Wengenholmer Geister - Auf dem Weg nach Auersbrück

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Auersbrücker Land, Ende Firun 1041


Nach einem kräftigen Frühstück brach die Reisegesellschaft in aller Frühe gen Auersbrück auf. Man wollte unbedingt am heutigen Abend noch Wengerich und am Tag darauf Auersbrück erreichen. Bis zum Aufbruch hatte Roban das Gesinde mit einigen merkwürdigen Wünschen auf Trab gehalten, die er unbedingt erfüllt haben wollte. Halmar hatte sich berichten lassen, was der Koschtaler wünschte – ein Bettlaken, ruhig alt, aber gewaschen, ein paar dunkle Leinentücher, und einige andere Dinge von geringem Wert – und dann verfügt, dass alles bereit gestellt werden sollte. Zwar wusste er nicht, was Roban mit dem Zeug wollte, aber er kannte die bisweilen etwas verrückten Ideen seines einstigen Kontrahenten. Es konnte ihrem Vorhaben hoffentlich nur nützen.
Trotz der eisigen Kälte und teils hoher Schneeverwehungen kam die Gruppe gut nach Wengerich durch und verbrachte die Nacht als Gäste bei der Junkerin Vieska von Wengerich. Die Junkerin schien der Gruppe nicht so recht zu glauben, dass sie als Jagdgesellschaft unterwegs war, bohrte aber nicht weiter und ließ sich bei der Verköstigung ihrer Gäste nicht lumpen.
Tags darauf ging es bereits deutlich mühseliger voran und so erreichte die Gruppe gegen Abend erst Rondrasdank und musste dort in einem Gasthaus übernachten.
Am nächsten Tag brach die Gruppe dann weiter nach Auersbrück auf. Trotz des vielen Schnees würde man die Stadt heute sicher erreichen und die Nachforschungen beginnen können. Bisher hatten alle Nachfragen nach Viburn und seinem Gefolge keinerlei Ergebnis gebracht.
„Scheint nicht so, als hätte Viburn es bis hierher geschafft“, bemerkte Roban in Boromils Richtung, während sie gegen Mittag eine kurze Rast im Windschutz einiger schneebedeckter Tannen einlegten.
„Es sind so wenig Reisende unterwegs, die Leute würden sich an die Edelleute erinnern“, stimmte der Ritter vom Kargen Land zu. „Vermutlich wird man noch in Jahren von uns berichten, den einzigen, die bei diesem Wetter im Wengenholm auf die Jagd gehen. Die Junkerin von Wengerich hat nur der Höflichkeit halber nicht gefragt, geglaubt hat sie uns sicher nicht!“
„Die Junkerin wurde ja auch nicht mit dem Streitkolben gekämmt!“ grinste Roban. „Wer bei diesem Wetter jagen geht, ist entweder kurz vor dem Hungertod oder kurz vor dem Noionitenspital. Und besonders mager sehen wir nicht aus!“
„Glücklicherweise werden wir uns nicht vor jedem rechtfertigen müssen“, brummelte Ingramosch, der dick eingepackt neben Boromil stand wie eine aus Fell und Wolle gewickelte Kugel. Er schielte zu dem kleinen Feuer hinüber, dass man mühsam in Gang gebracht hatte. Eine wirkliche Mahlzeit würde es nicht geben, aber eine dünne Brühe, die zumindest die klammen Glieder ein wenig wärmen sollte.
Tharnax indes Schimpfte fast ununterbrochen während ihres Halts, auch mit und infolge wohl über sein stämmiges Pony, welches geringfügig folgsamer war als ein einfacher Stein. Die derben, ausgesprochenen Flüche in seiner Muttersprache drehten sich, was der Rogolan- Kenner heraushören konnte, um Orks, Oger und deren stinkenden Körperausscheidungen.

