Liebe geht durch den Magen - Wettbacken

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Felsenried, 1035

Iber Bockling hatte erst einmal eine ganze Weile gebraucht bis auch er mit dem Backen begonnen hatte. Als die Kandidaten einzogen hatte er sich bewußt im Hintergrund gehalten. Da standen sie nun alle vor ihm. Wirklich kennen tat er natürlich keinen der Anwesenden aber er war sich sicher das sie alles gestandene Adelige und Ritter waren. Wenn er auch recht gut mit der Armbrust umgehen konnte, immerhin war er schon seit vielen Jahren Mitglied in der Angbarer Schützengilde, so hatte er doch noch nie in einem echten Kampf gestanden. Geschweige denn ein Schwert geschwungen oder dergleichen. Er hatte sich versucht zu beruhigen und immer wieder eingeredet das er eh keine Chance hatte sich also gar keine Gedanken machen mußte wie es nach dem Wettbewerb weiterging. Schließlich war er zu dem Entschluß gekommen diesen Wettbewerb anders zu nutzen. Eben indem er sein bestes beim Backen gab und dabei nicht verhehlte wo man seine Speisen normalerweise und fast jederzeit bekommen konnte. Eben im Gasthaus ”Dickbarsch” in Angbar welches seiner älteren Schwester Gilia gehörte und er mit dieser zusammen führte und dort der Herr über die Küche war. Wie der Name schon sagte war die bekannteste Spezialität des Hauses zwar ein Fischgericht aber Iber hatte sich für den Nachtisch schon recht lange ein Dreierlei an Kuchenrezepten zurecht gelegt welche er dort dann täglich zubereitete und so gut wie nie blieb etwas davon über. Eben dieses Dreierlei wollte er auch heute zubereiten. Da er nicht aus dem gewohnten und mehr als nur sicherem Ablauf heraus wollte hatte er Zutaten für ”normale” Kuchen mitgebracht. Er machte also nicht drei kleine Küchlein sondern drei richtig große Kuchen wie an bald jedem Tag im heimatlichen Angbar. Das vergrößerte die von ihm zu leistende Arbeit natürlich um einiges aber er tat diese ja jeden Tag und war dadurch nicht langsamer oder gar der Letzte wie seine Kontrahenten.
Nach und nach verbreitete sich also von seinem Platz ein Dreiklang an wohlriechenden Düften. Sein Kuchen Dreierlei bestand wie immer aus folgenden Backwerk. Da war zunächst ein recht leichter Fruchtkuchen mit Hollerbeeren. Er war recht luftig und mit einer guten Portion geschlagener Milch eher was für den ”leichten” Genuss. Der zweite Kuchen in dem Dreigestirn war seine Bratapfeltorte mit Koschäpfeln. Er hatte in Angbar noch einiges von seinem erspartem ausgegeben um eine größere Menge von dem südländischen Gewürz an die Bratäpfel geben zu können. Auch an normalen Tagen bekam die Torte natürlich von diesem Gewürz dann aber in kleineren Mengen da sie ansonsten für kaum jemanden in Angbar erschwinglich war.
Zum Schluss folgte dann sein Nussnapfkuchen mit echten Weidener Walnüssen. Dies war sein persönlicher Favorit und tatsächlich kamen fast immer auch wirklich Walnüsse aus Weiden in diesen Kuchen. Nur an den seltenen Tagen wo sein Vorrat aufgebraucht war und keine neuen zu bekommen waren nahm er andere Walnüsse. Dieser Kuchen war zwar nicht staubtrocken aber im Vergleich zu den anderen beiden doch etwas trockener. Dies allerdings mit Absicht da er den Kuchen so ”deftig” abgeschmeckt hatte das dazu tatsächlich ein ordentliches Angbarer Bier schmeckte.

Am Ende seines Werkes besah er sich zufrieden seine drei Kuchen und präsentierte diese Stolz den Richtern.

Rainfried war anfangs nicht sehr angetan von der Idee seiner Ahnl, mittels Backwerk um die Hand der Junkerin von Mackenstein anzuhalten. War diejenige doch auch ein knappes Jahrzehnt älter als er selbst. Etwas erträglicher war die Anspannung durch die Anwesenheit des Robans und Etilian, mit denen er bereits am Vorabend lange über die Neuigkeiten aus Moorbrück der vergangenen Monde diskutiert hatte.

