Von Enzian und erstem Edelweiß: Blaudorfer Besonderheiten

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Texte der Hauptreihe:
K2. Blaudorfer Besonderheiten
Autor: Ladislaus
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Der nächste Morgen begrüßte die Neublaudorfer mit dem Duft von Palatschinken, Hammelfaschiertem - und dichtem Nebel. Dieser hielt sich hartnäckig und vereitelte die Aufstiegspläne, um die Senner kennen zu lernen, die bei den Tieren in den Bergen waren und daher die Ankunft der Neuankömmlinge in ihrem Dorf nicht mitbekommen hatten. So gingen der Herr von Wildreigen zum Blaubunten See und seine Begleiter nach dem Mittagessen zum See hinunter, um sich vom Efferddiener den See erklären zu lassen und die Fischer und Bootsbauer nebst Zimmermann kennen zu lernen. Er wagte sogar eine Fahrt mit einem Ruderboot hinaus auf den See, was bei den Dörflern dann doch für die ein oder andere Unterbrechung des Tagewerkes sorgte. Der neue Lehnsherr war schließlich nicht hier geboren und Menschen von woanders hatten gewöhnlich Angst vor dem See und seinen Launen - doch Ritter Ladislaus blieb ruhig - und siehe da, der See akzeptierte ihn, lediglich beim Anlanden wurde er ein wenig nassgespritzt.

Vom See aus ging es zu Fuß wieder durch das Dorf den Hang hinauf und zu den Häusern der Zwerge. Es waren nur wenige, die im Dorf lebten, traute das kleine Volk doch keinem Wasser, und dem Blaubunten See mit seinen Launen erst recht nicht, doch für den Herrn von Wildreigen zum Blaubunten See gehörten sie hier hin wie jeder anderere Dörfler auch und das kleine Volk lag ihm von je her am Herzen. Lange hatte er deren Sprache nicht mehr genutzt, nun würde sich zeigen, wie eingerostet sie war. Er kam an der Werkstatt des Maurermeisters an und fand dort alle drei Zwerge zu einer zünftigen Brotzeit versammelt. "Angrosch zum Gruße," grüßte der neue Lehnsherr in ihrer Sprache und gab ihnen mit einem Handzeichen zu verstehen, sitzen zu bleiben, "und einen guten Appetit." Die Augen der Vertreter des kleinen Volkes wurden groß wie ihre Brotzeitplatten, als sie ihn in ihrer Sprache reden hörten. Schnell war Deddio Gabrom, wie sie ihn fortan nannten, ein Schemel aus Steinen errichtet und eine zünftige Brotzeit aufgetischt. Während sie gemeinsam speisten, erkundigte sich der neue Herr des Dorfes ausgiebig nach ihrer Arbeit, den Vor- und Nachteilen des zwergischen Lebens hier im Dorf und als bald darauf wieder die Arbeit rief, verabschiedete er sich von ihnen.

Sein Weg führte ihn weiter zum Müllerschen Areal. Der Wildbach war kräftig und konnte gleich drei Mühlen antreiben. Korn, Holz und Stoff konnten hier verabeitet werden, was neben der ergiebigen Landwirtschaft und den guten Erträgen der Fischer für die wirtschaftliche Unabhängigkeit Blaudorfs beitrug. "Peraine, Travia und Efferd zum Gruße," schallte dem Lehnsherren der Ruf der Müllersfamilie entgegen. Sie hatten ihn erspäht und sich ihm zu ehren aufgereiht. "Und auch mit Euch," bekamen sie zur Antwort: "führt mich doch einmal herum. Eine Dreifachmühle bekommt man nicht alle Tage zu sehen." So erfuhr der Hohe Herr mehr über die Besonderheiten seines Dorfes.

Am nächsten Tag war gutes Aufstiegswetter und so nahm Ritter Ladislaus seinen Waffenknecht, seinen Pagen, seine beiden Hunde sowie zwei Burschen, die beim Aufräumen des Hauses Peridot geholfen hatten und die nun, da sie dort nicht mehr gebraucht wurden, zurück auf die Almen strebten, und stieg mit ihnen in die Berge, um die letzten Dörfler kennen zu lernen.