Zwietrutz' Frühling - Mühlenbräu und Barlatzwässerchen

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Texte der Hauptreihe:
K6. Mühlenbräu und Barlatzwässerchen
27. Phe 1041 BF
Mühlenbräu und Barlatzwässerchen
Schmiedearbeiten

Kapitel 6

Regen in Wogenschlag
Autor: Korkron

Burg Zwietrutz, am 27. Phex 1041 BF – um die zehnte Stunde

„Da kommt er“, informierte Edelbrecht, deutlich angespannter als sonst.
Der Blick von der Burg ins Lehen war für den alten Amtmann sonst stets erhebend. In der Ferne konnte man die Siedlungen und die Grenztürme erahnen und eingerahmt von den mächtigen Troll-Barlatz-Wälder lagen die Felder Zwietrutzes. Heute jedoch schaute Edelbrecht angespannt. Sein Blick ging nach oben. Wie ein böses Omen zogen Wolken dunkel und durch einen scharfen Wind getrieben schnell über das Lehen und über das Trolleck.

Vier Reiter kamen den „Drangsal“ hoch geritten. Die Pferde mochten den engen und steilen Weg hoch zur Burg offenbar nicht. Nur langsam kamen sie den steilen Weg hoch. Ungeübte Reiter hatten stets Probleme, Pferde von der Anstrengung zu überzeugen.

„Der Herr Baron hat offenbar gerne junge Frauen um sich“, eröffnete Wolfor von Roder, der Burgmann von Grimm zu Zwietrutz. Und tatsächlich ritten drei junge Frauen, zwei davon in Leder gerüstet, hinter Erzbart von Drabenburg durch das im grünen Stein gebaute Burgtor.
Alle Burgbewohner waren auf Geheiß des Burgherrn zur Begrüßung des Barons in der Bastei und trugen ihre besten Kleider. Selbst Magister Attalan, der nur selten äußerlich als Magier zu erkennen war, trug heute eine edle Robe mit einigen Symbolen und seinem persönlichen Zeichen.

Langsam ritten die vier an den Burgbewohnern vorbei. Hinter Erzbart ritten zwei bewaffnete Frauen. Die eine wohl Anfang 20, die andere um die 40. Die Ältere konnte leicht als Soldatin des Barons identifiziert werden. Die jüngere, in Leder gerüstet, trug jedoch nicht das Wappen der Drabenburgs.
Direkt schräg hinter ihm ritt eine weitere junge Frau. Sie schien vom Alter her zwischen den beiden anderen Frauen zu liegen.
Ohne sie anschauen zu müssen konnte man im Gesicht Wolfors ablesen, dass es sich bei dieser Frau um eine wirkliche Schönheit handelte. Sie trug über einer schwarzen, ledernen Reiterhose ein weißes Kleid, dass jedoch trotzdem mehr an eine militärische Uniform denn an ein Sommerkleid erinnerte.

Die Kinder von Barhold, dem 1.Torhauswächter, liefen zu den Reitern und nahmen ihnen die Pferde ab. Die Reiter stiegen ab.
Grimm zu Zwietrutz begrüßte seinen Baron mit aller Etikette und stellte nacheinander den Burgmann, den Amtmann und den Ingerimmgeweihten vor. Der dunkelhäutige Magister Attalan wurde von Grimm zu Zwietrutz nicht etwa als Magus, sondern als Rechtsgelehrter und Burgherold vorgestellt, was zu einem Naserümpfen beim Baron führte.
Nach der Vorstellung durch Grimm stellte der Baron zwei der drei Begleiterinnen vor. Die jüngere hieß Tara von Darbonia, eine Knappin. Die von Wolfor beobachtete Frau im weißen Kleid wurde als Vögtin Grothissa Götnisch vorgestellt.

Nach der offiziellen Vorstellung bat Grimm alle in die große Halle.
„Tatsächlich habe ich mir einen anderen Ablauf vorgestellt“, wand der Baron in der Grimm schon bekannten ruppigen Art ein. „Meine Vögtin wird den Bericht abnehmen und überprüfen, während Ihr mir das Lehen vorstellen könnt.“
„Ein lauschiger Ausritt“, dachte Grimm. „Was hat er sich denn nun ausgedacht?“
Im Gesicht Edelbrechts konnte der Junker großen Unmut erahnen, während Attalan völlig ungerührt blieb und Wolfor sich zu freuen schien.

