Bewährungsprobe am Trolleck - Stunde des Triumphs

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Das Trolleck im Ingerimm 1033 nach Bosparans Fall

Sie hatten gesiegt!
Wilburs Blick glitt über den Hof und den Wehrgang. Dort hatten sich die Kämpfer um Trest von Vardock aus ihrer Deckung gewagt. War es Anerkennung, die in den Augen der Kämpfer lag?
Wilbur wurde ganz schwummrig, als ihm bewusst wurde, was er dort gerade eigentlich geleistet hatte. Irgendwo schlug ein Kämpfer seine gepanzerte Faust auf den Schild und rief den Namen des Grafen. Nach und nach fielen die übrigen Streiter ein und "Wilbur! Wilbur!" hallte von den Mauern der Zwietrutz wieder. Graf Wilbur aber verließ in diesem Moment jede Kraft. Das Banner wurde ihm zu schwer und das Pferd schien ihm allzu gewaltig. Um ein Haar wäre er aus dem Sattel gerutscht, aber eine starke Hand hielt ihn fest.
"Seine Hochwohlgeboren möchten absatteln", wies Angbart von Salzmarken-See seine Begleiter bestimmt an. Sofort packten starke Hände den Grafen und hievten ihn aus dem Sattel, während Angbart das Banner des Grafen übernahm.
"Gero soll die Urteile sprechen", murmelte der Graf noch, bevor er völlig zusammensackte. Vor den Blicken des kleinen Heeres durch die breiten Schultern seiner Begleiter geschützt, wurde der Graf in den Bergfried geführt. Die Anstrengungen waren für den jungen Grafen schlichtweg zu viel gewesen.

Die Wut machte einer tiefen Leere Platz.
Sie hatten gesiegt, zwei Burgen an einem Tag genommen, und trotz aller Widerstände noch ein paar Geiseln befreien können.
Trotzdem, Erleichterung oder gar Freude mochte Roban nicht empfinden, nur tiefe Müdigkeit bemächtigte sich seiner, als er sich im Schatten der Mauer auf eine grob gezimmerte Bank niederließ und den Abzug des Grafen beobachtete.
"Hut ab, kleiner Graf", murmelte er leise und erinnerte sich der letzten Worte, die Answein ihm auf mit auf den Weg gegeben hatte.
"Rondra wirkt oft genug durch jene, denen man es am wenigsten zutraut", hatte er gesagt. "Auch im Grafen mag ein Krieger schlummern, selbst wenn er selbst nicht weiß. Rondra wird ihn anrühren, wenn die Zeit dafür reif ist."
Offenbar war heute die Zeit reif gewesen! Dass ausgerechnet der Graf hoch zu Ross auf dem Burghof erschien, hatte ihre Moral gefestigt und jene der Vogelfreien erschüttert. Mochte er jetzt fast aus den Stiefeln fallen, sein Eingreifen hatte den Sieg gebracht, da gab es nichts dran zu rütteln.
Roban griff in die Gürteltasche. Sein Blick wurde starr. Langsam, sehr langsam zog er die Hand zurück und betrachtete seine Handfläche.
Reto von Tarnelfurt, der die Bewegung von weitem beobachtet hatte, eilte mit besorgter Miene herbei.
"Alles in Ordnung?" rief er. "Bist du verletzt?"
"Verletzt?" krächzte Roban. "Schlimmer! Viel schlimmer! Sieh dir das an!"
Mit fassungsloser Miene hielt er Reto einen abgebrochenen Pfeifenkopf entgegen.
"Jetzt verdirbt mir dieses Pack noch das wohlverdiente Pfeifchen! Orken, Arsch und Wolkenbruch noch mal, kann der Tag noch beschissener werden?"
Reto unterdrückte ein schallendes Lachen. Angesichts der zahllosen Verwundeten auf dem Burghof war dieser Verlust wohl wirklich nur für Roban von Bedeutung. Rasch wandte der Tarnelfurter sich ab und machte sich bei der Versorgung eben jener Leidenden nützlich, während hinter ihm Pfeifenstiel und –kopf getrennt und von unflätigen Verwünschungen begleitet in den Dreck flogen.

