Götterläufe, längst vergangen... Teil III:

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Ausgabe Nummer 20 - Efferd 1021 BF

Götterläufe, längst vergangen...

Von Priestermacht & Magierschlacht


Als man mit einem Male die Rondrageweihten ehrlose Gesellen hieß (den Kronprinzen Rude hätten sie nämlich gemeuchelt), obzwar sie bei Treu und Glauben beteuerten, dies alles sei ein böswillige List ihrer Feinde, die Praiospriester aber die Getreuen der Leuin allesamt richten ließ, da war den Koscher Edlen guter Rat teuer. Das gemeine Volk fügte sich wohl in die neue Ordnung, die dem Götterfürsten gefälliger sei (nicht lange war es, da sie zu murren begannen, doch davon später). Unter den Rittern, Junkern, Baronen und Grafen aber waren viele, die die Frau Rondra und den Herrn Praios gleichermaßen in Ehren hielten, ohne daß sie zu sagen vermochten, welche Gottheit ihnen lieber sei. So aber zerfielen die Edlen bald in solche, die sich der neuen Herrschaft dienlich zu sein mühten, und solche, die nicht von ihrem Glauben an die Leuin lassen wollte, und Kampf und Tod waren die Folge.

Die Angbarer Geweihten fielen auf den Stufen der Tempelburg, die hernach – gleich den Tempeln von Basalthalle von Ferdok, Koschtal, Gerrun, Leuwensteyn und Alt-Garnelen – mit dem Greifensiegel verschlossen wird. Einzig Rondras Halle zu Rhôndur blieb dank selten nachsichtiger Praioni verschont.

Ihrer Göttin treu blieb auch Leonore vom Eberstamm. Die Muhme des Fürsten Odoardo, selbst eine Geweihte der Leuin, verweigerte die Herausgabe der Reichsinsignien, die Kaiser Ugdalf ihr als Burggräfin zu Uztrutz in Verwahrung gab. Über ein Jahr lang ward die kaiserliche Pfalz von den Truppen Noralecs belagert, bevor die ausgehungerten Verteidiger einem verzweifelten Ausfall wagten – und allesamt niedergemacht wurden. Die Burg des ersten Rude hatte den Parteigängern des zweiten Namensträgers kein Glück gebracht. Seit jenem Tage verschwunden aber sind die alte Greifenkugel und die Gürtelschließe Rauls des Großen

Leonores Schwestersohn Odoardo freilich – welcher in Gareth weilte und den Lichtboten wieder und wieder seiner Ergebenheit versichert – verlor zwar den Fürstentitel (doch nicht den Kopf, und dessen konnte ein jeder gewißlich froh sein in den Tagen der Priesterkaiser) und blieb nurmehr Burggraf der Mark Ochsenblut bei Gareth, wie alle seine Nachkommen, denn keiner von diesen sollte sich jemals wider die Geweihtenschaft empören.

Wie im ganzen Reiche herrschten auch im Kosch allein die Geweihten des Greifen in all ihrer strahlenden Schrecklichkeit. Einzig die Grafschaft Ferdok blieb als Lehen eines Graf-Inquisitors erhalten. Die nördlichen Baronien Wengenholms unterstanden hingegen dem Greifenfurter Hochgeweihten des Praios, Schetzeneck faßte die Kirche mit allem Land bis zum Zusammenfluß von Ange und Breite zusammen und hieß das Land fortan Lichtei Greifenpaß. Verwalter dieser Herrschaft blieb Vinan der V., der sich weihen ließ und die einst der Rondra geweihte Abtei Leuwensteyn bis 650 v. H. zu einer Zwingfeste der Sonnenpriester ausgebaute. Alsbald strahlte die Kuppel der Klosterkapelle in Gold, das einst Angbars Halle der Kämpfer schmückte.

Ihr hartes Los trugen die braven Koscher in praiosgefälliger Demut – doch nicht allein der zwiefache und bald abermals verdoppelte Gottesdank (wie der Zehnt geheißen) wog schwer. Streng waren die Gesetze der Priester streng, die Bußen hart und Barmherzigkeit ihnen fremd.

