Ist der Braune Etzo zurückgekehrt?

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Ist der Braune Etzo zurückgekehrt?
Bösartiger Bär wütet weiter im Twergentrutzer Land
ADLERGANG, Tsa 1048 BF. Zuerst war es nur aberwitziges Geschwätz, welches den Bären, vor dem der KOSCH-KURIER in seiner 85. Ausgabe warnte, den „Braunen Etzo aus den Hügellanden“ nannte. Zu unwahrscheinlich schien es, dass jener all die Jahre überlebt hatte, erinnern sich doch nur die Älteren unter den Menschen und die Zwerge noch an diese Geschichten. Doch nun werden die Erzählungen lauter und die Warnungen schriller, denn niemals fanden Jäger aus den Hügellanden das Tier, und sein Tod konnte nie bestätigt werden. Und tatsächlich erinnert dieser Bär, der nun in Twergentrutz aufgetaucht ist, sehr an den „Braunen Etzo“, und manche nennen ihn auch schon den „Problembären“ oder den „Zweiten Braunen Etzo“.
Sein Wüten dauert nämlich an, und der Schreiber dieses Artikels war Augenzeuge, als der schwer verwundete Diener des Firun Wirolf Steigschreiter nach Adlergang wankte. Nachdem die hiesige Traviageweihte, Schwester Travine Bocksbart, den arg geschundenen Anhänger des Wintergottes versorgt hatte, enthüllte dieser dem Dorf Furchtbares:
Er hatte sich alleine auf die Suche nach dem bösartigen Braunpelz gemacht, der nicht, wie es in der Natur sonst üblich ist, einen Winterschlaf hält. Bald schon hatte er die Fährte der großen Kreatur aufgenommen und war ihr gefolgt, doch nicht, wie er dachte, in einen Forst oder einen Gebirgszug – nein! Die Spuren führten direkt zu einem kleinen Hof, gelegen am Weg vom Markt Twergentrutz nach Twergental, zwischen dem Hartsteiger Thal und dem Dorf Adlergang. Was er dort erblickte, ließ den jungen Jäger immer noch erschaudern, während er davon berichtete. Wie eine Horde Schwarzpelze hatte der Bär den Bauernhof überfallen, die gesamte Bauersfamilie ausgelöscht und gefressen, dann ihre Tiere und Wintervorräte verspeist. Nur die bleichen Knochen waren zurückgeblieben.
Man konnte erkennen, wie einige der Zuhörer bei diesen Worten sichtbar erbleichten und erschrocken ihre Augen aufrissen.
„Aber was mich noch mehr beschäftigt hat,“ meinte der angehende Geweihte, „ist, dass dieses Tier einen bösartigen, fast schon dämonischen Verstand besitzt. Als ich mich nämlich auf dem Hof umsah, da kam er plötzlich aus dem Unterholz gestürmt, ganz so, als habe er nur auf Reisende oder Besucher gelauert, um auch diese zu töten und zu fressen.“
Wie er denn überlebt habe, wurde Wirolf sofort gefragt. Daraufhin berichtete er, dass er sich erbittert gewehrt habe und dem Bären noch einen Speerstoß habe verpassen können. Doch wäre er wohl ebenfalls von der Bestie getötet worden, wäre nicht im letzten Moment sein Lehrmeister Firnrich, genannt Trutzbär, auf der Bildfläche erschienen. „Als mich die Kreatur ein weiteres Mal mit ihrer Pranke erwischt hatte und ich gegen die Hauswand geschleudert wurde, da hatte ich bereits meinen Frieden mit dem Herrn Firun gemacht. In diesem Augenblick aber brach mein Meister aus dem Wald hervor, gesegnet und gewandet im weißen Pelz unseres Herrn und mit eisigem Zorn gewappnet. Er brüllte voller Inbrunst, zeigte seine mächtigen Reißzähne und stürmte auf den Braunen zu, wobei rasch ein gewaltiger Kampf der Pelzträger entbrannte, der braune Bär gegen den weißen.
Wegen des Blutverlusts verlor ich kurzzeitig das Bewusstsein. Als ich wieder die Augen öffnete, war nur noch der Firunsbär hier, aus einigen klaffenden Wunden blutend, aber aufmerksam über mich wachend. Als ich endlich wieder ganz bei Bewusstsein war, brummte er nur und stürmte anschließend zurück in den Wald, wahrscheinlich, um sich an die Fährte des Braunen zu hängen, denn dieser Bär darf nicht länger hier verweilen.“
Als der Jäger seine Geschichte beendet hatte, waren die Adlerganger sehr besorgt. Es war jedoch Ulwide Bocksbart, die das Schweigen brach und donnernd verkündete, dass sie im Phex Jagd auf das Tier machen würde und jeder fähige Mann und jede wackere Frau, welche das Waidwerk kannte, ihr dabei willkommen sei. Sie lobte auch einen Sold aus und nochmals eine vier Mal so hohe Belohnung für denjenigen, der das Tier töten würde. Die Jagdsaison beginnt daher schon früh in Wengenholm und der KOSCH-KURIER wird bald wieder davon berichten.
Firnrich selbst sieht man nur sehr selten in der Nähe von besiedelten Gegenden, meistens streift er durch die Natur und hat dabei kein Interesse für die Probleme der Menschen. Oftmals tut er dies auch in Bärengestalt, ansonsten erscheint er einem als großer, kräftiger Mann mit verfilztem Haar und Bart, gehüllt in einfache Felle. Der Name Trutzbär hat sich so für ihn eingebürgert, es ist aber nicht sein wirklicher Nachname.
Der Geweihte interessiert sich derweil weder für die Streitereien der Adligen noch für die Sorgen der hiesigen Bauern. Er achtet nur auf die Tierwelt der Berge und dass das natürliche Gleichgewicht von Mensch und Tier gewahrt bleibt. Dass der einzelgängerische Firungeweihte den jungen Wirolf als seinen Schüler annahm, verdankt dieser einem Zeichen, das Firnrich als einen Fingerzeig seines Gottes interpretierte. Hierzu wird später noch eine eigene Geschichte aufgesetzt.
Nun da Firnrich als Diener des Jagdgottes auf der Bildfläche erschienen ist, kann man dies als Zeichen werten, dass mit dem Braunbär wirklich etwas ganz und gar nicht stimmt. Bei dem Tier handelt es sich dabei aber nicht um den tatsächlichen Braunen Etzo.