„Gern, Hochgeboren, wie Ihr wünscht“ antwortete Grimm, äußerlich ungerührt. Er rief nach seinem Pferd. Nach einigen Minuten des Wartens wurde sein Pferd gebracht und nach dem Aufsitzen wand er sich noch kurz an seine Untergebenen.
Um Edelbrecht zu beruhigen sagte er: „Magister Attalan wird als mein Herold die Berichtserstattung leiten.“ Dann ritten sie los, langsam den „Drangsal“ hinab.

Burg Zwietrutz, am 27. Phex 1041 BF – um die fünfzehnte Stunde

Völlig durchnässt ritten Baron Erzbart von Drabenburg und Junker Grimm zu Zwietrutz am Nachmittag in die Bastei, wo ihnen die Pferde abgenommen wurden. Über die Nässe hinaus war der Baron völlig verdreckt und schlammverkrustet und humpelte leicht nach dem Absitzen.

Die beiden Männer gingen langsam zum Zwinger und erreichten dann den großen, grünen Bergfried, der auch den Palas und die Wohnräume beinhaltete.
„Balgunde, Kleider!“, rief Grimm der Verwalterin zu.
Ungeniert entledigten sich Grimm und sein Baron in der Eingangshalle ihrer verdreckten und durchnässten Kleidung.
Aufgeregt hatte Balgunde die erstbesten Kleidungsstücke gebracht, die sie hatte finden können und so hatten beide Adeligen nun jeweils nur eine lange Untertunika an, die ebenso beiden nicht passte.
„Bei den Zwölfen“, fluchte Grimm sarkastisch in sich hinein, „das klappt ja alles ganz wunderbar!“ Laut sagte er: „Hochgeboren, diese Situation tut mir sehr leid!“ Für Grimm überraschend musste der Baron grinsen: „Wenn Ihr das Wetter und mein mich abwerfendes Pferd nicht dahingehend verhext haben solltet, trifft Euch wohl genauso viel Schuld wie mich!“ „Ich hoffe nur, dass das Possenspiel unserer Verkleidung nicht die Runde macht.“
Nicht unfroh über die unaufgeregte Reaktion des Baron beauftragte Grimm Balgunde, etwas Passenderes für ihn und Erzbart zu finden.
Vielleicht gehen wir solange in den Rittersaal und trinken ein wärmendes Getränk.
Der Baron folgte dem Burgherrn eine Treppe hinauf. Grimm füllte einen kleinen Topf mit einem Getränk und hängte es in den kleinen Kamin. Kurze Zeit später schenkte er sich und seinem Lehensherrn ein großes Glas mit heißem Barlatzwässerchen ein.
Beide Männer tranken einen großen Schluck.
Beide Männer husteten anschließend.
Grimm bemerkte, dass das von Winne geschenkte Getränk heiß noch viel schlimmer schmeckte als kalt und beschloss, es nie wieder pur zu trinken.
Eine Minute sagten beide Männer kein Wort, dann atmete Erzbart tief durch. „Bei den Zwölfen!“ „Diese Hitze lässt Erfrorene zurückkehren!“ „Was bitte soll das für ein Gesöff sein?“
Grimm durchliefen immer noch Hitzewellen. Er musste grinsen. „Es nennt sich Barlatzwässerchen und ist das schlimmste Gebräu, dass ich je getrunken hab.“
„Ich fürchtete zunächst, Ihr wolltet mich vergiften, Zwietrutz!“, erläuterte der Baron schmunzelnd und tiefdurchatmend.
Balgunde kam außer Atem in den Rittersaal und unterbrach damit die beginnende Unterhaltung. Sie brachte verschiedene Kleidungsstücke.

Nachdem die beiden neu und dieses Mal angemessen gekleidet waren, schien die kurze angenehme Konversation rund um den Schnaps beendet und Erzbart von Drabenburg forderte Grimm auf, sich nun dem Bericht durch Grothissa Götnisch zu widmen. Gemeinsam gingen sie in die große Halle.