Von Kathay, dem zweiten der Priesterkaiser, erhoffte sich mancher im Koschland eine Milderung – war Seine Erhabenheit (heut’ mag man sich dessen nicht mehr rühmen) doch ein gebürtiger Bragahner! Allein, sein segensreiches Wirken beschränkte sich darauf, in seinem Heimatort den Bau einer weiteren Zwingfeste zu befehlen, den Koschern ersparte er kein Taggebet und keinen Kreuzer. Als der Erhabene im Götterlaufe 579 v. Hal mit prunkvoller Bagage das Reich durchzog, schickte er sich gar an, den Fortgang der Arbeiten selbstselbstens in Augenschein zu nehmen. Zu Leuwensteyn im Vinansamtschen hatte die Hofgesellschaft Gastung genommen, als es einer Frau aus dem Volke gelang, an all den Geweihten, Greifenreitern, Söldlingen und Dienervolk vorbei unerkannt – mit sündiger Hexenkraft wohl, wie der Groß-Inquisitorius hernach verkündete – in das Gemach des Erhabenen Meisters Einlaß zu finden. Zu töten aber vermochte die Tochter Satuarias ihn nicht – es heißt, daß niemand anders als Graf Gurvan von Wehrheim, ein Wahrer der Ordnung, der Versuchung der Macht erlag und den verwundeteten Kaisers hinterrücks erschlug. Aller Welt aber tat man kund, die Krötenhexe habe den Erhabenen gemeuchelt, und sie ward dafür gerichtet. Doch kein Fluch kam über ihre Lippen, da man sie blendete und ihr das Augenlicht nahm, bevor man sie den Flammen übergab. Ihr Scheiterhaufen war nur der Funken, der viele weitere entzündete: Rachsüchtig durchstreiften die Schergen der Inquisition das Land, ohne Gnade suchten sie wahrhaftige und vermeintliche Feinde ihrer Herrschaft zu strafen und „metenarische Zustände“ auszumerzen, wo immer noch eine Geweihte oder ein Baron Milde gezeigt hatte.

Im Dörflein Firnholm schließlich geschah es, daß die Geweihte Firuns – eine aufrechte Frau und fromm allen Zwölfen – sich weigerte, ihren Hut zu ziehen, als des Lichtboten Leib-Inquisitorius vorbeiritt. Als Ketzerin wurde sie gerichtet und der Tempel – ein kleines Holzhüttchen nur – ein Raub der Flammen. Im darauffolgenden Winter werden die Hochlande von Bären heimgesucht, einem erst, zweien dann, dreien hernach, vieren, fünfen und ungezählten mehr. So flohen die Menschen Firnholm und die Nachbartäler, denn auch diese ereilte bald darauf des Eisigen Jägers Fluch.

Da es aber an rechten Helden fehlte, die den Kampf wider die Tyrannei wagen wollten – die aufrechtesten waren der Inquisition leicht auszumachen und schnell gerichtet – , ward das Joch nicht abgeschüttelt, obzwar der Unmut schwelte wie der Brand eines Köhlers. Erst als Kunde von des Herrn Rohals Erhebung das Koschland umherging, ward die Zwingburg zu Bragahn geschleift und allerorten die Priester des Greifen davongejagt. In der verlassenen Abtei Leuwensteyn aber hauste fortan junges Volk, Rohalsjünger, die tagein, tagaus, nichts als musizieren, dichten und andere Leichtigkeiten kannten.

Die Zwergin Groinsa ward von dem Weisen zur kaiserlichen Grevin ernannt. Nach Art der Gaugrafen führte sie gelegentliche Inspektionen in den Grafschaften und Baronien durch, einen Fürsten nach altem Recht aber gab es nicht, obzwar die Burggräfin Hildelind vom Eberstamm den Titel für sich fordert. In Angbar lenkte fortan ein Bürgerschaftsrat die Geschicke der Stadt, der gerade wie die koscher Grafen direkt Herrn Rohal unterstand. So folgte ein Götterlauf dem anderen, in dem die Felder bestellt und das Vieh zur Weide geführt, Bier gebraut und Eisen geschmiedet wurde, ohne das große Taten überliefert sind – und auch die Pockensieche des Jahres 470 wurde von den Heilkundigen und Magiern jener Tage mit Peraines Beistand schnell besiegt – , bis zum Verschwinden des Weisen im Jahre 404 v. Hal, über das im Koscher Land eine eigene Mär geht. Die Sage vom Rohalssteg (siehe Kosch-Kurier 8) erzählt davon, daß der Weise sich am Angbarer See von seinen Jüngern verabschiedet und ein Flügelschiff nach Alveran zu besteigen gedachte. Da aber seien Dämonenscharen über sie gekommen und Rohal habe erkennen müssen, daß in Aventurien noch eine Aufgabe seiner harre.