Boronar vom Kargen Land war zu erschöpft, um etwas anderes zu tun, als dort zu sitzen, wo er sich befunden hatte, als das Zeichen zum Einstellen der Kämpfe gegeben worden war. Er lehnte mit dem Rücken an eine Mauer und die Augen halb geschlossen.
Einige Helfer, die die Toten und Verwundeten abtransportierten, hatten sich schon um ihn kümmern wollen, doch er hatte wenigstens mit einem mühevoll gehobenen Arm abwinken können, um zu zeigen, dass mit ihm alles in Ordnung war.
Nach einer kurzen Zeitspanne, die ihm wie Stunden vorkam, konnte er seine Umgebung wieder bewusst wahrnehmen. Jetzt bemerkte er, dass sich Baltram von Eichental ganz in seiner Nähe niedergelassen hatte und offensichtlich ebenso wie er unverletzt und sehr müde war. Der andere bemerkte seinen Blick und nickte ihm zu. Er musste unweigerlich lächeln.
Ja, sie hatten ihren Teil beigetragen, und ihr Leben nicht eingeschlossen im Turm beendet!
Trest von Vardock gab derweil unbeeindruckt von aller vergangener Kraftanstrengung und Anspannung wieder Befehle. Er wusste, wie man sich in den Vordergrund spielte.
Um Eichbarts Bein kümmerte sich Etilian von Lindholz-Hohenried, der an diesem Tag mehr zu tun bekam, als ihm lieb sein konnte. Immerhin musste man froh sein um jeden Grafentreuen, der einen Heiler benötigte und nicht den letzten Segen eines Boroni...

Einige Stunden später waren zumindest alle soweit versorgt, dass Gero vom Kargen Land in Vertretung des Grafen die Urteile über die Räuber verkünden konnte. Wilbur vom See schlief noch immer.
Wenigstens hatte sich Gero mit Hernobert von Falkenhag absprechen können. Dieser war trotz seiner Verwundung ebenso anwesend wie Angbart von Salzmarken-See, der es sich nicht hatte nehmen lassen, persönlich weiterhin das Banner des Grafen zu halten. Von den Beratern Wilburs waren soweit alle anwesend, die nicht auf dem Krankenbett darniederlagen, ebenso wie das Fußvolk, das gespannt darauf wartete, wie die feigen Gesetzlosen gerichtet würden.
Von denen waren nur die Anführer zugegen, gefesselt und bewacht; die anderen saßen in den Kerkern der Burgen.
Mit ernster Mine verlaß Gero das vorbereitete Dokument.
"Im Namen seiner Hochwohlgeboren Wilburs vom See, Graf der Hügellande und rechtmäßig eingesetzter Vertreter der zwölfgöttlichen Ordnung in diesen Landen, ergeht folgendes Urteil:
Ad primum: Für den Mord an einem Geweihten wird die Anführerin der Räuber, die hier anwesende Leta, verurteilt zum Tod durch den Strick. Jedoch wird das Urteil erst vollzogen nach Rücksprache mit den Vertretern der Rondrakirche in Rhôndur, denen es freisteht, eine andere Todesart vorzuschlagen. Der Gang zu Boron in einem ehrlichen Zweikampf erscheint angesichts der Heimtücke zu edel. Die Geweihten der Leuin mögen eine höhere Auffassung von Ehre und Idealen haben als diese weltliche Gerichtsbarkeit und des Verstorbenen eingedenk einen rondragefälligen Kampf vorziehen, um zu zeigen, dass Verschlagenheit eben nicht über die Aufrichtigkeit siegt.
Ad secundum: Zum Tod am Galgen wird jeder verurteilt, der an dem Angriff auf die gräflichen Truppen im Wald beteiligt war oder einer der Geiseln auch nur ein Haar gekrümmt hat. Es hoffe keiner darauf, seiner gerechten Strafe zu entgehen, denn im Zweifelsfall werden wir jeden Kämpfer des Grafen und jede der befreiten Geiseln als Zeugen befragen.
Ad tertium: Alle Räuber, die während der Kämpfe geflohen sind, werden für vogelfrei erklärt. Ein jeder mag sie erschlagen und schuldlos seiner Wege ziehen, sofern ihre Identität zweifelsfrei nachgewiesen werden kann.
