Bleibt wacker, treu und fromm!

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Ausgabe Nummer 64 Efferd 1043 BF

Bleibt wacker, treu und fromm!

Ungewöhnliches Traumbild erschüttert die Koscher Gemüter

Letzte Nacht erschien mir im Traum der selige Fürst Blasius. Er saß auf einem Sessel aus schneeweißen Wolken, und hinter ihm war strahlendblauer Himmel. In seiner Linken hielt er eine Hähnchenkeule, in der Rechten einen schaumgekrönten Humpen, den er fröhlich an die Lippen setzte. Bei seinem Anblick kamen mir die Tränen. Er aber hob verwundert die Brauen und fragte mich, warum ich weine.

„Ich weine um Euch, Durchlaucht“, gab ich zur Antwort. Da schüttelte er das Haupt und erwiderte lächelnd: „Du musst nicht traurig sein! Ich sitze doch in Travias Halle bei den Meinen.“

Und auf einmal waren da zahllose Gestalten zu sehen: der Stammvater Baregrond und Baduar der Ritterliche, Halmdahl der Keiler und Holdwin der Erneuerer – und wie sie alle heißen mögen. Der gute Fürst Blasius aber neigte sich zu mir herab und sagte: „Ich bin bei den Meinen, und dennoch bin ich bei euch. Alle Tage schaue ich hinunter auf mein liebes Koscherland und freue mich über den Anblick.So ist es und so wird es sein, solange die Gipfel des Koschgebirges in den Himmel ragen und die Wellen des Großen Flusses dem Siebenwindigen Meer zustreben. Ihr aber, meine guten Koscher, bleibt wacker, treu und fromm, dann mag geschehen, was will.“

Da wachte ich plötzlich auf und fühlte mich erschreckt und getröstet zugleich.

Solche Worte würde man vermutlich mit einem verwunderten Kopfschütteln abtun, wenn sie uns ein Nachbar oder die alte Muhme erzählt hätten. Doch dieses Traumbild stammt von keiner Geringeren als Iralda Mechtessa von Bodrin, die man im ganzen Lande als Iralda die Gute kennt. Hinzukommt noch, dass dieser Traum ihr in der Nacht vom 1. auf den 2. Praios zuteil ward, zu Fürstlich Gnaden also – jenem Festtag, an welchem sich der selige Fürst Blasius so engverbunden mit seinem Volke zeigte.

Eine staunende Gemeinde lauschte im Tempel zu Gôrmel der Predigt Iraldas, in welcher sie das, was sie gesehen hatte, zwar ausführlich schilderte, doch selbst nicht zu deuten wagte. Ebenso ergeht den meisten im Lande: Keiner weiß so recht, was von der Sache zuhalten ist. War es nur ein sonderbarer Traum, der weiter nichts zu bedeuten hat? Oder wollte uns der Geist des guten Fürsten eine Warnung zukommen lassen, indem er uns ermahnte, „wacker, treu und fromm“ zu bleiben? Steht dem Kosch eine Prüfung bevor, wie damals im Jahr des Feuers? Oder etwa noch Schlimmeres?

Bislang ist weder aus dem Erlenschloss noch aus der Thalessia eine Stellungnahme zu hören, und auch die Oberen der Kirchen hüllen sich in Schweigen. Einige Wanderprediger haben sich jedoch der Sache angenommen und tragen die Worte Iraldas durch den ganzen Kosch. Sie stoßen nur selten auf taube Ohren. In einigen Dörfern haben die Leute bereits damit begonnen, liebevoll geschnitzte Holzfiguren, kleine Abbilder des Fürsten, in die örtlichen Schreine zu stellen und ihnen kleine Opfer darzubringen. Die Ferdoker Zinngießereien stellen Teller, Krüge und Medaillen mit der Inschrift „Wacker, treu und fromm“ her. Etliche Knaben, die in den letzten Wochen geboren wurden, haben die Eltern stolz nach dem alten Fürsten benannt. Und der Baron von Oberangbar hat gar eine Statue anfertigen lassen, so dass der Herr Blasius von nun an wie ein Schutzpatron am Ufer des Großen Flusses steht und wachsam nach Norden schaut.

All das zeigt, wie sehr das Andenken des verstorbenen Landesvaters noch überall lebendig ist, und was auch immer das Traumbild bedeuten mag – man begeht gewisslich keinen Fehler, wenn man auf die Mahnung des freundlichen Geistes hört und „wacker, treu undfromm“ bleibt.

Karolus Linneger