Unter Schurken - Nebeltag

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Hinterkosch, 1021

Klamm und kalt lag der Nebel im späten Boronsmond über dem Land, die Talwinde pfiffen vom Sarakath hinunter ins Tal der Sirralein und ließen die Reisegesellschaft frösteln, die auf der Burgstraße entlangzog. Die Pferde gingen nur im Schritt, obgleich der Weg deutlich bergab führte. Allenthalben rutschte Geröll unter den Hufen, oder die windgepeitschten Zweige der Sträucher hieben nach den Flanken der Tiere, wenn sie zu nahe an den Wegesrand geraten waren.
Vorneweg ritten zwei Schergen in Wappenröcken mit den Farben Vinansamts; dahinter fuhr die Kutsche des Barons Merwerd Stoia. Der koscher Edelmann schätzte diese Annehmlichkeit, die ein Gutteil dazu beitrug, eine Reise bequem zu machen, indem sie alleine Wind und Regen aussperrte. Dennoch war das ständige Gepolter und Rumpeln für sein Kreuz nicht gerade eine Labsal. So lächelte er etwas säuerlich und blickte auf die junge Ritterin, die ihm schräg gegenüber auf der harten Bank saß.
Wie schon auf dem Hinweg hatte sich Rena von Arbasien zu Ferdok, die ehemalige Schildknäppin des Grafen Growin, dem Vinansamter angeschlossen. Ihr prächtiges Roß trottete derweil neben der Stute ihrer Zofe her.
Im Fensterausschnitt der Kutsche erschien nun die Flanke eines Tralloper Riesen; ein Kopf beugte sich herab zu dem Baron – das braungewellte Haar wehte im kühlen Wind. Wolfhardt von der Wiesen, der Edle auf Toroschs Aue, wandte sich an seinen Lehensherrn:
“Herr Merwerd, wir kommen in Bälde auf die Via Ferra – dann wird es wohl etwas bequemer werden. Warum nehmt Ihr nur das Geschaukel in der Kutsche in Kauf, wo man doch vom Pferderücken aus die Landschaft viel besser bewundern kann?“
“Die Landschaft bewundern?“ schnaubte der Baron. “Bei dem Nebel sieht man keine hundert zwergischen Drom weit, von Rohalsschritten ganz zu schweigen...“
“Nun ja, es war auch nur ein Versuch, über etwas anderes zu sprechen. Unser Freund erzählte mir vorhin zum dritten Male, wie er in solch einem Nebel einmal... aber Ihr kennt die Geschichte ja bereits auch zur Genüge.“
Die junge Ritterin schmunzelte. Der Edle, der wacker auf dem Rücken seines Schlachtrosses Stern den Winden trotzte, war einem ganz anderen Schrecken anheimgefallen: Ritter Falk von Siebental, der kauzige Kämpe, hatte sich ebenfalls seinen koscher Landsleuten angeschlossen und war die meiste Zeit an des Edlen Seite geblieben, um ihn mit allerlei “Antekoten“ aus seinem Leben zu erfreuen.
Ansonsten waren im Gefolge nur noch ein paar Dienstleute des Barons, die bereits erwähnte Zofe der Ritterin, die Knappen Brin und Gerbald sowie der zwergische Waffenmeister des Edlen, Dragosch, der auf einem Maultier am Ende des Zuges ritt und mißtrauisch die steilen Berghänge beäugte.
“Wie geschaffen für einen Hinterhalt – wie eine Gormeler Rattenfalle, sag ich!“
Für gewöhnlich hätte sein Mißtrauen Erheiterung hervorgerufen, aber die Ereignisse auf dem Rabenstein schwebten allen noch grausig vor Augen und versetzten sie in eine düstere Stimmung.