Zwei Bolzen und ein Boronrad - Die gestohlene Armbrust

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15. Tra 1040 BF unbekannte Zeit
Die gestohlene Armbrust
Das Brückenfest an der Sindel


Kapitel 2

Falsche Verdächtige
Autor: Geron

Hügelsaum und Sindelsaum, 15. Travia 1040 BF
Langsam neigte sich der Tag dem Ende zu, aber noch immer waren Gamsbart und sämtliches Gefolge des Barons auf den Beinen. Der Schluss lag nahe, dass die gestohlene Armbrust die Tatwaffe war. Wenn sie die Armbrust des Erzzwerges finden würden, waren sie dem oder den Tätern schon ein ganzes Stück näher.
Gamsbart war es ein wenig unangenehm, die Sachen der Händler und Reisenden zu durchwühlen, aber ihnen blieb ja keine andere Wahl. Gerade hatte er das Zelt eines Fürstenhorter Krämers verlassen, als er aufgeregte Rufe vom Festplatz herübertönen hörte.
Geschwind machte er sich auf, um der Unruhe auf den Grund zu gehen. Als er am Festplatz ankam, hatte sich dort schon ein großer Auflauf an Menschen und Zwergen gebildet. Sie alle schienen sich um das kleine Lager der Schausteller zu drängen. Mal mehr, mal weniger freundlich drängte sich Gamsbart durch die Menge und stand mit einem Mal Valpo, einem der barönlichen Gardisten, gegenüber. Der ließ ihn natürlich sogleich passieren, hatte aber alle Hände voll damit zu tun, die Menge in Schach zu halten.
Zwischen den Wagen der Schausteller stand die Knappin des Barons Leonora von Ochs und hielt eine Armbrust in den Händen. Wolfberta Sauertopf, die Hauptfrau der Sindelsaumer Garde, redete derweil heftig auf eine bleiche Frau ein. Hinter dieser drängten sich fünf weitere Schausteller zusammen.
„Ah, Gamsbart, da bist du ja endlich.“, rief die Hauptfrau, als sie den Dorfwaibel sah. „Wir haben die Armbrust gefunden. Es war unter einem der Wohnwagen dieser Schurken versteckt. Noch leugnen sie natürlich alles, aber die Beweislast ist selbstverständlich erdrückend.“
Gamsbart nickte. „Wir sollten sie wohl besser von hier wegbringen lassen. Hier reden sie ja doch nicht bei dem ganzen Auflauf.“
Wolfberta nickte „Die ganze Bande abführen und einsperren.“, ordnete sie mit strammem Tonfall an.
„Jawohl, Hauptfrau. Nur wohin sollen wir die denn alle stecken? In unserer Zelle ist nur Platz für zwei Leute.“ Ilme Liebanger, eine von Gamsbarts Leuten, hatte damit leider den Nagel auf den Kopf getroffen. Solange sich Gamsbart zurückerinnern konnte, hatten sie noch nie so viele Leute auf einmal in Gewahrsam genommen.
Wolfberta verdrehte derweil genervt die Augen.
„Wir könnten die Abstellkammer ausräumen und sie da einsperren, zumindest übergangsweise.“, murmelte Gamsbart. „Na also.“, bellte Wolfberta. „So wird es gemacht und jetzt Abmarsch und die Versammlung auflösen, meine Damen und Herren.“
Während die Gardisten des Barons die schluchzenden Schausteller abführten, löste sich auch der Auflauf langsam wieder auf. Zurück blieben Ilme und Gamsbart.
Die etwas dickliche Ilme hatte sich auf eine Bank fallen lassen und vertilgte gerade gedankenverloren eine halbe Räucherwurst. Gamsbart lief bei dem Anblick das Wasser im Mund zusammen, aber er wusste, dass Ilme ihr Essen ungern hergab. Sein knurrender Magen erinnerte aber auch ihn daran, dass er heute deutlich später dran war als es für ihn üblich war. Er musste dringend nach Hause und zu Abend essen.
„Die sehen gar nicht so aus, als würden die losziehen und einen Magier umlegen.“
„Hmm?“ Ilme blickte von ihrer Wurst auf. „Aber sie hatten doch die gestohlene Armbrust.“, brachte sie schmatzend hervor.
„Schon“, räumte Gamsbart ein, „aber so verstört, wie die waren, haben die eher keinen Dreck am Stecken.“
„Na, wenn du meinst.“, antwortete Ilme lakonisch.
„Ja, meine ich.“, schnauzte Gamsbart zurück. Ilme sah ihn überrascht an, antwortet ihm jedoch nicht. Gamsbart musste sich eingestehen, dass da war wohl der Hunger und die Anspannung ein wenig mit ihm durchgegangen waren.
„Du, Ilme. Sammelst du bitte noch alle Schuhe, Stiefel und sonstiges Schuhwerk ein, bevor du aufbrichst?“
Ilme sah Gamsbart konsterniert an. „Und wie soll ich das ganze Zeug zur Wache bringen?“
„Leih dir halt einen Karren oder einen Esel.“ Gamsbart war schon aufgesprungen und wartete gar nicht mehr auf eine Antwort seiner Untergebenen.

