Dohlenfelder Thronfolgestreit - Odwin Trollmann

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Texte der Hauptreihe:
K28. Sieg
K95. Kajax
F25. Epilog
1033 BF
Odwin Trollmann
[[Dohlenfelder Thronfolgestreit - Das Ende naht#_084b525c585cf3ac13e139883548e604|◅]] [[Dohlenfelder Thronfolgestreit - Das Ende naht#_084b525c585cf3ac13e139883548e604|]]


Folgehandlung 4

[[Dohlenfelder Thronfolgestreit - Nerek von Schnakensee#_ba60a12404c7d3806179d81239acb56c|]] [[Dohlenfelder Thronfolgestreit - Nerek von Schnakensee#_ba60a12404c7d3806179d81239acb56c|▻]]


Nordmarken, 1033

Der Landwehrarmbrustschütze Odwin Trollmann stand fast fünfzig Schritt hinter dem großen Handgemenge.
Er hatte mittlerweile mehrere Bolzen verschossen, einige davon mochten ihr Ziel gefunden haben. Gezählt hatte er nicht. Mit seinen Kameraden hatte er sich zurückfallen lassen, um die Spießer und Schwertschwinger ihrem blutigen Handwerk nachgehen zu lassen. Nun rückte er langsam nach.
Fürchterlich war der Pfeilhagel gewesen, der zu Beginn der Schlacht auf seine Reihen niedergegangen war. Freunde und Kameraden waren von den Geschossen durchbohrt, verstümmelt und getötet worden. Die Schilde der Schwertschwinger und die Rüstungen hatten nur unzureichenden Schutz geboten, allzu oft fanden die Pfeile ihren Weg an unbewehrte Körperteile. Doch mit Odwin waren Phex und Rondra gewesen, er war unverwundet.
Gerade machte der Landwehrarmbrustschütze einen großen Schritt über einen Gardisten im bunten Rock, der wohl von einer Hellebarde durchbohrt worden war und in einer großen Blutlache lag. Daneben lag ein toter Angroscho, sein linkes Bein schien unnatürlich verdreht, ein Armbrustbolzen hatte sein teures Kettenhemd durchschlagen, eine Axt ihm den rechten Arm abgetrennt. Odwin torkelte weiter.
Eine Landwehrfrau lag vor ihm auf dem Boden, eine Schützin wie er. Ihr Antlitz war fürchterlich entstellt, ein Schwert- oder Axtstreich hatte ihre ganze linke Gesichtshälfte abgerissen. Odwin wollte sich gerade angewidert abwenden, als er ihr schlecht artikuliertes Flüstern hörte.
„Wasser, Kamerad, bitte Wasser! Im Namen der gnädigen Tsa, bitte Wasser!“
Der Müllersohn blieb wie versteinert vor der Frau stehen, gaffte mit großen Augen und mit offenem Mund dorthin, wo ihr Gesicht sein sollte. Während die Frau ihm mit letzter Kraft ihre blutverschmierten Hände entgegenreckte, griff er seine Feldflasche. Er wog die Flasche ein paar Mal hin und her, nicht einmal zur Hälfte war sie noch gefüllt.
Er sah die Angst der Frau, diese flüsterte: „Bitte, Kamerad, bitte. Nimm mein silbernes Tsaamulett, für nur einen Schluck!“
Odwin beugte sich herunter, er roch Urin und Kot, die Frau musste sich vor Todesangst entleert haben. Das Tsaamulett, das sie um ihren Hals trug, sah kostbar aus. Eine aus Silber getriebene Schlange, die sich, vor einem Blumenmuster, mehrfach um einen Opal schlängelte. Es wäre ein schönes Geschenk für seine Adelgard. Und abgesehen davon: Mindestens zehn, wenn nicht zwanzig oder dreißig Silbertaler musste das Stück Wert sein.
Er hielt der Verwundeten seine Feldflasche an ihren verbliebenen rechten Mundwinkel, dabei sah er, dass der Waffenhieb sogar den Kiefer zertrümmert hatte. Einzelne Zähne und Fleischfetzen waren zu sehen. Ihr Mund war mit Blut gefüllt.
Odwin sprach: „Trink, trink doch!“
Doch die Landwehrfrau konnte nicht mehr schlucken, das Wasser rann ihr, mit Blut und Erbrochenem vermischt, aus dem Mund über die Brust. Als Odwin die Feldflasche zurückziehen wollte, griff die Hand der tödlich Verwundeten nach dieser, versuchte, sie festzuhalten. Odwin stand ruckartig auf, zog die Feldflasche zurück, griff mit der Linken nach dem Tsaamulett und riss es der Sterbenden vom Hals. Ohne sich nochmals nach der Frau umzuschauen ging er weiter, er war ein gutes Stück hinter die Schlachtlinie zurückgefallen.
