Uztrutzer Umtriebe - Beratungen auf Burg Ingen

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Das Ingener Treffen 1038

Die vielen angereisten Gäste saßen im Großen Saal der Burg Ingen zusammen und genossen ihr Ferdoker Bier, während sie auf die Ankunft Grimbarts von Uztrutz warteten. Bisher hatte sich der Grund für ihre Versammlung noch nicht blicken lassen. Er würde beten hieß es vor dem Essen, aber jetzt wurden die Gäste doch allmählich unruhig. Gero vom Kargen Land versuchte als Hausherr so gut es ging zu unterhalten und abzulenken, doch auch ihm war eine leichte Irritierung anzumerken.

Schließlich wurde die Tür geöffnet und Grimbart von Uztrutz zog in die Halle ein, nein er marschierte vielmehr. Sein Kettenhemd klirrte bei jedem Schritt und auch der große Zweihänder auf seinem Rücken wirkte in der Halle etwas fehl am Platze. Gefolgt wurde er von zwei Rondrageweihten die ähnlich kriegerisch angetan waren. Als er in der Mitte der Halle angekommen war und sich die Gäste allmählich um ihn herum versammelten erhob er seine Stimme. “Ich freue mich, dass ihr alle dem Ruf meiner Tochter Rondralieb so zahlreich gefolgt seid. Ich will gar nicht lange drum rum reden. Es geht um viel, nämlich sowohl um die Baronie Uztrutz, als auch den Ruhm und die Ehre des Hauses. Als Zweiältestem steht mir die Baronie, nach Metzels Rückzug, rechtmäßig zu und mein Vater hatte mir dies auch vor wenigen Monaten noch versichert. Freilich hat sich mein jüngerer Bruder Alrich das Testament ändern lassen, als mein Vater schon nicht mehr Herr seiner Sinne war. Sein Verschwinden bedauere ich natürlich aufrichtig, war er bei allen Streitereien doch mein Bruder. Die Tat wurde natürlich nicht von meinem Sohn Wulfmar begangen, die Alrichs Kinder uns glauben machen wollen, sondern von seinen eigenen machthungrigen Sprösslingen um ihn aus dem Weg zu schaffen.” Kurz holte Grimbart Luft “Die Lage ist verworren, aber nicht aussichtslos. Burg Rudes Schild und die Stadt Uztrutz sind auf unserer Seite, ebenso hat das Haus Steinkopf uns die Treue geschworen. Die Frage ist nun wie wir am besten vorgehen. Der Fürst scheint sich in der Sache reichlich viel Zeit zu nehmen, sodass es an uns liegen wird eine Entscheidung herbei zu führen. Wie ihr sicher schon wisst will ich die Baronie nicht für mich, sondern für die Rondrakirche um sie in ihrem Kampf gegen die Schwarzen Lande zu unterstützen. Die beiden Schwertbrüder Perval von Vardock und Raban Axtkind von Vardock haben sich mir daher angeschlossen.” Die Angesprochenen neigten leicht die Häupter. Perval ergriff sogleich das Wort. “Wobei wir daarauf hinweisen müssen, dass wir nicht auf Weisung unserer Kirchenoberen hier sind, sondern aus eigenem Antrieb für die gute Sache.” Grimbart nahm die Einschränkung kaum zur Kenntnis und fuhr gleich fort. “Die Frage ist nun also wie wir vorgehen sollen. Was denkt ihr Freunde? Ich habe die vergangenen Tage für einen Fingerzeig gebetet, aber keinen bekommen, sodass ich auf euren Rat angewiesen bin.”