Nachdem er vom Hofkoch vorgestellt wurde, verneigte sich Rainfried vor seinem Fürsten, dem Cantzler, und reichte Erlan von Sindelsaum die Hand, nicht ohne dabei nachzufragen, ob sich die junge Niam auch gebührlich an ihre Pflichten als Pagin an seinem Hof erinnerte. Er wandte sich zur Begrüßung der Junkerin Anglinde zu. Ein Blick auf die sprichwörtliche Schönheit der Junkerin, und alles, was für ihn gegen diese Verbindung sprach, wurde unwichtig. War es bis zu diesem Zeitpunkt sein Stolz, der ihn um ihre Hand anhalten ließ, so änderte sich dies augenblicklich und er verfluchte sich, nicht viel mehr an Aufwand von Anfang an in die Brautwerbung gesteckt zu haben. Der Etikette gebührend begrüßte er die Frau, die von Rahja und, wie er sich nicht anders vorstellen konnte, in gleichem Maße von Hesinde gesegnet wurde.
Verneigend und rückwärts begab er sich dann zu dem ihm zugewiesenen Backtisch, auf dem alle Zutaten für die Torte angerichtet waren. Die guten, rotgolden glänzenden Äpfel von den Bäumen der Faßbrandts, etwas daraus gepresster Apfelsaft, die frisch gerührte Butter, daneben die Milch und ungeschlagene Sahne, ein Glas des besten Waldhonigs, den ihm die Immensteins zur Verfügung gestellt hatten, eine Schale voller am Vortag besorgter Eier, das Mehl und Grieß aus der eigenen Mühle nahe Grimsaus Ehr und die beiden Glanzstücke: eine Flasche Yaquirtaler Madawein und etwas Benbukkel. Mit schlechtem Gewissen dachte er an das Gold, das wohl für diese Flasche und das winzige Gewürzbeutelchen den Besitzer gewechselt haben musste. Und mit einem verstohlenen Blick auf die zukünftige Braut bedankte er sich insgeheim bei Flavia Mehring auf Munkelstein, die für ihn die Besorgungen überwacht hatte.

