Von Enzian und erstem Edelweiß: Efferd und Travia zu Ehren

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um die Feiertage 30 EFF/1 TRA 1038 BF umzu

Nach der Rückkehr aus Wildreigen hielt der Alltag alsbald Einzug im beschaulichen Blaudorf. Auf einer der künstlich angelegten Terrassen wurden die Wälle aus Fundsteinen zu brusthohen Trockenmauern erhöht und der Eingang zur Terrasse mit einem Gatter verschlossen. Dieses Areal diente fortan als Weide für die Pferde des Ritters. Die Zwerge wurden damit beauftragt, hochgebirgstaugliche Kutschen zu bauen. Diese nahmen sich die Ziegenkutschen als Vorbild und tauschten sich mit anderen Angroschim aus und nach ein paar Götternamen war es vollbracht. Der Herr von Wildreigen zum blaubunten See verfügte über zwei Kutschen: ein Zweispänner für Pferde und ein Einspänner für die Eselin. Letztere hatte einen umklappbaren Kutschbock, so dass die Kutsche sowohl von Menschen- wie Zwergenhand gefahren werden konnte. Während diese in verschiedenen Erztönen gehalten war, präsentierte sich der Zweispänner herrschaftlich: Sie war robust und wendig, wie es das Hochgebirge erforderte, aber sie war mit dunklem Nussholz verkleidet und das Wappen derer von Wildreigen war als Intarsienarbeit auf beiden Seiten angebracht. Ritter Ladislaus war sprachlos, als er sah, wie gut das dunkle Holz mit der Fellfarbe seiner Isabellen harmonierte. Die Zwerge lehnten eine Belohnung ab: "Deddio Gabrom, Ihr habt viel für uns getan. Dies ist unser Dank an Euch." Der so Angesprochene fühlte sich ein wenig verlegen ob der Größe des Geschenkes, ging auf die Knie, um mit den Zwergen auf Augenhöhe zu sein und sprach: "Vielen Dank für die Ehre! Wenn Ihr die Eselskutsche benötigt, zögert nicht und kommt zu mir."

Bald darauf machten die ersten herbstlichen Winde, dass der Sommer im Hochgebirge vorbei war. Wie jeden Morgen ging Ritter Ladislaus, um nach den Pferden und der Eselin zu sehen und wurde von den Stuten am Gatter begrüßt, während sich Äkki an diesem Morgen etwas mehr zurückhielt und sich so wachsam wie im Felde zeigte - ganz so, als wollten ihm die Sanftnasen freudig mitteilen: 'Schau her, wir bekommen Fohlen!" Sichtlich gerührt und erfreut klopfte er ihnen die Hälse.

Später stieg er mit seinem Getreuen Zsigmond, seinen Hunden und ein paar Dörflern auf die Almen hinauf. Seinen Pferdeknecht ließ er bei den Tieren. Bereits nach kurzer Zeit konnten sie sehen, dass die ersten Herden schon auf halbem Hang standen und hörten das Bimmeln der Glocken und die Rufe der Senner, die die Schafe und Ziegen aus den hohen Bergen trieben. Ein paar Stundengläser später hatten sie zu den Hirten aufgeschlossen und setzten sich zur Brotzeit: Der schwierigste Teil stand noch bevor und hier oben war es kalt. Hier war bereits später Herbst und die Hänge leuchteten in bunten Laubfarben. Als sich alle ausgiebig gestärkt hatten, verteilten sich die Männer und Frauen auf ihre Posten und wie selbstverständlich reihte sich der Herr des Dorfes mit ein. Mit lauten Rufen, mitunter waghalsigen Sprüngen und viel geduldigem Druck bekamen sie die Tiere in Bewegung, stöberten hier und dort Ausreißer auf oder fanden versprengte Tiere, meist Lämmer, und fügten sie den bereits auf große Zahl angeschwollenen Herden zu. Bald wurde es Nacht, doch geschlafen wurde nicht. Die Schafe und Ziegen wären sonst wieder in die Berge hinauf ausgebüxt. Spät am nächsten Nachmittag erreichten dann Mensch und Tier müde und erschöpft das Dorf. Die wenigen Feldfrüchte, die in Blaudorf angebaut werden konnten, waren bereits eingeholt und so wurden die Schafe und Ziegen auf die Terrassen getrieben. Dort mussten sie sorgsam bewacht werden, denn die niedrigen Steinmauern waren für die hochgebirgsgewandten Klettertiere keine Hindernisse. Die Tiere wurden untersucht, gezählt und die Jungtiere wurden markiert. Dazu gab es viele Umarmungen und Schultergeklopfe, hatten sich doch die Hochgebirgshirten und die sesshaften Dörfler lange Zeit nicht gesehen.

Nach ein paar Tagen waren alle Arbeiten abgeschlossen und alle Dörfler, die nicht als Hirten abgestellt waren, versammelten sich am Ufer des Sees. Die Menschen hielten Opfergaben in den Händen. Efferdlieb Treublatt hielt die Efferdsfeier am Ufer des Sees ab, die Fischer dankten für den reichen Fang und alle Menschen, egal ob Bauer, Fischer, Handwerker, Senner oder Ritter, brachten See und Gott ihre Opfergaben dar. Traditionell nahm Efferdlieb an diesem Tag sein letztes Bad im See, bevor mit Beginn der Frühlingsfeierlichkeiten die Badesaison wieder begann. In diesem Jahr hatte er jemanden, der ihn beim Bad begleitete: der Ritter und Herr des Dorfes, Ladislaus, überraschte die Dörfler, indem er mit dem Geweihten in die Fluten stieg - und erwarb sich damit zusätzlichen Respekt.

Am nächsten Tag gingen die Feierlichkeiten weiter, schloss doch das Fest der Travia daran an. Die Menschen dankten für die sichere Heimkehr aus dem Hochgebirge, die Feldfrüchte (die dieses Jahr etwas magerer ausgefallen waren aber immer noch gerade so über den Winter reichen würden), die vielen neugeborenen Lämmer und Zicklein und den reichen Ertrag der Sennen in Form von Milch, Käse, duftenden Kräutern und Heu. Ladislaus schickte im Stillen ein zusätzliches Gebet des Dankes für die drei trächtigen Stuten hinterdrein. Die Menschen gingen von Haus zu Haus, besuchten Freunde und Verwandte und ein jeder hatte eine offene Tür und eine Kleinigkeit zu Essen und zu Trinken für die Gäste. Auch die Türen des Hauses Peridot waren geöffnet, die Menschen konnten sehen, wie ihr Ritter sich eingerichtet hatte und bekamen den ein oder anderen besonderen Leckerbissen für sich und ihre Familien mit auf den Weg.

Dorf und Ritter, Ritter und Dorf, sie gehörten zusammen. Das Dorf brauchte ihn und er brauchte das Dorf. Bilder aus tobrisch Landen flackerten vor seinem inneren Auge auf, wollten den Frieden und das Glück, die er hier erfuhr, in Frage stellen, doch die Dörfler lenkten ihn ab und zeigten ihm: du bist hier zu Hause. Travia sei Dank!