Eine Brücke zu (zer)schlagen - Wein und Pläne

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Autor: Lindholz, Geron


Burg Sinterquell, Baronie Bragahn, am gleichen Tag (1035)

Als Saria in den umfriedeten Bereich der kleinen Burg Sinterquell über dem Örtchen Bergund einritt, erfüllte es sie mit Erleichterung, ein Zuhause vorzeigen zu können, wie es für eine Ritterin angemessen war - zumindest wenn man keine allzu hohen Maßstäbe anlegte. Noch vor einem Jahr hätte sie nur widerwillig die Torflügel aufgestoßen. Inzwischen war das Holz des Eingangs frisch in kräftigem Grün gestrichen und öffnete den Blick in einen gepflegten Innenhof. Die alte Zwetschge und einige der anderen Bäume hatte die Ritterin der Axt opfern müssen; zu schlecht war ihr Zustand, zu gering ihr Ertrag gewesen. Die verbliebenen wuchsen dafür umso prächtiger auf der grünenden Wiese, die sich Links des Eingangs bis hinter den Donjon mit seiner gradlinigen Fassade aus grauem Basalt zog. Jetzt im Ingerimm blühten noch Kirsche, Quitte und die junge Mispel. Rechts, zwischen dem Wachhaus und dem Nebengebäude, hatte man die Stallungen neu errichtet. Dem Bau war leicht anzusehen, dass er noch nicht lange stand, da die Sonne das Holz, aus dem Wände und Dachschindeln bestanden, noch kaum nachgedunkelt hatte.
Saria stieg ab und überließ es dem Stallburschen Alwin, sich um die Reittiere zu kümmern.
"Leider ist noch keines der Gästezimmer wieder vollkommen hergerichtet", führte sie aus, während sie über den aus hellem Kalkschotter bestehenden Untergrund voranschritt.
"Ich kann Euch allerdings die Zimmer im Donjon anbieten, die mein Bruder nutzt, wenn er hier weilt. Eure Begleiter müssten mit den Unterkünften der Soldaten auskommen. Sie befinden sich im Nebengebäude."
Der Bau aus dem gleichen gräulichen Gestein wie Donjon und Mauer hatte einen Grundriss, der an ein liegendes 'L' erinnerte. Eine unauffällige Pforte ließ die Dienerschaft in wenigen Schritten den befestigten Wohnturm erreichen. Das eigentliche Portal hingegen war mit einem schmucken Tympanon versehen. Vor dem Haus mit seinem dunklen Schieferdach hatte die Ritterin einen Rosengarten angelegt, dessen Mittelpunkt ein kleines Wasserbecken bildete. Saria war schon voller Vorfreude auf die erste Blüte der rahjaheiligen Blumen im Sommer.
"Vielleicht möchtet Ihr Eure Sachen erst einmal ablegen und ich werde den Koch inzwischen bitten, uns etwas Brot, Käse und Wurst zu bringen. Dann können wir während des Abendmahls besprechen, wie wir am besten vorgehen. Ich hoffe, ihr mögt Wein? Unser weißer Bergunder ist wirklich nicht zu verachten."
„Ich danke euch für eure Bemühungen“, sagte Geron. „Natürlich weiß ich Wein zu schätzen. Ich werde mein Quartier beziehen und dann zu euch in den Rittersaal stoßen.“
Gerons Waffengefährten tauschten einmal mehr vielsagende Blicke aus. Sie alle wussten genau, dass Geron keinen Wein mochte, aber doch schien er seine Gastgeberin nicht darüber aufklären zu wollen. So dauerte es auch gar nicht lange, und die Burgbewohner und ihre neuen Beschützer saßen gemeinsam im Speisesaal und ließen es sich gut gehen.
„Nach den Spuren zu urteilen, die ich gestern fand, und den Beschreibungen der Überfallenen zu Folge, haben wir es mindestens mit acht Widersachern zu tun.“
Saria von Lindholz-Hohenried war sehr schnell, nachdem das Abendessen begonnen hatte, wieder auf das Thema zu sprechen gekommen, was ihr solche Sorgen bereitete.
„Doch ich fürchte, es könnten noch mehr sein. Wir sollten wohl damit rechnen, dass wir es mit bis zu einem Dutzend Männern und Frauen zu tun bekommen. Auch wenn sie nicht am Schwerte ausgebildet zu sein scheinen, so ist dies doch eine beunruhigende Zahl.“