Gewiß ist allein, daß er noch kurz vor seinem Verschwinden bei Ambros vom Kosch vorsprach. Der zwergische Hochkönig, ebenso lange schon geschworener Feind des almadanischen Schwarzmagus Zulipan wie ein Freund der Zauberer seines Volkes, sollte in kommenden Götterläufen der einzige sein, der den Menschen und Zwergen Schutz vor den Magierkriegen gewähren konnte, die mit fürchterlicher Gewalt durch das Land tobten und den Kosch wie kaum eine andere Provinz erschütterten.

Zu lückenhaft sind die Zeugnisse jener Zeit, zu unglaublich die Wirren der magischen Gefechte, als das ihr Verlauf sich wie der eines Feldzuges schildern ließe. Weißmagier aus Garetien kämpften gegen Puniner Magister, wieder andere Zauberer suchten einzig ihre eigene Macht zu mehren, Magierbünde wurden gegründet, wieder andere zerfielen in Zwietracht … Nicht nur die verfolgten Hexen und Druiden, denen die Gildenmagier ihre Geheimnisse zu entreißen trachteten, die Kämpfer, die sich auf dem Schlachtfeld in Würmer verwandelten oder in dämonischem Feuer vergingen, die Bauern, deren Äckern dieser Krieg wie jeder andere zu Schlachtfeldern werden ließ, das ganze Land litt Schmerzen. Ungeheure magische Energien verwandelten fruchtbares Land in den Moorbrücker Pfuhl. In Metenar sprachen Weißmagier einen Bann über die Eulenschlucht, um darin ihre Feinde einzuschließen. Doch auch Magiebegabte, die inmitten all der Wirrnis ihre Kenntnisse zum Wohle der Bevölkerung nutzten, gab es. Geführt vom Magus Narehal bewahrte eine Gruppe von Schülern Rohals die Stadt Ferdok und das Umland vor magischem Unbill. Die Geoden der Zwerge errichteten – so sagt die Legende – sieben Schutzkreise – in denen auch menschliche Druiden und Hexen Zuflucht vor ihren Häschern fanden. Graf Halmbart von Wengenholm indes rief sich zum „Fürst-Protektor“ aus und ließ alle Magiekundigen seines Landes vertreiben.

Neben jenen ist es vor allem Ambros von Kosch, der Hochkönig der Zwerge, der seinem Volk Schutz und Schild in den Magierkriegen zu sein versuchte und dafür auch den Bund mit den Geoden nicht scheute. Schon glaubten die Menschen die Magierkriege beendet,da zog er in die letzte Schlacht gegen Zulipan von Punin, einen finsteren Verbündeten des Dämonenmeisters, in dessen Laboratorien mehr denn ein Zwerg einen schrecklichen Foltertod erlitt – und daß er den Zauberer überwand, ist den Hügelzwergen wenig tröstlich, da auch ihr König den Schlachtentod erlitt.

