Unter Schurken - In seinem eigenen Bier ersoffen

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Hinterkosch, 1021

“Du --- hicks --- Schurke du --- hicks! Kein --- hicks --- echtes Koscher in --- hicks --- in den --- hickserkosch zu bringen!“
“Ja, Ritter Falk, das schreit förmlich nach Rache“, scherzte Wolfhardt, nahm einen tiefen Schluck und bereute sofort seine Worte. Über den Rand des Kruges erkannte er einen silbernen Blitz, als der Siebentaler in eindeutiger Absicht wieder seinen Zinnkelch schwenkte, wobei er das Bier großzügig hinter sich verteilte...
Ritterin Rena von Arbasien gebot Ruhe:
“Bei den Drachen von Alveran – so sehr ich auch Euren durchaus gerechten Unmut verstehe, Ihr Herren, ist dies doch wohl kein Vorgehen, wie sich’s für Ritter und Edelleute geziemt?“
“Wie, was?“ brummte Merwerd Stoia, der gerade recherchierte, ob denn wenigstens das helle Ferd’ echt sei.
“Jaja, ganz recht. Ich würde mich auch recht schön bedanken, wenn ein Hinterkoscher kurz vor Steinbrücken die Fuhrleute anhielte. Was schlagt Ihr also vor?“
“Da dem armen Manne...“, ihr Blick schweifte zu dem Bierkutscher, der das “arme“ zu untermalen suchte, indem er verlegen den Kopf senkte, “...offenbar kein Vorwurf zu machen ist, und das Urteil des Herrn Dragosch in Bierangelegenheiten unanfechtbar scheint...“ (selbiger wußte das mit einem neuerlichen Rülpser zu unterstreichen) “...ist der Mann selbst einem Betrüger aufgesessen, der diese Brühe da für edles Ferdoker ausgegeben hat. Also sagt an, guter Mann, wer hat Euch den Auftrag für diese fragwürdige Fuhre gegeben?“
“Naja, nun, ich mein’...“, offenbar war der Kutscher überrascht, so direkt gefragt zu werden und nicht gewillt, den Namen preiszugeben, auch nicht, als Ritter Falk vortrat (eigentlich war es eher ein Torkeln denn ein Vortreten), und bedrohlich den Deckel seines Zinnkruges auf und zu schnappen ließ.
“Na los, du Schurke, sag’ schon --- hicks --- was, sonst stecken wir dich ---hicks --- in dein eigenes Faß und lassen dich --- hicks --- jämmerlich ersaufen, hehehe...hoppla!“
Und schon kippte er vornüber und landete in der Bierpfütze.
“Nunja, ganz abwegig klingt der Gedanke nicht, was meint Ihr?“ und der Baron wandte sich mit einem Augenzwinkern an den Wiesner, der wohl wußte, daß Merwerd Stoia die Angst in dem sturen Fuhrmann wecken wollte, um ihn zum Reden zu bringen, und stimmte deshalb eifrig zu:
“Ja doch, ein hervorragender Gedanke!“
Und ohne, daß er noch mehr sagen mußte, öffneten Dragosch und ein Page eines der heilgebliebenen Fässer, nachdem sie es in Position gerollt hatten.
“Ach herrje, was sollen denn nun diese Lausereien? Der arme Mann! In seinem eigenen Bier ersoffen?“
Aber die Meinung der Zofe interessierte in dem Moment so recht niemanden, denn schon ward der sichtlich Verdatterte von beiden Seiten gepackt und in Richtung offenes Faß gezerrt.
“Nur hicksnein mit ihm, hehe. Ein Bad kann dem Stinkstiefel bestimmt nicht schaden!“
Ritter Falk hatte sich wieder aufgerappelt und gestikulierte nun wild vor dem kreidebleichen Kutscher umher. Als man ihn bereits bei den Stiefeln packte, fand er endlich seine Stimme wieder, auch wenn sie zittrig und dünn erklang.
“H-Ha-alt, b-b-bitte nicht, ich werde ja alles sagen!“
Ein Lächeln huschte über das Gesicht des Barons, und umkreist von der Reisegesellschaft begann der “Verurteilte“ wie ein Wasserfall sprudelnd zu berichten, bis er mit den Worten endete:
“...ja, und dann habe ich zur tiefsten Nachtstunde mit dem Beladen begonnen, zwölf Fässer für ein Säckchen voller Taler. Ein weiteres sollte ich bekommen, wenn ich den Wagen dort wieder ganz entladen hätte. Ihr müßt das schon verstehen, die kleinen Kinder fressen mir doch die letzten paar Haare vom Kopf! Jedenfalls scheint das Geschäft von diesem Hake Boschor schon einige Zeit so zu laufen, und der Schwindel ist bis heute nicht aufgeflogen. Das war doch meine allererste Fuhre, ehrlich!“
Wie ein Häufchen Elend saß er nun da auf den Steinen, und jeder in der Runde war sich sicher, daß er die Wahrheit gesprochen hatte.
“Nun, dann sollten wir diesem Hake Boschor das Handwerk legen, der gute Mann hier aber soll mit der Hilfe unserer Leute den Weg freimachen, und dann zu Fuß zu seiner Familie zurückkehren!“
Die Ritterin schien ein gar zu großes Herz zu haben, aber die Geschichte war glaubwürdig gewesen, und so beschloß man, die Reise möglichst bald fortzusetzen und machte sich daran, den Weg von den Wagenteilen freizuräumen. Wolfhardt von der Wiesen trällerte eines seiner fröhlicheren Stücke dazu, was der Ritterin ein um’s andere mal ein herzhaftes Lachen entlockte, und schon bald war auch die Straße wieder frei. Dem Baron war gar nicht so wohl zumute, daß er den Mann ungestraft davonkommen lassen sollte, aber der Name des Drahtziehers sollte genügen, um diesem Gaunergeschäft bald ein Ende zu machen.