Die Ritterin seufzte und schenkte sich etwas Wein nach. Danach stellte sie den irdenen Krug wieder auf den alten Tisch, der einen Großteil der Halle einnahm, bevor sie fortfuhr.
„Welcher Gedanke mich dabei besonders plagt, ist der des Grundes. Ich kann mir gar nicht vorstellen, was an dem Bau einer Brücke gen Neuvaloor so beunruhigend ist, dass jemand so hinterhältige Maßnahmen zu ergreifen bereit ist.“
Die braunhaarige Adlige, die jetzt ohne Rüstung wesentlich schlanker, wenn auch nicht zierlich wirkte, faltete ihre Hände und ließ sie auf die Tischplatte aus Nussbaumholz sinken.
„Wir erwarten in drei Tagen eine weitere Lieferung mit Steinen und Holz. Wir können diese Gelegenheit nutzen und einen Hinterhalt legen. Wenn sie auch diesen Transport überfallen, könnten wir Gefangene machen und einige Antworten aus diesen Banditen herauskitzeln. Ein anderer Weg wäre, den Spuren am Ufer der Warna folgen. Der Grund ist dort sehr weich und man kann sie sicherlich auch noch heute gut ausmachen. Das könnte sich jedoch ändern, wenn die Fußabdrücke auf höheres Gelände ansteigen sollten oder es zu regnen beginnt. Was denkt ihr?“
Geron hatte den Ausführungen Sarias aufmerksam gelauscht.
„Die Zahl der Schurken macht mir keine Sorgen. Vermutlich sind sie wenig kampferfahren. Ich und meine Jungs und Mädels werden Kleinholz aus ihnen machen. Dazu müssen wir sie allerdings erst einmal in die Finger kriegen. Den Schurken einen Hinterhalt zu legen, wird schwierig werden, da sie ja überall auf der Strecke angreifen können. Wenn wir die Fuhrwerke aber offen eskortieren, werden sie sich unter Umständen nicht an uns heran wagen. Wir könnten jedoch Leute in den Wagen verstecken und die Kutscher durch meine Leute ersetzen. Wenn die Schurken dann zugreifen, können wir uns offenbaren und ihnen den Garaus machen. Das ist nicht gerade rondrianisch, aber es wird kaum einen anderen Weg geben, um den Schurken beizukommen. Ihre Fährten zu verfolgen, halte ich hingegen für wenig vielversprechend. Über die Motive der Gruppe kann ich freilich nur mutmaßen. Habt ihr euch in dieser Gegend denn irgendwelche Feinde gemacht?“
Saria schüttelte den Kopf.
„Darüber habe ich mir auch schon den Kopf zerbrochen, aber mir würde niemand einfallen. Ganz im Gegenteil: Die meisten Leute sind mir mit ausgesprochener Freundlichkeit begegnet“, antwortete die Ritterin, „Seine Gnaden, Perval von Bergundtal, scheint mir gegenüber sehr verschlossen. Vermutlich ist es schwer für ihn, den Familienbesitz nun in den Händen eines anderen Hauses zu sehen. Seine rondrianische Tugend jedoch bezweifle ich nicht für einen Herzschlag: Wenn er wirkliche Abneigung gegen mich empfinden würde, so würde er mir dies sicher offen ins Gesicht sagen.“
Sie nahm sich drei der hellgrünen Tafeltrauben, die mit anderem Obst in einer flachen Schale auf dem Tisch angerichtet waren, und kaute nachdenklich auf den ovalen Früchten herum. Nachdem sie den süßen Nachtisch, der ihr Mahl beendete, heruntergeschluckt hatte, nickte sie energisch.
„Uns bleibt wohl nichts übrig, als dieses Rätsel von den Unholden aufklären zu lassen, die es uns eingebrockt haben.“
Mit einem Nicken deutete der fahrende Rittersmann seine Zustimmung an.
„Ich stimme Eurem Plan eines Hinterhaltes zu“, fuhr Saria fort, „wer nicht genug Ehre im Leib hat, sich einem offenen Kampf zu stellen, der hat es auch nicht verdient, dass man ihm diesen Respekt erweist. Lasst uns besprechen, wie wir vorgehen wollen, und dann morgen gut ausgeschlafen aufbrechen."