Unter Schurken - Diese feisten Hintermärker

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Hinterkosch, 1021

Baron Merwerd Stoia von Vinansamt blickte in die Flamme des kleinen Talglichtes, das auf dem wackligen Tisch vor ihm stand und im schwachen Lufthauch züngelte. Rechts neben ihm saß Rena von Arbasien, ihnen gegenüber die beiden seltsamen “Adligen“, jenes Empfangskomitee für den Jergenqueller, der praiosweißwo steckte. Um sie herum standen die sieben verwegenen Gestalten, die Klingen immer griffbereit in den Gürteln.
“...Versteht Ihr nun unseren gerechten Zorn, Herr Jergenquell? Die Zahlungen an den Kosch müssen ein Ende haben“, schloß die Frau, die sich Odewinse von Brüllenfels nannte, gerade ihre Erläuterungen.
“Vollkommen, Teuerste“, floß es dem Vinansamter über die geübte Zunge, doch in seinem Kopfe schwirrten die Gedanken.
“Ich kann gut verstehen, daß es dem Hi... ähem... rrrrm... den stolzen Nordmarken nicht gefällt, dem koscher Nachbarn schöne Golddukaten zu zahlen – von der Ehre ganz zu schweigen.“
(Und wie ich verstehen kann, daß es euch nicht gefällt! Aber so ist es rechtens und gesiegelt. Es war schließlich der alte Gratenfelser, dieser Dummkopf, der damals unser schönes Wengenholm überfallen hat. Und endlich haben wir nach Jahren unser Recht geltend gemacht, Wergeld und Entschädigungen zu bekommen! Gut, ein paar Junkergüter, deren Pfründe auf einige Jahre an den Kosch verpfändet sind, mehr ließen sich diese märkischen Füchse nicht abluchsen – ein schönes Wortspiel! – und so würde noch auf einige Zeit ein Taxgreve seinen Golddaumen auf diese Säckel legen. Sicher! Und bald würde auch wieder ein neuer Geldtransport fällig sein – Fürst und Grafen brauchten jetzt jeden Nickel, um für den bevorstehenden Krieg gerüstet zu sein.)
“Was also ist Euer Plan?“ fragte er nun die Brüllenfelserin, die sich zurückgelehnt hatte und sich durchs offene Haar strich. Ihr Gefährte, dieser Guldewald von Schleiffenröchte (gab es nicht im Gratenfels’schen ein Geschlecht von Schleiffenröchte?) spielte mit der Spitze seines Tischdolches und schabte sich die Trauerränder unter den Nägeln hervor. Er schien gelangweilt von dem Gerede – wohl eher ein Mann des Schwertes denn der Worte.
“Mein Plan“, eröffnete die Frau, “ist grob gesagt folgender: wir überfallen den Transport, bei dem sich auch einige andere Geldschatullen und Waren befinden sollen, die für den Kosch bestimmt sind. Irgendwo vor Albenhus in der Klamm ist es am sichersten. Als zweites werden wir an diesem Tax-Grafen...“
“...Greven!“ warf Merwerd Stoia ein und hätte sich am liebsten die Zunge abgebissen, weil er sich mit solchen Spitzfindigkeiten leicht verraten konnte.
“Verzeiht“, fügte er mit seinem berühmten gewinnenden Lächeln hinzu, “aber ich habe seinerzeit auch Ärger mit diesen Schergen gehabt – und die Handlager des Fürsten kenne ich nur zu gut.“
Und mögen die Zwölfe und Herr Blasius mir diese Lästerungen verzeihen – aber es ist ja alles zum Wohle des Kosch! fügte er in Gedanken hastig hinzu.
“Gut, also Greven“, fing die Brüllenfelserin wieder an. “Wir werden an ihm ein Exempel statuieren und unsere ‘Spuren’ hinterlassen. Es muß endlich ein Zeichen gesetzt werden – und die Zeit ist günstig. Die hohen Herren sind alle sehr mit dem Osten des Reiches beschäftigt und werden kaum größere Truppen gegen uns senden können. Schon gar nicht diese feisten Hintermärker...“, (Merwerd zuckte mit den Wimpern bei dem impertinenten Wort) “...und ihr Schatzmeister wird heulen, wenn er von den Verlusten erfährt, haha!“
Die Spießgesellen fielen in das bissige Lachen mit ein. Aber es klang nicht besonders echt.
Wenn ihr wüßtet, Halunken, daß der Säckelmeister euch gegenüber sitzt, dachte der Baron grimmig, verzog aber nach außen hin keine Miene. Weiter nun. Er mußte alles wissen...