Eine neue Fürstin für den Kosch?

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Ausgabe Nummer 53 Praios 1034 BF

Eine neue Fürstin für den Kosch?

Neueste Munkeleien vom Fürstenhof

FÜRSTENHORT. Nur noch die alten Koscher können sich an jene Tage erinnern, in denen Fürst Blasius eine Gemahlin zur Seite stand. Früh schon, verstarb Gunelida von Quintian-Quandt nach den Strapazen der Geburt ihrer Zwillinge Edelbrecht und Idamil. Jenen, die sie kannten, blieb sie in der Schönheit ihrer reifen Blüte in Erinnerung: mit braunem Haar, einer feinen Brille, schlank und klug. Gerade dreißig Sommer auf dem Dererund waren ihr vergönnt.

Den Fürsten aber kennen die Jungen unter uns nur mehr als Witwer, der sich mit Hingabe seinen Kindern und Landeskindern widmet. Man muss nur den zum stolzen Manne gereiften Prinzen Edelbrecht betrachten, um zu erkennen, dass seit dem Tod der letzten koscher Fürstin bereits 36 lange Götterläufe ins Land gestrichen sind. Nun erreichten unsere Schreibstube zwei verschiedenartige Gerüchte, die beide im Kerne die Möglichkeit beinhalten, dass diese Zeit ohne Fürstin bald ein Ende haben könnte...

Der erste Brief

Am koscher Hof bahnt sich ein handfester Skandal an! Schleicht sich eine Bürgerliche ungewisser Herkunft in das Herz des Fürsten... und damit in das seit eintausend Jahren fürstliche Haus Eberstamm? Vor drei Jahren, als der Fürst den ersten Pilgerzug des Dreischwesternordens aus dem Osten begrüßte, zog sie aus dem Außerkosch ins Land. Die dralle, rot- bäckige Mamsell verstand es sogleich den guten Fürsten mit ihrer freizüngigen Art um den Finger zu wickeln. Seither weilt sie auf Fürstenhort... kaum ein Moment, an dem sie von seiner Seite weicht. Seitdem sie Seine Durchlaucht während der ungewissen Stunden der vermeintlichen Entführung des Erbprinzenpaares bemuttert hatte, stieg sie gar zur Zweiten Hof-Geweihten auf. Seither übt sie zunehmend mehr Einfluss auf die Regierung aus. Erst kürzlich überredete sie den Fürsten für teures Geld einen Winterunterstand für das Gesindel am Angbarer Bettelgraben errichten zu lassen. Seit kurzem sitzt sie gar an der Morgentafel zu seiner Rechten! All das, obwohl von ihr wenigmehr bekannt ist als ihr Rufname: Berngundis. Wer weiß, ob der überhaupt stimmt... ob sie nicht selbst aus bettelarmen Verhältnissen stammt, irgendwo in Weiden Mann und Kinder sitzen hat oder in Wahrheit eine Hexe ist...

Der zweite Brief

Wer Augen hat, kann wohl erkennen, dass nicht jeder am Fürstenhof den Aufstieg der einfachen Geweihten Berngundis gutheißt. Die einen bangen um den eigenen Einfluss, die anderen stören sich daran, dass sie nicht von Adel ist. Doch am wenigsten ist dieser Aufstieg Mutter Berngundis selbst geheuer. Mehr als einmal bot sie im ersten Jahr dem Fürsten an zu gehen, um das Gastrecht nicht zu sehr zu beanspruchen. Doch dieser bat sie ein ums andere Mal zu bleiben. Zu wohl tat ihm sichtlich die robuste Herzenswärme der resoluten Dame. Dass sie keine Koscherin war, störte ihn (im Gegensatz zu manchem Höfling) nie – im Gegenteil, gerade die geradlinige Offenheit ihres weidener Blutes schien ihm zu gefallen. Womöglich fühlt er sich in ihrer Nähe an seine schönen Knappenzeiten am Herzogenhofe zu Trallop erinnert. Genau das scheint mir am wichtigsten zu sein: Sie tut dem Fürsten zweifellos gut! Wer gegen sie wettert, hat vergessen, wie gebrochen unser geliebter Landesherr noch vor drei Jahren auf seinem Throne saß. Sein damals einziger Enkel Holduin-Hal im Feuer des Alagrimm verglommen, sein weiser Sohn Idamil ohne versöhnliche Aussprache in Gareth umgekommen, sein geliebter Bruder Geldor vor Wehrheim gefallen... selbst ein starkes Fürstenherz wird nach Jahren derart tiefen Kummers schwer wie Blei. Manch bittere Zunge munkelte angesichts der raschen Alterung gar von einem baldigen Ende Seiner Durchlaucht.

Dann kam sie, und das freundliche Funkeln in seinen Augen kehrte zurück, seine Adern füllten sich wieder mit neuem Lebensmut. Seither ist er wieder der Alte, so wie wir Fürst Blasius kennen und lieben ... ein fürsorglicher und tatkräftiger Landesvater, der unser Land voll Inbrunst und Freude lenkt. Wenn es tatsächlich die Zuneigung und Liebe zu dieser Frau ist, die dies bewirkt – dann sollten wir dieser Dame dankbar sein, statt sie zu verdammen.

Beide Schreiben aus Burg Fürstenhort erreichten uns ohne Angabe der Verfasser.

Elida von Cellastein