Ad quartum: Ein jeder, welcher sich den Gesetzlosen angeschlossen hat, wird zur Arbeit in Steinbruch oder Mine in den Hügellanden verurteit. Nachdem sie den Frieden des Landes erheblich gestört haben und eine wahre Plage waren, so möge nun ihre Arbeit wenigstens den Menschen und Zwergen dieser Grafschaft zugute kommen."

Es dauerte bis zum nächsten Tag bis sich Graf Wilbur von den Strapazen erholt hatte. In der Zwischenzeit hatten die Kämpfer des Heeres die Toten begraben und ihre Verwundeten versorgt.
In den Mittagstunden des 11. Ingerimm rief der Graf schließlich die Teilnehmer des Feldzuges im Rittersaal der Zwietrutz zusammen.
Wilbur saß in einem Lehnstuhl, der ihn kleiner und blasser wirken ließ, als er eigentlich war. Flankiert wurde er von zwei Kämpfern seiner Leibwache, die wie üblich sehr eindrucksvoll aussahen. Während die Gemeinen im hinteren Reihen standen füllten die adligen Feldzugsteilnehmer die ersten Reihen.
"Neben den Belohnungen, die ich bereits im Vorfeld versprochen habe, möchte ich einige Personen besonders auszeichnen. Ihr alle habt tapfer gestritten und es erfüllt mich mit Stolz sagen zu können, mit tapferen Streitern aus beiden Grafschaften gezogen zu sein."
Kurz legte der junge Graf eine kurze Pause ein, um die Erwartungshaltung der Anwesenden zu steigern.
"So tretet denn hervor Angbart von Salzmarken-See!"
Der angesprochene Junker trat mit einem siegessicheren Lächeln aus der ersten Reihe hervor.
"Angbart, ohne euch würde ich nicht mehr unter den Lebenden weilen. Euer Können mit Schwert und Lanze sollt ihr fortan in meine Dienste stellen! Ich möchte euch daher zu meinem Leibritter ernennen. Euch gebührt fortan die Befehlsgewalt über meine Leibwache! Seid ihr hierzu bereit?"
Angbart war trotz aller Selbstsicherheit sichtlich gerührt.
"Mein Graf! Ich werde mein Leben für euch hinweg werfen, so es denn sein sollte!" sprachs und kniete nieder, um den Treueid zu schwören.
Nachdem der frischgebackene Leibritter an der Seite des Grafen Aufstellung genommen hatte, erhob Wilbur erneut das Wort.
"Auch ohne einen anderen Streiter wäre ich nicht hier! Etilian von Lindholz, bitte tretet vor."
Der Außerkoscher wirkte sicherlich überrascht und musste sich erst aus der zweiten Reihe vorarbeiten.
"Euer Metier ist nicht der Schwertkampf, und doch habt ihr uns treu gedient und euer Beitrag war gewaltig. Ich würde euch gerne auch weiterhin an meiner Seite wissen, daher möchte ich euch das Amt als Hofmedicus antragen."
Kurz wartete der Graf ab, aber als Etilian nicht sogleich antwortete wurde er sichtlich unsicher.
"Bitte legt es mir nicht als Undankbarkeit aus, dass ich euch nicht sofort antworten konnte, Euer Hochwohlgeboren. Ich war so überwältigt von der Großzügigkeit und dem Vertrauen, welches ihr mir entgegenbringt."
Der Heiler hatte Mühe, seine Gedanken in Worte zu fassen. Er war schon erstaunt gewesen, dass Wilbur vom See ihn gebeten hatte, nach vorne zu treten, doch das Angebot, was der junge Graf ihm offerierte, hatte ihn völlig unvorbereitet getroffen.
Etwas unsicher fuhr der landlose Adlige fort: "Es steht mir fern, Lohn für einen Dienst zu erwarten, zu dem Dankbarkeit und Treue mich verpflichteten. Das Amt eines Hofmedicus bringt darüber hinaus große Verantwortung mit sich..."
