Uztrutzer Umtriebe - Szenen aus Silberquell

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Ende Peraine 1038 BF auf Gut Silberquell:

Farelius saß auf der Bank, die neben der Küchenpforte des Gutshofes stand. Er saß gerne dort, denn von dort aus hatte er einen guten Blick über die etwas niedriger gelegenen Felder und Weiden und auch die Straße, die sich schlängelnd zwischen den grünen Hügeln hindurch wand.
Gelegentlich nahm er einen Schluck von dem Bier, das Leodane - die Küchenmagd - ihm gebracht hatte und dachte nach.
Es war viel los auf den Straßen und Wegen in letzter Zeit und die Kunde, die die Reisenden brachten waren alles andere als beruhigend. In Uztrutz schien ein Streit um die Würde der Baronswürde ausgebrochen zu sein, nachdem Baron Ontho gestorben war, wie beinahe alle übereinstimmend berichteten. Anscheinend kam es nun zu einem Kräftemessen zwischen seinen Söhnen Alrich und Grimmbart. Eine ziemlich vertrackte Angelegenheit schien das zu sein, wenn man die ganzen Geschichten bedachte, die die Reisenden zu erzählen wussten.
Ein Räuspern holte Farelius aus seinen Gedanken. Falk - der junge Waffenknecht, der sich schon mehrfach durch sein Pflichtbewusstsein ausgezeichnet hatte, stand ein paar Schritt entfernt und nahm Haltung an, als Farelius ihn fragend anblickte. "Es wäre Zeit für die Patrullie Herr. Wie viele Männer soll ich zusammentrommeln?" Farelius sah ihn einen Augenblick lang an - sichtlich bemüht seine Gedanken zu ordnen - anschließend senkte er den Blick auf den beinahe leeren Humpen in seiner Hand. Mit einem kräftigen Schluck lehrte der Ritter sein Bier und antwortete: "Es wird reichen, wenn wir beide uns auf den Weg machen. Lass die Anderen lieber bei der Arbeit helfen. Ich werde mich noch eben rüsten - dann reiten wir los."
Kurze Zeit später trat Farelius ins Freie und kniff die Augen zusammen. Die helle Praiosscheibe strebte bereits dem Abend zu und strahlte ihm direkt ins Gesicht. In Mitten des Hofes standen bereits zwei gesattelte Pferde. Farelius erkannte Jette sofort. Die Fuschsstute war ein gutmütiges Tier, das nichts so leicht aus der Ruhe brachte. Er lächelte zufrieden, als er auf die Tiere zusteuerte. Insgeheim hatte er schon gefürchtet Falk hätte in seinem Eifer den riesigen Schimmelwallach gesattelt - das Streitross, das Farelius vor gut drei Jahren auf dem Pferdemarkt in Koschtal erstanden hatte, das jedoch keinen Hehl daraus machte, dass es nichts davon hielt den Ritter zu tragen. Jeder Ausritt mit dem riesigen Tier glich mehr einem Kampf, denn dem entspannten Ritt, den Jette versprach.
Als sie den staubigen Weg hinunter trabten, der den Gutshof mit der Straße verband, die Von Koschtal über Neuensteiningen bis nach Uztrutz führte, sinnierte Farelius einmal mehr über die Vorkommnisse in der Nachbarschaft.
"Sag - was hältst du von den Entwicklungen in Uztrutz, Falk?"
"Was soll ich sagen, Herr? Ihr kennt die Begebenheiten sicher besser als ich. Ich weiß nur das, was ich auf den Patrullien gehört habe, und das riecht nach Streit. Aber was soll uns das kümmern? Es ist ja drüben in Uztrutz."
"Ich hoffe du behältst recht und Hesinde segnet alle Parteien mit Vernunft und Einsicht."
Die Patrullie verlief ruhig, obgleich der Verkehr auf der breiten Straße deutlich größer war, als üblich. Die meisten Reisenden waren Boten. Auch einige Abenteurergruppen und die üblichen Reisenden waren unterwegs.
