Schlacht von Angbar 7: Das Ende eines Schurken

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Pra 1028 BF
Das Ende eines Schurken
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Kapitel 14

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Autor: Blauendorn, weitere


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Ausgabe Nummer 38 - Praios 1028 BF


Wie der Jergenquell besiegt wurde

Vieska von Angenfurten, Ritterin im Gefolge des Grafen Jallik von Wengenholm
Der Schurke Jergenquell. © M. Lorber

Erst später habe ich erfahren, was währenddessen in der Stadt geschah, warum der Alagrimm nicht seiner Meisterin zu Hilfe kam. Aber diese erkannte offenbar, dass für sie alles verloren ging. Aus ihrer geballten Faust schickte sie uns eine Feuerlanze entgegen, die zwei wackere Wengenholmer in Borons Hallen sandte, dann drehte sie sich um die eigene Achse und verschwand vor unseren Augen – das feige Zauberweib!

Wir eilten in die Stadt. Die Garnison am Kaisertor war hart umkämpft, doch gewannen die Leute des Wehrmeisters allmählich die Oberhand. Die gegnerischen Söldner wehrten sich erbittert, sie wussten wohl, dass sie als Mordbrenner und Brandschatzer keine Gnade zu erwarten hatten. Als wir uns näherten, stutzten die Angbarer für einen Augenblick, denn in Rauch und Qualm erkannte man Freund oder Feind oft erst in nächster Nähe. Dann aber brachen sie in Jubel aus und wir nicht minder. Der Wehrmeister löste sich von seinen Leuten und reichte dem Grafen die Hand, wortlos, aber mit vielsagendem, dankbarem Blick. Dann aber wandte er sich wieder dem Kampfe zu, und gemeinsam drangen wir auf die verbliebenen Schergen Jergenquells ein. Es gab keine Gefangenen.

Da hörten wir plötzlich den Grafen rufen: „Bei allen Göttern!“ – Wir liefen zu ihm, Schlimmes ahnend, doch fanden wir ihn wohlauf, nur aus einer dünnen Wunde am Arm rann Blut. „Was ist mit Euch, Hochwohlgeboren?“, fragte der Falkenritter Lucrann von Auersbrück. Der Graf aber deutete mit dem Schwert auf eine der Leichen, die vor ihm lagen. „Das... das ist der Jergenquell!“, stammelte er. Alle waren wie erstarrt. Der Jergenquell, der Schurke, der Mordbrenner, der Urheber all dieses Leids – da lag er also? Ich selbst hatte ihn vorher nie gesehen, aber diejenigen, die ihn noch von früher kannten, traten näher und bestätigten die Worte des Grafen.

Das Gesicht des Toten war blut- und rußverschmiert, ein schmutziger Verband verdeckte es teilweise, weshalb der Graf ihn im Getümmel und der Dunkelheit nicht sogleich erkannt hatte. „Er sah mich an als sähe er ein Gespenst und murmelte 'Graf Jallik, Ihr lebt?'. Offenbar hatte er auf der Angenburg die Leiche meiner Mutter Ilma, Boron sei ihr gnädig, für die meinige gehalten. Ich bewies ihm mit meinem Schwert, dass ich lebte. Es war kein langer Kampf, nur ein paar Streiche, und er fiel“, sagte der Herr Jallik nachdenklich. „Wie sonderbar. Auf diesen Augenblick habe ich so viele Jahre gewartet, danach gefiebert, davon geträumt. Hundertmal habe ich mir ausgemalt, wie es wohl sein würde, dem Mörder meines Bruders gegenüberzustehen – aber so habe ich es mir nicht vorgestellt.“ Und wie auf eine nicht gestellte Frage fuhr er fort: „Ich weiß nicht wie, vielleicht in einem großen, heldenhaften Zweikampf, von dem man noch in hundert Jahren sprechen, von dem man in den Liedern singen wird. Aber... nicht so, so – unbedeutend.“ – „Er war ein Schurke, Graf, ein Räuber...“, sagte Ritter Lucrann. – „Und doch ein fürchterlicher Gegner!“, erwiderte der Graf von Wengenholm und blickte auf die vielen Toten ringsumher und auf das brennende Angbar. Wir standen nachdenklich und schweigend eine Weile da. Dann trat eine Frau zu uns, die ich erst auf den zweiten Blick als die Prinzessin Nadyana erkannte, denn wie die anderen war auch sie von den Spuren dieser Nacht gezeichnet. Schweigend umarmte sie ihren gräflichen Bruder, und beide blickten auf den Leichnam des Jergenquell. Dabei fanden sich ihre Hände und drückten einander fest. „Hast du ihn getötet?“, fragte die Prinzessin, und der Graf nickte. „Dann ist es gut“, erwiderte sie. Und nach einer Weile: „Mein Kind ist tot.“ Da schwiegen alle, die umherstanden, bedrückt und senkten die Blicke zu Boden. Keine Freude über den Sieg und den Tod unseres schlimmsten Feindes wollte aufkommen, kein Jubel flog über die Walstatt. Nach einer Weile des Schweigens hob der Graf den Blick und wies uns an: „Schafft diese Leiche fort, verscharrt sie mit den anderen, verbrennt sie... aber macht sein Grab nicht kenntlich. Niemand soll es finden, niemand seinen Namen lesen. Ich verzichte gerne auf den Ruhm im Lied der Sänger, denn wer auch immer meinen Namen preisen will, erinnert dabei auch an ihn. Doch er soll ohne Nachruhm bleiben, wie sein Leben ruhmlos war – und auch sein Tod.“


Aus dem Kosch-Kurier 38