"Und wer wäre dafür besser geeignet, als jemandem, in dessen Hände ich schon einmal mein Leben und das meiner Streiter legen konnte? Eure Zurückhaltung ehrt Euch, doch wird sie meine Meinung nicht ändern. Ich wähle meine Worte nicht leichtfertig." hielt Wilbur vom See ihm entgegen.
Etilian erwiderte den ehrlichen Blick des Grafen und ein Gefühl großer Bewunderung durchdrang ihn. Im Herzen dieses Jünglings, nein, dieses Edelmannes, dem weite Teile des Fürstentums unterstanden, funkelte das Licht eines hellen Sterns, der diesen Landen den Weg in eine friedliche Zukunft leuchten konnte.
Der Heiler konnte sich selbst nicht erklären, woher er diese Überzeugung nahm und dennoch flackerte sie bereits zum wiederholten Male auf. Gleichzeitig verkündete die Stimme seines Verstandes, dass es närrisch wäre, anzunehmen, dass ein Geheimnis wie das seine, am Hof eines Grafen auf Dauer zu verbergen sei. Doch wenn die Kinder Satuarias für etwas bekannt waren, dann nicht dafür, dass sie stets auf ihren Verstand hörten.
"Ich schwöre, dass ich all mein Können und Wissen einsetzen werde, um Euer Gesundheit und Wohlbefinden wie das Eures Hofes zu gewährleisten und dem Vertrauen gerecht zu werden, welches Ihr in mich setzt", verkündete Etilian von Lindholz-Hohenried gerührt und gleichzeitig mit ungeahnter Sicherheit in der Stimme.
Als Etilian sich wieder eingereiht hatte fuhr Wilbur fort: "Zum Abschluss möchte ich noch einen weiteren Streiter ehren. Auch er hat nicht mit Schwert und Axt gefochten und war mir doch ein treuer Ratgeber und hat gerechte Urteile über die Vogelfreien gefällt. Gero vom Kargen Land, bitte tretet vor."
Der überraschte Adlige brauchte nur einen Schritt zu machen und schon stand er vor Wilbur, so nah hatte er bereits bei ihm gestanden.
"Auch in Zukunft ist es mein Wunsch, dass ihr zu Gericht sitzt, sollte ich mich nicht selbst der Sache widmen können. Ihr, Gero, sollt mein Richtgreve sein!"
Der Ritter vom Kargen Land, sonst immer ruhig und beherrscht, hatte Mühe, seine Aufgeregtheit ob dieser Ernennung im Zaum zu halten. Tief berührt, fiel es ihm schwer, mehr als nur einige kurze Worte zu finden.
"Euer Hochwohlgeboren, Euer Vertrauen ehrt mich. Ich hoffe, dass ich mich der mir gestellten Aufgabe als würdig erweisen kann!"
Bevor weiter so viele Augen auf ihn gerichtet waren, trat Gero an seinen Platz zurück. In seinem Kopf überschlugen sich die Gedanken. Richtgreve des Grafen! Was würde seine Nïam dazu sagen, wenn er nach Hause käme?
"Meine letzten Worte sollen einem Helden gelten, den ohne den heldenhaften Einsatz eines einzelnen hätte das Treffen an der Brücke weitaus schlimmer ausgehen können. Answein Grobhand von Koschtal will ich einen Schrein stiften, an dem Ort an dem er sich auf den Weg zu Rondras Hallen aufmachte."
Schweigen herrschte im Saal ob der Ankündigung des Grafen. Keiner rührte sich, oder wagte es auch nur die andächtige Stille durch lautes Atmen zu durchbrechen.
Es dauerte eine ganze Weile, bis eine einzelne Gestalt vortrat. Es war Derwart von Garnelhaun, der fürstliche Herold: "Mein Tun, auch wenn es unter Zwang stattfand, hat zum Tod vieler tapferer Streiter geführt. Ihrem Andenken werde ich mein zukünftiges Leben widmen. Am Schrein des Answein will ich Wacht halten und allen vorbeiziehenden von seinen heldenhaften Taten künden."
Zustimmendes Gemurmel erhob sich ob der Ankündigung des Garnelhauners. So endete die Audienz des Grafen.

