Verwirrung im Reiche?

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Ausgabe Nummer 7 - Peraine 1015 BF

Seltsame Verwechslungen scheinen in unseren Praiosläufen fast zum täglich Bier des Reiches zu werden. Nur allzu frisch ist die Erinnerung an die Auswirkungen einer offenkundigen Epidemie von massenhafter Geistesschwäche, der nach der siegreichen Schlacht auf den Silkwiesen die bisher denkbar verwirrendste Episode des Orkkrieges darstellte. Worin es jedoch begründet lag, daß sich von einem Tag auf den anderen plötzlich nach und nach, aber unaufhaltsam ganze Heerscharen von Abenteuerern, selbsternannten Dererettern und allerlei anderen Söldlingsvolk vor den Ehernen Toren Xorlosch erschienen, weiß bis heute niemand zu beantworten. Von der Vorstellung besessen, ihr Ziel, das Heerlager König Brins befände sich nirgendwo anders als in den Tunneln der heiligen Stadt des Zwergenvolkes, ließen sich der angehenden Kriegshelden nur mit einiger Mühe, ja, teilweise erst nach etlichen kräftigen Hiebe der Wache abbringen. Selbst ein — offenbar besonders tumber — streunender Schwarzpelz, bewaffnet mit einem schartigen Jagdmesser und dem festen Vorsatz, mit diesem sämtliche Offiziere des Reichsheeres und gar den Regenten selbst zu ermorden, wurde von den wackeren Angroschim aufgegriffen.

Anderorts bekamen mehrere bekannte Persönliche von Stande die prekären Auswirkungen einer offensichtlichen Verwechslung zu spüren, deren Ursache sich jedoch in diesem Fall recht genau bestimmen läßt. Angefangen hatte alles mit einem dem Garether Hoftag gewidmeten Bericht in der 50. Ausgabe des bekannten aventurischen Boten, der neben seinen ausgefeilten Formulierungen durch äußerst kunstvolle Illustrationen bestach. Der verhängnisvolle Fehler ereignete sich schließlich im Zusammenspiel von Wort und Bild, bei der es durch namenlose Umtrieb zu einer schwerwiegenden Vertauschung von Namen und Titeln kam — mit unterschiedlichen Ergebnissen. Während sich der als trinkfest und feierfreudig bekannte Herr Erborn v. Hinsinken sich auf der Rückreise in seine Heimat lediglich über das seltsam Ausweichen der Bürgerschaft, das eilige Zuvorkommen einiger Adelsmänner und äußerst diensteifrige Herbergswirte wundern konnte, traf es den nordländischen Kaufmann Eilif Longa ungleich härter. Als der Handelsmann dem in aus dem Boten bekannten Herrn Hinsinken mit einem freundschaftlich anmutenden Schlag auf den Rücken zu einigen Krüglein riva'schen Mets einladen wollte, blickte er in die eisgrauen Augen der Excellenz des Reichs-Geheimrats und mußte seinen Abend wegen Verhöhnung einer Amtsperson in einer düsteren Kerkerzelle beschließen.

Der Almadaner Baron von Cres ist ebenfalls ein Leidtragender der Verwechselung, muß er doch in den vergangenen Wochen bereits mehreren Dutzend Boten Lohn und Logis erstatten, die mit kurzen Nachrichten und Anfragen obskurster Art zu ihm, Ritter Norbas, dem wahren Herold, erging es indes kaum besser, wurde er doch auf Schritt und Tritt von (wie sich im nachhinein herausstellte) der KGIA zugehörigen Agenten begleitet, die eigentlich über die Sicherheit des Elfenbarons wachen sollten. Wahrlich — wer will da noch die Welt verstehen, wenn' s selbst so edle Herren nicht tun?

S.F.