für sich in Angbar abholen, zusammen mit Knicksen und Ring küssen beim Fürsten. Dritte Möglichkeit: Alles kommt auf einen Schlag mit einer Geldkutsche aus Angbar hierher - die meisten Wachen, aber dann wär's auch mit einem Schlag unsers", fasste der vermeintliche Kaufmann die Lage zusammen.
"Wir müssen genau Bescheid wissen. Vieska, Ihr sendet Euren Zwerg nach Norden, er soll sich umhören, ob er über seine alten koschtaler Verbindungen etwas erfährt oder vom Herannahen eines Geldtransports hört. Efferdane, gleiches in Ferdok und nimmt Kontakt zu Tilda Einarm auf."
Der Mann zog unter dem Tisch zwei kleine Ammernkästen hervor.
"Brieftauben", erklärte er, "Ich möchte sofort Bescheid wissen, wenn unser Gold kommt. Und nun entschuldigen mich die Damen bitte - auf bald und gutes Gelingen."
Wenige Augenblicke stand er auf der Straße, prüfte noch kurz, ob seine Mütze noch das zu einem Zopf zusammengebunden rote Haar verbarg und nahm dabei einen herannahenden Perainegeweihten wahr. Hochwürden wollte sich wohl einen Schank Bier in Vieskas Taverne gönnen, jetzt, da das Licht der Nachmittagssonne das Städtchen in seinen berühmten roten Glanz tauchte.
"Irgendwie mag ich Uztrutz, nicht nur wegen der Farbe", dachte der Rote Jast, als er den Geweihten mit einem Tipp an die Mütze grüßte und im Hinfortschreiten schon überlegte, wen aus seiner Truppe aus Flußpiraten und anderem Gesindel er als Späher nach Moorbrück selbst schicken sollte.