Am Abend kam der Stab der Berater noch einmal zusammen, um auf den letzten Endes guten Ausgang des Unternehmens anzustoßen, aber auch, um in einer Minute des borongefälligen Schweigens all jener zu gedenken, die für die gerechte Sache gestritten hatten und sich nun nicht mehr am Sieg erfreuen konnten.
An der Seite des Grafen befanden sich Angbart von Salzmarken-See ebenso wie Erbvogt Hernobert von Falkenhag und Etilian von Lindholz-Hohenried. Trest von Vardock hatte sich ebenfalls in der Nähe Wilburs positioniert.
Balinor von Drabenburg stand neben seinem befreiten Sohn Bernwart und dem in sich gekehrten Derwart von Garnelhaun, Reto von Tarnelfurt neben Roban Grobhand von Koschtal, dem anderen Moorbrücker Neusiedler. Xorrox Sohn des Jorborix blieb an der Seite Argams Sohn des Agram, des Edlen zu Xennarode. Korisande von Lutzenstrand, die bei den Kämpfen trotz ihrer Versehrtheit die Truppen geordnet und kommandiert hatte, musste die ganze Zeit über auf einem Stuhl Platz nehmen. Die alte Verwundung forderte nun wieder ihren Tribut.
Ritter Eichbart, Baltram von Eichental und Boronar vom Kargen Land, die gemeinsam beim gewagten Kommande ausgeharrt hatten, hatten sich ebenfalls unwillkürlich zueinander gesellt. Gero hatte dem Grafen seinen Neffen Boronar vorgestellt und empfohlen, doch nun standen sie wieder weiter entfernt voneinander. Nach einem Trinkspruch Wilburs vom See hing einen Moment lang jeder seinen Gedanken nach.
Sie hatten gesiegt - wenngleich zu einem hohen Preis. Das Unterfangen hatte auf Messers Schneide gestanden - doch Hochwohlgeboren hatte im rechten Moment seine Kämpfer angespornt und das Ruder herumgerissen. Wer konnte sagen, was Fatas noch für alle bereithielt?

Bereits am nächsten Tag begann sich das Heer aufzulösen. Einzig die Hügelländer Spießgesellen blieben zurück, um die gerade eroberten Burgen zu halten.
Eigentlich hätte Roban stolz auf sich selbst sein können. Er hatte es tatsächlich mal geschafft, das Maul zu halten während der Rede des Grafen, obwohl er sich beinahe zu Zunge abgebissen hatte.
Mit keinem einzigen Wort hatte dieser Hosenscheißer ihn bedacht! Sicherlich, er hatte nicht das Leben des Grafen gerettet, keinem Verwundeten beigestanden und keinen guten Rat gegeben, aber – Orkenschiss und Donnerschlag! – er hatte die Truppen geführt, welche die Gefangenen befreit hatten, er den Stoßtrupp, der die Vorburg von Trolleck genommen hatte, und seine leicht dämliche Idee war es gewesen, die das Tor von Zwietrutz den Belagerern geöffnet hatte! Und kein Wort hatte dieser Waschlappen an ihn verloren!
Ärgerlich spuckte Roban in den Staub am Straßenrand. Sein Pferd wieherte, es klang wie Protest.
"Ach, halt die Klappe!" murrte der Ritter.
Immerhin würde Answein seinen Schrein bekommen, und der Garnelhauner würde dort Wacht halten, auf dass die Heldentat nicht dem Vergessen anheim fiele. Das besänftigte ihn, aber nur wenig.
Auch von dem erhofften Lohn, dem Knüppeldamm von Hohentrutz gen Hammerschlag, war nichts gesagt worden. Und wie ein Sahnehäubchen auf einem Misthaufen wirkte die Tatsache, dass seine geliebte Pfeife dahin war, treue Begleiterin in langen, oft unmenschlich harten Jahren.
Bei so viel trüben Gedanken hatte er jegliche Begleitung in die Heimat abgelehnt. Er musste mit seinen Gedanken und vor allen Dingen seiner miesen Laune allein sein.
Wehe Wilbur, wenn er ihm den verdienten Lohn schuldig blieb! Roban war kein Kreuzerfuchser, aber den Preis für seine Dienste würde er fordern, und wenn er ihn persönlich auf Grauensee würde eintreiben müssen!