Sie kamen, sahen und siegten

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Ausgabe Nummer 71 - Rahja 1044 BF

Sie kamen, sahen und siegten

Hinkefüße machen Raubgesindel dingfest

BRN. DUNKELFORST, Rahja 1044 BF. Räuber treiben ihr Unwesen im Dunkelwald! Diese Nachricht machte kürzlich wieder die Runde. So manch einem Koscher kamen schon die Erinnerungen an die Räuber Ronkwer und Humbert hoch, die bis ins Jahr 1032 BF für allerlei Umtriebe gesorgt hatten.

Die Barone der angrenzenden Baronien fackelten nicht lange, und aus Nadoret schickte die Baronin Neralda Cella die Nadoreter Spießgesellen in den Wald; in Dunkelforst ging derweil die Salminger Garde, auf Geheiß der Baronsmutter Frylinde von Salmingen, in Stellung. Doch die Räuber konnten den Gardisten entkommen, zu groß und unwegsam ist das finstere Waldgebiet.

Stattdessen war es an einer Truppe Söldner des erst kürzlich gegründeten Basteybundes, nähere Bekanntschaft mit dem Raubgesindel zu machen. Justament befand sich nämlich eine Truppe des Bundes in Ferdok ohne Auftrag, und so zog der Haufen auf eigene Rechnung gen Dunkelforst los, um den Räubern den Garaus zu machen. Immerhin hatten die Barone von Nadoret, Dunkelforst und auch der Markvogt von Ferdok Kopfgelder auf die Bande ausgesetzt. Das Fähnlein, bestehend aus einem Dutzend Söldner, stand unter dem Kommando des Weibels Ludalf Finsterdorn. Dieser mag manch einem Besucher der Neuen Bastey ein Begriff sein: Vor etlichen Jahren hatte er versucht, als Lehrbursche eine Stelle zu finden, doch hatte der Flüchtling aus Greifenfurt nicht das nötige Geld und auch nicht die notwendigen Beziehungen dafür. Stattdessen schlug er sich etliche Jahre als Laufbursche und Handlanger diverser Herren durch, bis er schließlich als Rausschmeißer beim Bordell Torhaus anfing. Beim Zusammenschluss des Großen Basteybundes trat er diesem mit großer Begeisterung bei und ist seither Weibel.

Es kam etwas anders und glücklicherweise weniger blutig, als man vielleicht denken würde. Die Räuber waren nämlich im Ort Aschauf und gaben sich dort in der Schenke „Zur Doppelaxt“ „ordentlich die Kante“, wie man mir berichtete. Dabei benahmen sie sich wohl für Räuber ganz ordentlich: Sie zahlten dem Wirt zwar nichts, ließen die anderen Gäste aber in Ruhe und raubten auch keinen aus.

Dennoch sollte ihnen dieses Saufgelage zum Verhängnis werden, denn die Söldner der Hinkefüße trafen am Abend ein, hielten sich aber zunächst am Dorfrand in einer Scheune versteckt und warteten bis zu fortgeschrittener Stunde auf eine günstige Gelegenheit; dann begannen sie, einzelne Räuber gefangen zu nehmen, wenn diese zum Wasserlassen die Schenke verließen. Das gelang gar dreimal, doch die übrigen Raubgesellen witterten schließlich die Gefahr und stürmten – oder torkelten eher – aus dem Gasthaus. Dort erwarteten sie auch schon die Hinkefüße – kampfbereit und nüchtern. Als die Räuber sahen, dass sie in der Unterzahl waren, streckten sie die Waffen und ergaben sich auf Gnade oder Ungnade. „Sie kamen, sahen und siegten“, kommentierte ein reisender Magister aus Kuslik den überaus kurzen Kampf.

Die Söldner verbrachten sie nach Salmingen, und dort wurde der Bande, im Ganzen neun Gesellen und dem Anführer Moribert Siebenschröter, der Prozess gemacht. Zwölf Jahre Dienst in der Heisenbinge lautete das Urteil. So ging es für die Räuber zum Strafsteinbruch und für die Söldner heim in die Neue Bastey, wo sie das gewonnene Kopfgeld sicher bereits wieder verprasst haben.

Garubold Topfler