Ein Stundenglas später war er daheim angekommen. Auf der Wache hatte er Wolfberta angetroffen, die die Gefangenen verhörte. Bisher hatten die aber nichts gestanden, schienen dafür aber immer mehr mit den Nerven runter zu sein. Gamsbart zweifelte daran, dass sich hier noch etwas ergeben würde. Er musste nach Hause und seine Gedanken ordnen. Es war mittlerweile schon düster und weit nach seiner üblichen Essenszeit. Als er nach Hause kam, roch er die Überreste des Fischauflaufs bereits von der Türschwelle. „Ich bin daheim.“, rief er in den Gang herein. „Na endlich.“ Die Tür wurde aufgerissen und Alma kam ihm entgegengestürzt und nahm ihn in dem Arm. „Hattest du einen anstrengenden Tag?“ Gamsbart nickte nur und ging in die gute Stube hinein. Als er eintrat, fror er sogleich fest, denn am Tisch saß schon sein Schwager Wilfing und grinste ihn an. Ermattet ließ sich der Dorfwaibel auf seinen Stuhl fallen, während Alma ihm den lauwarmen Fischauflauf auftischte.
„Und, habt ihr schon einen Täter?“, drängte ihn Wilfing, sobald er sich gesetzt hatte.
„Vielleicht.“, antwortete Gamsbart mit vollem Mund.
Wilfing schien verdutzt. „Wieso denn vielleicht? Entweder ihr habt ihn oder nicht.“
Gamsbart blickte genervt zu seiner Gattin, aber die schien die Geschichte genauso zu interessieren und genau genommen war es Gamsbart gar nicht so unrecht, dass sein besserwisserischer Schwager diesmal ihn nach Neuigkeiten fragen musste und nicht umgekehrt wie sonst immer.
„Nun, es wurde eine Armbrust gestohlen, das muss wohl kurz vor dem Mord gewesen sein. Das hat ein Erzzwerg gemeldet. Die Armbrust hat man dann bei den Schaustellern gefunden, scheint also so, als hätten sie den Magier ermordet.“
„Na also, da habt ihr ja doch einen Täter.“, unterbrach ihn Wilfing
„Naja, nicht ganz. Die Schausteller waren alle ganz fassungslos. Die haben mir nicht wie die seelenlose Schurken gewirkt. Zumal sie ja überhaupt kein Motiv hatten. Was wollten sie denn bei einem wie Eulrich? Sie haben da ja nichts gestohlen. Außerdem waren sie zur vermutlichen Tatzeit ja gerade dabei, ihre Vorstellung zu geben.“
„Da könnte sich aber einer weggeschlichen haben, während die anderen für Ablenkung gesorgt haben.“, gab Wilfing zu bedenken.
„Kein schlechter Gedanke.“, gab Gamsbart zu. „Das müssen wir morgen klären. Selbst wenn, bleibt aber immer noch die Frage nach dem Warum.“
Wilfing grübelte eine Weile lang. „Es könnte ja doch was gestohlen worden sein. Eulrich hatte ja keine Diener. Da könnte schon was weggekommen sein, ohne dass das euch aufgefallen wäre.“
Gamsbart nickte. Ihm schwirrte langsam der Kopf. Es wurde Zeit ins Bett zu gehen. Morgen wartete ein anstrengender Tag auf ihn.