Wengenholmer Geister - Ein Loch im Heuboden

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Hügelsaum, Rondra 1041

Ein leichter Nieselregen begleitete Gamsbart Wangenmoos auf seinem Weg nach Hügelsaum. Was war das nur wieder für ein Tag heute. Gamsbart und seine Gemahlin Alma waren noch bei Wilfing Haubenschreier zum Essen gewesen und dessen Albuminer Allerlei hatte Gamsbart die ganze Nacht über schwer im Magen gelegen und zu einem unruhigen Schlaf geführt. So hatte er zwar einen dumpfen Einschlag mitten in der Nacht gehört, aber nachdem er bei seinem Blick aus dem Fenster nichts erkennen konnte, hatte er sich wieder ins Bett gelegt. Nachts hatte schließlich nicht er, sondern Eckbart Wamsler Dienst. Genau der war es auch, der ihn dann in den frühen Morgenstunden wieder aus dem Bett geklopft hatte. Gamsbart hatte ihn erst gar nicht gehört.
Nun überquerten die beiden Männer eilig die Brücke nach Hügelsaum herüber. „Das musst du dir anschauen.“, wiederholte Eckbart nun zum zweiten Mal. „Da ist ein Loch im Heuboden und unten dran ein Loch im Boden mit so einem schwarzen Stein drin.“
„Und die Leute sind sich sicher, dass er vom Himmel gefallen ist und das Ganze nicht auf irgendeinen Streich zurückgeht?“ Gamsbart zweifelte. Zwar hörte man in den letzten Jahren immer wieder von Sternen, die aus dem Himmel fielen, aber bisher hatte er die Sternschnuppen und Erzählungen immer für Ammenmärchen gehalten. Gut, bei den Horasiern war angeblich gleich die ganze Stadt Arivor zerstört worden, aber Gamsbart wusste nicht einmal so genau, wo die überhaupt gelegen haben sollte. Hier im Hügelland hatte jedenfalls alles seinen gewohnten Gang genommen.
Als der Dorfwaibel und der Nachtwächter bei dem Heuboden am Rand von Hügelsaum angekommen waren, warteten draußen schon zwei Waffenknechte des Barons mit einigen Pferden. Baron Erlan von Sindelsaum und der Edle von Hügelsaum, Thalian Has, verließen gerade den Schober. „Du bist spät dran, Gamsbart.“, stellte der Baron tadelnd fest und blickte kurz auf den Aufzug seines Dorfwaibels, konnte diesmal aber keinen Grund für Beanstandungen finden.
Eckbart begann sich mit einem der Waffenknechte, Valpo hieß der wohl, zu unterhalten, also betrat Gamsbart alleine den Heuschober. Eine brennende Öllaterne hing an einem Nagel und erhellte den Raum etwas. Durch das Loch im Dach kam zwar auch etwas Licht herein, aber es war noch früh am Morgen und die Sonne war noch nicht vollends aufgegangen.
Vorsichtig legte er die zwei Schritte zu dem kleinen Krater zurück.
´Huch´, ganz schön rutschig. Der Nieselregen hatte den aufgewühlten Boden weiter aufgeweicht. Um ein Haar wäre Gamsbart in den kleinen Krater gefallen, der sich vor ihm erstreckte. Wild ruderte er mit den Armen in der Luft herum und hätte um sein Haar sein Gleichgewicht verloren und die Laterne weggeworfen. Mit Mühe und Not gelang es ihm, sein Gleichgewicht wiederherzustellen.
Erst jetzt musterte er den Krater genauer. Er schien etwa zweimal zwei Schritt groß zu sein und war weniger als einen Schritt tief. Ein schwarzes Glimmen erregte seine Aufmerksamkeit. Langsam näherte er sich dem Metallsplitter, der aus dem Rand des kleinen Kraters ragte. Dabei fielen ihm noch einige weitere solcher Splitter auf.
Gamsbart streckte langsam seine Hand nach dem ersten Splitter aus, als hinter ihm eine Stimme ertönte. „Nicht anfassen, wenn ich bitten darf.“ Gamsbart fuhr der Schreck in die Glieder. Erneut wäre er um ein Haar in die Grube gefallen, aber diesmal hatte er sich schneller wieder gefangen. Als er sich umdrehte, erkannte er, dass in der Tür der Magier Eulrich von Bärenstieg stand. Ein unheimlicher Geselle, der seit ein paar Jahren am Dorfrand wohnte.
„Das ist Meteoreisen.“, möchte ich wetten. „Seid doch so gut und tretet zurück, damit ich es analysieren kann.“ Gamsbart tat wie geheißen und wartete unruhig auf den Magier. Der schwenkte derweil mit seinem Zauberstab in der Luft herum und murmelte dabei vor sich hin. Ein sonderbarer Geselle, befand Gamsbart.
„Wie ich es mir gedacht habe.“, murmelte der Magier. „Holt eure Untergebenen und bringt dicke Handschuhe mit.“, ordnete der Magier an und begab sich näher an den Rand der kleinen Grube heran. Gamsbart schmeckte es nicht, sich von einem Magierzausel Befehle geben zu lassen, aber der Baron hatte ihn sicherlich dazu rufen lassen. Also machte Gamsbart sich auf den Weg, um seine wenig begeisterten Leute aus dem Bett zu klopfen.
Es dauerte drei Stundengläser, bis sie tatsächlich alle Metallstücke aus dem Krater geklaubt hatten. Der Magier bestand sogar darauf, dass sie den Boden mit Rechen durchkämmten, um ganz sicher zu sein, dass sie alle Stücke gefunden hatten.
Die Stücke hatten sie dann auf Anweisung Eulrichs in eine eisenbeschlagene Truhe gelegt, die der Magier sorgfältig abgeschlossen hatte.
Der Magier bestand dann darauf, dass Gamsbart und ein weiterer seiner Leute einen Karren mit der Truhe nach Rohalssteg begleiteten sollten, um ihre Fundstücke den Wächtern Rohals zu übergeben. Er selbst habe wichtige Dinge zu tun, die ihn davon abhielten, die Reise selbst zu unternehmen. Gamsbart war sich jedoch sicher, dass Eulrich sich nur vor einem Treffen mit den strengen Weißmagiern drücken wollte. So war er wenig begeistert, als sie aufbrachen, aber immerhin hatte er den Kutscher dazu überreden können, bei sich daheim anzuhalten, um das vorhin ausgefallene Frühstück nachzuholen. Alma lief zu Hochtouren auf, als sie von dem wichtigen Auftrag ihres Gemahls hörte, und packte ihn genug Reiseproviant ein, um vollen Magens bis nach Khunchom reisen zu können.

Drei Tage später war Gamsbart endlich wieder daheim. Die Reise war ereignislos verlaufen, aber dennoch tat ihm sein Kreuz weh. In fremden Betten schlief es sich doch nie so gut wie daheim. Obwohl er sich die ganze Reise über Sorgen gemacht hatte, dass die Wächter Rohals ihn in ein unangenehmes Kreuzverhör nehmen würden, blieb ihm diese Erfahrung erspart. Nach ein paar Fragen hatten sie die Kiste an sich genommen und den erleichterten Gamsbart wieder auf den Heimweg geschickt.