Eine Koscher Fehde - Vergangene Freud und gegenwärtig Leid

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Texte der Hauptreihe:
K1. Vergangene Freud und gegenwärtig Leid
Ing 1037 BF
Vergangene Freud und gegenwärtig Leid

Kapitel 1

Eine Koscher Fehde
Autor: Thalian

Hügelsaum, 1037

“VERSCHWINDE! Raus aus meinen Augen!” Ihre Stimme überschlug sich fast, was an sich nicht ungewöhnlich war. “Du dämlicher Tropf, kriegst du denn gar nichts auf die Reihe? Ich möchte dich hier nicht mehr sehen, bis der Geschäftsabschluss unter Dach und Fach ist!”
Thalian zog die Tür hinter sich zu und atmete erst einmal tief durch. Dann sackte sein Kinn auf die Brust und gebeugt verließ er die gute Stube seines Turms, dem Herrschaftsgebiet seiner Frau. Nachdenklich wandte er seine Schritte - ja wohin überhaupt? Sollte er wirklich direkt in sein Arbeitszimmer und den Kontrakt über zehn Duzend Hügelpüschel neu aufsetzen? Der letzte Vertrag landete gerade eben erst im Kamin, gezielt und geworfen von Mechtes Hand.
Nein, entschied Thalian. Nun war es erst einmal an der Zeit, den Kopf frei zu bekommen. Doch wo sollte er hin? Zu den Hasenställen? Dort war es zwar ruhig, und seine Püschel waren stets gute Zuhörer, allerdings lagen diese immer noch in Reichweite seiner wohl immer noch leicht erregten Ehefrau.
Welche Alternativen gab es? Ein Spaziergang über die Sindel vielleicht, einmal nachschauen was der Sindelsaumer so trieb? Das wäre wohl keine gute Idee, strahlende Gesichter und Familienglück konnte Thalian jetzt nicht ertragen. Vielleicht sollte er einfach einmal bei seinem Sohn Brauwin vorbei schauen.
‘Das klingt gut’, entschied der Edle von Hügelsaum. Dadurch konnte er sich bei Meister Fidelis nach den Fortschritten seines Filius erkundigen, und, im besten Falle, bekam er auch wieder einen guten Schluck zum probieren. Andererseits…, das würde er seinen Sohn auch heute abend noch fragen können, der Junge sollte sich lieber konzentriert um seine Lehre kümmern.
Thalian schlenderte tief in Gedanken weiter die Straße hinab und bog rechts Richtung Dorfmitte ab. Und dann stand er vor dem Gartentor seines besten Freundes Murosch. Der dickliche Zwerg war tatsächlich zuhause und jätete gerade eines der Gemüsebeete vor seinem Hügelhaus. Er sah auf und erkannte auf einen Blick, in welcher Stimmung sich sein Freund befand. Murosch öffnete das Tor und nickte mit seinem Kopf in Richtung seines Hausdachs. Dort oben wuchs ein kleiner Kirschbaum, welcher noch ein paar Blüten trug, und unter diesem Baum stand eine Bank, von wo aus man einen schönen Blick über den Fluss bis nach Sindelsaum hatte. Thalian folgte dem schmalen Pfad und ließ sich schwer auf der Bank nieder, während Murosch im Haus verschwand. Es war heuer ein sonniger, warmer Tag und die Bienen summten allerorten. Gedanken stiegen auf. Lange, lockige braune Haare umrahmten ein Gesicht mit dem schönsten Lächeln, das die Götter schaffen konnten. Hellbraune, strahlende und geheimnisvolle Augen blickten ihn an, mit winzigen Fältchen an den Lidern. Er konnte die Liebe fast körperlich spüren, die sie ihm entgegen brachte. Er war glücklich wie nie zuvor, eins mit sich und der Welt. Rahjas Macht war grenzenlos und er wünschte sich nichts mehr, als diese Lippen zu küssen. Ein sanfter Griff in ihren Nacken…

Szenenwechsel Sie ritten, Seite an Seite gen Thalians Heimat. Er war aufgeregt. Wie würde sein Vater reagieren? Doch er war glücklich. Ein Efferdtag, zwei Wochen lang hatte es geregnet. Der Boden war schlammig und aufgeweicht. Links ein Abgrund, rechts der Berg. Sie hörten das Grollen, richteten den Blick bergseits. Die Schlammlawine kam schnell. Zu schnell. Die Pferde scheuten, stiegen…
Zu spät…
Das Rauschen von Schwingen...
Szenenwechsel

Das Gesicht von Mechte. Die Brauen vor Zorn so eng zusammengezogen, dass sie fast eine Linie bildeten. Der stets erhobene, schimpfende Zeigefinger. Diese laute, keifende Stimme…
“... du denkst wohl wieder an sie?”
Murosch kam zu Thalian aufs Dach, zwei wohl gefüllte Humpen Bier in der Hand. Er setzte sich neben seinen Freund.
Thalian nickte. Tränen rannen ihm hinab und er nahm dankbar einen Krug entgegen. Ein kräftiger Schluck folgte.
“Wenn ich mich recht entsinne, ist bald ihr dreißigster Todestag?” ergriff der Zwerg wieder das Gespräch.
Ein erneutes Nicken.
“Und Mechte hat mal wieder einen dieser Tage?”
Thalian nickte.
“Meine erzzwergischen Vettern würden dir jetzt erklären, dass die Dreißig eine besondere Zahl ist, dass man diesen Tag ehren sollte, aber das wird dir nicht helfen. DU bist noch hier, im Jetzt. Schau auf das, was du hast. Einen Angroschim als Freund und ein gutes Bier in der Hand.”
Dies entlockte Thalian tatsächlich ein Lächeln.
“Murosch, du kennst die Geschichte. Du bist der einzige der sie ganz kennt. Habe ich an Travia gefrevelt? Wurde ich bestraft?”
“Ach, hör doch auf mit dem Gespräch! Du durftest Schwesterchen Rahjas Gaben erfahren, und dies war sicher viel zu schnell vorbei. Und für deine Mechte, das hat Dir dein Vater eingebrockt, Väterchen Angrosch habe ihn trotzdem selig. Das hat mit Schwesterchen Travia rein gar nichts zu tun. Und wohin hat dich das alles geführt? Wir sitzen zusammen auf meiner Bank, genießen den wundervollen Tag und trinken ein Helles. Das Schicksal meint es gut mit dir, mein Freund.”
‘Vielleicht doch wahre Worte’ dachte sich Thalian und nahm einen weiteren tiefen Schluck.
Nun war es Zeit, Erlan zu ärgern, das würde sein Gemüt vollends aufhellen...