Gilborn war recht schweigsam gewesen die letzten Tage. Die erste Nacht auf Kaisersteg und auch die folgenden hatte er sich mehr mit sich und seinem Hund beschäftigt als mit seinen Reisegefährten. Dabei war bei ein-zwei kurzen Gesprächen klar geworden das es keineswegs Arroganz oder dergleichen war. Gilborn kannte schlicht noch niemanden der Anwesenden besser und wollte nicht unhöflich sein und sich in Gespräche zwischen schon länger Vertrauten einmischen. Sie näherten sich immer mehr seiner Heimat und Gilborn war immer mehr der Gegend vertraut. Wenn man von Auersbrück stramm gen Firun ritt kam man genau in die Sendschaft Bilchtrutz wo seine Burg stand. Irgendwo zwischen Rondrasdank und Auersbrück wurde dann eine längere Pause eingelegt. Sogar ein Feuer wurde gemacht und eine dünne Brühe erhitzt. Gilborn hielt sich abseits des Feuers. Er wollte sich nicht an dem Feuer wärmen wo es doch gleich im Anschluss dann wieder frieren hieß. Er hatte sich an die Kälte gewöhnt und erst wenn sie ihr Nachtlanger aufschlugen, hoffentlich in Auersbrück wollte er wieder Wärme genießen. Tharnax der fluchte mal wieder auf sein Reittier was Gilborn schließlich zu viel wurde. Nicht laut ausgesprochen aber deutlich zu vernehmen sagte er in die Runde:

"Vielleicht sollten wir in Auersbrück die Reittiere zurück lassen. Bei diesen Geräuschen die wir mit Reittieren verursachen wird auch der letzte Holzkopf sofort wissen das wir keine Jagdgesellschaft sind!"
Danach wandte er sich direkt an Tharnax
"Oder soll das nur ein Schauspiel sein um eventuelle Beobachter zu vermitteln das der Umgang mit Reittieren nicht der beste ist? Wenn dem so ist würde ich sagen auch das hat jeder verstanden!"
Kurz stutzte der Zwerg, schien nachzudenken wie Gilborn seine Worte gemeint haben konnte, dann lachte grinste er. Wenn er die Rede zuvor als Kritik aufgefasst haben sollte, dann ließ er sich es nicht anmerken, oder nahm den Mann schlicht nicht ernst genug.
„In der Tat, ich wäre nicht traurig darum ohne die Vierbeiner weiterzuziehen, auch wenn es wohl recht beschwerlich werden würde. Ich konnte mich nie mit dieser Art des Reisens anfreunden und dabei hatte ich doch ausreichend Zeit dafür. Ich muss mich erst wieder anfreunden mit der alten, störrischen Dame. Wir haben nur recht selten miteinander zu tun. Ich komme nur wenig raus aus Âthykril.“ Er schüttelte den Kopf, offenbar ein wenig belustigt über sich selbst.
„Ich baue auch eher darauf“, fuhr er fort, „dass wir bei diesem Mistwetter, welches wohlmöglich selbst Schneeorks in ihre stinkenden Höhlen zu treiben vermag, möglichst wenigen Menschen zu begegnen. Denn wer glaubt schon ernsthaft daran, dass man dieser Tage auf die Jagd geht, wenn man nicht am Hungertod nagt. Und danach sehen wir wahrlich nicht aus.“ Nochmals schmunzelte er und sah auf seinen Bauchansatz hinab, welcher sich selbst unter dem Pelz abzeichnete. „Darüber hinaus weckt Geheimnistuerei immer den Argwohn der einfachen Bevölkerung und wird uns noch auffälliger machen. Aber das ist nur meine eigene Meinung und mag aus dem Blickwinkel meines Volkes erwachsen.“