Auch eine Gruppe Ritter des Bannstrahl-Ordens war heute schon unterwegs gewesen, mit denen Farelius jedoch kaum mehr als eine ausführliche Begrüßung ausgetauscht hatte. Die Leute mit den silbernen Schilden ohne jedes Schmuckwerk waren ihm jedes mal aufs neue unheimlich - kam er sich doch bei jeder Begegnung irgendwie schuldig vor, obgleich das nüchtern betrachtet nicht der Fall war. In dem kurzen Wortwechsel, als Falk und Farelius neben ihnen her ritten kam heraus, dass sie wohl bis in die Baronie Uztrutz weiter reisen wollten und deshalb Drakfold durchquerten.
Die Praiosscheibe stand bereits tief über den Baumkronen und Farelius wollte soeben den Feierabend beschließen, als ihm eine Gruppe Reiter auffiel, die gemächlich in ihre Richtung ritten.
Als Farelius das Wappen auf dem Schild des vordersten Reiters sah, dachte er kurz daran, einfach zum Gut zurück zu reiten und die Reiter unbehelligt passieren zu lassen, doch sicherlich hatte man ihn inzwischen auch erkannt, und wie er Trest von Vardock kannte, würde er sich dann bei vielen Gelegenheiten anhören dürfen, er hätte die Flucht ergriffen. Eine Schmach, die Farelius nicht in Kauf nehmen wollte - schon garnicht von dem Blondschopf. Die blonden Locken des Ritters glänzten im abendlichen Licht, als die Reiter näher kamen.
Farelius konnte Trest nicht ausstehen, hatte sich jedoch bisher stets darauf beschränkt ihm wo immer möglich aus dem Weg zu gehen. Bisher schien das auch geklappt zu haben, doch er war dem streitbaren Ritter bisher auch nur bei offiziellen Gelegenheiten überhaupt begegnet. Seine Fehden und Streitfreude waren jedoch im ganzen Land bekannt. "Die Zwölfe zum Gruße, Herr von Vardock!" Grüßte Farelius aus einiger Entfernung und wartete geduldig bis die Reiter näher kamen. Dass er indes nicht begrüßt wurde überhörte er geflissentlich. "Was verschlägt euch denn hierher? Ihr plant doch hoffentlich keinen Angriff auf mein Land?" Farelius lachte ob seines Witzes, doch der Blonde sah ihn nur grimmig an, woraufhin Farelius' Lachen erstarb. Eine Zeit lang ritt er neben dem blonden Ritter her, zügelte sein Ross jedoch, als die Gruppe am Weg zum Gutshof vorbei kam. Viel hatte er aus Trest nicht heraus bekommen und so manche Unverschämtheit für die gute Nachbarschaft übersehen.
Farelius sah ihnen nach, bis sie an der Wegmarke vorbei ritten, die die Grenze zwischen Drakfold und Uztrutz markierte.
Es war bereits beinahe dunkel, als Farelius sein Pferd in Richtung des Gutshofes lenkte.
"Eines Tages werde ich diesem aufgeblasenen Blondschopf noch eine Abreibung verpassen müssen." Dachte er bei sich - die Stirn in Zornesfalten.
Im Gutshof angekommen, brachte Falk die Pferde in den Stall, während Farelius in die Stube ging, wo seine Frau in einem bequemen Sessel saß und stickte.

Farelius sagte kein Wort, und auch sonst schien sich niemand zu trauen, das Schweigen zu brechen. Erst Farelius selbst brach das Eis mit einem "Danke.", als Leodane ihm einen Humpen Bier auf den Tisch gestellt hatte.
Ohne sich an jemanden im speziellen zu richten sagte er: "Mir gefällt das alles nicht. Die Zwistigkeiten in Uztrutz, die Bannstrahler heute morgen und eben noch Trest von Vardock, und alle benehmen sich komisch. Das stinkt doch bis nach Alveran! Ich werde morgen nach Koschtal reiten und mich mit Truchsess Garubald beraten, was zu tun ist. Es ist mir einfach unbegreiflich, wie der Fürst dabei nur tatenlos zusehen kann!"