Als erstes ergriff von den Anwesenden der Gastgeber das Wort. “Was Rondra dienen soll, kann nicht unehrenhaft gewonnen werden. Ich denke, wir sind uns einig” - dabei machte Gero vom Kargen Land eine weit ausholende Geste und blickte einmal quer durch die Runde - “dass keiner von uns Hinterlist oder Gewalt anwenden wird – auch dann nicht, wenn die andere Seite zu solchen Mitteln greifen mag.” Manch einer sog bei diesen Worten scharf die Luft an. Immerhin wurde doch Alrichs Verschwinden, ohnehin eine feige Missetat, Grimbarts Familie angelastet. Für den einen oder anderen war das nur ein weiterer Grund, auf eine rasche Klärung der Streitigkeiten zu drängen – schließlich gab es noch die Hoffnung, dass Alrich dann wieder auftauchen möge. Der Markvogt fuhr fort: “Dass weder von Fürst noch Graf ein Wort kommt, ist bedauerlich. Ich gebe jedoch zu bedenken, dass es nicht rondrianisch erscheint, auf das Einhalten der praiosgefälligen Ordnung zu pochen, sondern diese vielmehr erst durch eigene Tat herzustellen und zu sichern.” Bei diesen Worten pochte sein ältester Sohn zustimmend auf den Tisch, und einige der Anwesenden nickten. Bedauernd fügte Gero hinzu: “Das Verhältnis der zwölfgöttlichen Geschwister selbst war nie völlig ungetrübt – auf geradezu tragische Weise findet sich der Familienkonflikt also auch zwischen Praios und Rondra wieder. Und wer würde ernsthaft für Praios oder Rondra allein eintreten – gegen den jeweils anderen? Wir wissen, wie es war, als sich einst eine Kirche gegen die andere stellte.” Mit dem Verweis auf die Priesterkaiserzeit sprach der Vogt eine Epoche an, die jedem Ritter aus dem Geschichtsunterricht noch gut im Gedächtnis geblieben war. Zu schrecklick hatten die Sonnenfürsten am Ende im Kosch gewütet. Boronar vom Kargen war sichtlich aufgewühlt und blickte zu Rondralieb von Uztrutz. Grimbart hingegen blieb äußerlich völlig ungerührt und sah den Gastgeber weiterhin mit wachen Augen und aufmerksam an. Dieser war noch nicht am Ende seiner Rede. “Rondra als jüngere Schwester Praios' tut gut daran, ihn zu unterstützen. Denn die Ehre muss dem Recht verpflichtet sein, auch wenn umgekehrt das Recht scheinbar nicht immer auf die Ehre achtet. Als bestes Beispiel für letzteres mag uns ein Dokument die Erbfolge betreffend dienen, das womöglich nach den Gesetzen der Jurisprudenz formal korrekt zustande gekommen sein mag, jedoch wohl kaum unter den Prinzipien der Ehre betrachtet Bestand haben würde.” “Sehr richtig!”, brach es nun donnernd aus Rondralieb hervor, die zur Bekräftigung die rechte Hand zu Faust geballt schwang. Es setzte Unruhe im Saal ein, die Grimbart jedoch mit einer ruhigen Handbewegung zum Verstummen brachte. “Gute Worte, Euer Hochgeboren, doch was gedenkt Ihr angesichts all dessen zu tun?” “Lasst unsere Taten für uns sprechen. Wir sind doch eine ganze Handvoll tapferer Ritter. Fordern wir jeden Streiter der Gegenseite einen nach dem anderen zum rondragefälligen Duell. Wer verliert, muss sich aus dem Streit zurückziehen. Auf die Weise schützen wir auch die tapferen Bürger, die sich uns treu erklärt haben und nicht zu Schaden kommen sollen. Außerdem vermeiden wir, dass der Zwist immer weiter ausartet. Und halten wir es wirklich rondrianisch: Es geht uns nicht darum, die anderen zu vernichten oder zu blamieren. Wer Ehre zeigt, dem soll auch Ehre erwiesen werden! Und wer immer von der Gegenseite sich verständig zeigt, mit dem wollen wir in aller Ruhe reden. Hitzköpfigkeit ist keine ritterliche Tugend.” Bei den letzten Worten dachte Gero vor allem an Erlan von Sindelsaum. Hoffentlich würde es zur Verständigung kommen! “Und wenn die anderen gewinnen, einfach weil sie mehr sind und ihre Kräfte besser schonen können?”, fragte Rondralieb zurück. “Dann wird es auch nicht Rondras Wille gewesen sein, dass die Baronie als Lehen an ihre Kirche geht. Eine Niederlage aber muss kein aufrechter Streiter fürchten.” Gero blickte kurz zu seinem Sohn Holdwin. “Denn was wird man in besserer Erinnerung behalten als einen tugendhaft ausgeführten Kampf, selbst wenn er verloren wurde? Dem Namen Rondras dient das allemal.”

“Dem Namen Rondras vielleicht, aber ob es unserer Sache dienen wird?” murmelte Rondrolf Grobhand von Koschtal gerade so laut, dass nur sein Bruder Roban ihn verstehen konnte. Der hatte sich bislang nur für seinen Bierkrug interessiert – Politik und Roban, dass passte so gut zusammen wie Ork und Manieren. Jetzt aber gab er seinem älteren Bruder einen ziemlich derben Knuff in die Seite, wischte sich den Schaum von den Lippen, und seine Augen funkelten böse. “Das du von Rondras Willen nicht viel hälst, ist mir klar”, grollte er leise. “Ich finde die Idee mit den Zweikämpfen nicht schlecht. Besser, die Herrin entscheidet als irgendwelche Grünlinge in der Schreibstube – oder Wortverdreher am Verhandlungstisch!” Rondrolf verdrehte die Augen, verkniff sich aber jeglichen Kommentar. Immerhin, wenn es zu Zweikämpfen kam, hatte Roban noch ganz ordentliche Chancen, seinen Wert unter Beweis zu stellen. Er selbst würde hoffentlich nicht gezwungen werden, zum Schwert zu greifen. Vermutlich würde er ohnehin in keinem ernst gemeinten Schlagabtausch bestehen können.
