Uztrutzer Umtriebe - Straßenritter

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1038, Roterz

"Runter vom Berg, rauf auf´n Berg! Kaum hat man den eigenen Hintern nach Hause gebracht, schon wird man wieder rauf nach Adlerstein beordert!" Hinter Roban erklang ein verhaltenes Lachen. Nicht das erste Mal seit ihrem Aufbruch. "Es ist mehr als ein halbes Jahr vergangen, seit du deinen alten Waffengefährten nach Roterz gebracht hast. Oder hast du dein Zeitempfinden jetzt schon den Angroschim angepasst?"
Roban biss auf den Pfeifenstiel und drehte sich halb zu Danja herum. Dass die Maga ihn dieses Mal begleitete, war nicht seine eigene Idee gewesen. Der berittene Bote, den man ihm geschickt hatte, hatte gleich zwei gesiegelte Botschaften bei sich gehabt. Was in Danjas drinstand, wusste er nicht, und sie machte sich ein Praiostagsvergnügen daraus, es ihn nicht wissen zu lassen, ganz gleich wie sehr er bat, drohte oder bettelte. "Wenn man die An- und Abreise mitrechnet, kannst du glatt noch einen Mond abziehen! Ist ja nicht gerade um die Ecke! Aber immerhin, jetzt siehst du mal ein paar anständige Berge von nahem!"
"Was du seit unserem Aufbruch höchstens 50 Mal erwähnt hast." Danja stieß einen gequälten Laut aus. Immerhin neigte sich ihre Reise dem Ende, und da spürte man die vielen Meilen, die man per pedes zurück gelegt hatte. "Allerdings hast du nicht erwähnt, dass sich dieser ach-so-bedeutsame Pass derart zieht. Ist ja ungeheuerlich, wie lang man an einem Stück aufwärts steigen kann!"
Jetzt war es an Roban, zu lachen. "Jaja, damit habt ihr Außerkoscher es wohl nicht. Da ist das Land noch flach wie ein Fladen auf dem Feld!"
"Ein Fladen auf dem Herd!" korrigierte Danja. "Zumindest sagen die Nivesen das."
"Auf dem Feld liegen auch Fladen! Hinter jeder Kuh einer!" winkte Roban ab. "Aber tröste dich, noch eine Wegbiegung, und du kannst Eisenhuett schon sehen."