So scherte sich niemand groß darum, daß in diesen Tagen drei wenig bedeutende Sippen aus Xorlosch die heiligen Hallen in den Koscher Bergen bezogen, die von ihren „verweichlichten Vettern schmählich verlassen wurden,“ wie sie sagten. Jene hatten nach dem Tod ihres großen Königs anderes zu tun, als sich um verlassene Tunnel zu schlagen (so spricht die offizielle Geschichtsschreibung des Hügelvolkes), denn die Orks erblickten die Schwäche des Reiches und fielen ein fürderes Mal ins Mittelland ein. Wieder ergossen sich die schwarzen Scharen in das Tal des Großen Flusses, Tod und Zerstörung mit sich bringend. Dorf um Dorf entlang des Stroms wurden geplündert. Die Angbarer verzagten, als der Feind ihre Mauern berannte – schmachvoll ließen sie ihre Freiheit in Gold auf der „Schandwaage“ aufwiegen. Vor Ferdok schließlich gebot man den Tscharshai Einhalt (derweil der Rest des orkischen Heers gen Gareth zog, wo auch ihn sein Schicksal ereilte). Zweieinhalb Tage wogt die Schlacht, in der die Gardereiterinnen den Ferdokern schließlich den Sieg erfochten, auch wenn von ihrem Regiment am Ende nicht mehr als eine Kompanie noch auf den Beinen stand.

Die Geschichte des Kosch ist lang, seine Aufzeichnung das bislang größte Unternehmen der Schriftleitung des Kuriers: Geplant ist es, sie mit dem Capitel „Erneut die Eberstammer herrschen“ fortzuführen und schließlich mit der Aufzählung „Von Glück und Unglück jüngster Zeit“ in den nächsterreichbaren Ausgaben dieses Journals zu beenden.


658 v. H.

Belagerung von Uztrutz durch die Sonnenlegion der Priesterkaiser Die Fürsten vom Erbenstamm werden zu Burggrafen in der Kaisermark degradiert.


606 /605 v. H.

Während der Namenlosen Tage regnet es rund um Bragahn Breitmaulfrösche vom Himmel. Die Einheimischen haben wenig Zeit, über die possierlichen Tiere zu lachen, deren gierige Mäuler die Ernte verschlingen. Erst Born Blaubart gelingt es, der Plage ein Ende zu setzen.


580 v. H.

Der neue Bote des Lichts befiehlt Bau der Feste Bragahn. Einzelne Ferdoker Rondragweihte und Gardereiterinnen finden im unzugänglichen Roterz bei Zwergen Asyl.


579 v. H.

Attentat auf Priesterkaiser Kathay – „Sommer von Feuer und Blut“


578 v. H.

Firuns Fluch: Bärenplage im mittleren Kosch


527 – 404 v. H.

Regierungszeit Rohals


512 v. H.

Graf Gelphart, den sie später Firutin nannten, wird der Bärenplage Herr.


513 v. H.

Erstmals Hesindespiele in Salmingen.


507 v. H.

Vinan XIV. stirbt auf Leuwenstein.


470 v. H.

Die Pocken gelangen von Punin nach Kosch, fordern aber glücklicherweise nur wenige Tote.


428 v. H.

Gründung des Klosters Garrensand durch Sharban von Al’Muktur. Drasmo von Punin-Berg wird erster Abt.


411 v. H.

Der Puniner Magus Algorton bezieht die verlassene Burg Koschwacht.


403 v. H.

Beginn der Magierkriege (bis 398)


402 v. H.

Angbar versichert sich des Beistands der Zwerge


401 v. H.

Die Burg des Barons von Fairnhain-Hammerschlag wird belagert. Als Narehal und seine Jünger den Bedrängten zur Hilfe eilen, versinkt die Feste in einem durch Magie geschaffenen Sumpf. Aus Farnhain wird Moorbrück.


399 v. H.

In einer unheimlichen Schlacht wird Burg Koschwacht von Dämonenhand Stein um Stein abgetragen. Der finstere Magus Algorton findet den Tod.


395 v. H.

Einzug der Erzzwerge in die Heilige Halle unter dem Kosch.


385 v. H.

Hochkönig Ambros vom Kosch fällt.


393 v. H.

Die Schlacht von Ferdok.


Der Turmfall zu Wergen

Als der Zauberer Cuiperius von Wormsalt, der in den Magierkriegen schwere Schuld auf sich lud, zu Twergentrutz einen bösen Spuk bannen will, stürzt das Gemäuer über ihm zusammen. Noch immer halte der darunter schlafende Cuiperius den Geist so in seinem Banne, geht die Sage.


Siehe auch: Geschichte für eine vollständigere Übersicht.