Niam hatte auf dem bisherigen Weg doch ihre Scheu gegenüber den anderen Begleitern abgelegt und konnte sich, vor dem kleinen Feuer kniend, ein etwas gequältes Lächeln ob der Szene nicht verkneifen. „Sehr schön, noch keine drei Tage unterwegs, und schon gehen sich die werten Herren an die Gurgel.“ Sie schüttelte den Kopf. „Ich habe das Gefühl, dass die Sturheit der Tiere unser geringeres Problem sein wird.“ Sie stand wieder auf, klopfte sich den Schnee von der Kleidung und ging zu Halmar, das Gespräch suchend. „Mir sind die Worte unseres Ponyflüsterers hier nicht aus dem Kopf gegangen, seit wir unterwegs sind. Wer könnte ein Interesse daran haben, das Haus Eberstamm entweder zu verunglimpfen, oder ihm durch ein hohes Pressgeld zu schaden? Das klingt alles nicht ganz koscher für mich.“ Sie stülpte kurz die Mütze zurück und kratzte sich in den kurzen schwarzen Haaren. „Einfache Räuber? Die wären selten dämlich, sobald sie erkennen, dass sie einen Eberstamm erwischt hätten. Die würden ihn wohl eher wieder laufen lassen, bevor sie sich auf einen Austausch gegen Geld einlassen würden, wissend, dass mehrere Bewaffnete ihnen an das Leder gehen würden.“ Niam nahm ein kleines Fläschchen aus ihrer Tasche, öffnete es und nahm einen Schluck daraus. „Wenigstens das Zeug hier wärmt.“ Halmar sagte nichts, und hörte der Koscher Ritterin weiter zu. „Falls Harrad tatsächlich im Auftrag der östlichen Verfluchten unterwegs wäre, wäre es sehr ungeschickt, ihn so wieder ins Kreuzfeuer zu bringen. Ein stiller Schläfer, der jederzeit direkt im Feindesland aktiv werden kann ist viel wertvoller.“ Erneut kratzte sich Niam am Kopf. „Charissia von Salmingen? Könnte sein, die Schlampe ist für jede Schandtat gut. Aber ich glaube irgendwie nicht daran.“ Niam nahm einen weiteren Schluck. „Also, wer könnte es tatsächlich sein? Goro, tot. Vielleicht die Reste seiner Bande? Boromil, ihr wart doch dabei? Habt ihr alle Rot- und Schwarzpelze niedergemacht, die sich angeblich in seinem Gefolge befunden haben sollen?“
Der Angesprochene schüttelte den Kopf. „An Schwarzpelze kann ich mich gar nicht erinnern, von den Goblins hat aber nicht eine Handvoll überlebt.“
Niam nickte. „Dann sind die eigentlich auch auszuschließen, meinst du nicht?“ Ihr Blick ging wieder zu Halmar. Der zuckte nur mit den Schultern, und fragte zurück: „Was meinst du?“
„Ich meine, dass es eine dumme Idee war, mir die Mütze vom Kopf zu nehmen, um den selbigen zu kratzen. Meine Ohren sind fast abgefroren. Und sobald wir die dünne Wasserschnalze hier runtergewürgt haben, sollten wir schleunigst wieder aufbrechen, um in Auersbrück mehr zu erfahren.“
Sie blickte zu Gilborn und Tharnax. „Es sei denn, die beiden Herren haben noch etwas auszudiskutieren. Aber auch das könnten wir auf dem Weg machen.“
Damit zog sich Niam die Mütze wieder auf den Kopf und stapfte durch den Schnee zu ihrem Pferd zurück.

Gilborn ging sowohl über die Antwort als auch über die Worttirade dieser Niam kommentarlos drüber. Die Frau hatte definitiv Haare auf der Zunge und wenn die einmal in Bewegung kam, folgte ein schier unendlicher Schwall an Worten aus ihrem Mund. Er zuckte nur mit den Schultern und amüsierte sich innerlich ein wenig über die verweichlichten Begleiter. Ja es war sicherlich kalt und es gab schöneres Wetter zum reisen. Aber was hatten die denn erwartet einen Spaziergang in der Sonne mit Bediensteten im Schlepptau die kühle Getränke reichten?
Er fand die Vermutungen der Frau auch ziemlich abenteuerlich. Natürlich saßen die vom Eberstamm im Kosch ziemlich fest im Sattel aber außerhalb ihres Fürstentums sah man das Haus nicht gerade als besonders gefährlich an. Da würde es sicherlich etliche geben die ein Lösegeld erpressen würden wenn sie diesen Harrad in die Finger hätten. Nur ohne Forderung floss nirgendwo Lösegeld und soweit er wusste gab es bisher keine. Orks, Goblins und Oger hielt er für vollkommen abstrus. Die hätten Harrad so sie ihn in die Finger bekommen hätten wahrscheinlich längst umgebracht, aufgefressen oder beides.