Burg Zwietrutz, am 27. Phex 1041 BF – um die sechzehnte Stunde

„Und somit komme ich zu dem Schluss, dass die Bücher korrekt geführt und die Abgaben an Euch, Hochgeboren, ebenso korrekt errechnet wurden.“
„Erlaubt mir dennoch eine Anmerkung!“ „In Zwietrutz herrscht, trotz meiner persönlichen Hilfe, eine große Träg- und Faulheit und es fehlt an einer harten Hand.“
Die schöne Vögtin Götnisch hatte ihre Zusammenfassung mit sehr harten Worten geführt. Während Edelbrecht ein Stein vom Herzen gefallen zu sein schien, da sie seinen Bericht und seine Bücher als korrekt und passend schilderte, wurde die Wut im Burgherrn immer größer. Mit jeder beiläufigen Anmerkung der Götnisch fiel es Grimm schwerer, seinen Zorn zu bändigen.
„Ich schlage daher vor, dass Hochgeboren mich mit Befugnissen ausstattet, das Lehen derer von Zwietrutz zu unterstützen“, endete sie.

Grimm schlug den Pokal mit voller Wucht auf den großen Tisch, an dem er neben dem Baron saß.
Außer dem Baron und der Vögtin schauten alle betreten auf den Tisch, als Grimm zu Zwietrutz mit tiefer und donnernder Stimme anhob: „Es ist an Unverfrorenheit kaum zu beschreiben, was sich eine Vögtin in meiner Halle anmaßt.“
„Vier Punkte! Erstens: Keine Trägheit liegt auf den Zwietrutzern, sondern Not.“ „Zweitens: Ihr wart keine Unterstützung, sondern der Grund für die Ertragsrückgänge in meinem Lehen.“
„Drittens: Ihr habt die Unverfrorenheit, meine mir vom Baron übertragene Lehensherrschaft und somit die Entscheidung Hochgeborens nach nur zwei Wochen anzuzweifeln!?“ „Viertens.“ Grimm wurde mit jedem Punkt lauter und nun war er dem Schreien nahe. „Meine Familie heißt zu Zwietrutz!“ „ZU“

Jetzt sah auch Grothissa Götnisch zu Boden. Dieser Fehler hätte ihr nicht passieren dürfen. Als Grimm seinen Unmut weiter fortsetzen wollte, hob Erzbart von Drabenburg die Hand: „Haltet ein!“
Eine kurze Pause trat ein! „Ich möchte mich für den Fehler meiner Vögtin entschuldigen“, sagte er zur Überraschung aller.

Grimm holte tief Luft. „Für was hatte sich der Baron nun entschuldigt?“, dachte er bei sich. „Für den Umstand, dass er sie ins Zwietrutzer Land geschickt hatte oder nur für den Versprecher“, der in seinen Augen jedoch die Ignoranz der Götnisch verdeutlichte.
Er schloss die Augen, atmete zweimal tief durch. Er dachte an den eigentlich gut gelaufenen Vormittag. Der Baron und er hatten beim Ausritt zwar mit aller Strenge, aber auch sachlich die Probleme im Lehen besprochen. Erzbart schien wirklich interessiert und fragte aufmerksam und Grimm nach dessen Meinung und Ideen. Und nun, nicht zuletzt wegen seinem Jähzorn, schien der Tag in einem Debakel zu enden.
Er öffnete die Augen und sah dem Baron in die Augen und sagte dann in sehr gefasstem Ton: „Ich schlage vor, nach dem nun erfolgten Abschluss der Berichte für ein ausführliches Mahl zu pausieren.“
„Im Anschluss daran wollen wir im Rittersaal darüber debattieren, was Hochgeboren nun von uns erwartet.“ „Und umgekehrt!“

„Wohlan Ihr Koscher!“, erwiderte der Baron und erhob sich, um sich die Beine zu vertreten. Hierbei winkte er seiner Vögtin kurz zu, ihm zu folgen.

Burg Zwietrutz, am 27. Phex 1041 BF – um die achtzehnte Stunde

Gestärkt von einem guten Mahl und dem ein oder anderen Schank Mühlenbräu saß Grimm im Rittersaal. Er hatte Wolfor mit dem Hinweis auf die Durchführung des von ihm geplanten Rates weggeschickt. Er wollte mit dem Baron alleine sprechen.

