Heerzug gegen Haffax - Auf dem Marsch II

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1039, Tobrien

Schmerzhaft zwängten sich matte Farben und dumpfe Geräusche, gepaart mit ratternden, schwankenden Bewegungen in sein noch Nebel- umranktes Bewusstsein. Lange dauerte es bis Cendrasch sich soweit gesammelt hatte einen einfachen Gedanken fassen zu können, welcher über die reine Empfindung hinweg ging, länger noch bis er begriff wo er war und was hinter ihm lag, was geschehen war.

Der Sohn des Chrysoprax befand sich auf der Ladefläche eines Lazarettwagens, welcher sich inzwischen gen Mendena bewegte. Er hatte fast einen ganzen Tag bewusstlos da gelegen und drohte lange Zeit dem Wundfieber zu erliegen.

Die dreckige, ehemals weiße Plane über ihm knatterte nicht nur im warmen, seichten Wind des Raja- Mondes, sondern auch aufgrund der Unwegsamkeiten des aufgeweichten Weges auf dem sich der Heerzug entlang der Tobimora bewegte.

Er erinnerte sich. Die Bilder der Schlacht kamen mit Gewalt über ihn, ließen ihn ruckartig einatmen, sich schmerzhaft verkrümmt aufrichten und die Augen weit aufreißen.

Seine Männer hatten das Tor des Kastells am Flussbuckel der Tersalschlaufe berannt und mit der Ramme für die Reiterei geöffnet. Doch zu welchem Preis? Cendrasch sah Kameraden die von Pfeilen und Bolzen gespickt nieder gingen oder von schlimmeren, größeren Geschossen zerfetzt wurden, Soldaten die von siedendem Öl oder Pech getroffen sich schreiend im Sand und Dreck wühlten vor seinem geistigen Auge. Die Erlösung war das Herannahen der schweren Panzerreiterei gewesen, welche den verbliebenen Widerstand im Keim sprichwörtlich niedertrampelte.

Schwer verwundet hatte sich der Zwerg mitsamt den verbleibenden Soldaten der Fürstlichen Hellebardiere in Richtung des Koscher Lagers geschleppt. Cendrasch war dort unmittelbar vor dem Lazarett zusammengebrochen, verwundet und entkräftet vom Blutverlust. Allein den helfenden Händer der Heiler und Geweihten, aber auch seiner eigenen, starken Konstitution war es zu verdanken das er noch lebte und langsam wieder zu kräften kam. Angroschim waren zäh.

Eiligst kam eine Laienpriesterin der Peraine zu ihm und drückte ihn sanft aber bestimmt zurück auf sein schwankendes Krankenlager. Sie lächelte und gestand ihm, dass sie kaum Hoffnung für ihn gehabt hatte, aber dennoch inbrünstig für ihn gebetet hatte.

Cendrasch entspannte sich, lehnte sich wieder zurück auf sein Lager und lächelte. Ihre Berührung, vielleicht aber auch allein ihre Nähe, oder die Wärme die sie ausstrahlte, war ihm wie ein Halt vor dem Ertrinken.

Einige lange Momente verstrichen. Cendrasch sammelte sich und schöpfte neue Hoffnung. Doch schnell und trotz aller noch zu ertragenden Schmerzen rückten zwei Fragen zurück in sein Bewusstsein.
“Wie steht es um meine Männer und wann erreichen wir Mendena?”