Der Zwerg grinste bei Niams Worten. “Nein nein, von meinet wegen können wir gern aufbrechen. Wer könnte euch diesen Wunsch schon abschlagen.”
Als Tharnax dann bereits wieder auf seinem Pony saß, den Kampf mit seinem widerspenstigem Tier hatte der Bergvogt diesmal bedeutend wortärmer gewonnen, wendete er sich noch einmal an Gilborn.
“Wisset, ich und viele weitere Angehörige meines Volkes schätzen eine angeregte Diskussion oder gar das Streitgespräch sehr.“ Er zuckte mit den breiten Schultern. „Das gehört irgendwie zu unserer Natur. Dabei sind wir aber nicht nachtragend und haken gesagtes ab, wenn man auseinandergeht, beziehungsweise wenn man zu keinem greifbaren Ergebnis gekommen ist. Nehmt mir meine Worte also nicht übel, ich tue dies andersherum auch nicht.”
„So eine Zusage bräuchte ich auch mal“, meldete Roban sich aus dem Hintergrund. „Mir nimmt man die Worte sogar dann übel, wenn ich sie so mühsam runterwürge wie zwei Handvoll Nasenrotz!“
„Was Wunder, wenn man statt einer Zunge einen Fehdehandschuh zwischen den Lippen trägt!“ lachte Halmar, der gleichfalls hinter den beiden ritt. „Was die Fettnäpfe angeht, pflegt Ihr ja mit Anlauf und beiden Füssen zugleich hinein zu springen!“
„Ha-ha!“ Den Koschtaler schien die Kritik nicht besonders zu berühren. „Die Wahrheit muss raus, sonst gibt´s Magengrimmen und Blähungen! Und Fluchen ist Stuhlgang für die Seele, Orken, Arsch und Donnerwetter noch mal!“
Tharnax, offensichtlich auf eine etwas derbere Art belustigt, lachte dreckig bei dieser blumigen Umschreibung.
“In einer Sache muss ich euch enttäuschen und gleichzeitig vorwarnen, da wir ja wahrscheinlich einige Tage gemeinsam reisen werden. Diese von mir benannte… leidenschaftliche Streitkultur wird euch nicht vor meinen Blähungen erretten.” Erneut lachte der Zwerg.
„Und was denkt Ihr, warum Harrad verschwunden ist?“ fragte Roban, sich halb im Sattel umwendend. Robans Lachen verschwand sofort.
„Ich gäbe viel darum, wenn ich mir darauf einen Reim machen könnte“, gestand er. „Eine Lawine? Möglich, aber so etwas passiert selten unbemerkt, und wären sie auf dem Weg geblieben, hätte man sie längst gefunden. Eine Entführung? Möglich, aber wer hätte etwas davon, oder besser: wer hätte am meisten davon? Und schwarztobrische Umtriebe?“ Roban hob die Schultern. „Ich war selbst lang genug drüben, um sagen zu können, dass man diesem Geschmeiß leider überall und jederzeit rechnen muss. Aber solange wir nur raten können, kommen wir nicht weiter. Bis wir erste Spuren haben, sollten wir uns darauf konzentrieren, diese zu finden. Alles andere ergibt sich dann vielleicht.“

Gilborn nickte dem Angroscho kurz zu.
"Macht euch keine Sorgen ich bin der Sohn eines Fahrenden Ritters und habe von meiner Geburt an bis vor wenigen Jahren quasi auf der Straße gelebt. Da ging es so gut wie rauh zu. Auch die Teilnahme am horasischen Thronfolgekrieg, fast vom ersten Tag an bis ganz zum Ende trug dazu bei das ich keineswegs zimperlich und schnell beleidigt bin!
Ob es sinnvoll ist immer alles auszudiskutieren will ich nicht entscheiden, doch ist mir die Streit- nein nennen wir es das angeregte Diskutieren vieler Angroscho bekannt. Denkt nur daran das wir Menschen lange nicht so viele Jahre zum streiten haben. Deshalb, so ist es bei mir jedenfalls, beende ich es lieber schneller."

Beim anschließenden erneuten spekulieren über das Schicksal Harrads hielt er sich raus. Konnte er doch keine neuen Erkenntnisse beitragen.