Nach wenigen Minuten betrat Erzbart den Rittersaal. Gefolgt von Grothissa Götnisch und der Knappin.
„Raus!“, forderte Grimm in Richtung der Vogtin. Angefacht durch seinen Zorn auf das Ende des Berichtes und unterstützt durch das Starkbier fühlte er erneut sein Blut kochen.
„Ich bin die Vögtin des Barons“, begann die hübsche Vögtin einen Protest mit angriffslustiger Stimme.
„Zumindest das scheint bei Euch angekommen zu sein“, erwiderte Grimm aufbrausend.
„Und dies ist ein Rittersaal“. „Er steht Rittern offen!“ „Seid Ihr eine Ritterin, Götnisch?“
„Nein, aber...“
„Zieht Ihr die Zustimmung Eures Barons in Zweifel, sich mit mir im Rittersaal zu treffen, Götnisch?“
„Nein, aber...“
Grothissa Götnisch blickte Grimm böse an und Grimm hätte sich nicht gewundert, wenn Blitze aus ihren Augen gekommen wären.
„Dann verlasst diesen ehrenvollen Saal und geht zurück in die Halle. Tut das, was eine Vögtin so tut!“
Grimm war sich nicht sicher, ob er weiterhin so grob mit der Vertrauten des Barons umgehen durfte. Aber die Geschichten von Edelbrecht, Winne und Prekolosch stiegen in seinen Kopf und das Auftreten der Vogtin hatte diese aus seiner Sicht alle bestätigt. Erzbart von Drabenburg machte eine Geste in Richtung der Vogtin und diese verließ, innerlich und auch äußerlich kochend, den Rittersaal.

Erzbart war äußerlich ungerührt. Er betrat den Rittersaal und nahm auf dem Stuhl Platz, auf dem er bereits vor dem Berichtsabschluss gesessen hatte.
„Tara von Darbonia“, zeigte er auf die breitschultrige, junge Frau.
„Sie ist eine Knappin und wird unserer Konversation beiwohnen dürfen?“, fragte er den Burgherrn nicht unhöflich.
„Wohlan“, antwortete Grimm in Richtung der jungen Frau.
„Setzt Euch und lernt!“

Nachdem Tara gegenüber des Barons Platz genommen hatte, fragte Grimm die Knappin: „Was macht einen Rittersaal aus?“
„Die Narren und die Rosen“, antwortete sie und zeigte auf die Stuckornamente an den Ecken der Decke, über den Fenstern und der Tür und auf dem Türblatt. „Sehr wohl“, antwortete Grimm, nun völlig gelassen. „Und was bedeuten sie?“, fuhr er fragend fort.
„Herr, ich bin keine Pagin im ersten Jahr.“ „Ich bin 20 Jahre alt und bereits eine stattliche Zeit Knappin.“
„Die Narren stehen für das Gesetz eines Rittersaals, alle Gedanken äußern zu dürfen.“
„Die Rosen stehen für die Gesetze des Rittersaals zum Stillschweigen und zur Konzilianz.“
Grimm gefiel die Knappin. „Dann ist alles im Vorfeld ausgesprochen“, sagte er.

Er füllte drei Humpen mit Bier aus dem in der Ecke stehenden Fass und reichte es seinen Gästen.
Mit den Worten „Wohlan Ihr Koscher“ aus dem Koscherlied, prostete er den beiden zu und trank selbst einen tiefen Schluck.
„Was ist mit dem Wässerchen“, fragte der Baron. „Mir ist schon wieder kalt.“
Laut auflachend und froh über diese Reaktion holte Grimm zu Zwietrutz den Topf mit dem Barlatzwässerchen aus einer Nische im Kamin.

Burg Zwietrutz, am 27. Phex 1041 BF – um die einundzwanzigste Stunde

Anfangs hatte Tara von Darbonia von den Gesetzen des Rittersaals Gebrauch gemacht und sich zwar selten, aber gezielt mit Ideen, aber auch Kritik in die Unterhaltung eingebracht.
Nun war die Knappin bereits vor einiger Zeit eingeschlafen. Ihr Kopf hatte sich nach hartem Widerstand dem Wässerchen ergeben und sich immer näher der Tischplatte genähert. Irgendwann kam er mit einem Klopfen auf dem Tisch an.
„Sie würde wohl morgen keinen schönen Tag haben“, dachte Grimm, selbst auch vom Alkohol gezeichnet. „So wie er selbst auch!“

Grimm und Erzbart saßen nun deutlich näher zusammen.
Auf dem schweren Tisch stand der Topf mit dem Barlatz-Wässerchen und das Fass mit dem Mühlenbräu hatten die beiden Männer zusammen an den Tisch gebracht, um nicht immer aufstehen zu müssen.
In Haltung und Sprache konnte man die starken Spuren erkennen, die Starkbier und Schnaps hinterlassen hatten.

Wolfor hatte zwischendurch in den Rittersaal geschaut, um nach dem Rechten zu sehen. Nach dem er den Zustand der drei Anwesenden erfasst hatte, hatte er die fettigsten Teile des Wildschweins aus der Küche bringen lassen, um sich nicht vorwerfen lassen zu müssen, dass sich wegen ihm jemand zu Tode gesoffen hat.