Angrond von Sturmfels, Baron zu Dohlenfelde und hochadliger Reichskammerrichter, hatte sich die Diskussion interessiert angehört. Der Sturmfelser fühlte sich gleichermaßen den Idealen Rondras und Praios‘ verpflichtet, der angesprochene Spagat zwischen Ehre auf der einen und Recht auf der anderen Seite war ihm leidvoll bewusst. Dann ergriff er das Wort: “Recht und Ehre verbindet meines Erachtens, dass sie uns von den Göttern gegeben wurden, um uns zu unsere Schwächen und Grenzen vor Augen zu führen. Nur, wer sich ehrbar verhält und zugleich das Recht achtet, kann gerecht sein.“ Angrond räusperte sich und setzte seine Rede fort: “Ich bin in dieser Runde, da ich Grimbart zu größten Dank verpflichtet bin, ihm gar mein Leben zu verdanken habe. Und ich unterstütze Grimbarts Ansinnen, den Streit um Metzels Erbe beizulegen, indem die Baronie Uztrutz dem Bund des Schwertes überantwortet wird. Die Rondrakirche, schon zu Kaiser Rauls Zeiten treu für das Neue Reich und damit auch das Königreich Kosch streitend, benötigt in diesen finsteren Zeiten jedwede Unterstützung, um den Kampf in Tobrien zu einem guten Ende zu bringen. Die Kirche der Herrin Rondra wird nicht ruhen, bis der Reichsverräter Haffax in seinem Blute liegt und Ysilia und Mendena befreit sind! Und wir sollten nicht vergessen, dass auch das Königreich Maraskan noch seiner Rückeroberung harrt, denn wer anderes als die Kirche der Himmlischen Leuin soll in der ersten Reihe stehen, wenn es darum geht, den finsteren Bluttemplerkult ein für allemal zu vernichten? Und wenn dies vollbracht ist, dann steht es an, den Novadi endlich aus der Grafschaft Amhallas und den Ork aus den Svelltlanden zu vertreiben.“
Der Baron nahm einen tiefen Zug aus seinem Krug und wischte sich ein heruntergeronnene Tropfen Ferdoker aus dem Bart: “Der Bund des Schwertes musste in den letzten Jahren und Jahrzehnten bittere Verluste hinnehmen, der Kirche fehlt es aber nicht nur an Streitern, sondern auch an Gold. Denn nicht nur Kämpfer benötigt die Kirche, nein es müssen auch Tempel instandgehalten und im befreiten Land neu errichtet werden, auch müssen Krüppel sowie Witwen und Waisen verblichener Helden versorgt werden. Uztrutz mag einen nicht unbedeutenden Teil zu dieser großen Aufgabe beitragen. Und dies Dank der weisen Entscheidung Grimbarts!“
Angrond prostete Grimbart zu und schloss seine Rede, dem Ritter des Gerruner Schwertbundes und den beiden Rondrageweihten zugewandt: “Unser gemeinsames Ziel – die Baronie Uztrutz dem Bund des Schwertes zu überantworten – ist nicht nur hehr und göttergefällig, es ist auch gut und recht. Niemals sollten wir auch nur erwägen, den Anspruch der Derya von Uztrutz ernst zu nehmen. Sie ist nicht mehr als ein williges und gutgläubiges Werkzeug der intriganten Häuser Treublatt, Sindelsaum und Salmingen. Darum empfehle ich Euch, Grimbart: Widersetzt Euch mit aller Macht den Konspirateuren, die Euch Euer Lehen streitig machen wollen! Ihr müsst niemandem beweisen, dass Ihr der rechtmäßige Herr von Uztrutz seid. Und Euer Vorhaben, die Baronie dem Bund des Schwertes zu überantworten, ist ehrbar, rechtens und gerecht.“

Bei den letzten Worten Angronds hatte Gero vom Kargen Land nervös geblinzelt. "Wenn ich Euch recht verstehe, wollt Ihr keine Entscheidung über rondragefällige Duelle, weil dies stets die Möglichkeit bietet, dass die Gegenseite gewinnt. Doch wie wollt Ihr dann weiter vorgehen? Einen offenen Kampf werden wohl weder Graf noch Fürst hinnehmen." Da Angrond den Dohlenfelder Thronfolgestreit gewonnen hatte, in den nicht nur die Nordmärker verwickelt gewesen, sondern in den auch viele Koscher hineingezogen worden waren, befürchtete Gero, Angrond schrecke zur Not auch vor einer solchen Lösung nicht zurück. Ein solcher langwieriger Konflikt musste auf Koscher Boden verhindert werden! "Ich möchte offen sprechen - es wäre anders ja weder praiosgefällig noch ehrenhaft: Zum