Schon eine halbe Stunde später mühten sie sich den Burgpfad nach Adlerstein hinauf. Angesichts von Danjas Müdigkeit ersparte Roban der wie üblich trostlos dastehenden Torwache den üblichen Anpfiff und drückte ihr statt dessen nur Girtes Zügel in die Hand. "Lass gut sein, Mann, ich kenne den Weg", brummte er, noch ehe die Wache so wirklich wusste, wie ihr geschah, stieß die Mannpforte auf und trat in den Burghof. Mit dem Türgriff in der Hand blieb er stehen.
Was beim letzten Mal noch ein friedlicher und vor allen Dingen ziemlich leerer Burghof gewesen war, wirkte jetzt wie ein Heerlager im Kleinstformat. Mehrere Pferde kauten an Heuhaufen, die man achtlos aufgeschichtet hatte, und noch mehr Leute in bunt-zusammengewürfelten Uniformen standen oder saßen herum, übten mit ihren Waffen, würfelten oder schwätzen. "Das ist also die Burgwache? Hätte nicht gedacht, dass sie so zahlreich ist, nach dem, was du erzählt hast!"
Roban erwiderte nichts, sondern stapfte über den Burghof Richtung Haupthaus. Hier stimmte was nicht. Wenn sein Vater anfing, Waffenvolk anzuwerben, dann brannte die Luft. Auch sämtliche Bedienstete passierte er wortlos und in größtem Tempo, und trat auch unaufgefordert in den Rittersaal, nur, um ein weiteres Mal mit der Türklinke in der Hand stehen zu bleiben.
"Ach – kaum, dass sein Name fällt..." Roban blinzelte einige Male. Der große, blonde Kerl, der wie aus dem Ei gepellt neben seinem Vater stand, den hatte er vor Jahren schon mal gesehen. Auch den schlaksigen Mann im eher unaufälligen Gewand daneben. Und die kleine Frau sowieso... "Anglinde? Was zum Gehörnten machst du denn hier?"
"Sie benimmt sich nicht wie ein Troll bei Gewitter, Roban", grollte sein Vater. "Wie wäre es, wenn du erst einmal eintrittst, einen anständigen Gruß von dir gibst und die einzelnen Leute begrüßt?"
"Wunderbarer Vorschlag, Hochgeboren!" Danja fegte an Roban vorbei, ehe der die Gelegenheit hatte, das ohnehin lädierte Ansehen zu retten. "Werter Baron – ich bin Eurer Offerte stehenden Fusses gefolgt und geneigt, das Engagement zu den angebotenen Konditionen zu übernehmen."
"Magistra Salderken!" Baron Grimwulf umrundete den Tisch, um die Maga mit Handkuss zu begrüßen. "Es erleichtert mich sehr, Euch bei bester Gesundheit zu wissen, und noch mehr, mich Eurer Dienste versichern zu können. Bitte, gesellt Euch zu uns. Auch Ihr solltet wissen, welchen Grund dieses Treffen hier hat. Und lasst mich Euch vorstellen: Anglinde Grobhand von Koschtal, jüngster Sproß meines Bruders Nottel. Der gut gewachsene Herr mit dem unziemlich breiten Grinsen ist Rodgrimm Grobhand von Koschtal, gewissermaßen der Vorzeigeritter unseres Hauses. Und der Herr neben ihm Streitbald Grobhand von Koschtal, Leutnant a. D. der kaiserlichen Armee. Und dies ist Magistra Danja Salderken, Magierin aus dem fernen Festum. Meinen Sohn Rondrolf und meine Gattin kennt ihr ja bereits!"
Während Danja sämtliche Formalitäten abarbeitete, schlich Roban leise hinter ihr her und ließ sich auf einen freien Platz fallen. "Da wir uns jetzt alle kennen", brummelte er schließlich, "darf man erfahren, was passiert ist? Ist Krieg ausgebrochen, oder hat man einen Drachen über Roterz gesichtet?"
"Baron Ontho Steigbügel von Uztrutz ist gestorben", erklärte Rondrolf unumwunden.
Roban ließ die Information kurz sacken. Dann zuckte er die Schultern. "Schön! Und? Wollen wir feiern, dass der alte Verschwörersack endlich krepiert ist, oder..."
"Es geht um das Erbe, Roban", brummte sein Vater unwillig. "Die Uztrutzer sind sich uneins. Eine gute Gelegenheit, eine der Seiten zu unterstützen. Einer der Anwärter, Grimbart, ist Rondrianer. Und wenn schon ein Utztrutzer auf den Thron kommt, dann wenigstens einer, dem man vertrauen kann. Und wenn wir ihm auf den Thron helfen..."
Roban schürzte die Lippen. Jetzt allmählich dämmerte es ihm. Hier ging es um Politik, also nicht gerade um etwas, von dem er besonders viel verstand. Es sei denn, dass man die Politik mit blankem Stahl machte – davon verstand er eine ganze Menge. Und angesichts derjenigen Verwandten, die sein Vater hier versammelt hatte, und der Waffenknechte auf dem Hof... "Schön. Wann und wo schlagen wir zu?"
"Erst einmal gar nicht", seufzte sein Vater. "Aber die Treublatter unterstützen die Gegenseite, also muss man wohl mit allem rechnen. Erst vor zwei Wochen haben sie die Besatzung von Ambossblick Richtung Uztrutz abgezogen, ergo sammelt man auch dort bereits Streiter für einen möglichen Kampf. Wir wollen einfach nur bereit sein, das ist alles."
Roban schloss kurz die Augen. Er sah sich bereits auf dem Pass wieder abwärts ziehen


(ts)