„Könnt Ihr schreiben, Burgmann“, hatte ihn Erzbart angelallt. „Wenn ja, dann holt Schreibzeug“. „Wir brauchen einen Ritter, der die Verhandlungen niederschreibt!“

Wolfor war gefolgt und hatte die Verabredungen hinsichtlich der geforderten Abgaben in Naturalien und in Geldeswert aufgeschrieben. Er war überrascht, dass die beiden Betrunkenen jeden einzelnen Punkt der alten Vereinbarung ihrer beiden Vorgänger bedacht und besprochen hatten.

„Zwietrutz“, sagte der Baron jovial, „Bisher hatte ich Euch für einen Blender gehalten, der sich nur durch Zufall einen ordentlichen Ruf hat abbauen können.“ Ob der Anstrengung dieses langen Satzes machte der Baron eine kleine Pause.
„Ich hatte mich gefragt, wie Ihr all Eure Kämpfe und Schlachten überleben konntet und...“
„... ich mag Euch nicht!“ Eine kurze Pause erfolgte erneut.
Als Grimm zu einer Antwort ansetzen wollte, fuhr der Baron jedoch fort:
„Ihr müsst mich auch nicht mögen!“

„Dennoch komme ich nun zu dem Schluss, dass Ihr ein guter und loyaler Vasall sein werdet.“ Dann sprach er schnell fort: „Ich habe noch zwei Punkte.“

„Seitdem das Bergbanner aufgerieben wurde, müssen alle Lehen selbst für ihren Schutz sorgen!“ „Ich wünsche eine Rotte Soldaten pro Lehen!“
Grimm schluckte. „Ihr kennt Zwietrutzes Finanzen.“
„Ach Zwietrutz.“ Erzbart sprach genervt. „Jetzt schachert nicht mit mir um Sold für Bewaffnete.“

„Wollt Ihr das Bergbanner wiederaufbauen?“, fragte Grimm. „Ich würde mich, wie zuletzt mein Oheim, einbringen!“
„Wäre es nicht ein schlechtes Omen, eine aufgeriebene Einheit, neu aufzustellen“, fragte Erzbart zurück.

„Aber Bärenfang braucht eine Garde“, sinnierte Grimm. „Wenn kein Bergbanner, dann vielleicht eine Einheit mit Jägern, die Bärenfänger Bergjäger.“
Begeistert von seiner eigenen Idee fuhr er fort: „Ich werde einen Rotte beisteuern und selbst den Posten meines Onkels ohne Soldforderung bekleiden.“ „Dazu wird von Roder Weibel.“ Grimm lachte auf: „Der hat sowieso nicht genug zu tun.“
Wolfor von Roder rollte mit den Augen, sagte er aber nichts.

Erzbart wurde ernst: „Eine Garde wäre wirklich gut und würde unser Ansehen deutlich erhöhen.“ „Ich denke darüber...“, begann er. „Ach was“, unterbrach er sich dann selbst, „wohlan, so soll es geschehen!“
„Kommen wir zum zweiten Punkt...“, begann Erzbart nach einem weiteren Schluck Bier.
„Im Gegenzug zu den zusätzlichen Kosten müssen wir die Abgaben verringern“, unterbrach nun Grimm den Baron.
„Also doch Schachern?“, antwortete dieser, winkte aber zugleich ab:
„Na gut, ich verzichte auf die Abgaben der Mühle.“
„Und des Steinbruchs“, forderte Grimm weiter.
Erzbart von Drabenburg nahm die Zusammenfassung des Berichts von seiner Vögtin und las angestrengt darin. „Auch das, Zwietrutz, auch das.“
„Im Gegenzug jedoch werdet Ihr Eure komplette Rotte auch komplett selbst ausrüsten, inklusive der Versorgung.“
„Es sei!“, nahm Grimm den Vorschlag seines Barons direkt an und Wolfor begann nun, die Vereinbarung aufzuschreiben.