Hagens Heer befand sich auf dem Rückzug. Der Landwehrarmbrustschütze knotete das zerrissene Lederbändchen des Amuletts notdürftig zusammen und hängte sich das Schutzzeichen der Göttin Tsa um den Hals.
Die Stimme seiner Weibelin drang schrill zu ihm: „Alle Mann zu mir, doppelte Schlachtreihe bilden!“
Odwin schloss im Laufschritt zu seinen Kameraden auf.
„Zweites Glied Seitenwaffen freimachen!“, schrie die Weibelin. Der Müllerssohn zog das edle Schwert, das er während seiner kurzen Rast im Marktort Dohlenfelde im Staub gefunden hatte. Der Griff – ein fein ziselierter Löwinnenleib, aus deren Maul die Klinge stieß – lag exzellent in der Hand, er wog die Klinge sanft hin und her.
Jetzt erst sah er den Grund für das Kommando seiner Vorgesetzten. Einem kleinen Trupp gegnerischer Schwertkämpfer, von Gewandung und Rüstung her almadanische Söldner, war der Durchbruch durch die Schlachtreihe gelungen, die professionellen und schlachterprobten Kämpfer stürmten offenbar ohne Furcht und mit Kampfgeschrei auf die dreifache Übermacht an Landwehrleute zu, von denen nicht wenige zum ersten Mal in ihrem Leben auf einer Walstatt standen.
Die Weibelin ging mit gutem Beispiel voran und stürmte ihrerseits den Söldnern entgegen, ihr folgte aber nicht einmal die Hälfte ihrer Leute. Auch Odwin stand wie angewurzelt da, schaute zum dichtbewölkten Himmel, sah dort kreisende Dohlen und andere Rabenvögel, die bereits auf ihr Festmahl warteten.
Doch dann sah Odwin, wie Perainfried, sein lieber Vetter, von einem kraftvoll geführten Schwerthieb eines Söldners gefällt wurde. Odwin stieß einen Wutschrei aus, packte sein teures Schwert und griff an. Der Söldner, der eben seinen Vetter getötet hatte, stellte sich in Paradestellung und wehrte den ersten, ungelenken Schwerthieb Odwins elegant zur Seite. Odwin stolperte fast über seinen im Sterben liegenden Vetter, fand nur mit Mühe wieder festen Halt.
Er dachte nun nicht mehr groß nach. Er wehrte einen Streich seines Gegners ab, danach noch einen, griff erneut an. Er wusste nicht, wie lange der Kampf dauerte, aber irgendwann gelang es Odwin, seinem Gegner einen so kräftigen Hieb vor den Brustkorb zu verpassen, dass dieser rücklings zu Boden ging.
Diese Gelegenheit nutzte der Landwehrmann, um dem Wehrlosen sein Schwert bis zur Fehlschärfe in die Kehle und dann noch Spanntief in den Boden zu rammen.
Während das blutverschmierte Schwert noch im Hals seines Gegners steckte, spürte der Landwehrarmbrustschütze eine Hand auf seiner Schulter. Es war seine Weibelin. Sie hatte eine Platzwunde an der Stirn, Blut rann ihr ins Gesicht. Doch sie lächelte ihn an.
„Landwehrmann Trollmann, nicht schlecht, hätte ich Dir nicht zugetraut. Dein Vetter wird übrigens durchkommen, das sieht schlimmer aus, als es ist.“
Odwin zog sein Schwert zurück, wischte die Klinge mit seinem Ärmel sauber, schaute in Richtung Perainfrieds. Sein Vetter stand tatsächlich schon wieder, wenn er sich auch auf den Stiel einer Hellebarde stützen musste.
Die Weibelin ergänzte noch: „Landwehrmann Trollmann, was trägst Du da eigentlich um Deinen Hals?“
Odwin antwortete zackig: „Ein Tsaamulett, Frau Weibel!“
„Woher hast Du das?“
„Ich weiß nicht mehr, Frau Weibel!“
„Einen wehrlosen Feind kaltblütig abzustechen und dabei ein Tsaamulett um den Hals tragen? Soll das ein schlechter Witz sein?“
„Nein, Frau Weibel!“
„Denk das nächste Mal vielleicht einfach nach, bevor Du Dir so ein Zeug umhängst, verstanden? Sonst ist das Ketzerei!“
„Jawohl, Frau Weibel!“