Haus Sindelsaum gibt es von meiner Familie aus mancherlei Verbindung, daher kann ich Euer Urteil, was die Sindelsaumer angeht, nicht teilen. Schwerer wiegt jedoch, dass sich wohl niemand folgenlos mit gleich drei Koscher Adelsfamilien anlegt. Ich plädiere daher dafür. die Gegenseite nicht persönlich zu beleidigen." "Richtig, das wird sie nur noch mehr zusammenschweißen.", stimmte Holdwin vom Kargen Land seinem Vater zu. Schließlich ergriff sein Vetter Boronar das Wort. "Ein längerer Konflikt, der die Kräfte des Kosch bindet, ist genau das, was sich jemand wie Haffax wünschen würde. Wenn wir keine schnelle Lösung finden, bei der die anderen Familien auf der Gegenseite ehrenhaft aus der Sache herauskommen, wird es am Ende die Rondrakirche geschwächt haben, anstatt sie zu stärken. Ich schlage daher vor, dass alle Anwesenden sich an Graf und Fürst wenden. Je mehr Stimmen sich dafür erheben, desto eher wird eine Entscheidung getroffen! Wenn der Koscher Adel mit einer Stimme spricht, dann wird ihm auch keine Antwort verwehrt werden! Die Anhänger Alrichs können es ebenso machen. Und bedenkt: Wenn diese es vorziehen zu schweigen, wirft das kein gutes Licht auf sie und wirkt eher so, als seien sie sich der Schwäche ihres Anspruchs bewusst." "Aber solange Alrich verschwunden bleibt, wird es keinen Frieden geben zwischen den beiden Zweigen der Familie.", wandte Holdwin ein. "Das ist allerdings richtig.", stimmte Gero bedauernd zu. "Und wenn wir gemeinsam nach ihm suchen?", schlug Boronar vor. "Wir können stets jemanden von der Gegenseite mitnehmen. Damit bleibt ihnen nichts verborgen und sie sehen, dass wir es ernst meinen," "Es könnte aber auch als ein Ablenkungsmanöver gewertet werden.", gab Gero zu bedenken. "Nicht nach ihm zu suchen ist auf jeden Fall noch schlechter!", platzte es nun aus Rondralieb heraus. "Ich finde auch, wir sollten meinen Onkel suchen. Es kann doch nicht sein, dass eine Handvoll Schergen einfach jemanden verschwinden lassen. Dass Alrichs Verschwinden kein Zufall war, darüber sind wir uns wohl einig. Wenn wir Alrich finden und retten und die Hintermänner entlarven, stehen wir gut dar - egal, was man von Alrich und seinen Kindern ansonsten auch halten mag."
“Wohl gesprochen!” Robans Krug krachte leer auf die Tischplatte. “Es kann nicht angehen, dass Koscher sich gegenseitig zerfleischen, und zum Herumsitzen ist keiner von uns hierher gekommen. Spurlos verschwindet ein Adelsmann nicht, also wird man ihn finden können, ob jetzt mit der Hilfe von Alrichs Anhängerschaft oder nicht. Eine solche Aktion wird zudem nicht allzu viele Kräfte binden, sofern wir nicht auf gut Glück in alle Himmelsrichtungen suchen wollen. Eine kleine Gruppe könnte versuchen, seine Spur aufzunehmen, während die restlichen alle anderen Möglichkeiten offenhalten oder vielleicht auch schon vorbereiten. Ist ja immerhin möglich, dass wir Alrich nicht finden, oder diese Strauchdiebe ihn bereits ermordet haben. In dem Fall sollte man schon mal die Stimmung am Grafen- und Fürstenhof ausloten, für den Fall, dass man dort wirklich vorsprechen muss.” “Wie weitsichtig von dir”, murmelte Robans Bruder, und unterdrückte einen Schmerzenslaut, als seine Zehen eine kurzen, aber sehr nachdrücklichen Besuch von Robans Stiefelabsatz erhielten.
Grimbart hatte sich die Ausführungen still angehört und sprach erst nach einer längeren Denkpause. „Die Suche nach meinem Bruder ist auch für mich von oberster Wichtigkeit. Wir mögen zerstritten sein und dennoch ist er mein Bruder. Eine Queste um sein Schicksal zu klären ist ganz nach meinem Geschmack und ich würde mich gerne persönlich anschließen. Dennoch sollte die Suche nach Alrich nicht unser einziger Versuch sein diesen Konflikt zu lösen. Ich persönlich würde natürlich ein Rondraurteil vorziehen, doch bin ich alt genug um zu wissen, dass dies viele Risiken mit sich bringt. Habt ihr sonst noch weitere Vorschläge?“