„Und Eure Knappin werdet Ihr zusätzlich als Fahnenjunkerin ausbilden, ohne Soldansprüche.“
Grimm hörte die Worte Erzbarts und versuchte sie in einen Kontext zu bringen. „Knappin? Welche Knappin?“, dachte er. Dann schaute er zur schlafenden Tara. „Genau“, grinste Erzbart. „Sie ist ein wenig wie Ihr.“
„Und auch sie mag ich nicht!“ „Aber sie hat verdient, ihre Knappenzeit zum Abschluss zu bringen.“ „Sie hat Angwart gedient.“ „Nun ist sie Eure Knappin.“

Wolfor riss die Augen auf. Er hatte im Laufe des Tages einiges von der Knappin gehört und sie kennen gelernt. Er wusste, dass sie bis zum Tod Angwarts dessen Knappin und in Zwietrutz zuhause gewesen war. Doch er hatte nicht erwartet, dass der Baron sie nun zurück überstellen wollte. Er schluckte.

Grimm schaute noch einmal zu Tara:
„Abgemacht“, gab er nach kurzer Überlegung zu verstehen.
„Wenn im Gegenzug Eure Götnisch nie wieder mein Lehen betritt!“
Nun dachte Erzbart eine längere Pause nach.

„Dafür seid Ihr herzlich zum Debattieren im Rittersaal und auch zur Übernachtung eingeladen.“ Grimm füllte den Humpen des Barons bei diesen Worten.

„Es sei“, gab sich der Baron geschlagen. „Außer Ihr ruft nach Ihr.“
„Wohlan Ihr Koscher, außer ich rufe sie!“, stimmte Grimm zu.

Wolfor von Roder schrieb auch die zuletzt genannten Punkte auf. Anschließend nahm er eine Decke aus dem vorne im Saal stehenden Schrank und warf ihn um die sanft schlafende Tara von Darbonia.

Als er den Rittersaal nach wenigen Minuten verließ, um die Vereinbarungen durch Edelbrecht in feiner Schrift abschreiben zu lassen, hatten die beiden Männer die hart umkämpften und brisanten Themen bereits beendet und hatten sich dem offensichtlich spannenderen Thema der Koscher Damenwelt zugewendet.
Grußlos entließen sie ihn aus dem Saal.
„Wohlan Ihr Koscher“, hörte er aus beiden Kehlen, als er die Tür schloss.

Burg Zwietrutz, am 28. Phex 1041 BF

„Da reiten sie hin“, beendete Grimm zu Zwietrutz die Verabschiedung des Barons. Er war froh, draußen im Regen stehen zu dürfen, denn obwohl Granfold, der Koch, alles Erdenkliche aufgefahren hatte, um die Kopfschmerzen zu verringern, fühlte sich der Burgherr elend. Sonnenschein hätte er nun nicht ertragen. Der Regen war aus Grimms Sicht ein wirklich gutes Omen.
Genauso elend ging es beim Frühstück auch dem Baron und Tara von Darbonia.
Nach einem längeren Ausschlafen hatten alle, mit Ausnahme von Grothissa Götnisch, in der großen Halle gespeist und Grimm hatte Erzbart von Drabenburg zum Abschied eine Flasche Barlatz-Wässerchen mit auf den Weg gegeben.

Viel hatten die beiden heute Morgen nicht mehr gesprochen, aber beide hatten die von Wolfor vorbereiteten und von Edelbrecht niedergeschriebenen Vereinbarungen unterzeichnet und sich gegenseitig ausgehändigt.

Grimm war über die Vereinbarungen glücklich. Steinbruch und Mühle hatten durch den Heerzug und den Verlust an Arbeitern die deutlichsten Rückgänge an den Einnahmen gehabt und Grimm hoffte, genau bei diesen den Ertrag am deutlichsten steigern zu können.
Mit dem Verzicht auf die Abgaben für Mühle und Steinbruch sah er eine gute Möglichkeit, die eigene Schatzkammer etwas auffüllen zu können. Die Zugeständnisse, die er gemacht hatte, waren von ihm ohnehin erwartet.

Nur seine neue Knappin war eine Überraschung für ihn gewesen.
Edelbrecht sprach seinen Burgherrn an: „Herr, für wann soll ich den Rat vorbereiten.“
Der Amtmann hatte Grimms Ankündigung nicht vergessen. Dafür war er viel zu neugierig. Doch Grimm hatte vor lauter Kopfschmerzen keinen Kopf mehr für eine Besprechung.

„Burgmann, nehmt Euch heute meiner Knappin an und berichtet mir später über den Zustand ihrer Ausbildung.“ Er sah Wolfor verschmitzt schauen.

„Und Edelbrecht“, wandte er sich dem Alten zu. „Der Rat ist auf morgen Abend verschoben.“ „Ich muss...“ Grimm massierte seine Stirn und fügte dann beim Weggehen hinzu: „...nachdenken.“