Ritterin Rondralieb und die Liebe - Ein ganz besonderer Tag

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Ein ganz besonderer Tag

Rakulbruck in der Mark Ferdok, Ende Rahja 1038 BF

Rondralieb war angespannt und nervös. Viele Kämpfe und schwierige Situationen hatte sie in ihrem Leben gemeistert, aber nichts davon hatte sie auf das vorbereiten können, was sie heute erwartete. Ihre Dienerin Wina zupfte das Kleid zurecht, überprüfte ein letztes Mal die Position des Zierrats und strahlte sie dann an. "Ihr seht wunderschön aus!" Die Ritterin lief rot an. Sie fühlte sich wie eine Jugendliche, die ihrem Schwarm begegnen würde, aufgeregt noch vor dem ersten Kuss.

Mit fester Hand pochte jemand an die schwere Holztür. "Nur herein! Wir sind bereit!", rief Wina, bevor Rondralieb noch etwas anderes sagen konnte. Grimbart von Uztrutz trat hinein, im festlichen Ornat der Rondrakirche gekleidet. Als er Rondralieb sah, weichte ein Lächeln seine ansonsten ernsten Gesichtszüge auf. "Meine Tochter... was bin ich stolz auf Dich!" Er reichte ihr die Hand, um sie nach draußen zu geleiten. Rondralieb war ein wenig schwindelig. Sie konnte die neuesten Entwicklungen noch gar nicht fassen. "Aber... am Ende hat Dir all die Hilfe nichts genützt! Uztrutz ist an Derya gefallen." "In einem ehrwürdigen Duell zu verlieren ist keine Schande.", erwiderte Grimbart. "Ich habe erlebt, dass ich mich auf Dich verlassen kann. Und auf Boronar und seine Familie. Das sei unvergessen!"

Es war ein warmer Sommertag. Sie suchten Schatten unter den Bäumen, die einen Platz einrahmten. "Ist es nicht verrückt, was ich tue, Vater?" "Nein", bekräftigte der Geweihte ihr Vorhaben, "es ist mutig, und das sieht die Leuin gerne." Sie gingen weiter und erreichten schließlich den Brückentempel der Travia. Dort, wo sonst Bettler und Arme bewirtschaftet wurden, war heute alles festlich geschmückt.

Im Tempel wartete Ulfried Ulmentreu am Altar. Vor ihm stand Boronar. Als er seine Rondralieb erblickte, bekamen seine Augen einen besonderen Glanz. Er wirkte wie verzaubert. "Heiliger Argelion..." flüsterte er zu sich selbst. An die Zeremonie sollten beide später nur noch schwammige Erinnerungen haben. Sie schienen alles wie in Trance zu durchschweben. Doch eine Besonderheit gab es: Drei weitere Geweihte hatten es sich nicht nehmen lassen, besondere Segenswünsche zu sprechen.

"Seid aufrecht zueinander!", ermutigte Grimbart die beiden im Namen Rondras. "Möge Euer neuer Weg segensreich sein!", rief Palina vom Kargen Land im Namen der Tsa. "Die Harmonie und die Leidenschaft seien Eure Begleiter!", erinnerte Charine die Rubinrote im Namen Rahjas.

Als das Brautpaar nach der Trauung aus dem Tempel trat, wurden sie von Gratulanten umringt. Boronwyn umarmte seine Schwiegertochter herzlich. Avesinda küsste Rondralieb mehrfach auf die Wange. "Willkommen in der Familie!", wünschte Niam. Holdwin drückte seine zweimalige Gegnerin im Kampf an sich und klopfte ihr von Ritter zu Ritter auf die Schulter. Olbyn Grambart flüsterte Boronar zu: "Na siehst Du – Geduld muss man haben!" Boronar lachte. Boromil herzte seinen Vetter. "Ich freue mich, dass Ihr Euren Herzen gefolgt seid. Es ist nicht immer der einfachste Weg, aber oft der richtige."

Gläser wurden ausgeteilt. Gero vom Kargen Land ließ es sich nicht nehmen, eine kurze Ansprachen zu halten. "Als Oberhaupt des Hauses begrüße ich unser neues Familienmitglied. Rondralieb, Du bist nun eine von uns. Ob wir in der Vergangenheit immer einer Meinung waren oder nicht, spielt jetzt keine Rolle mehr. Ein Hoch auf das Brautpaar!" Als die Hochrufe erschallten, konnte die Ritterin ihre Tränen nicht mehr zurückhalten. So begann ein rauschendes Fest, bei dem sogar der Travia- und die Rahjageweihte ausnahmsweise einmal einer Meinung waren. Ganz im Sinne der Zwölfe gab es an diesem Tag keinen Platz für Zank oder Hader.