Nervös nestelte der recht frischgebackene Baron nach dem Zettel, den ihn Kalman Hullheimer diktiert hatte. “Mehl, Butter, Honig und etwas Pottasche verrühren.” Murmelte er leise vor sich hin, während er die einzelnen niedergeschriebenen und mehrfach in Grimsaus Ehr geübten Schritte befolgte. “Dann die Eier dazutun.” Schon wollte er eines der Eier in das Gemenge schlagen, als er sich an die Worte von Kalmans Frau erinnerte. “Schlecht kann es immer sein, ist es erst im Teig wird der nimmer rein! Drum erst am Ei riechen, dann musst du nicht siechen.” Flugs nahm er eine weitere Schale zur Hand und zerbrach das erste Ei darin. Ein kurzes Schnüffeln bestätigte ihm die Frische der Hühnerfrucht. Just als er das zweite Ei in die Schale zerbrach, sah er, wie sich die Junkerin etwas Luft zufächelte. Welches Parfum sie wohl vorziehen mochte? Ob sie den Duft von Rosen vorzog oder lieber nach Schwefel roch? “Nach Schwefel riechen? Wie komme ich auf Schwefel?” Siedend heiß durchzuckte es ihn. “Die Eier! Nicht das Riechen vergessen!” Gerade noch rechtzeitig kippte er die Schale zurück, in der sich die Quelle des wahrhaft üblen Geruchs befand. Der Dotter des zweiten Eis war nicht sonnengelb wie der erste, sondern blutrot und zerlief bereits im Eiklar. Das Gesicht vor Ekel überzogen kippte er die verdorbenen Eier in den neben dem Tisch stehenden Bottich. Er hatte die Eier doch selber noch ausgesucht? Und die Magd hatte ihm versprochen, dass sie frisch seien! Kopfschüttelnd reinigte er sie Schüssel und zerbrach zwei weitere Eier darin, peinlichst darauf achtend, kein weiteres Verdorbenes zu verarbeiten. Als sich der Teig nach langem Kneten am Rand der Backform befand, warf der Grimsauer einen weiterer Blick auf den Zettel. “Jetzt die Äpfel schälen und in Stifte reiben.” Rainfried war wieder auf sicherem, geübtem Terrain.
“Nach den Eiern kann nun wirklich nicht mehr der Wurm drin sein,” dachte er sich und rieb eben jenen Wurm mit in die Apfelstifte. Resignierend schnitt er die Äpfel auf und in jedem zweiten fand er ein sich windendes Würmchen. “Das wird wohl länger dauern als gedacht,” seufzte er und begann jeden Wurm aus den Äpfeln zu schneiden. Waren das wirklich die Äpfel der Faßbrandts? Irgendwie schien ihm, als wären sie am Vortrag noch etwas roter gewesen. Endlich waren die Stifte mit dem Benbukkel, weiterem Honig, dem Apfelsaft, etwas aufgekochter Milch und Grieß vermengt und einem guten Schuss des edlen Weins in die Form gewandert und in die Backröhre geschoben.
Nervös beobachtete er seine Mitstreiter.
Roban hatte es tatsächlich geschafft, nahezu jede Zutat auf seinem Gewand zu verteilen und trotz allem etwas Teigähnliches in der Schüssel zustande zu bekommen. Etilian stand noch unschlüssig vor seinen bereits in Formen angerichteten Teigen und der etwas beleibtere Iber Bockling hatte tatsächlich auf die Kürze der Zeit drei geradezu prachtvolle Kuchen fertiggestellt, deren Duft bereits durch den großen Saal zu Felsenried strich. Wie sollte seine eigene Torte dagegen ankommen können?
Er musste an die Worte seiner Großmutter denken. “Wenn du nicht gewinnst, dann raub sie dir einfach. Das hat in dieser Familie Tradition.” Er musste darüber lächeln, hatte Brodlind es doch im Spaße gesagt. Oder doch nicht? Den Gedanken schnell abschüttelnd schlug er die Sahne für die Dekoration, mischte vorsichtig etwas Honig unter, und strich alles sorgfältig, nachdem die Torte aus der Röhre war, auf das Gebackene. Der Rahjageweihten Madalein war es zu verdanken, dass Rainfried noch eine kleine Überraschung parat hatte. Das Auge isst mit, waren ihre Worte. Und so hatte Rainrfried sich vom Zinngießer Zimbel eine Schablone anfertigen lassen, mit der er den restlichen Benbukkel nun auch ohne große Übung formvollendet in kunstvollen Mustern als appetitlichen Kontrast zur weiß schimmernden Sahne als Krönung auf die Torte brachte.
Rainfried ließ der zukünftigen Braut und den drei Richtern je ein Glas mit dem restlichen Inhalt der Weinflasche zukommen, zusammen mit der fertiggestellten Torte. Und so harrte er, mit leicht wehmütigem Blick erst zu Anglinde von Mackenstein und dann zu den drei perfekten Kuchen von Iber Bockling, dem Schiedsspruch der Richter. Leise sprach Rainfried von Grimsau zu sich selbst. “Möge der Bessere gewinnen. Und sollte das nicht ich sein, kann ich immer noch das Rauben versuchen.”
Edelfried von Butterbös, der sich als Weiberheld einen gewissen Ruf erarbeitet hatte, und der ewig stolze Trest von Vardock schienen sich kaum um das backen zu scheren, sondern hatten mehr Zeit darauf verwendet sich herauszuputzen. Nun warfen sie Anglinde derart feurige Blicke zu das die Junkerin kaum wusste wo sie hinschauen sollte. Kundige Blicke verrieten das Edelfried einen simplen Käsekuchen zusammenrührte. Ein kluger Handstreich war es doch bekannt das Erlan von Sindelsaum diesen Kuchen ganz besonders schätzte. Trest hingegen begann recht ambitioniert mit einem Blaubeer-Streuselkuchen, doch so recht wollte es ihm nicht gelingen. Den strengen Blicken des Oberhofkochs hielt das Werk jedenfalls kaum stand.
Ganz anders hingegen Wilbur von Nadoret. Zwar war auch er aufs erlesenste gekleidet, doch konzentrierte er sich auf das backen selbst. Mit geübter Hand mischte er Zutaten zusammen und es brauchte nicht viel Phantasie um zu erraten das er, vermutlich dem unnachgiebigen Anspruch seines Onkels Hakan gerecht zu werden versuchte. Unter Hakans Fuchtel duldete das Haus Nadoret keine Halbherzigkeit. Kosten schienen die reichen Barone vom Großen Fluss ebenso wenig gescheut zu haben, denn exotische Düfte wehten von Zeit zu Zeit von der Nadoreter Ecke herüber.
Die drei Richter kommentierten derweil leise und mit kundigen Blicken untereinander das Geschehen.
Als sich das Stundenglas schließlich zum zweiten Mal gelehrt hatte beendete die dröhnende Stimme Filbus das rege treiben. “Die Zeit ist um. Was jetzt noch nicht getan ist soll nicht mehr getan werden. Nun darf ein jeder Teilnehmer sein Werk präsentieren und dabei ein paar Worte an die Dame und die Richter richten.” Sprachs und winkte den ersten Teilnehmer hervor.